Landeshauptmann äussert sich zum Fall der Hypo Alpe Adria

Auf großes Interesse stiess gestern die Pressekonferenz von Landeshauptmann Gerhard Dörfler im Bayerischen Hof in München, obwohl zeitgleich eine Pressekonferenz der deutschen Kanzlerin Angela Merkel in München stattgefunden hatte.

Dörfler nahm ausführlich zum Thema Hypo Alpe Adria Stellung. Er stellte klar, dass es seitens der BayernLB und des Freistaates Bayern “ein heftiges Brautwerben mit Vehemenz und Leidenschaft” um die Kärntner Hypo gegeben habe. Im April 2007 hätten die Bayern ein Angebot vorgelegt, aus dem dieses Interesse klar hervorging. Im Angebot habe der Käufer auch festgehalten, dass ihm ein entsprechendes Risikopotential bekannt sei.

Dörfler wies auch darauf hin, dass es Bewertungen mehrerer Ratingagenturen zur Hypo gegeben habe und dass sich die Österreichische Nationalbank und die Finanzmarktaufsicht massiv mit ihr auseinandergesetzt haben. Dörfler hielt fest, dass das Hypo-Closing auf Wunsch des Käufers auf Oktober 2007 vorverlegt wurde. “Auch das bestätigt, dass die Bayern die Bank mit aller Leidenschaft wollten”.

Der Landeshauptmann betonte, dass die Käufer von der Richtigkeit ihrer Entscheidung überzeugt gewesen seien, vor allem angesichts des damaligen Booms in Südosteuropa. Der Kauf sei auch politisch gewollt gewesen, verwies er auf das Einwirken des früheren bayrischen Ministerpräsidenten Edmund Stoiber auf Kroatien, dessen Nationalbank dem Verkauf ursprünglich nicht zustimmen wollte. Allerdings habe die Führung der BayernLB auch eingeräumt, dass man den Markt nicht verstanden habe. “Sie haben mit beiden Beinen Gas gegeben und danach eine panische Vollbremsung hingelegt”, fügte Dörfler hinzu.

“Wir haben niemanden über den Tisch gezogen, alle Daten waren jederzeit zugänglich”, sagte Dörfler, der ein sehr politisiertes Umfeld und eine Gerüchteküche rund um die Thematik ortet. Die einzelnen Sonderkommissionen und Untersuchungsausschüsse würden alles aufklären, zeigte er sich sicher.

Dörfler betonte auch, dass die Wirtschaftskrise den damals strategisch absolut richtigen Kauf massiv gestört habe. Am Bankenplatz Osteuropa erwarte er auch für viele andere österreichische Banken noch große Probleme. “Das soll keine Entschuldigung sein, aber die Hypo ist kein Einzelfall”.

Dörfler sagte auch, dass die gesellschaftlich touristischen und wirtschaftlichen Beziehungen zwischen Kärnten und Bayern nach wie vor sehr gut seien. Er verwies auf die kürzliche Eröffnung des Unternehmens Lantiq in Villach sowie auf die Verbindungen durch Infineon oder Bosch-Mahle. Auch auf politischer Ebene gebe es keine atmosphärischen Störungen. “Ich werde die guten Kontakte weiter pflegen”, so Dörfler, der auch launig hinzufügte, dass er immer BMW fahren werde.

Dörfler stellte klar, dass es in Kärnten keine Schadenfreude gebe und man auch nichts zu verbergen habe. Zur Sanierung der Hypo habe das Land Kärnten mehr beigetragen als es auf Basis seines Anteils verpflichtet gewesen wäre. Zur Abfindung des scheidenden Hypo-Vorstandes Pinkl sagte Dörfler, dass diese Vertragssituation von der BayernLB herbeigeführt worden sei. Pinkls Bestellung sei ihm völlig unverständlich gewesen. Den Vorstandsvertrag erachte er als zwar nicht rechtswidrig, aber unsittlich.  Er erwarte sich, dass Pinkl darüber nachdenke, ob seine Leistung die hohe Abfertigung rechtfertige.

Quelle: OTS

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