Interview mit dem deutschem Botschafter

Der Botschafter der Bundesrepublik Deutschland Dr. Bernd Fischer, hat im März dieses Jahres sein Amt als Botschafter in der Republik Kroatien, in Zagreb angetreten. Von der Redaktion der Zeitschrift »Aktuell«, der Deutsch-Kroatischen-Handelskammer Zagreb, wurde ein Interview mit ihm geführt, welches hier veröffentlicht werden darf.

Frage: Seit März dieses Jahres sind Sie Botschafter der Bundesrepublik Deutschland in der Republik Kroatien. Welchen Eindruck haben Sie von Zagreb und Kroatien.

Antwort: Von Zagreb und Kroatien und seinen Menschen bin ich begeistert. Beeindruckend ist nicht nur die kroatische Geographie, sondern auch die Geschichte. Ich habe mittlerweile viele Menschen hier kennengelernt und auch zahlreiche Kontakte außerhalb der Hauptstadt, von Ostslawonien über den Raum Rijeka bis hin zum Süden Dalmatiens geknüpft. In Kroatien fühle ich mich ausgezeichnet, wie zu Hause.

Frage: Welches werden die wichtigsten Aktivitäten Ihres Mandats als deutscher Botschafter in Zagreb sein? Gibt es Bereiche, auf die Sie besonders Wert legen möchten?

Antwort: Meine höchste Priorität ist die Förderung der Exporte wie auch der Schutz der deutschen Investitionen. Dabei kommt es an erster Stelle darauf an, dass für deutsche Unternehmen und Geschäftsleute das Level Playing Field erreicht ist, denn dann sind deutsche Produkte und Projekte, die zur Weltspitze gehören, äußerst erfolgreich. Das weiß ich. Den Infrastruktur- und Energiebereich und dessen weiteren Ausbau in Kroatien sehe ich als ein besonderes wichtiges Feld der Zusammenarbeit. Ein weiteres Beispiel ist der Tourismus, wo ich große Chancen sehe, ferner auch Umweltprodukte und alles wo Deutschland einen besonderen Beitrag leisten kann, die weitere Entwicklung Kroatiens, vor und nach dem EU-Beitritt zu fördern. Eines meiner besonderen Ziele hier ist auch die Förderung der deutschen Sprache bzw. ihr möglichst frühes Erlernen. Diese Initiative, die von Minister Primorać volle Unterstützung genießt, wollen wir in allen Regionen Kroatiens voranbringen. Dies ist übrigens eine indirekte Förderung der Wirtschaft, denn wer sich mit der deutschen Sprache und Kultur befasst, befasst sich zwangsläufig mit deutschen Produkten und Dienstleistungen. Das kann gar nicht jung genug begonnen werden.

Frage: Kroatien steht kurz vor dem EU-Beitritt. Welche Aspekte des Nutzens dieser Mitgliedschaft würden Sie für die EU und Kroatien besonders hervorheben.

Antwort: Mit dem baldigem EU-Beitritt Kroatiens wird das Land seinen ihm zustehenden Platz in der europäischen Integration einnehmen. Es ist beeindruckend zu sehen, mit welchem Fleiß und Eifer das kroatische Parlament an der Erfüllung seiner Aufgaben für den EU-Beitritt arbeitet. In dieser Hinsicht ist der Sabor das fleißigste Parlament in Europa! Beeindruckend ist genauso die Motivation und der Eifer aller Minister mit welchem an den EU-Beitritt Kroatiens gearbeitet wird. Man darf zugleich nicht übersehen, dass die Zusammenarbeit zwischen Kroatien und der EU bzw. zwischen den EU-Mitgliedsstaaten in sämtlichen Bereichen schon jetzt intensiv ist. Sie fragen nach dem Nutzen: Ich weise darauf hin, dass sich in allen Staaten, die der EU beigetreten sind, nach dem Beitritt die Wirtschaftsaktivitäten und auch der Lebensstandard deutlich positiv entwickelt haben. Zudem bietet die EU auch eine höhere Sicherheit gegen wirtschaftliche und politische Krisen. Zusammenfassend kann ich sagen und damit auch den kroatischen Staatspräsidenten Mesić zitieren: Alles was die EU von Kroatien fordert, ist für das Land gut.

Frage: Kroatien ist seit April dieses Jahres Mitglied der NATO. Warum ist das wichtig und welchen Beitrag kann ein Land wie Kroatien in der internationalen Politik leisten?

Antwort: Seit dem 1. April 2009, 14:20 Uhr, ist Kroatien Mitglied der NATO. Die genaue Zeit ist deswegen so wichtig, weil seit diesem Moment Kroatien die gleiche äußere Sicherheit erfährt wie München, Stuttgart, Berlin oder Washington, was historisch gesehen eine erstmalige Situation für Kroatien ist. An der Wahrung des Friedens arbeiten kroatische und deutsche Soldaten z.B. in Afghanistan bereits jetzt zusammen. Wir sind sehr zufrieden, dass die dortige Zusammenarbeit so ausgezeichnet läuft. Die NATO-Mitgliedschaft bedeutet für Kroatien auch mehr Sicherheit für bestehende und künftige Investitionen, womit Kroatien für Auslandsinvestitionen noch attraktiver wird.

Frage: Die Deutsche Botschaft in Zagreb arbeitet mit der Deutsch-Kroatischen Industrie- und Handelskammer sehr eng zusammen. Wo sehen Sie die Chancen für die Vertiefung der deutsch-kroatischen Wirtschaftsbeziehungen?

Antwort: Die deutsche Wirtschaft ist in Kroatien sehr präsent. Viele deutsche Unternehmen haben eine schon traditionelle Zusammenarbeit mit Kroatien und ihren kroatischen Partnern. Deutschland, die deutsche Wirtschaft glaubt an Kroatien und daher an Investitionen hier sehr interessiert. Mit der weiteren Einbindung Kroatiens in die EU erschließen sich immer mehr Bereiche konkreter deutsch-kroatischer Kooperationen. Ein konkretes Beispiel: Ich habe neulich das Hafenprojekt in Zadar besucht, an welchem die KfW als Kreditgeber beteiligt ist. Deutsche Banken gewähren ihre Mittel nicht ohne gründliche Prüfung. Wir sind überzeugt, dass wir in Zadar einen neuen Hafen auch für die EU bauen, in einem Land, das bald EU-Mitgliedsstaat sein wird. Neben der Fortentwicklung bestehender Kooperationen ist Deutschland besonders an der Zusammenarbeit beim Ausbau der Infrastruktur in Kroatien interessiert, etwa im Energie- oder im Verkehrsbereich. In meiner gesamten diplomatischen Laufbahn, zuletzt in Washington und Tokio, habe ich immer sehr eng mit den Auslandshandelskammern zusammengearbeitet. In Washington habe ich die größte deutsch-amerikanische Wirtschaftskonferenz in der Geschichte durchgeführt. Für mich ist eine freundliche Beziehung zum Präsidenten, zum Vorstand und zu allen Mitgliedern der Kammer, und nicht zuletzt zum Geschäftsführer und dessen Mitarbeitern, absolut prioritär. Ich freue mich, dieses zum Tag der Deutschen Einheit d.J. und bei vielen weiteren Angelegenheiten gebührend feiern zu können.

Anmerkung: Dieses Interview ist vor dem kürzlich erfolgtem Regierungswechsel in Kroatien, geführt worden.

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