Das Eisenbahnunglück von gestern

Nach letzten Meldungen, hat sich an der Zahl der Opfer nichts geändert. Die Namen der Toten und Verletzten sind bekannt gegeben worden. So wie es aussieht, gibt es keine Opfer aus dem deutschsprachigem Raum. Die überwiegende Zahl von ihnen kommt aus Kroatien. Es sind aber auch Touristen aus Spanien und Frankreich dabei.

Hier noch ein paar Hintergrundinformationen:

Ohne öffentliche Ausschreibung, wie es eigentlich notwendig gewesen wäre, hat die kroatische Eisenbahn acht dieser Züge bei dem kanadisch/deutschem Unternehmen “Bombardier Transportation” im Jahr 2003 bestellt. Der Kaufpreis hat 33 Mio Euro betragen. Es handelt sich nicht um einen richtigen Zug, sondern praktisch nur um zwei Triebwagen. Sie sind Anfang 2004 geliefert worden. Der erste Zug ist am 26.Juli 2004 von Zagreb nach Split gefahren und benötigt lt. Fahrplan 5 Stunden und 40 Minuten. In der Regel hatte er aber immer eine Verspätung, so dass der Unterschied zu einem normalem Eilzug nur 2 Stunden betragen hat. Gestern waren nur vier dieser Züge, in einem fahrbereitem Zustand.

Bei der Strecke Zagreb-Split, dort wo gestern der Unfall passierte, handelt es sich um die sog. “Lika-Bahn.” Sie benutzt von Zagreb bis Ostarije die Strecke Zagreb-Rijeka und biegt dann links ab. Vor ihrem Bau hat es zwischen Österreich und Ungarn einen Streit über die Trassenführung gegeben. Erst nach dem 2. Weltkrieg ist sie im Jahr 1925 im damaligem Königreich der Serben, Kroaten und Slowenen, dem Verkehr übergeben worden. Sie ist eingleisig. An der Trassenführung hat sich bis heute nichts wesentliches geändert. Sie führte im letztem Krieg durch umkämpftes Gebiet, so dass der Verkehr eingestellt worden ist. Nach dem Krieg ist sie, auch mit Hilfe von ausländischen Unternehmen erneuert worden. Vor allem der Unterbau wurde verbessert und ganz neue und moderne Schienen sind verlegt worden. Am Verlauf der Trasse hat man nichts ändern können. Sie ist sehr kurvenreich, hat viele Tunnel und die Züge haben viele steile Auf- und Abstiege zu bewältigen. Aus diesem Grund können die “normalen” Züge nur langsamer fahren und benötigen für die Strecke Zagreb-Split etwa acht Stunden.

Einige Eisenbahnexperten, unter ihnen der international anerkannte Dr. Vatroslav Grubišić, haben von Anfang an vor dem Einsatz der Neigezüge auf dieser Strecke gewarnt und auf ihre Gefährlichkeit hingewiesen. Leider musste man gestern sehen, dass sie Recht behalten haben.

Meinung: Wenn man sich im laufe des gestrigen Tages die Berichterstattung und die Videos angesehen hat, konnte man, auch wenn man kein Fachmann ist, sehen, dass die Rettungskräfte, sagen wir es mal ganz vorsichtig, für solch einen Einsatz nicht gut genug vorbereitet waren. Die alten russischen Militärhubschrauber, die gar nicht landen konnten und die nur Dreck und Steine aufgewirbelt haben, hätte man dort an dieser Stelle gar nicht zum Einsatz bringen dürfen. Sie haben mehr geschadet als genutzt.

Außerdem ist mir die große Zahl von Kameramännern und Fotoreportern aufgefallen. Die waren schon an der Unfallstelle, als noch nicht einmal alle Leute geborgen und gerettet waren und konnten aus diesem Grund deren Bergung aufnehmen. Das sie bei diesen Aufnahmen außerordentlich rücksichtslos gegenüber den Opfern waren, sei nur am Rande erwähnt.

Höhepunkt der ganzen Sache war die Tatsache, dass der Werkstattwagen in die Unfallstelle gerast ist. Man darf nicht daran denken, was da noch hätte passieren können.

Was zeigt dieses Unglück, welches leicht mehr Opfer hätte kosten können? Die Rettungskräfte müssen besser ausgebildet werden. Sie müssen lernen geordneter vorzugehen. Dazu müssten mehr Übungen durchgeführt werden. Ferner müssen mehr Polizeikräfte eingesetzt werden, die solch eine Unfallstelle weiträumiger absperren, damit es nicht zu Szenen kommt, die man gestern sehen konnte.

Ausserdem sollte der Verkehr mit diesen Neigezügen sofort eingestellt werden. Nach m.M. ist es den Eisenbahnfahrgästen egal, ob sie sechs oder acht Stunden für die Strecke Zagreb-Split benötigen.

4 Kommentare zu “Das Eisenbahnunglück von gestern”

  1. Sylvie

    Wie sieht es momentan aus für Reisende aus, die eine Bahnreise in diese gebucht haben? Ist schon ein Busersatz organisiert oder ist von einer Reise ganz abzuraten?

  2. Soline

    Zwischen Zagreb und Knin fahren Züge. Ob normale oder auch Neigezüge ist mir nicht bekannt. In einen dieser Neigezüge würde ich mich jedenfalls nicht reinsetzen wollen. Zwischen Knin und Split fahren Omnibusse.

  3. Soline

    Wie inzwischen gemeldet wurde fahren die Züge zwischen Zagreb und Perković. Die restlichen drei einsatzbereiten Neigezüge sollen zum Einsatz gebracht werden, heisst es.

  4. Soline

    Nachdem der Gleiskörper erneuert und die Strecke von den Chemikalien gereinigt worden ist, die das Unglück verursacht haben sollen, sollen in Kürze Probefahrten durchgeführt werden.

    Am Rande wurde heute übrigens bekannt, dass einer im Krankenhaus liegenden Frau, mehr als 3.000 Kuna aus einer Reistasche gestohlen worden sind.

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