Wachsender Individualtourismus stellt ÖAMTC-Schutzbrief-Nothilfe vor neue Aufgaben

Es gibt einige Menschen, die mit dem Gedanken “mir passiert schon nichts” auf Urlaub gehen und dann ernsthafte Probleme bekommen. “Wer glaubt, dass er beispielsweise mit seiner grünen E-Card in Spanien etwas ausrichtet, irrt. Besonders in Tourismushochburgen wie Gran Canaria oder an der spanischen Südküste empfiehlt sich eine finanzielle Absicherung für den Fall einer ernsthaften Erkrankung oder eines Unfalles”, sagt Michael Tagunoff, Leiter der ÖAMTC-Schutzbrief-Nothilfe anlässlich der jährlichen Sitzung des “Wissenschaftlichen Beirats der ÖAMTC-Schutzbriefdienste” am 26. April in Wien.

Spanien ist das Land im Geltungsbereich des ÖAMTC-Schutzbriefes (Reiseländer innerhalb Europas, Mittelmeerinseln und- länder, Kanaren, Azoren sowie Madeira), das im Durchschnitt die teuersten Rückholungen durch die ÖAMTC-Schutzbrief-Nothilfe aufweist. Eine Rückholung im Ambulanzjet von den Kanaren kostet rund 25.000 Euro. Zusätzliche Krankenhauskosten von 10.000 Euro für ein paar Tage sind zudem keine Seltenheit. “Es gibt nur sehr wenige Menschen, die solche Summen aus der Urlaubskasse bezahlen können”, sagt der ÖAMTC-Experte. Die ungefragte Behandlung von europäischen Touristen in teuren Privatkliniken hat sich mancherorts zu einem eigenen Wirtschaftszweig entwickelt. Und so liegt Ägypten bei den durchschnittlichen Rettungskosten an zweiter Stelle, gefolgt von der Türkei und Italien.

Bei der Anzahl aller organisierten Krankentransporte liegt Österreich als “Abholungsland” im Ranking vor Italien, Deutschland, Kroatien und der Türkei.

Bei Reisen ausserhalb des Schutzbrief-Geltungsbereichs verzeichnete der ÖAMTC im Vorjahr die meisten Schadensfälle in den USA (89), Thailand (44) und Kanada (10), bei denen der ÖAMTC-Weltreise-Krankenschutz zum Tragen kam.

Wird der Rücktransport eines Verunfallten oder Kranken aus einem Urlaubsland erforderlich, ist oftmals eine Anamnese durch einen Vertrauensarzt des ÖAMTC vor Ort notwendig. Als fachliche Unterstützung stehen rund 40 Ärzte der verschiedensten Fachrichtungen in Österreich zur Verfügung, die auch den “Wissenschaftlichen Beirat der ÖAMTC-Schutzbriefdienste” bilden. “Ist die Expertise eines Unfallchirurgen oder Kinderarztes gefragt, genügt ein Anruf. Im Team wird dann die Entscheidung über das jeweils adäquate Transportmittel getroffen”, erklärt Tagunoff.

Die Reise- und Freizeitgewohnheiten der Österreicher haben sich in den vergangenen Jahren gewandelt. Das stellt den ÖAMTC auch vor neue Herausforderungen. “Dank der internationalen Vernetzung und des guten Teamworks kann die Schutzbrief-Nothilfe des ÖAMTC auch in den entlegensten Winkeln der Erde tatkräftige Unterstützung leisten”, sagt Tagunoff. Der wachsende Individualtourismus führte im Jahr 2009 zu spektakulären Rückholungen durch die ÖAMTC-Schutzbrief-Nothilfe. So wurde im Vorjahr beispielsweise eine Oberösterreicherin heimgeflogen, die beim Reiten auf der Insel Olchon im Baikalsee, 400 Kilometer fernab jeder Zivilisation, verunglückt war. Ein Steirer verunfallte auf einer Motorradtour durch Pakistan. Zwei Ambulanzflüge und seine Operation in einer indischen Privatklinik beliefen sich auf rund 66.000 Euro.

Oftmals Grund für eine Rückholung durch den ÖAMTC sind auch Autounfälle im Ausland – die mit einem finanziellen Fiasko enden können, wenn man nicht richtig versichert ist. Die vierköpfige Familie S. aus Wien wurde in Oregon (USA) schuldlos in einen schweren Unfall verwickelt. Der Unfallfahrer stand unter Drogen, die Deckungssumme seiner Haftpflichtversicherung betrug nur 10.000 Euro. Der Krankenhausaufenthalt für alle Familienmitglieder in den USA und der Rückflug im Ambulanzjet verursachten Kosten von rund 280.000 Euro. Das ist somit die teuerste jemals durchgeführte Rückholung, die jemals vom ÖAMTC durchgeführt worden ist.

In allen als Beispiel genannten Fällen war ein Weltreise-Krankenschutz – ein Zusatzprodukt zum Schutzbrief mit weltweiter Gültigkeit – abgeschlossen worden. Daher hat der ÖAMTC die Kosten übernommen.

Quelle: OTS

Anmerkung:
Beim ADAC in Deutschland dürfte es ähnlich sein, wie bei dem ÖAMTC.

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