Eine absurde Situation in Kroatien

Kroatien ist ein landwirtschaftlich geprägtes Land. In Istrien, auf den Inseln, an dem  Küstenstreifen von Rijeka bis hinunter hinter Dubrovnik, in der Lika, sowie in ganz Slawonien sind landwirtschaftliche Flächen vorhanden, auf denen man ausgezeichnet Obst, Gemüse, Getreide und Futtermittel anbauen könnte, wenn man nur wollte.

Von vielen Experten ist in der Vergangenheit behauptet worden, dass man sich in Kroatien selbst ernähren könne und nicht auf Importe angewiesen sei. Heute hat dieser Fernsehsender noch einmal aktuell darauf hingewiesen, dass ein großer Teil der Lebensmittel, die in Kroatien verbraucht werden, aus dem Ausland importiert wird. Dort kann man z.B. lesen, dass selbst der Knoblauch überwiegend aus China eingeführt wird. Ein Importeur berichtet, dass Obst und Gemüse aus dem Ausland eine bessere Qualität hätte und trotz der Transportkosten und sonstigen Abgaben um bis zu 30 % preisgünstiger sei, als die im Inland hergestellten landwirtschaftlichen Erzeugnisse.

Als Grund nannte er die Gesetzgebung in Kroatien, die zu solchen Verhältnissen geführt habe. Dieses Problem besteht nicht erst ab heute und wenn man es erkannt hat, stellt sich die Frage, warum die Gesetze nicht längst entsprechend geändert worden sind.

Gerade bei der jetzigen Regierung bestände die Möglichkeit dazu, eine entsprechende gesetzliche Änderung herbeizuführen, denn die kroatische Bauernpartei HSS, gehört zu der amtierenden Koalitionsregierung.

6 Kommentare zu “Eine absurde Situation in Kroatien”

  1. Nikola Jelovac

    Das ist ein Rätsel. Warum wird schlechtes Obst und Gemüse importiert, wenn kroatisches Obst viel besser schmeckt und höchstwahrscheinlich viel gesünder ist? Die Wahrheit ist, dass Importeure gleich in die Staatskasse einzahlen, wo der Staat Bauer finanzieren und unterstützen müsste.
    Schade.
    Es geht aber um das Umwelt- Gesundheitsbewusstsein. Wenn Leute kroatische gesündere Nährmittel anfragen würden, könnte sich die Lage verbessern.
    Gruß und Glückwünsche für den Blog!
    Gratuliere!
    Nikola

  2. Soline

    Danke für die Glückwünsche, Nikola.

    Mal etwas grundsätzliches von mir. Kroatien ist ein wunderbares Land. Es ist nicht nur das Land meines Grossvaters, sondern auch meine neue “Domovina”.

    Mir geht es nicht darum nur Kritik zu äussern. Nein, es geht darum die deutschsprachige Öffentlichkeit darüber zu informieren, was sich in diesem Land tatsächlich abspielt.

    Dazu gehört nach meiner Meinung auch die Absurdität, dass wir z.B. Knoblauch aus China importieren.

  3. Vera

    Jetzt treffen hier zwei Behauptungen aufeinander:

    Ein Importeur spricht von besserer Qualität von importierter Ware und Nikola behauptet, die einheimischen Nahrungsmittel seinen gesünder… Wenn ich im Urlaub die Frauen auf dem Markt stehen sehe, kann ich glauben oder auch nicht, dass an den einheimischen Produkten “nur Natur” dran ist. Ich kenne aber auch Leute, die im Schuppen ihres Onkels mit dem eigenen Gemüsegarten schon oft Mittelchen gesehen haben, mit denen das Obst und gemüse ganz unbedarft behandelt wird, damit es auch schön groß wird. In der EU z.B. gibt es schon gewisse Vorschriften und von daher bin ich mir gar nicht so sicher, ob das leckere Obst vom kroatischen Markt auch wirklich so gesund ist. Außerdem sind das dort auch lange nicht alles einheimische Produkte, nur wie kann ich das unterscheiden?

  4. Soline

    Mir ist ein Obstbauer, der tatsächlich eine richtige Plantage betreibt sehr gut bekannt. Der bringt Kirschen und Äpfel auf den Markt, die er als ökologisch angebaut verkauft.
    Auf meine Frage, wird dein Obst wirklich nicht gespritzt antwortete er wörtlich: Wo kommst du hin. Wenn ich es nicht spritzen würde, müsste ich alles wegschmeissen bzw. ich könnte es nicht verkaufen, weil sie dann Würmer enthalten.

    Im Grunde bedeutet das für die kroatische Landwirtschaft folgendes: Die Landwirte sind nicht richtig und fachlich genug ausgebildet, um die Sachen fachgerecht anzubauen, zu ernten, zu verarbeiten und richtig auf den Markt zu bringen. In der Zeit, in der ich in Kroatien lebe, habe ich noch keinen Landwirt kennengelernt, der eine Landwirtschaftsschule besucht hätte.

    @Nikola
    Die Kartoffeln, die mir mein Schwager, auch ein nicht ausgebildeter Landwirt, der noch so arbeitet wie sein Vater und sein Grossvater, z.B. jedes Jahr schenken will, nehme ich nicht mehr an, nachdem ich selber gesehen habe, womit er die Pflanzen, gegen Kartoffelkäfer behandelt.

  5. Nikola Jelovac

    Soline: “Nein, es geht darum die deutschsprachige Öffentlichkeit darüber zu informieren, was sich in diesem Land tatsächlich abspielt.”
    Das machst Du gut. Bin nicht immer ganz einverstanden mit deinen Meinungen, aber man muss es gestehen: du treibst es mit viel Aufwand.
    Auch in Südtirol werden sogenannte biologische Äpfel nicht so “biologisch” angebaut. “Biologisch” bedeutet einfach nur etwas weniger spritzen…

  6. ELMA

    Hallo Soline!

    Mit großem Interesse verfolge ich Deine Blogeinträge. Ich bin froh, dass ich damit Zugang zu Informationen bekomme, die sonst nur auf Kroatisch zu bekommen sind. ( s. Dein Link oben zum Fernsehsender)

    Was den Umgang mit Pestiziden und Insektiziden betrifft, so habe ich auf der Insel Korcula auch schon versucht, zu verschiedenen Jahreszeiten genauer hinzuschauen.
    Fakt ist, dass die Weinberge mindestens so oft, wenn nicht noch mehr gespritzt werden wie in Deutschland. Manchmal bleibt einem fast die Luft weg. Diese kleinen Weinbauern haben sicher keine Ausbildung beim Umgang mit diesen Chemikalien.

    Bei den Olivenbäumen kenne ich zwei Erzeuger: der eine gibt zu, dass er gegen die kleine Fruchtfliege spritzt, deren Made bewirkt, dass bis zu 90 Prozent der Früchte abfallen. So wie es auf den großen Olivenbaumplantagen in Italien anscheinend auch üblich ist.

    Ein anderer, der viele Olivenbäume auf steilen Terrassen besitzt, beteuert, dass seine Bäume nicht gespritzt werden. Ich war schon oft bei ihm – habe auch noch nie irgendeinen Hinweis auf Spritzgeräte oder Spritzmittel gesehen oder gerochen.
    Aber für eine Diskussion über “biologische” Anbaumethoden und die entsprechende Vermarktung solcher Produkte ist die Zeit in weiten Teilen Kroatiens vermutlich noch nicht reif.

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