Fordert Ankläger 27 Jahre Haft für Ante Gotovina?

Am 23.7.2010 wurde berichtet:

Am 7.12.2005 ist der ehemalige kroatische General Ante Gotovina auf der spanischen Insel Teneriffa festgenommen und danach in Untersuchungshaft gebracht worden. Danach hat am 10.3.2008  vor dem Internationalen Strafgerichtshof für das ehemalige Jugoslawien, der Prozess gegen ihn und die ehemaligen kroatischen Generäle Ivan Cermak und Mladen Markač begonnen.

Heute melden verschiedene kroatische Medien, dass der Chefankläger gegen ihn eine Haftstrafe von 27 Jahren, für Mladen Markač von 23 Jahren und für Mladen Markač von 17 Jahren, in seinem Plädoyer fordern wird.

Aus den gleichen Quellen war zu erfahren, dass der Prozess am Ende des Monats August 2010, spätestens am Anfang des Monats September 2010, mit der Urteilsverkündung beendet werden soll.

Edit: Heute Nachmittag wurde gemeldet, dass von dem Ankläger tatsächlich eine Gefängsnisstrafe von 27 Jahren für Gotovina gefordert wird. Mehr dazu hier.

6 Kommentare zu “Fordert Ankläger 27 Jahre Haft für Ante Gotovina?”

  1. Mrvica

    Sollte General Gotovina wirklich verurteilt werden,bin ich auf die Urteilsbegründung schon mal gespannt.
    Ich könnte mir vorstellen das eine Verurteilung unabsehbare Folgen
    bei den ohnehin eher EU skeptischen Kroaten in der Bevölkerung haben würde.

  2. istra

    Das Schwanken des Balkan zwischen Nationalismus, Krieg und Armut einerseits und Kooperation, Frieden und Aufschwung andererseits ist uralt, und befand sich im Bürgerkrieg 1991-1995 wiederum in einer Extremposition.

    Wann endlich wird der Balkan sich mehrheitlich zu einer Position entscheiden und außerdem die Taten ihres “Heroen” im Lichte der Realität betrachten zu geruhen?

  3. Soline

    @Istra

    Diesem Kommentar könnte ich mich anschliessen, wenn man den Begriff Balkan, der ein osmanischer Begriff ist, durch die Bezeichnung Südosteuropa ersetzen würde.

    Es ist ein Phänomen, dass ein deutscher Reichskanzler den Begriff “Balkan” zum ersten mal international hoffähig machen konnte.

    Als Bürger Kroatiens würde ich mich niemals als “Balkanese”, sondern gerne als Bürger Südosteuropas bezeichnen lassen.

    Diese Südosteuropäer z.B. Kroaten und Serben, haben dazu beigetragen, dass die österreichische Reichshauptstadt “Bec” oder wie man heute sagt Wien, nicht von den Osmanen eingenommen werden konnte. – Ist das bis heute vergessen worden?

  4. istra

    @Soline
    ich werde nicht zu persönlichen Befindlichkeiten etwas sagen. Auch fiele mir nicht im Traum ein, einen Kroaten als “Balkanesen” zu bezeichnen.

    Der Begriff Balkan ist für eine bestimmte geografische Region allgemein eingeführt, und nicht negativ besetzt, wohl aber mit den regionalen Besonderheiten verbunden.
    In Österreich beispielsweise sagt man mit einer gesunden Selbstironie über sich selbst: “In Wien fängt der Balkan an”.
    Tatsächlich ist Wien und Ostösterreich zum Großteil slawischer Herkunft mit ähnlicher Lebensweise, und auch damit hat niemand ein Problem. Warum auch. Man ist Selbstbewusst.

    Der Einsatz kroatisch-bosnisch-serbischer Grenzbauern durch die Habsburger, um im Bosnisch-Serbischen Grenzland die Türken abzuwehren, ist in Österreich nach 600 Jahren wohl weitgehend vergessen. Die vielen Kämpfe gegen Türken am Balkan nach 1500 bis 1878 und die Beteiligung an den Kämpfen des ersten Weltkriegs, wo immer auch Kroaten kaiserliche Soldaten waren, spielen im Bewußtsein des heutigen Österreichs wohl keine Rolle mehr. Man darf nicht vergessen, dass sich das neue republikanische Österreich vom Adelswesen und von den Habsburgern vollkommen distanziert und Kroatien verloren hat.

    Den Adeligen damals waren die Soldaten ihrer multi-ethnischen Heere, also auch kroatische Soldaten, egal. Sie wollten nur Ihren Besitz und Regierungssitz Wien von den Türken zurück, was ihnen in der Schlacht am Kahlenberg bei Wien am 12. September 1689 schlussendlich mit Hilfe des Königlich-Polnischen Entsatzheers gelang.

    Von all dem sind wir heute nicht nur hunderte Jahre entfernt, sondern es haben sich alle Gesellschaften zum Positiven weiter entwickelt, so dass es
    unmöglich wurde, sich auf diese Ereignisse zu vergleichen oder zu berufen.

    Die heutige Europäische Union ist ein Friedensprojekt, wo endlose Verhandlungen Kriege ersetzen, in dem nationalistische Attidüden

  5. istra

    Die heutige Europäische Union ist ein Friedensprojekt, wo endlose Verhandlungen Kriege ersetzen, in dem nationalistische Attidüden ziemlich komisch aussehen.

  6. lowi

    Recht haben und Recht bekommen sind zwei paar Stiefel!
    Ich maße mir nicht an über etwaige Verfehlungen eines Generals zu urteilen, der sicher einen entscheidenden Beitrag für das heutige, freie Kroatien geleistet hat, aber wenn Kriege die Mittel der Politiker sind, nur mit anderen Mitteln, dann sollten sich HR-Politiker überlegen, wo sie hier in einer moralischen Verpflichtung sind. Die heutige, freie Bevölkerung wird das sicher sehr aufmerksam verfolgen, wie der “Opfer-Gang” dieses Mannes verläuft…
    Und wo bleibt dann auch das “gleiche Recht” für ALLE? Da befinden sich noch immer Personen die in diesem unheilvollen Krieg gewirkt haben auf freiem Fuss und entscheidende Stellen sind auf beiden Augen blind.

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