Der kroatische König Zvonimir I.

Heute vor 934 Jahren, am 9.10.1075 ist der kroatische König Zvonimir I. gekrönt worden.

Im September des Jahres 1075 hatte Papst Gregor VII. seine beiden Legaten Gebizon und Fulkon nach Kroatien gesandt. Diese erklärten dem Fürsten Zvonimir I. die päpstlichen Krönungsbedingungen.

Er hat den beiden zugesichert, dem Papst treu und ergeben zu sein und  dessen Anordnungen befolgen werde. Daraufhin hat ihn der päpstliche Legat Gebizon in einer feierlichen Zeremonie in Solin, in der Nähe von Split, zum König Zvonimir I. von Kroatien, Slawonien und Dalmatien gekrönt. Mit der königlichen Krone erhielt er auch gleichzeitig andere königliche Insignien. Durch Annahme der Petersfahne, dem Papstwappen, gab er nochmals klar zu erkennen, daß er mit der lehensrechtlichen Bindung des Königreichs an die Kurie einverstanden war.

Der neue König versprach dem heiligen Stuhl, daß er bei der Glaubenserneuerung und bei der Kirchenverteidigung helfen werde. Außerdem versprach er jährliche Geldgeschenke und die Abgabe des zehnten Teils seiner Einnahmen an die Kurie. Weiterhin versprach er den Schutz von Witwen, Waisen und Armen. Außerdem überließ er dem Papst das Kloster des hl. Grgur in der Ortschaft Vrana, welches als Hospiz für die päpstlichen Legaten genutzt werden sollte.

Nach seiner Krönung versuchte König Zvonimir I. nochmals die an Venedig verlorengegangen Gebiete an der Küste wieder zurückzuerobern. Zu diesem Zweck verlegte er seine Königsresidenz von Knin nach Biograd na moru, in der Nähe von Zadar. Trotz aller Anstrengungen ist es ihm aber nicht gelungen, die Gebiete wieder vollständig in sein Königreich einzugliedern.

Das arpadisch-ungarische Königshaus hatte schon längere Zeit Gelüste, sich bis ans Mittelmeer auszudehnen. Dem stand das Königreich der Kroaten, Slawonen und Dalmatiner im Wege. Deshalb gab es für sie nur zwei Möglichkeiten: entweder man führte einen Krieg, dessen Ausgang ungewiß war, oder man versuchte, verwandtschaftliche Verbindungen mit diesem Land herzustellen. Krieg oder Heirat, diese beiden Möglichkeiten waren damals auch in anderen Ländern gängige Praxis, um fremde Gebiete beherrschen zu können. Geschickt verstand es der Arpadenkönig Ladislaus I., der Heilige, seine Schwester Helena mit König Zvonimir I. von Kroatien, Slawonien und Dalmatien zu verheiraten. Helena war die Tochter des ungarischen Königs Bela I. und seiner Ehefrau Richza von Polen, einer Tochter des Herzogs Mieszko II. von Polen. Damit war der erste Schritt getan, und die Könige Ladislaus I. und Zvonimir I. waren verschwägert.

Die weitreichende Bedeutung und die Gefahren dieser Hochzeit hat König Zvonimir I. mit Sicherheit nicht erkannt, da er in gutem Glauben handelte. Die Wahrheit kam erst später ans Licht. Es stellte sich nämlich heraus, daß diese Ehe bewußt vom ungarischen Königshaus aus imperialistischen und machtpolitischen Gründen eingegangen wurde. König Ladislaus I. hat seine Schwester Helene dafür benutzt, den kroatischen König an sich zu binden. Vertrauensselig ist König Zvonimir I. davon ausgegangen, daß ihm durch diese Heirat von Norden, also von Ungarn, keine Gefahr mehr drohte. Er pflegte von sich aus gute Beziehungen zu seinem Schwager und hat geglaubt, damit sein eigenes Königreich zu stabilisieren.

Im Laufe der Ehe stellte sich dies als Irrglaube heraus. Es ist auffallend, daß sein einziger Sohn, Radoslav, bereits im Kindesalter unter nicht geklärten Umständen gestorben ist. Auch ist auffallend, daß über Einzelheiten seiner Eheschließung mit Helene keine Fakten zu finden sind. Es stellt sich also die Frage, welche Kreise damals und später ein Interesse daran hatten, so wenig wie möglich darüber bekannt werden zu lassen.

Ein Chronist der damaligen Zeit, dessen Name nicht bekannt ist, berichtete etwa 60 Jahre nach dem Tod von König Zvonimir I. begeistert, „daß zur Zeit des guten Königs Zvonimir I. große Freude im ganzen Lande herrschte. Es war Überfluß an Gütern aller Art vorhanden und die Städte besaßen einen großen Reichtum an Silber und Gold. Die Armen fürchteten nicht, von den Reichen ausgebeutet zu werden, die Schwachen nicht die Starken, der Diener nicht, daß ihm sein Herr ein Unrecht antun werde. Der König Zvonimir I. hielt seine schützende Hand über alle, und so wie er nichts unrechtmäßiges besaß, so gestattete er auch anderen nicht, dergleichen zu tun. Das Land war voll mit Gütern aller Gattung, und der Schmuck, den die Weiber und die jungen Leute auch auf den Pferden trugen, hatte einen größeren Wert, als in anderen Ländern ein ganzer Besitz. Und das Land Zvonimirs I. war voll Üppigkeit und Überfluß, es fürchtete Niemand, noch konnte ihm Jemand schaden, ausgenommen der Zorn des allmächtigen Gottes“.

König Zvonimir I. war sehr fromm und hat die katholische Kirche unterstützt. Deshalb hat er sie und ihre Klöster reich beschenkt. Eine seiner bekanntesten Schenkungen ist das Kloster Sv. Lucija in Baška auf der Insel Krk.

Aus der Regierungszeit von König Zvonimir I. sind nur wenige Dokumente überliefert. Als wichtigstes und ältestes Dokument aus dieser Zeit wird von der Geschichtswissenschaft die im Jahre 1851 in der Nähe von Baška gefundene Steinplatte angesehen. Dieser Platte, die von Forschern untersucht worden ist, kann man entnehmen, daß es im 11. Jahrhundert ein kroatisches Königreich gegeben hat. In altkroatischer čakavischer Sprache und in glagolischer Schrift ist folgendes in den Stein eingemeißelt worden:

“Ich, im Namen des Vaters, des Sohnes und Heiligen Geistes. Ich, Klostervorsteher Drziha schrieb dies über Brachland, das gab Zvonimir, König Kroatiens, in seinen Tagen der Heiligen Lucija. Es zeugen mir Dešimir, Gespan von Modruš, Martin aus Lika, Pribineg Vertreter in Vinodol und Jakov von der Insel. Wer das leugnet, soll verdammt sein von Gott, den 12 Aposteln, den 4 Evangelisten und der heiligen Lucija. Amen. Der wer hier lebt, soll für sie bei Gott beten. Ich, wohltätiger Klostervorsteher, erbaue diese Kirche in den Tagen, in denen Fürst Kozmat im ganzen Grenzgebiet regiert hat. Es war in diesen Tagen eine Einheit mit dem Kloster des heiligen Mikula in Otočac und mit der Kirche der heiligen Lucija”.

Erstaunlich und nicht geklärt, ist die Tatsache, daß der Klostervorsteher schreibt, daß er das Brachland von König Zvonimir I. erhalten hat, denn zu diesem Zeitpunkt stand die Insel Krk unter der Herrschaft von Venedig und nicht unter der Herrschaft des Königs Zvonimir I.

Darüber, wie König Zvonimir I. am Ende starb, gibt es unterschiedliche Berichte. Der kroatische Historiker Srečko M. Džaja kommt in einem Artikel in dem „Biographischen Lexikon zur Geschichte Südosteuropas“, herausgegeben in München, zu dem Ergebnis, daß er im Jahre 1089?, nachdem er fünfzehn Jahre regiert hatte, ermordet worden ist.

Wer genau ihn ermordet hat oder wer den Auftrag dazu erteilt hat, ist niemals bekannt geworden. Wenn man sich die damalige Geschichte genau betrachtet, können aber nur zwei Tätergruppen dafür in Frage kommen. Zum einen die Ungarn, die Expansionsgelüste zum Mittelmeer hatten, oder einheimische Fürsten, die neidisch und machtgierig waren.

Auffallend ist, daß dieses Ereigniss bei den Päpsten offensichtlich keine Reaktionen hervorgerufen hat. Der papstgetreue kroatische König Zvonimir I., der das päpstliche Lehen verwaltet hat, ist ermordet worden und der heilige Stuhl hat nicht darauf reagiert. Es ist auch erstaunlich, daß in Kroatien selbst einige Historiker lapidar der Ansicht sind, man könne darüber nichts sagen, weil erstmals 200 Jahre später überhaupt von seinem Tod berichtet wurde.

Die Ermordung dieses papstfürchtigen, frommen und offensichtlich vom Volk geliebten Königs, war für ganz Südosteuropa von außergewöhnlicher Bedeutung. Kurz bevor er ermordet wurde, umfaßte das kroatische Königreich ein Gebiet von der Morava bis zum Mittelmeer, einen Teil des heutigen Serbien, das ganze Gebiet von Bosnien und der Herzegowina, wie auch die Gebiete von Kern-Kroatien, Slawonien, Dalmatien und Istrien.

Über die Amtszeit von König Zvonimir I. kann man nur unvollständige Angaben machen, weil nur sehr wenige Dokumente darüber erhalten sind. Über die Jahre danach, von 1089 bis 1102, also dreizehn Jahre kroatischer, dalmatinischer und slawonischer Geschichte, kann man selbst bei sorgfältiger Prüfung keine verbindlichen Einzelheiten finden. Warum auch immer, es gibt nur sehr wenige Quellen, die auf diese Periode eingehen.

Ein Kommentar zu “Der kroatische König Zvonimir I.”

  1. Petrina

    Vielen Dank für den sehr interessanten Ausflug in die kroatische Geschichte.

    LG

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