Kroatien hat neuen Staatspräsidenten gewählt

In einer Stichwahl haben die Kroaten heute ihren neuen Staatspräsidenten gewählt. Dazu waren zwei Kandidaten zugelassen, nämlich Milan Bandić (unabhängig) und Ivo Josipović (SDP).

Der Wahlkampf ist in den letzten vierzehn Tagen teilweise sehr heftig geführt worden und erinnerte teilweise an eine Schlammschlacht. Dabei hat sich der Kandidat Bandić ganz besonders hervor getan und ein Wählerspot von ihm, ist von der staatlichen Wahlkommission sogar kurzfristig durch Dekret verboten worden. Der Kandidat Josipović hat auf seine Provokationen eher gelassen reagiert.

Die Wahllokale sind vor wenigen Minuten geschlossen worden.

Der Fernsehsender Nova-TV hat unmittelbar nach Schliessung eine erste Hochrechnung veröffentlicht, die, wie die Hochrechnung von vor vierzehn Tagen gezeigt hat, als sehr zuverlässig anzusehen ist.

Danach hat Ivo Josipović 65,4 % der Stimmen bekommen. Milan Bandić 35,4 %.

Man kann in diesem Moment (fast) davon ausgehen, dass Josipović zum drittem Staatspräsidenten der Republik Kroatien gewählt worden ist. Das vorläufig amtliche Wahlergebnis wird um 24:00 Uhr mitgeteilt.

Ivo Josipović ist am 28.8.1957 in Zagreb geboren worden, damit 53 Jahre alt und ein bekennender Agnostiker.

Nach Abschluss seiner Schulausbildung hat er an der juristischen Fakultät der Universität von Zagreb studiert und hat im Jahr 1980 seine Rechtsanwaltprüfung bestanden. Danach hat er ab 1984 als Dozent an der gleichen Fakultät gearbeitet und wurde Professor für internationales Strafrecht. Er hat an zahlreichen renommierten internationalen Instituten gearbeitet, darunter das Max Planck Institut für ausländisches Recht in Freiburg, einem juristischem Institut in Helsinki, am Max Planck Institut für ausländisches und internationales Privatrecht in Hamburg und an der Yale University in den USA.

Er ist Mitglied in mehreren nationalen und internationalen Vereinigungen und hat mehr als 85 akademische Arbeiten, in nationalen und internationalen Fachzeitschriften veröffentlicht.

Neben seiner juristischen, hat er auch eine musikalische Ausbildung genossen. Nach Besuch einer Musikschule hat er seine Ausbildung an der Musikakademie Zagreb fortgeführt. Einer seiner Lehrer war der bekannte Musikwissenschaftler Stanko Horvat. Sein Hauptfach war Komposition und er war von 1987 bis 2004 als Dozent an dieser Hochschule beschäftigt.

Daneben hat sich Josipović auch noch politisch betätigt und ist, nach Ablegung der Rechtsanwaltschaftsprüfung im Jahr 1980 Mitglied des Bundes der Kommunisten in Kroatien geworden. Nachdem sich Kroatien selbständig gemacht hatte spielte er eine wichtige Rolle bei der demokratischen Transformation dieser Partei und gehörte als Jurist zu den Autoren der ersten Satzung der Sozialdemokratischen Partei Kroatiens (SDP).

Im Jahr 1994 hat er die Politik und die SDP verlassen und arbeitete wieder als Jurist und Musiker. Auf Einladung von Ivica Račan, dem damaligem Vorsitzenden der SDP kehrte er 2003 in die Politik zurück und wurde Abgeordneter im Landesparlament (Sabor), sowie in der Stadtversammlung von Zagreb. Aber erst im Jahr 2008 erfolgte formell, sein Wiedereintritt in die SDP.

Für manche Beobachter überraschend, hat ihn die Partei zum Präsidentschaftskandidaten ernannt. Sein damaliger Parteigenosse Bandić war dabei erfolglos und ist deshalb als unabhängiger Kandidat angetreten.

Meinung: Es ist zu hoffen, dass der neue Staatspräsident von Kroatien, die politische Polarisierung im Lande beendet. Es ist weiterhin zu hoffen, dass er als Jurist sein Amt so wahrnimmt, wie es die Verfassung vorschreibt und Präsident aller Kroaten, egal welcher Nationalität und Religion ist. Wen er seinem Amtskollegen aus Deutschland, Horst Köhler nacheifert, ist er auf dem richtigem Weg.

4 Kommentare zu “Kroatien hat neuen Staatspräsidenten gewählt”

  1. istra

    Möchte Kroatien zu der Wahl des neuen Präsidenten herzlichst gratulieren und daran erinnern, dass er nicht nur Präsident aller Kroaten ist, sondern aller Einwohner Kroatiens, also auch der Personen anderer Nationalität.

  2. Soline

    @Istra

    Das steht doch hier schon:

    “Es ist weiterhin zu hoffen, dass er als Jurist sein Amt so wahrnimmt, wie es die Verfassung vorschreibt und Präsident aller Kroaten, egal welcher Nationalität und Religion ist.”

  3. dragana

    Srdacne cestitku.neka vam je sa srecom,hvala BOGU I SVIM GLASACIMA za vasu pobjedu na izboru.Ja sam iz Bosne i Herzegovine,radujem se!Ako bude i u Bosni tako ,sigurna sam da ce se svi bosanci radovati.Svaki covjek u Bosni bih trebao da konacno “ukopca” DA JE bOSNA SVE OVE GODINE BILA OKUPIRANA od svih mogucih nacionalista.Bila sam svjedok.Moj grad DOBOJ je vec nakon mjesec dana od pocetka “dzumbusa” 1992 bio “preplavljen”od muskih glava sa ekavskim naglaskom-pitam se.zbog cega?Sta su “trazili “u Doboju i od koga su bili ugrozeni?Zna se ko je govorio ekavski-Srbija,naravno!I zato neka gospodin Tadic ne LAZE a bosanski pravoslavci neka se ne prave blesavi.Ndam se da ce i bosna i hercegovina ubrzo odahnuti i svih nacionalistickih stranaka se uskoro osloboditi.Mnogo se radujem zbog Vas i vase drzave Hrvatske.Puno pozdrava iz Hamburga od pravoslavke-BOSANKE dragane -DOBOJKE:

  4. Daria Hartmann

    mit Sichereit ist Ivo Josipovoc nicht “mein” Präsident und wird es in seine hoffentlich auf 5 Jahre beschränkten Amtszeit auch nicht werden. Meine Stimme habe ich Milan Bandic gegeben, jedoch nur aus dem Grund pro-jugoslastische und pro serbische Kräfte in Kroatien, die ihr Unwesen über politische Verträter ( personiiziert in der Person Stjepan Mesic) treiben. Auch fast alle Medien, vor allem NOva TV und größtenteil öffentlich -rechtlicher Medien, sind “gesäubert” von Berichterstattungen die von unwürdigen Leben der kroatischen Heimatsvertriebene und der Verteidiger aus dem Heimatkrieg berichten-. Viel mehr sorgt man sich um das Schicksal der serbischen Bevölkerung aus Kroatien, die wohl ( ich erinnere euch, falls ihr es vergessen habt Krieg, Leid und Vertreibung der KROATEN IN KROATIEN mit leidenschafftlich vollzogen hat). Eine solche Politik und die Berichterstattung die die Täter und die OPfer gleich setzt, ist wohl im Interesse der Jugonostalgiker und deren “pragmatisch” denkenden und handelnden europäischen “Patner”, sie werden jedoch die Opfer den Krieg und die Folgen des Krieges nicht vergessen lassen. Ganz der Gegenteil wird der FAll sein! Wie unsere Geschichte uns lehrt, werden die Errinerungndie nicht GERECHT und Offen vabeitet werden, bei den Opfer ein fester Bestandteil des kolektiven Gedächniss bleiben, von Generation zu Generation werden dise Erinnerungen weiter egeben und neuer Kriege event. verursachen. ( wie es schon Ivo Andric vor langen Zeit in Novelle “Brief aus dem Jahr 1920 profezeit hat). Ein neuer Jugoslawismus, präsentiert durch die alten Köpfe in sozial-demokratichen Mantelchen bewegte mich Milan Bandic meine Stimme zu geben.Wenn Bajag, Ceca und Lepa Brena im “serbischen” Rijeka hoffähig sind, erden sie es hoffentlich ne in “meinem” Dubrovnik nie
    werden

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