Branko Mamula vermisst Kroatien

Der bald 89-jährige Branko Mamula, ist am 30.5.1921 in Kroatien geboren worden. Er lebt heute in Tivat, in Montenegro.

Seine Eltern gehörten der orthodoxen Kirche an und deshalb wird über ihn berichtet, er sei abstammungsmässig ein Serbe. Über seine genaue Herkunft und seinen Geburtsort ist nichts öffentlich bekannt geworden. Es gibt aber Hinweise darauf, dass er in Gomirje in der Nähe von Ogulin geboren wurde und dort zur Schule gegangen ist.

Nach dem Überfall des Königreiches Jugoslawien durch italienische, deutsche und andere Truppen am 6.4.1941 schloss er sich noch im gleichem Jahr, im Alter von 20 Jahren einer Widerstandsbewegung an, die landläufig als Titos Partisanen bezeichnet worden sind. Erst ein Jahr später wurde er auch Mitglied der Kommunistischen Partei Jugoslawiens.

Als deren Mitglied wurde er politischer Kommissar eines Bataillons und später einer Brigade der inzwischen gegründeten regulären Volksbefreiungsarmee. Diese Aufgabe ist ihm später für kleinere Gruppen an der kroatischen Küste und in Istrien übertragen worden. Zum Ende des Krieges hat er seine Tätigkeit im Marinehauptquartier der Volksbefreiungsarmee durchgeführt. Er gehörte damit nicht zu den eigentlichen Kämpfern, sondern war hauptsächlich für deren ideologische Schulung zuständig.

Demgegenüber gehörte sein mutmasslicher Bruder Bogdan Mamula, der kämpfenden Truppe an. Dieser ist nach dem Krieg am 20.12.1951 zum sog. “Heroj” der jugoslawischen Volksarmee erklärt worden.

In der neu gegründeten Föderativen Volksrepublik Jugoslawien, hat er eine militärische Ausbildung in der Marineakademie und Lehrgänge der Kriegsakademie besucht.

Nachdem er seine militärische Ausbildung abgeschlossen hatte, wurden ihm höhere militärische und politische Positionen zugeteilt. Dazu gehörte, dass er Stabschef des Marinekommandos und Befehlshaber des Militärbezirkes Küstenverteidigung wurde. Dadurch wurde er gleichzeitig stellv. Verteidigungsminister von Jugoslawien.

In dieser Eigenschaft liess er sich von Soldaten der jugoslawischen Armee in der Küstenstadt Opatija, eine riesige Villa, die sog. Mamula-Villa bauen, deren Eigentumsverhältnisse bis heute noch nicht geklärt worden sind. Deren Bau sollte später beim Zerfalls Jugoslawiens noch eine grössere Rolle spielen.

Einen vorläufigen Höhepunkt seiner Karriere erreichte er, als er von Staatspräsident Josip Broz Tito zum Chef des Generalstabes der jugoslawischen Streitkräfte und zum Admiral der Seestreitkräfte ernannt worden ist. Dabei blieb er weiter einer der stellv. des jugoslawischen Verteidigungsministers und hat, wie unzählige Fotos zeigen, eng mit Tito zusammengearbeitet.

Nach dessen Tod ist er im Jahr 1980 zum Verteidigungsminister Jugoslawiens ernannt worden und hat dieses Amt bis 1988 ausgeübt. In diesem Jahr ist er von Veljko Kadijević abgelöst worden.

Schon während seiner Amtszeit zeichneten sich in Jugoslawien erste politisch/nationale Konflikte ab, die auch aufgrund von wirtschaftlichen Problemen entstanden waren. Bereits im Oktober 1987 hat Mamula als Verteidigungsminister, die Politkommissare der Armee zu einer Krisensitzung nach Belgrad gerufen. In einer Rede hat er darauf hingewiesen, dass die Sicherheit des Landes gefährdet sei und der Zeitpunkt gekommen ist, an dem sich die Armee melden muss, weil sie als Schutzfaktor ein untrennbarer Teil der Gesellschaft sei. Mehr dazu hier.

An den politischen und militärischen Ereignissen der Jahre 1990/1991 war er nicht mehr unmittelbar beteiligt und er lebte in seiner Villa in Opatija, hat es aber vorgezogen, diese 1991 zu verlassen um sich an seinen jetzigen Wohnort in Montenegro zu begeben.

Dort ist er jetzt von Reportern einer Zeitung aufgesucht und interviewt worden. Den ersten Teil dieses Gespräches kann man hier lesen. Er berichtet über Ereignisse die nach seiner Meinung zum Zerfall von Jugoslawien geführt haben und schildert den Ablauf der Geschichtsereignisse, aus seiner subjektiven Sicht.

Er bringt darin aber auch seine Sehnsucht zum Ausdruck, noch einmal in seine alte Heimat reisen zu dürfen, um dabei evtl. auch noch Freunde “aus alten Zeiten” treffen zu können.

Meinung: Die kroatischen Behörden sollten grossherzig sein und es ermöglichen, dass ihm dieser Wunsch erfüllt wird, wenn es sich um einen rein privaten Besuch handelt. Nach m.M. ist er ein Teil der Geschichte dieses Landes und einer der letzten Zeitzeugen, der über die die monarchistische Zeit Jugoslawiens, die Kriegszeit von 1941 bis 1945 und die Nachkriegszeit, bis zum Zerfall der gemeinsamen Republik, aus seiner Sicht berichten könnte.

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