Die “Desanaderizacija” in Kroatien

Nach dem Tod von Franjo Tuđman, dem früheren Staatspräsidenten und Parteivorsitzenden der HDZ, wurde Ivo Sanader im Jahr 2000 zum Vorsitzenden der Partei gewählt. Im Dezember 2003 ist er Ministerpräsident von Kroatien geworden. Bei vielen Kroaten hatte er einen gewissen Vertrauensvorschuss, weil er ab 1978 viele Jahre in der Diaspora (nämlich in Innsbruck) gelebt und gearbeitet hatte. Dort gehörte er zu den Gründern einer HDZ-Parteiorganisation  in Österreich.

Sein Amt hatte er bis zum 1.7.2009 inne. An diesem Tag teilte er plötzlich und unerwartet mit, dass er sich aus persönlichen Gründen von seinen politischen Ämtern zurückziehen wolle. Auf seinen Vorschlag ist anschliessend Jadranka Kosor als Parteivorsitzende und Ministerpräsidentin gewählt worden.

Ohne Absprache mit ihr hat er am Sonntag, dem 3.1.2010 seinen Rücktritt vom Rücktritt erklärt und auf einer Pressekonferenz angekündigt, wieder in die Politik zurückkehren zu wollen.

Diese Tatsache hat Jadranka Kosor offensichtlich sehr verärgert, denn sie sorgte dafür, dass er am folgenden Tag aus der HDZ ausgeschlossen wurde.

In der Folgezeit zeigte sich dann auch, dass sie mit Parteimitgliedern, die den Eindruck hinterlassen, ihm nahe zu stehen, kompromisslos umgegangen ist. Erst am letzten Montag hat sie dafür gesorgt, dass der Vorstand  der HDZ von Zagreb abgesetzt worden ist.

In diesem Zusammenhang ist von kroatischen Medien eine neue Wortschöpfung etabliert worden: man bezeichnet diese Vorgänge nun als “Desanaderizacija”.

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