Unangepasste Geschwindigkeit war schuld an vielen Osterunfällen in Österreich

“Auch wenn es punktuell wieder ein hohes Verkehrsaufkommen gegeben hat, fällt gesamt gesehen die heurige Unfallbilanz des Osterwochenendes vergleichsweise positiv aus”, meint ÖAMTC-Verkehrsexperte Willy Matzke. Wie in den vergangenen Jahren waren auch heuer während der Osterfeiertage wieder tausende Polizisten österreichweit im Einsatz. “Die Präsenz der Exekutive belegt eindrucksvoll, dass nachhaltige Verkehrserziehung vor allem durch Anhaltungen erzielt werden kann”, erläutert Matzke. “Dazu braucht es allerdings ausreichend Personal, das in der Vergangenheit zum Teil leider wegrationalisiert worden ist.”

Eine der Hauptursachen der tödlichen Unfälle in der Karwoche war unangepasste Geschwindigkeit. “Ausgesprochen populistisch ist es aber, wenn Scharfmacher deshalb generell niedrigere Tempolimits fordern”, betont der ÖAMTC-Experte. “Vielmehr geht es darum, die Geschwindigkeit an äußere Gegebenheiten anzupassen.” Auch am Osterwochenende hat sich einmal mehr gezeigt, dass, obwohl rund die Hälfte des Fernverkehrs über Autobahnen und Autostraßen rollt, dort nur zehn Prozent der schweren Unfälle passieren. In erster Linie ist es der Zustand des Fahrzeugs, der Reifen und der Fahrbahn, die in punkto Sicherheit eine entscheidende Rolle spielen. Der ÖAMTC ist bei seinen Tests im Forschungsbereich Reifen-Fahrwerk-Fahrbahn immer wieder zum gleichen Ergebnis gekommen – wo gute Fahrer in modernsten Autos mit besten Bremsen aus Tempo 80 schon stehen, rasen gleich gute Fahrer in gleichen Autos aber mit schlechten Reifen noch immer mit Tempo 50 weiter. “Die Realität zeigt aber, dass im Alltag weder Lenker noch ihre Autos in Top-Verfassung sind”, hält Matzke fest.

Fahrfehler in schlechteren Alltagsautos in Kombination mit unausreichendem Sicherheitsabstand führen in der Regel zu schwersten Unfällen. Nach Einschätzung des ÖAMTC ist ein ausreichender Sicherheitsabstand das beste Mittel um folgenschwere Unfälle zu vermeiden. “Auch wenn es unrealistisch klingt, sollte der Abstand auf städtischen Hauptstraßen etwa fünf Autos entsprechen”, erläutert Matzke. “Sicherheit braucht Platz, auf Überland das Doppelte und auf Autobahnen sogar das Dreifache oder mindestens drei Lkw-Züge.” Dass dies möglich ist, zeigt ein Blick ins benachbarte Ausland. Auf der dreispurig ausgebauten Autobahn Venedig-Mailand gilt nicht nur ein generelles Lkw-Überholverbot, sondern auch ein Mindestsicherheitsabstand für Lkw von 70 Metern, damit Pkw gefahrlos aus und einfahren können. In Tunnels in Slowenien und Kroatien sind 100 Meter Sicherheitsabstand für Pkw und 200 Meter für gefährliche Lkw vorgeschrieben. “Dass derartige Vorgaben für Österreich unrealistisch und nicht umsetzbar seien, hat man vom Sicherheitsgurt und von der Helmpflicht auch geglaubt”, nimmt der ÖAMTC-Experte etwaigen Kritikern den Wind aus den Segeln. Der ÖAMTC fordert deshalb eine Aufklärungskampagne über den richtigen Sicherheitsabstand, wie was in den Fahrtechnikzentren des Clubs schon den Kindern beigebracht wird.

Quelle: OTS

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