Zum Tag des antifaschistischen Kampfes

Heute feiert man in ganz Kroatien den Tag des antifaschistischen Kampfes. Es handelt sich dabei um einen staatlichen Feiertag, der durchaus auch heute noch seine Berechtigung hat. Man muss aber daran erinnern, dass für die Ereignisse in Kroatien in der Zeit von 1941 bis 1945 nicht nur die Faschisten aus Deutschland und Kroatien selbst unmittelbar verantwortlich waren.

Am 6.4.1941 hatten Truppen der faschistischen Länder Deutschland und Italien sowie anderer Länder das damalige Königreich Jugoslawien überfallen. Dabei wird sehr häufig übersehen, dass es sich bei der Mehrzahl der Invasoren um Italiener handelte. Nach ganz Jugoslawien sind etwa 85.000 deutsche Soldaten einmarschiert, die Zahl der italienischen Soldaten im schon teilweise von ihnen besetzten Slowenien und in Kroatien betrug exakt 333.729.

Mit Hilfe von Hitler und Mussolini ist am Abend des 10.4.1941 im Auftrag des in Italien im Exil lebenden Dr. Ante Pavelić von Slavko Kvaternik der unabhängige Ustaša-Staat Kroatien ausgerufen worden. Pavelić ist erst am 17.4.1941 von den Italienern über Triest und Rijeka nach Karlovac gebracht worden, wo er von Vertretern des deutschen Reiches übernommen und nach Zagreb gebracht worden ist.

Schon zu Beginn des Überfalls haben italienische Truppen weite Küstengebiete und die vorgelagerten Inseln besetzt, was ihnen schnell gelungen ist, weil sie nicht auf nennenswerten jugoslawischen Wiederstand gestoßen sind.

Nachdem vorher schon die Inseln Cres, Krk und Mali Lošinj von den Italienern besetzt worden waren, wurde am 17.4.1941 auch die Insel Rab mit einer kleinen Anzahl von Offizieren und Soldaten militärisch eingenommen.

Am 10.5.1941 wurde zwischen dem Königreich Italien und dem neuem Staat Kroatien der sog. römische Vertrag abgeschlossen. Dabei bekam Italien einen grossen Teil des kroatischen Staatsgebietes zugesprochen - viel mehr als nur der Küstenstreifen und die Inseln. Dieses Gebiet stand ab diesem Zeitpunkt nicht nur unter italienischer militärischer, sondern auch unter ziviler Verwaltung, es war praktisch eine italienische Provinz.*

Widerstände, die unter den kroatischen Partisanen (unter der Führung der kommunistischen Partei von Kroatien) enstanden, wurden mit brutaler Gewalt gebrochen. Auf der Insel Krk kam es dabei vor dem 10.5.1941 sogar zu einer Situation, in der Partisanen und Ustašas gemeinsam gegen die Italiener kämpften.

Ganz am Anfang sind die Widerständler in das schon länger unter italienischer Verwaltung stehende Gefängnis (die sog. Via Roma) nach Rijeka gebracht worden. Das reichte aber schnell nicht mehr aus, so dass von der neuen Verwaltung Konzentrationslager gebaut worden sind.

Diese entstanden in Italien (116) sowie in Lovran, Bakar, Kraljevica und auf der Insel Rab. Im Ort Kampor auf der Insel Rab war ohne Zweifel das größte Konzentrationslager unter italienischer Verwaltung in dieser Zeit in Südosteuropa.

Zur damaligen Zeit lebten auf der Insel Rab 6.998 Einwohner, von denen sich 20 als Italiener bezeichneten. Als Amtssprache wurde sofort italienisch eingeführt. Die Strassennamen bekamen italienische Bezeichnungen, die kroatische Sprache wurde verboten und die Kinder durften in der Schule nur noch die italienische Spreche erlernen.

Am 2. Juli 1941 traf eine größere Gruppe von italienischen Soldaten bei der Schule des Ortes Kampor ein. Sie stellten dort Zelte auf und damit war der Anfang des Konzentrationslagers in diesem Ort gelegt. Mit dem Ausbau sind der Landvermesser Giovani Turn und drei italienische Unternehmen beauftragt worden, die dazu etwa 300 Einheimische mobilisiert haben, welche auch die Strasse von der Stadt Rab nach Kampor verbreitern mussten. Die Aufbauarbeiten gingen aber nur zögerlich voran, wahrscheinlich auch deshalb, weil dadurch Wein- und Maisfelder vernichtet worden sind. Am 26.6.1942 wurde das Lager praktisch eröffnet. Oberster Befehlshaber wurde General Maria Roatte, der in Sušak seinen Dienstsitz hatte.

Obwohl es noch nicht fertig war, ist am 27.7.1942 die erste größere Gruppe von Gefangenen dort eingetroffen, 170 Personen aus Slowenien und Kroatien. Am 4.8.1942 kam auch eine weitere Gruppe von 486 Frauen und Kindern aus dem Gebiet des Gorski Kotar an.

Das Lager war in vier verschiedene Abteilungen aufgeteilt. Jeweils eins für Männer und Frauen allgemein, ein weiteres nur für die Juden und eines, in dem die arbeitsfähigen Insassen untergebracht worden sind. Feste Gebäude hat es zunächst nicht gegeben, sondern nur Zelte. Die Verpflegung war äußerst dürftig: jeder erhielt am Tag nur ein wenig Wasser, ein wenig schwarzen Reis, 100 Gramm Brot sowie 50 Gramm Kartoffeln. Aufgrund der unzureichenden Verhältnisse war die Krankheits- und Todesrate außergewöhnlich hoch, obwohl es kein reines Vernichtungslager wie andere KZ war.

Aufgrund einer Intervention des internationalen Roten Kreuzes ist am 29. Mai 1943 damit begonnen worden, für die Frauen und Kinder in dem Lager Baracken zu bauen.

Nach der italienischen Kapitulation haben sich am 8.9.1943 noch 4.500 Personen im Lager aufgehalten, am 11.9.1941 ist es dann befreit worden. Die italienischen Truppen hatten ihre Waffen niedergelegt und konnten sich in geordneter Form über Rijeka in ihr Heimatland zurückziehen.

Über die Zahl der Insassen und die Zahl der Opfer gibt es, wie in Südosteuropa nicht unüblich, auch hier unterschiedliche Angaben, überwiegend wird von etwa 15.000 Insassen berichtet. Wichtig ist die Zahl der Juden, es sollen 3.336 gewesen sein, die sich dort befunden haben. Einige von ihnen haben ihrer Gefangenschaft insofern ihr Leben zu verdanken, als daß sie deswegen nicht von den Deutschen oder ihren kroatischen ausführenden Gehilfen ermordet wurden.

Nicht bekannt ist mir, ob auch nur eine einzige Person, die für diese Gräuel verantwortlich oder mitverantwortlich war, jemals dafür vor Gericht gestellt worden ist.

*) Es gibt unterschiedliche Meinungen darüber, ob Pavelić diesem Vertrag unter Zwang, oder freiwillig zugestimmt hat. Diese Frage wird man letztendlich nur aus politischem Blickwinkel beantworten können.

2 Kommentare zu “Zum Tag des antifaschistischen Kampfes”

  1. Soline

    Dieser Artikel ist meinem Freund I. und seiner Mutter gewidmet, der am 16.9.1942 in diesem Lager geboren worden ist. Sie ist hochschwanger, aus dem Gebiet des Gorski Kotar, in das KZ Kampor gebracht worden.

  2. i. zbašnik

    Der Artikel ist vor allem sehr objektiv und in Einklang mit der historischen Wahrheit. Leider wurde fuer die Gräueltaten und Hunger-Krankheitsmassentoetung niemand bestraft. Anstatt dessen sind die kroatischen Mithelfer der faschistischen Okupatoren in dem Lande rehabilitiert und belobt geworden!

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