Der letzte kroatische König

Hier ein etwas länger Beitrag für diejenigen, die sich für die Geschichte von Kroatien interessieren:

Im September des Jahres 1075 schickte Papst Gregor VII. seine beiden Legaten Gebizon und Fulkon nach Kroatien. Diese erklärten Zvonimir I. die päpstlichen Krönungsbedingungen.

Fürst Zvonimir I. hat den Beiden zugesichert, daß er dem Papst treu und ergeben sei und seine Anordnungen befolgen werde. Daraufhin hat ihn der päpstliche Legat Gebizon, am 9.10.1075 in einer feierlichen Zeremonie in Solin, in der Nähe von Split, zum König Zvonimir I. von Kroatien, Slawonien und Dalmatien gekrönt. Mit der königlichen Krone erhielt er auch gleichzeitig andere königliche Insignien. Durch Annahme der Petersfahne, dem Papstwappen, gab er nochmals klar zu erkennen, daß er mit der lehensrechtlichen Bindung des Königreichs an die Kurie, einverstanden war.

Der neue König versprach dem heiligen Stuhl, daß er bei der Glaubenserneuerung und bei der Kirchenverteidigung helfen würde. Außerdem versprach er jährliche Geldgeschenke und die Abgabe des zehnten Teils seines Einkommens an die Kurie. Weiterhin versprach er den Verkauf von Menschen als Sklaven zu beenden und einen Schutz von Witwen, Waisen und Armen. Außerdem überließ er dem Papst das Kloster des hl. Grgur in der Ortschaft Vrana, welches als Hospiz für die päpstlichen Legaten benutzt werden sollte.

Nach seiner Krönung versuchte König Zvonimir I. nochmals die an Venedig verlorengegangen Gebiete, an der Küste, wieder für sein Königreich zurückzuerobern. Zu diesem Zweck verlegte er extra seine Königsresidenz von Knin im dalamtinischen Hinterland, nach Biograd na moru, in der Nähe von Zadar. Trotz aller Anstrengungen ist es ihm aber nicht gelungen, diese Gebiete wieder ganz in sein Königreich einzugliedern.

Das arpadisch-ungarische Königshaus hatte schon längere Zeit Gelüste, sich bis ans Mittelmeer auszudehnen. Dem stand das Königreich der Kroaten, Slawonen und Dalmatiner im Wege. Deshalb gab es für sie nur zwei Möglichkeiten: entweder man führte einen Krieg, dessen Ausgang ungewiß war, oder man versuchte, verwandtschaftliche Verbindungen mit diesem Land herzustellen. Krieg oder Heirat, diese beiden Möglichkeiten sind auch in anderen Ländern des damaligen Europas praktiziert worden, um fremde Gebiete beherrschen zu können.

Geschickt verstand es der Arpadenkönig Ladislaus I., der Heilige, seine Schwester Helene mit dem König Zvonimir I. von Kroatien, Slawonien und Dalmatien zu verheiraten. Helene war Tochter des ungarischen Königs Bela I. und seiner Ehefrau Richza von Polen, einer Tochter des Herzogs Mieszko II. von Polen. Damit war der erste Schritt getan, und die Könige Ladislaus I. und Zvonimir I. waren verschwägert.

Die weitreichende Bedeutung und die Gefahren dieser Hochzeit hat der junge König Zvonimir I. mit Sicherheit nicht erkannt. Und weil er im guten Glauben gehandelt hatte, konnte er diese auch nicht erkennen. Die Wahrheit kam erst später ans Licht. Es stellte sich nämlich heraus, daß diese Ehe bewußt vom ungarischen Königshaus aus imperialistischen und machtpolitischen Gründen organisiert worden ist.

König Ladislaus I. hat seine Schwester Helene dazu benutzt, den kroatischen König an sich zu binden. Vertrauensselig, wie er nun einmal war, ist König Zvonimir I. davon ausgegangen, daß ihm dadurch von Norden, also von Ungarn, keine Gefahr mehr drohte. Er knüpfte von sich aus gute Beziehungen zu seinem Schwager und hat geglaubt, daß er dadurch sein eigenes Königreich stabilisieren könne.

Dieser Irrglaube hat sich aber schon im Laufe seiner Ehe herausgestellt. Es ist auffallend, daß sein einziger Sohn Radoslav als Kind unter nicht geklärten Umständen schon vor ihm gestorben ist. Zusätzlich ist auffallend, daß über Einzelheiten seiner Eheschließung mit Helene keine Fakten zu finden sind. Deshalb muß man Fragen, welche Kreise damals und später ein Interesse daran hatten, so wenig wie möglich darüber bekannt werden zu lassen.

Ein Chronist der damaligen Zeit, dessen Name nicht bekannt ist, berichtete etwa 60 Jahre nach dem Tod von König Zvonimir begeistert „daß zur Zeit, des guten Königs Zvonimir große Freude im ganzen Lande herrschte. Es war Überfluß an Gütern aller Art vorhanden und die Städte besaßen einen großen Reichtum an Silber und Gold. Die Armen fürchteten nicht, von den Reichen ausgebeutet zu werden, die Schwachen nicht die Starken, der Diener nicht, daß ihm sein Herr ein Unrecht antun werde. Der König Zvonimir hielt seine schützende Hand über alle, und so wie er nichts unrechtmäßiges besaß, so gestattete er auch anderen nicht, dergleichen zu tun. Das Land war voll mit Gütern aller Gattung, und der Schmuck, den die Weiber und die jungen Leute auch auf den Pferden trugen, hatte einen größeren Wert, als in anderen Ländern ein ganzer Besitz. Und das Land Zvonimirs I. war voll Üppigkeit und Überfluß, es fürchtete Niemand, noch konnte ihm Jemand schaden, ausgenommen der Zorn des allmächtigen Gottes“.

Über die Ehe mit der Helene, schreibt der Chronist hingegen kein einziges Wort.

König Zvonimir I. war sehr fromm und hat die katholische Kirche unterstützt. Deshalb hat er sie und ihre Klöster, reich beschenkt. Eine seiner bekanntesten Schenkungen ist das Kloster Sv. Lucija in Baška auf der Insel Krk.

Ob diese Schenkung rechtmässig war oder nicht ist zumindest umstritten, denn zur damaligen Zeit gehörte die Insel Krk bereits zur Republik Venedig.

Aus der Regierungszeit von König Zvonimir I. sind nur wenige Dokumente überliefert. Als wichtigstes und ältestes Dokument aus dieser Zeit wird, wie schon erwähnt, von der kroatischen Geschichtswissenschaft die im Jahre 1851 in der Nähe von Baška gefundene Steinplatte angesehen. Aus dieser Platte, die von Forschern untersucht worden ist, kann man entnehmen, daß es im 11. Jahrhundert, ein kroatisches Königreich gegeben hat. In altkroatischer, cakavischer Sprache und in glagolischer Schrift, ist folgendes in den Stein eingemeißelt worden:

“Ich, im Namen des Vaters, des Sohnes und Heiligen Geistes. Ich, Klostervorsteher Drziha schrieb dies über Brachland, das gab Zvonimir, König Kroatiens, in seinen Tagen, der Heiligen Lucija. Es zeugen mir Dešimir, Gespan von Modruš, Martin aus Lika, Pribineg Vertreter in Vinodol und Jakov von der Insel. Wer das leugnet, soll verdammt sein von Gott, den 12 Aposteln, den 4 Evangelisten und der heiligen Lucija. Amen. Der wer hier lebt, soll für sie bei Gott beten. Ich, wohltätiger Klostervorsteher, erbaue diese Kirche in den Tagen, in denen Fürst Kozmat im ganzen Grenzgebiet regiert hat. Es war in diesen Tagen eine Einheit mit dem Kloster des heiligen Mikula in Otocac und mit der Kirche der heiligen Lucija”.

Darüber, wie König Zvonimir I. am Ende starb, gibt es unterschiedliche Berichte. Der kroatische Historiker Srecko M. Džaja, kommt in einem Artikel in dem „Biographischen Lexikon zur Geschichte Südosteuropas“, herausgegeben in München, zu dem Ergebnis, daß er im Jahre 1089?, nachdem er fünfzehn Jahre regiert hatte, ermordet worden ist.

Wer ihn ermordet hat oder wer den Auftrag dazu erteilt hat, ist niemals bekannt geworden. Wenn man sich die damalige Geschichte genau betrachtet, können aber nur zwei Tätergruppen dafür in Frage kommen. Zum Einen die Ungarn, die Expansionsgelüste zum Mittelmeer hatten oder einheimische Fürsten, die neidig und machtgierig waren.

Auffallend ist, daß dieses Ereigniss bei den Päpsten offensichtlich keine Reaktionen hervorgerufen hat. Der papstgetreue kroatische König Zvonimir I., der das päpstliche Lehen verwaltet hat ist ermordet worden und der heilige Stuhl hat nicht darauf reagiert und sich dafür interessiert.

Es ist erstaunlich, daß in Kroatien selbst, einige Historiker lapidar der Ansicht sind, man könne darüber nichts sagen, weil erstmals 200 Jahre später,  überhaupt von seinem Tod berichtet wurde. Es ist unverständlich, daß dieses in der tausendjährigen Geschichte Kroatiens so wichtige Ereignis auch in Kroatien selbst, nicht ausreichend untersucht worden ist, bzw. untersucht werden konnte. Es liegt auf der Hand, daß es dafür besondere Gründe geben muß. Durch diesen Mord, von wem auch immer begangen, ist das weitere Schicksal des kroatischen Königshauses und des kroatischen Volkes über mehrere tausend Jahre ganz wesentlich geprägt worden. Diejenigen, die diese Tatsache verschweigen oder behaupten, daß man darüber nichts genaues sagen kann, müssen sich fragen lassen, aus welchen Gründen eine solche Aussage gemacht worden ist.

Die Ermordung dieses papstfürchtigen, frommen und offensichtlich vom Volk geliebten Königs, ist für ganz Südosteuropa, von außergewöhnlicher Bedeutung gewesen. Kurz bevor er ermordet wurde, umfaßte das kroatische Königreich ein Gebiet von der Morava bis zum Mittelmeer, einen Teil des heutigen Serbiens, das ganze Gebiet von Bosnien und der Herzegovina, wie auch die Gebiete von Kern-Kroatien, Slawonien, Dalmatien und Istrien.

Aufgrund der Thronfolgebestimmungen ist Stjepan II. nach dem Tode von König Zvonimir im Jahre 1089 von einer Mehrheit der kroatischen Fürsten zum Thronfolger gewählt worden. Nach dem Tod von Stjepan II. im Jahre 1091 hatte Peter I. einen Thronfolgeanspruch. Warum und weshalb beide nicht gekrönt worden sind, kann man erfahren, wenn man untersucht, welche Machenschaften, in der Folgezeit, angewandt worden sind.

Den weitere Verlauf der Geschichte kann man später in diesem Blog erfahren.

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