Die Schlachtsaison hat begonnen

Weil die privaten Tierhalter über sehr wenig Kühlmöglichkeiten verfügen, ist es in Kroatien eine alte Tradition, zur aktuellen Jahreszeit die Schweine und Rinder zu schlachten. Es gibt lediglich Fabrikschlachthäuser und nur wenige öffentliche für private Nutzer, weshalb überall im Land Hausschlachtungen stattfinden.

Wie die Medien berichten, hat wegen der gefallenen Temperaturen an diesem Wochenende die diesjährige Schlachtsaison begonnen – in den Dörfern werden die ersten Schlachtungen durchgeführt. Die Familien kommen zusammen und meist gibt es jemanden, der Bescheid weiss, wie man vorzugehen hat. Nach den gesetzlichen Vorschriften der letzten Jahre müssen die Tiere vor der Schlachtung betäubt sein und vor der weiteren Verarbeitung des Fleisches muss beim zuständigen Veterinär eine Trichinenbeschau stattfinden.

Die Verarbeitung erfolgt in Kroatien meist anders, als es beispielsweise bei Hausschlachtungen in Deutschland üblich ist: bis auf wenige Ausnahmen, wie z.B. in Slawonien, wird aus dem Fleisch verhältnismässig wenig Wurst gemacht. Die Hauptarbeit besteht darin, die Fettschichten vom Fleisch abzutrennen um es dann zum Kochen zu bringen, damit für den kommenden Winter genug Fett im Haushalt vorhanden ist. Das Fleisch wird dann in Stücke geschnitten und anschliessend eingepökelt. Die Pökellauge besteht aus Salz und ganz bestimmten Gewürzen, jeder hat dazu sein eigenes Rezept.

In der Lauge muss das Fleisch ca. 2-3 Wochen verbleiben. In dieser Zeit besteht die Gefahr, dass die Aussentemperaturen plötzlich wieder steigen. Für manche Menschen ist das die spannenste Zeit des Jahres. Dadurch, dass es in der heutigen Zeit Tiefkühlschränke gibt, kann man sich jetzt aber etwas besser helfen. Mit Wasser gefüllte Plastikflaschen werden vorbereitet, um diese bei zu warmem Wetter zur Temperaturregulierung mit in die Lauge zu legen.

Nach der Zeit des Pökelns beginnt die des Räucherns – auch ein Vorgang, den man gelernt haben muss, damit das Fleisch nicht verdirbt. Aber auf dem Lande gibt es aber nur wenige Menschen, die nicht wissen, wie man so etwas macht. Mit Holz von verschiedenen Bäumen, am besten Kirsche, wird ein Feuer entfacht, welches stark qualmen aber keine grosse Hitze erzeugen soll. Fährt man vor Weihnachten durch die Dörfer, kann man leicht sehen und riechen, in welchen Häusern geschlachtet wurde und wo geräuchert wird, denn am Weihnachtstag soll der erste selbst erzeugte Schinken verzehrt werden können.

Es handelt sich hier um eine ganz alte Tradition, die von den Menschen in Kroatien nicht nur aus finanziellen Gründen praktiziert wird.



2 Kommentare zu “Die Schlachtsaison hat begonnen”

  1. Ribar

    Seit neuestem muss der Veterinär zwei tage VOR der Schlachtung eines Schweins die Temperatur messen (natürlich kostenpflichtig) – Warum ? – Es wird gemunkelt, dass die Cro-Veterinäre etwas mehr frisches Geld brauchen….

    Ich habe in der zweiten Nov.-Woche an einer Schlachtung teilgenommen, der Veterinär war NICHT gekommen um die Temperatur des Tieres zu messen – aber kassiert hat er dafür, er muss ja eine Bestätigung ausstellen………..

  2. Soline

    Es freut mich, dass du auch zu den Lesern dieses Blogs gehörst.
    Die Sache mit dem Fiebermessen hat mich natürlich interessiert, weil ich noch nie etwas davon gehört habe. Das scheint nicht überall in Kroatien der Fall zu sein. Eben habe ich mit meinem Schwager in der Nähe von Ogulin telefoniert. Er hat heute geschlachtet. Dort ist nicht bekannt, dass zwei Tage vorher die Temperatur gemessen werden muss.
    Zur Trichinenbeschau war die Veterinärstation allerdings auch heute, an einem Sonntag besetzt.

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