Historische Strassen von der Adria in das Landesinnere von Kroatien

Von der nördlichen Adriaküste gibt es drei historische Strassen, die in das Landesinnere von Kroatien führen. Die Älteste von ihnen ist die Strasse von Senj nach Karlovac. Sie führt über den Vratnik-Pass, weiter über den Kapela-Pass, Modruš, Josipdol, Tounj, Bosiljevo, Karlovac bis Sisak und weiter in die slawonische Tiefebene.

Anfänge sind schon von den Römern angelegt worden, damit das Salz, welches im Hafen von Senj an Land gebracht wurde, ins Landesinnere transportiert werden konnte. Salz für das Vieh war ebenso wichtig wie das Futter, und deshalb nannte man es auch “das weiße Gold”. Und diese Strasse ist viele Jahrhunderte die “Salzstrasse” genannt worden.

Es war keine Strasse wie eine heutige Strasse, und der Transport auf ihr erfolgte überwiegend durch die Menschen selbst. Aber man benutzte auch Tiere zum Transport. Ochsen, Kühe, Maulesel und natürlich auch Pferde. Die Römer hatten eine Vorschrift erlassen, daß dieses Vieh jeweils 2 Meter neben der Strasse fressen durfte, und keiner der Landbesitzer durfte dagegen Einwendungen erheben. Die schwierigsten Stellen waren ohne Zweifel die Auf- und Abstiege der beiden Pässe. Aber auch im weiteren Verlauf kam es zu einer schwierigen Stelle, und zwar dort, wo der Fluss Tounjcica überquert werden musste. Auf der einen Seite war ein sehr steiler Abstieg und auf der anderen Seite ein sehr steiler Aufstieg zu bewältigen.

Nach der slawisch/kroatischen Landnahme wurde die Strasse von den Kroaten und ihren Fürsten natürlich weiter genutzt und mit der Zeit entstanden längs des Weges einige Festungen. Die älteste Festung und Festungsstadt ist die Festung Modruš, deren Ruinen noch heute zu sehen sind. Dort entstand ein Zentrum von einer Größe, die heute nicht mehr vorstellbar und nicht mehr erkennbar ist. Man kann aber ohne Übertreibung sagen, dass es sich um eine sehr alte Stadt in Kroatien gehandelt hat. Das von dort beherrschte Gebiet war von einer unvorstellbaren Ausdehnung.

Nachdem das kroatische Königreich untergegangen war, kamen Kroatien Dalmatien und Slavonien unter die Oberherrschaft der Awaren (Ungarn). Die awarischen Könige benutzen diese Strasse sehr häufig auf ihrem Weg von Ungarn nach Dalmatien. Weil ihnen die Absicherung selbst zu schwer gefallen ist, haben sie diese den Fürsten von der Insel Krk, den Frankopanen, überlassen, deren eigentliche Herkunft bis heute noch nicht bekannt ist. Zur ihrer Absicherung bauten die Frankopanen weitere Festungen, wie z.B. in Brinje, Tounj und Bosiljevo.

Auch für die Osmanen (Türken) war die Strasse später von großer strategischer Bedeutung. Bei ihren verschiedenen Angriffen in Richtung Mitteleuropa ist ein großes Gebiet in dieser Gegend regelrecht entvölkert worden. Schon in dieser Zeit wurden von den Frankopanen Flüchtlinge aus anderen Gebieten Südosteuropas, dort angesiedelt.

Nachdem auch das awarische Königshaus untergegangen war, wurde es von dem Hause Habsburg übernommen. Damit wurde der österreichische Kaiser auch für diese Strasse zuständig, auf der nun neben dem Salz auch andere Güter transportiert worden sind. Als der Kaiser bei einem Ritt über den Kapela Pass vom Pferd gefallen ist und sich verletzt hatte, wurde er in die nächste Ortschaft gebracht und dort versorgt. Dadurch erhielt die heutige Gemeinde Josipdol ihren Namen. Der Kaiser war nach diesem Unfall sehr ärgerlich und ordnete den sofortigen Ausbau an.

Mit diesem Ausbau der 113 km langen Strasse von Karlovac nach Senj, wurde der einheimische Baumeister Kneževic beauftragt, der sie in der Zeit von 1770 bis 1779 fertig gestellt hat. Dabei hat es drei besonders schwierige Stellen gegeben: Die Brücke über die Tounjcica in Tounj und den Vratnik und Kapela Pass. Die Straße wurde, wie damals üblich, nach ihrem Auftraggeber, dem Kaiser Joseph II., benannt und trägt deshalb bis heute noch den Namen “Josephinska Cesta”.

Natürlich hatte sie auch immer eine militärische Bedeutung, die zuletzt im vorigen Jahrhundert eine große Rolle spielte. Im ersten und zweiten Weltkrieg wurde sie von den jeweiligen Machthabern genutzt, um Truppen und Waffen in die Kriegsgebiete zu transportieren. Bis ganz zum Ende des zweiten Weltkrieges war sie umkämpft, und die deutschen Besatzer hatten längs der Strasse ihre Stützpunkte. (z.B. Brinje).

Die zweitälteste Strasse von der Küste in das Landesinnere ist die Strasse von Bakar nach Karlovac. Mit ihrem Bau ist, im Auftrag des Habsburger Kaisers Karl VI., im Jahr 1726 begonnen worden und wurde im Jahr 1728 fertig gestellt. Damit ist sie die älteste ausgebaute Strasse von der Küste in das Landesinnere. Sie führte über Orte, wie Mrkopalj,  Ravna Gora, Vrbovsko, Bosiljevo und Novigrad na Dobri, die teilweise erst durch ihren Bau entstanden sind. Sie war unproblematischer, weil nur ein steiler Anstieg, nämlich der von Bakar bis nach Fužine zu bewältigen war. Erst als diese Strasse gebaut worden ist, ist die Ortschaft Fužine entstanden, weil dort eine Lager für die Bauarbeiter errichtet wurde. Im übrigem Verlauf führte sie durch eine Mittelgebirgslandschaft, so dass sie sich einfacher bewältigen ließ, obwohl sie sehr kurvenreich war.

Wegen des Namens seines Auftraggebers erhielt sie die Namen “Karolinska Cesta” und trägt diesen heute noch.

Im Grunde genommen war der Bau dieser Strasse aber eine gewaltige Fehlinvestition des damaligen Kaisers, denn in seinem Auftrag war schon im Jahr 1719 mit dem Ausbau des Freihafens von Rijeka begonnen worden, so dass sich diese Stadt sehr schnell zu einem Wirtschaftszentrum in dieser Region entwickelt hat. Die Warenströme wurden immer größer und konnten auf der Karolinska Cesta kaum bewältigt werden. Den Auftrag zu einem Ausbau und einer Begradigung, sowie einer Verlängerung von Bakar nach Rijeka, hat der Kaiser nicht erteilt.

Nach dem zweitem Weltkrieg erhielt diese Strasse noch einmal eine grössere Bedeutung. Auf ihr wurden zehntausende von deutschen Kriegsgefangenen, in einem sog. Hungermarsch von Rijeka über Bakar nach  Karlovac getrieben. Ohne Einhaltung von Kriegsrechtskonventionen wurde mit ihnen abgerechnet und nicht wenige von den Gefangenen, fanden auf dieser Strasse wegen Hunger und Durst den Tod.

Durch den Friedensvertrag vom 17.10.1797 von Campo-Formio (Italien) zwischen dem französischen Kaiser Napoléon Bonaparte und dem österreichischen Kaiser Franz II. Joseph ist festgelegt worden, dass dieses Gebiet den Franzosen zugefallen ist und diese errichteten die französische illyrische Provinz.

Der Bau von Strassen war für Napoléon sehr wichtig. Er liess Pläne fertigstellen, mit denen die Habsburger schon begonnen hatten, um den Bau einer ganz neuen Strasse von Rijeka nach Karlovac durchführen zu können. Damit ist im Jahr 1802 begonnen worden und im Februar 1803 ist das erste Teilstück vom Hafen Rijeka nach Orehovice oberhalb von Rijeka, eröffnet worden.

Schon damals war die Rede davon, dass diese Strasse einmal eine der schönsten Strassen in Europa wird. In vielen Beschreibungen wird sie auch als Kunststrasse bezeichnet.

Durch den Pariser Friedensvertrag vom 30.05.1814 sind die illyrischen Provinzen, die den Franzosen übertragen worden waren, wieder zu den Österreichern gekommen. Die Habsburger setzen den Bau fort und erst im Jahr 1842, ist sie endgültig fertig gestellt worden.

Über die Herkunft ihres Namens gibt es unterschiedliche Meinungen. Bei Beginn der Planung hatte man sich dazu entschlossen, die Straße „Via Ludovicea“ zu nennen, nach Maria Ludovica, der dritten Ehefrau des österreichischen Kaisers Franz II. Der Baubeginn fand dann allerdings unter unter französischer Verwaltung statt. Deshalb gehen einige Historiker davon aus, dass sie nach Marie-Loise, der Tochter des österreichischen Kaisers Franz II. und späteren Frau des französichen Kaisers Napoleon I. benannt worden ist. Im heutigem kroatischen Sprachgebrauch wird sie “Lujzijanska Cestagenannt.

Auch diese Strasse spielte in den beiden Weltkriegen eine grosse Rolle. Als das Königreich Jugoslawien von Deutschland, Italien und anderen Staaten am Anfang April 1941 überfallen worden ist, ist sie  sofort unter die militärische Verwaltung der Italiener gelangt. Der im italienischem Exil lebende spätere Führer des NDH-Staates (Nezavisna Država Hrvatska = Unabhängiger Staat Kroatien) Ante Pavelić ist auf ihr, durch die italienischen Militärbehörden,  von Rijeka nach Karlovac gebracht und den deutschen militärischen und zivilen Vertretern, die sich bereits in Zagreb befanden, übergeben worden.

In der Zeit nach dem 2. Weltkrieg spielte diese Strasse in dem neu entstandenem Jugoslawien eine wesentliche Rolle, wurden doch auf ihr die angestiegenen Warenströme zwischen dem Hafen Rijeka und dem Landesinneren abgewickelt. Auch für den angestiegenen Tourismus hatte sie eine grosse Bedeutung.

Sie war aber auch nicht ungefährlich. Zu einem grossem Teil führt sie durch das Gorski-Kotar Gebirge und im Winter konnte es durchaus vorkommen, dass die Schneemassen nicht von der Strasse geräumt werden konnten. Auch mit Nebel musste man auf dieser Strecke sehr häufig rechnen.

Durch den Bau der Autobahn Rijeka-Karlovac-Zagreb hat diese Strasse in der heutigen Zeit an Bedeutung verloren. Sie wird aber immer noch gerne von einigen Autofahrern benutzt, welche sich die Autobahngebühr sparen möchten. Verkehrstechnisch ist sie in einem gutem Zustand.

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