Die deutsche Botschaft in Zagreb

Zu Zeiten Jugoslawiens hatte die Bundesrepublik Deutschland in Zagreb ein Konsulat. Als einer der ersten Staaten wandelte Deutschland dieses Konsulat in eine offizielle Botschaft um.

Die Konsularabteilung war während der Kriegszeiten und auch noch einige Zeit danach ein Zielpunkt zehntausender Menschen aus Kroatien und Bosnien-Herzegowina, die dort ein Visum beantragten, um ihre Heimat zu verlassen und sich in Deutschland in Sicherheit bringen zu können.

Zur jetzigen Zeit ist es in und um die Botschaft ruhiger geworden und sie kann, wie in anderen Ländern auch, ihre Aufgaben als diplomatische Vertretung erfüllen. Vor ein paar Monaten hat Dr. Bernd Fischer das Amt des Botschafters in Zagreb übernommen, wie hier berichtet wurde.

Die im Jahr 2003 gegründete Deutsch-Kroatische Industrie- und Handelskammer in Zagreb veranstaltet laufend Stammtischabende, bei denen sich die Mitglieder oder die Vertreter der Mitgliedsfirmen in lockerer Atmosphäre zusammensetzen und so auch die Möglichkeit haben, sich persönlich kennen zu lernen.

Diese Tradition will der Botschafter Dr. Fischer weiterführen und hatte für gestern zu einem Stammtischabend in seine Residenz eingeladen. Etwa 100 Deutsche und Kroaten waren dieser Einladung gefolgt.

In seiner Begrüßungsrede hob Dr. Fischer die guten Beziehungen zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der Republik Kroatien hervor. In diesem Zusammenhang hätte die Deutsch-Kroatische Industrie- und Handelskammer eine wichtige Aufgabe zu erfüllen. Er wies auch darauf hin, dass die Kammer für deutsche Staatsangehörige Aufgaben und Dienstleistungen übernehmen könne, die die Botschaft nicht leisten darf.

Zur Vertiefung der guten Beziehungen kündigte er darüber hinaus weitere Veranstaltungen für die Kammermitglieder an.

Zusätzlich wies er auf ein wichtiges Projekt hin, welches ihm ein persönliches Anliegen sei. In kroatischen Schulen wird als erste Fremdsprache überwiegend Englisch unterrichtet. Er will sich dafür einsetzen, dass an den Schulen Deutsch als erste Fremdsprache unterrichtet werde. Schüler, die die deutsche Sprache erlernt hätten, wären sehr leicht in der Lage, eine weitere, schwere Fremdsprache zu erlernen.

Dazu legte die deutsche Botschaft eigens ein Förderprogramm auf. In Verbindung mit dem zuständigen kroatischen Ministerium soll an verschiedenen Schulen mit der Umsetzung begonnen werden. Insbesondere in Gebieten, in denen die Bewohner überwiegend vom Tourismus leben, sei dies besonders wichtig.

Meinung: Dieses Vorhaben ist außerordentlich zu begrüßen. Es ist jedem bekannt, dass die überwiegende Zahl von Touristen in Kroatien nicht aus dem englischsprachigen, sondern aus dem deutschsprachigen Raum kommt.

4 Kommentare zu “Die deutsche Botschaft in Zagreb”

  1. fianona

    Was für eine Idee, Deutsch als erste Fremdsprache einzuführen! Wie kann man das allen Ernstes in einer globalisierten Welt vertreten? Möchte der Botschafter den Kroaten einen Bärendienst erweisen und die zukünftige Generation noch weniger zukunftsfähig machen? Oder ist es Ostalgie für die KuK-Zeit?
    Ich bin mir sicher, dass die Kroaten selber wissen, was für sie und ihre Kinder gut ist (Deutsch als erste Fremdsprache mit Sicherheit nicht). Übrigens soll es auch Touristen geben (auch Deutsche), die auf Englisch ein Bier und ein paar Cevapcici bestellen können. “A beer and a Cevapcici, please”. Geht doch, oder?

  2. Mrvica

    Aus den Erfahrungen ,mit den Kindern in der Verwandschaft,ist mir bekannt ,das schon heute deutsch an vielen kroatischen Schulen gelehrt wird.

  3. Soline

    @fianona
    Das ich da ganz anderer Meinung bin, habe ich zum Ausdruck gebracht, als ich geschrieben habe:
    “Meinung: Dieses Vorhaben ist außerordentlich zu begrüßen. Es ist jedem bekannt, dass die überwiegende Zahl von Touristen in Kroatien nicht aus dem englischsprachigen, sondern aus dem deutschsprachigen Raum kommt.”

    Deshalb unterstütze ich die Vorhaben von Herrn Botschafter Dr. Fischer.

    Wenn ein Direktor einer touristischen Gemeinschaft in Kroatien nicht ein Wort in deutscher Sprache sprechen kann, dann kann das für den Tourismus in Kroatien nicht förderlich sein. Dabei geht es nicht um Kellner oder Zimmermädchen.

  4. Danares

    Ich glaube nicht, daß die überwiegende Zahl von Touristen in Kroatien aus dem deutschsprachigen Raum kommt. Auf der Insel Krk machen Urlauber aus Deutschland, Österreich und der (gesamten) Schweiz gerade mal 30 % aus. Aber selbst wenn es Gegenden in Kroatien gäbe, in denen sie die Mehrheit darstellen, stimme ich Fianona zu: die meisten deutschen Muttersprachler sprechen und verstehen wenigstens rudimentär Englisch, denn das ist nunmal die aktuelle gängige Verkehrssprache. Der Anteil der Touristen in Kroatien, die überhaupt kein Englisch verstehen ist sicherlich geringer als der jener, die kein Wort Deutsch verstehen.

    Für Führungspositionen in der Tourismusbranche gelten natürlich höhere Maßstäbe, das ist klar, aber die breite Masse dürfte nach wie vor mit Englisch als erster Fremdsprache besser bedient sein. Wer nach höheren Weihen strebt, der kann ja immer noch die schwerere zweite Fremdsprache Deutsch zusätzlich erlernen.

Einen Kommentar schreiben: