Todestag von Zoran Đinđić

Am 12. März 2003 ist der damalige serbische Ministerpräsident Zoran Đinđić, in Belgrad durch Scharfschützen ermordet worden.

Er war 1989 nach Jugoslawien zurückgekehrt, um an der Universität von Novi Sad als Universitätsprofessor zu arbeiten. Zu dieser Zeit gründete er mit anderen serbischen Dissidenten die Demokratische Partei und wurde im Jahr 1990, als deren Parteivorsitzender ins serbische Parlament gewählt.

Dort befand er sich in der Opposition und konnte die Politik des damaligen Staatspräsidenten der jugoslawischen Teilrepublik Serbien, Slobodan Milošević, der 1989 dieses Amt übernommen hatte, nicht verhindern. Dieser ist aufgrund seiner nationalistischen Propaganda im Jahr 1990, bei den erstmals durchgeführten freien Wahlen in Serbien, mit 65 Prozent der Wählerstimmen in seinem Amt bestätigt worden.

Wozu dessen Politik letztendlich geführt hat, ist hinlänglich bekannt. Er wollte und konnte nicht einsehen, dass die Staatsgründung des Königreiches der Serben, Kroaten und Slowenen (später Jugoslawien), welches am 1.12.1918 durch den serbischen Prinzregenten Alexander ausgerufen worden war, ein künstliches Gebilde dargestellt hat, in dem die unterschiedlichen Nationalitäten, unter der Vorherrschaft der Serben standen.

Đinđić, der lange im Ausland gelebt und an der Universität Konstanz 1979 seine Doktorarbeit fertig gestellt hatte, war nicht in der Lage, die Politik von Milošević zu verhindern. Das lag auch daran, dass er nicht das Redetalent seines politischen Gegners hatte, der es verstand, die Volksmassen begeistern zu können.

Trotzdem ist er bei einer Kommunalwahl im November 1996, zum Bürgermeister der serbischen Hauptstadt Belgrad gewählt worden, musste aber bereits Ende September 1997 sein Amt wieder verlassen, weil es mit seinen politischen Bündnispartnern zu Auseinandersetzungen gekommen ist.

Er war weiter politisch aktiv und es ist ihm gelungen, unter seiner Leitung eine Vereinigung von 18 Oppositionparteien zu bilden, welches sich “Bündnis der Demokratischen Opposition Serbiens” (DOS) nannte, um bei den Präsidenten- und Parlamentswahlen im September 2000 anzutreten. Es konnte sich dabei gegenüber Milošević und seiner sozialistischen Partei durchsetzen.

Nach einigem hin und her, bei dem dieser die Niederlage nicht einsehen wollte, hat er am 5.10.2000 durch Proteste und Massendemonstrationen, an denen sich auch Đinđić beteiligte, sein Amt unfreiwillig aufgegeben. Am 7.10.2000 wurde Vojislav Koštunica zum neuen Staatspräsidenten erklärt und Đinđić ist im Januar 2001, zum neuen Ministerpräsidenten gewählt worden.

Nach seiner Amtsübernahme stand er als westlich orientierter Politiker in einem ständigen Konflikt mit Präsident Koštunica, der noch zu den kommunistisch/nationalistischen *) Hardlinern der Vergangenheit gehörte. Es kann auch nicht bestritten werden, dass er zeitweise selbst mit Personen zusammengearbeitet hat, die ebenfalls aus nationalistischen Kreisen stammten, um seine Politik durchsetzen zu können. Seine grössten persönlichen Feinde hatte er aber im kriminellen Milieu, weil er einen Kampf gegen die weit verbreitete Korruption und das organisierte Verbrechen in Serbien führen wollte.

Gestern hat in Belgrad eine Gedenkveranstaltung anlässlich seines siebten Todestages stattgefunden, die von der Serbischen Liberalen Partei organisiert worden ist. Wie heute bekannt wurde, hat daran auch die kroatische Politikerin und Parlamentsabgeordnete, Vesna Pusić (HNS) teilgenommen. Auf einer anschliessenden Pressekonferenz hat sie zum Ausdruck gebracht, dass sie der Meinung ist, alle Völker des ehemaligen Jugoslawiens würden eine Schuld daran tragen, dass es zu den kriegerischen Auseinandersetzungen von 1991 bis 1995 gekommen ist.

*) Von der jeweiligen Ideologie ist dies ein Wiederspruch.

Einen Kommentar schreiben: