Zum kroatischen Bankensystem

Aus aktuellem Anlass hier ein paar Hinweise auf das kroatische Bankensystem.

Welche Banken z.Zt. von der kroatischen Nationalbank auf dem Gebiet der Republik Kroatien zugelassen sind, kann man hier sehen. Diese Banken unterliegen alle dem kroatischen Bankengesetz, unabhängig davon, ob sich ihre Mehrheitseigner im In- oder Ausland befinden. Grössere Neugründungen gibt es nicht.

Beim grössten Teil dieser Banken befindet die Aktienmehrheit in der Hand von ausländischen Banken. Die landesweit grösste Bank, die Zagrebačka-Banka d.d. gehört z.B. der UniCredit Group, einem italienischen privaten Bankenkonzern. Zweitgrösste Bank ist die Privedna-Banka d.d., welche sich in Händen der ebenfalls italienischen privaten Banca Intesa Sanpaolo befindet. Beide Banken sind landesweit durch ein Filialnetz vertreten.

Zusätzlich gibt es regionale Banken, deren Filialnetz meist auf die Region beschränkt ist. Eine der grössten unter ihnen ist die Erste & Steiermärkische Bank d.d. mit ihrem Hauptsitz in Rijeka. Mehrheitsaktionär dieser Bank ist letztendlich die staatliche deutsche Bayerische Landesbank AG, die sich wiederrum im Besitz der BayernLB Holding AG, und damit je zur Hälfte im Besitz des Freistaates Bayern und des Sparkassenverbandes Bayern, befindet. Eine weitere Regionalbank ist die Splitska-Banka d.d. mit ihrem Hauptsitz in Split. Mehrheitsgesellschafter ist die französische private Bank Societe Generale Group, Paris.

Daraus kann man erkennen, dass sich die grössten kroatischen Banken in ausländischem Besitz befinden. Die Einzige noch landesweit tätige Bank, die sich noch in kroatischem Besitz befindet, ist die Hrvatska Poštanska banka d.d. aus Zagreb, die im Oktober 1991 gegründet worden ist. Mehrheitsaktionär ist hier (noch) die kroatische Postverwaltung.

Daneben gibt es noch eine Anzahl kleinerer Banken, bei denen In- und Ausländer bzw. in- und ausländische Banken die Aktienmehrheit besitzen. Diese alle im Einzelnen aufzuführen, würde hier den Rahmen sprengen.

Bei den meisten Banken ist die Geldanlage in inländischer Währung (Kuna), oder ausländischer Währung möglich. In- und Ausländer haben die Möglichkeit, bei den Banken Konten auf Kuna-Basis oder Devisen-Basis (sog. Devisenkonten) Geldanlagen vorzunehmen.

Bei den Devisenkonten wird meist der Euro, der US-Dollar oder der Schweizer Franken gewählt. Die Geldanlage ist auf normalen Tagesgeldkonten, aber auch auf Festgeldkonten möglich, wobei bei grösseren Geldbeträgen der Zinssatz meist ausgehandelt werden muss. Ganz allgemein kann festgehalten werden, dass das Sparverhalten trotz geringer Einkommen ungewöhnlich hoch ist. Durch den Verkauf von Grundstücken war es den Kunden in der Vergangenheit häufig möglich, grössere Geldanlagen vorzunehmen. Das angelegte Geld unterliegt der Aufsicht der kroatischen Nationalbank, wofür es keine Rolle spielt, ob der Hauptaktionär eine ausländische Bank ist oder nicht. Die kroatische Regierung bzw. der Staat (in Vertretung durch die Nationalbank) sichert die jeweiligen Einlagen bis zu einer Summe von 50.000 Euro ab. Das gilt auch für Geldanlagen durch Ausländer. Es stellt sich aber die Frage, ob die Nationalbank im Ernstfall auch in der Lage ist, die Garantiesumme aufzubringen.

Im Gegensatz zu früher sind die kroatischen Banken bei der Kreditvergabe in den letzten Jahren grosszügiger geworden. Das hat einerseits der Bevölkerung, der Wirtschaft und den Unternehmern geholfen, andererseits aber auch dazu geführt, dass es zu Überschuldungen gekommen ist. In diesem Zusammenhang steht die Frage im Raum, ob es richtig war, den grössten Teil der Kredite im privaten Bereich und nicht im Investitionsbereich zur Verfügung zu stellen. Es war keine Seltenheit, dass der Kauf von Kraftfahrzeugen mit einer Kreditlaufzeit finanziert worden ist, die dazu geführt hat, dass die monatliche Tilgung gering gehalten wurde.  Kreditverträge sind dabei teilweise über 7 Jahre abgeschlossen worden. Der überwiegende Teil der Kredite ist in der Vergangenheit mit einer sog. Devisenklausel versehen worden. Die Bereitschaft Kredite aufzunehmen war in der Vergangenheit ausserordentlich gross. Es gibt nur wenige Haushalte, die nicht über eine oder mehrere Kreditkarten verfügen. Der Kreditvertrag wurde über die Summe X in Euro, US-Dollar oder Schweizer Franken abgeschlossen, die Kreditsumme aber in kroatischen Kunas bereit gestellt. Die Höhe der monatlichen Tilgung ist ebenfalls auf Devisenbasis geregelt, so dass der Kreditnehmer für diese Tilgung, an den jeweiligen Wechselkurs, der von der Nationalbank von Tag zu Tag neu festgelegt wird, gebunden ist. Daraus folgt: wenn der Kuna im Wert steigt, wie es in den letzten Wochen der Fall war, muss der Kreditnehmer eine grössere Kunasumme für die Tilgung zurückzahlen.

Für ausländische Geldanleger bzw. Touristen ist in der jetzigen Zeit folgendes zu beachten:

  • Die Eröffnung eines Kontos auf Kuna-Basis und auf Devisen-Basis ist jederzeit möglich.

  • Online-Banking ist zumindest bei den grösseren Banken möglich.

  • Hat man ein Devisenkonto bekommt man beim Umtausch einen günstigeren Wechselkurs. Der ist im Winter meist günstiger, als in der Urlaubssaison. Vom Devisenkonto kann man das Geld auf sein Kunakonto umbuchen lassen. Ist am Tag der Geldabnahme nicht ausreichend Geld auf dem Kunakonto vorhanden, kann man sich auch direkt Kuna, entsprechend dem Devisenbetrag, auszahlen lassen.

  • Für den Fall, dass man grössere Summen anlegen will ist zu empfehlen, die Geldanlage bei verschiedenen Banken vorzunehmen und diese zu „stückeln“. Auf diese Art und Weise kann man verhindern, einen grösseren Geldverlust zu erleiden.

Wie sich die allgemeine Bankensituation und die wirtschaftliche Situation in Kroatien in der Zukunft entwickelt,  ist sehr schwer vorherzusehen. Das ist im Moment nicht anders, als in den anderen Ländern der Welt auch.

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