Probleme mit Minderheit der Roma in Rijeka

In dem etwas ausserhalb von Rijeka gelegenem Stadtteil Rujevici, haben sich bereits vor sieben Jahrzehnten Personen angesiedelt, die zu der Minderheit der Roma gehören. Dort haben sie ohne Baugenehmigung ihre Häuser gebaut und  leben jetzt noch unter primitiven Bedingungen an diesem Ort. Im Moment soll es sich um etwa dreihundert Familien handeln.

In der vergangenen Woche hat die Stadtverwaltung von Rijeka einen Plan veröffentlicht, nachdem auf diesem etwa 45 Hektar grossem Gelände, ein neues Wohngebiet entstehen soll. Nach ihren Plänen sollen 2.500 neue Wohnungen gebaut werden, von denen man einen wunderschönen Ausblick auf die Kvarner-Bucht geniessen kann. Zu diesem Zweck soll ein entsprechender Bebauungsplan vom Rat der Stadt, bis zum Ende März d.J. beschlossen werden. Dieser Plan sieht vor, dass die von den Roma bewohnten Häuser abgerissen werden, weil sie auf Grundstücken stehen, die sich im Besitz der Stadt befinden.

Dagegen haben gestern die Vertreter dieser Minderheit in der Stadt, auf einer Pressekonferenz  heftig protestiert. Erst vor fünf Jahren habe ihnen Vojko Obersnel, der Bürgermeister von Rijeka zugesagt, dass sie dort bleiben und weiter in ihren Häusern leben könnten. Sie haben sieben verschiedene Bedingungen genannt die von der Stadt erfüllt werden müssten, unter denen man freiwillig bereit sei, die Häuser zu verlassen.

Sollte eine dieser Bedingungen von der Stadt nicht erfüllt werden habe man die Absicht, im Zentrum der Stadt Zelte aufzubauen, um auf die Probleme aufmerksam zu machen.

5 Kommentare zu “Probleme mit Minderheit der Roma in Rijeka”

  1. ivo

    auf den ersten Blick ist das Verhalten der Roma eine Frechheit. Wer auf Grund und Boden, der ihm nicht gehört, ein Haus oder Ähnliches errichtet, begeht eine Gesetzesverletzung. Das ist nahezu auf der ganzen Welt gleich. Man stelle sich einmal vor, ein Privatmann stellt eines Morgens fest, dass auf seinem Grund und Boden fremde Personen begonnen haben, ein Haus zu bauen. Da wäre was los. Und Mitleid mit den fremden Bauherrn wäre sicher das letzte, was diesem Privatmann einfiele.
    Auf den zweiten Blick stellen sich allerdings ein paar Fragen:
    Wenn vor siebzig Jahren mit den Bauten begonnen wurde, ist das genau die Zeit, in der der zweite Weltkrieg in Europa begann und Juden und Roma wurden verfolgt. Wie kam es, dass genau zu diesem Zeitpunkt Roma in einem mit Nazideutschland verbündeten Land “wild” bauen konnten?
    Waren die Roma die ganze Zeit geduldet?
    Haben sie für die Grundstücke der Stadt, auf denen sie “wild” gebaut haben, wenigstens Miete, Pacht, Erbbauzins oder sonst etwas gezahlt?
    Wieviel Roma haben so um 1939 mit der Inbesitznahme angefangen und wieviel sind es jetzt?
    Es bleibt mit Sicherheit spannend und ich würde mich freuen, wenn Du (Soline) uns auf dem Laufenden halten würdest.
    Schöne Grüsse
    Ivo

  2. Soline

    @Ivo

    Diesen Kommentar möchte ich wie folgt beantworten:

    1.) Bei Ausbruch des 2. Weltkrieges im ehemaligem Königreich Jugoslawien befand sich ganz Istrien und der grösste Teil von Rijeka unter italienischer Verwaltung. Es ist bekannt, dass diese an der Verfolgung der Juden und Roma nicht so sehr beteiligt waren, wie die deutschen und kroatischen Faschisten.

    2.) Wegen ihrer Verfolgung in der Zeit des 2. WK hatten sie in der Republik Jugoslawien ab 1945 praktisch -ich würde sagen- einen Bonus. Dort wo sie ihre Hütten gebaut haben, handelte es sich immer um städtisches oder staatliches Land, niemals um Privateigentum.

    3.) Bei der Lösung dieses Problems muss man ganz sensibel vorgehen, damit es nicht zu Situationen, wie vor ein paar Jahren in Slowenien kommt, wo es schwere Auseinandersetzungen zwischen der einheimischen Bevölkerung und einigen Roma gekommen ist.

  3. ivo

    vielen Dank für den Kommentar. Ich möchte nur auf Eines hinweisen. Zwischen staatlichem oder städtischen Land und Privateigentum gibt es rechtlich keinen Unterschied. Ich kann mir weder das Eine noch das Andere einfach aneignen.

  4. Soline

    Auch darauf möchte ich antworten:

    Die Angehörigen der nationalen Minderheit der Roma, haben, nach m.M. dem selbständigem Staat Kroatien wesentlich weniger geschadet als Leute, die sich als Edelkroaten bezeichnet haben.

    Rein rechtlich mag es keinen Unterschied zwischen Privateigentum und Städtischem- oder Landeeseigentum geben. Wir müssen aber dafür sorgen, dass die Mitbürger unseres Landes so integriert werden -auch wenn es schwer fällt- wie es sich gehört.

    Diesen Plan, ohne Rücksprache mit den Bewohnern auszuarbeiten, ist für mich ein Zeichen dafür, dass man in der Stadt Rijeka nicht bereit war, sich mit dieser Minderheit ordentlich an einen Tisch zu setzen um eine Lösung zu finden.

  5. istra

    Ich habe gehört, dass in Kroatien Grund- oder sogar Immobilien-Besitz durch unwidersprochen Nutzung/Besetzung erlangt werden kann. Über den Zeitraum hörte ich zwischen 3 Jahre bis 20 Jahre alles Mögliche.
    Mich würde wirklich interessieren, wie ist das wirklich?
    Wenn es so etwas gäbe, gilt dieses Recht auch gegenüber dem Staat?
    Wer weiß was?

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