Geschäftsergebnis der Hypo Group Alpe Adria Bank

Die Hypo Group Alpe Adria (HGAA) hat gestern ihr Ergebnis für das erste Halbjahr 2010 veröffentlicht. Die Stabilisierung der Geschäftstätigkeit nach der Verstaatlichung Ende 2009 und eine umfassende Analyse der Ist-Situation lagen in den ersten Monaten im Fokus der neuen Konzernführung. Das Nettozinsergebnis konnte gesteigert werden, die Betriebsaufwendungen blieben annähernd auf gleichem Niveau. Aufgrund erhöhter Risikovorsorgekosten und gesunkener sonstiger Betriebserträge musste ein negatives Vorsteuerergebnis von EUR -449 Mio. bzw. ein Konzernergebnis (nach Minderheiten) von EUR -499 Mio. ausgewiesen werden. Die Kundenanzahl konnte stabilisiert werden, die Kundeneinlagen konnten um EUR 300 Mio. gesteigert werden.

Die Risikovorsorgen für das Kreditgeschäft belasten das erste Halbjahr 2010 mit EUR 667 Mio. nach einem Betrag von EUR 1,672 Mrd. für das gesamte Geschäftsjahr 2009. Das Nettozinsergebnis des Konzerns verbesserte sich gegenüber den ersten sechs Monaten des Vorjahres von EUR 390 Mio. auf EUR 447 Mio. (plus 15 Prozent). “Die umfassende Kreditrisikoanalyse hat einen Bedarf an Risikovorsorgen in Höhe von EUR 667 Mio. gezeigt, dadurch ergibt sich trotz des positiven operativen Ergebnisses ein Halbjahresverlust von EUR 499 Mio.”, so Gottwald Kranebitter, seit Anfang April 2010 neuer Vorstandsvorsitzender der Hypo Group Alpe Adria.

Die Risikovorsorgen konzentrieren sich auf Engagements in Südosteuropa. Diese Entwicklung wurde verstärkt durch das nach wie vor angespannte wirtschaftliche Umfeld in der südosteuropäischen Region, die aktuelle Einschätzung über die in dieser Region erwartete verzögerte Erholung und die ausgetrockneten Immobilienmärkte. Die Non-performing loans (NPLs) sind im 1. Halbjahr 2010 auf EUR 8,27 Mrd. gestiegen.

Die Bilanzsumme erhöhte sich in den ersten sechs Monaten leicht um rund EUR 0,7 Mrd. auf EUR 41,8 Mrd. – resultierend in erster Linie aus dem Aufbau der Liquiditätsreserve. Rückläufig waren die Forderungen gegenüber Kunden mit EUR 29,6 Mrd. (31. Dezember 2009: EUR 30,1 Mrd.). Die vorhandenen Konzern-Eigenmittel erreichten bis zum 30. Juni 2010 EUR 3,2 Mrd., Die Gesamteigenmittelquote lag im Konzern bei 10,6 Prozent, die Kernkapitalquote bei 7,3 Prozent.

“Trotz der schwierigen Rahmenbedingungen konnten wir die Zahl unserer Kunden bei 1,2 Mio. stabilisieren. Zuwächse haben wir vor allem in Kroatien, Serbien und Slowenien verzeichnen können. Das Einlagenvolumen konnte im ersten Halbjahr 2010 um EUR 300 Mio. gesteigert werden”, resümiert Kranebitter. Die kräftigsten Zuwächse gab es dabei in Kroatien, Slowenien und Bosnien und Herzegowina. Kranebitter: “Besonders erfreulich ist, dass es auch in Österreich gelungen ist, nach den massiven Abflüssen Ende 2009 eine Stabilisierung der Einlagen zu erreichen.”

Als Signal für eine vollständige Neuausrichtung wurden im ersten Halbjahr die obersten Gremien der Gruppe, Aufsichtsrat und Vorstand, neu besetzt. “Der Umbau der Gruppe folgt einer klaren Strategie und konzentriert sich auf den gesunden und profitablen Kern jener Märkte und Geschäftsfelder, in denen die HGAA eine signifikante Marktpräsenz mit nachhaltigem Erfolg und Wachstumsmöglichkeiten verbinden kann”, betont Kranebitter. Das sind die Österreich als Heimmarkt sowie die Kernmärkte Slowenien, Kroatien, Serbien sowie Bosnien und Herzegowina. In diesen Märkten will die Gruppe auch künftig das volle Spektrum an Bank- und Leasingprodukten für sämtliche Kundengruppen anbieten. Für die Banken in Italien und Montenegro, die weiterhin auf ihren Märkten voll aktiv sind, wird ein mittelfristiger Verkauf angestrebt. Für die Einheiten in anderen Märkten und Geschäftsfeldern liegt der Schwerpunkt auf der Verwaltung des bestehenden Geschäfts, die Möglichkeiten von Übertragungen auf neue Eigentümer werden evaluiert. Von nicht zum Bankgeschäft gehörenden Beteiligungen und Immobilien wird sich die Bank nach den Möglichkeiten am Markt trennen.

Mit den eingeleiteten und umgesetzten Maßnahmen zur Verbesserung des Risikomanagements, zur Stabilisierung der Qualität des Kreditportfolios, zur Stärkung der Einlagenbasis und zum wertschonenden Abbau von Geschäftsbereichen ausserhalb des definierten Kerngeschäfts schafft die HGAA die Ausgangsbasis für den Erhalt und die Festigung der Gruppe als deutlich kleinere aber nachhaltig stabile und profitable Alpe-Adria Bank.

In den Märkten der Gruppe wird auch für das zweite Halbjahr ein anhaltend schwieriges makroökonomisches Umfeld erwartet, ein Aufschwung wird erst 2011 erwartet. Aufgrund dieser makroökonomischen Situation, unter der auch unsere Kunden leiden, und der nach wie vor geringen Anzahl an Transaktionen am Immobilienmarkt werden auch im zweiten Halbjahr die Risikovorsorgen das Bilanz- und Ertragsbild der Gruppe prägen. Für das Gesamtjahr 2010 werden Risikovorsorgen in Höhe von rund EUR 1 Mrd. erwartet. “Unser klares Ziel ist es, 2011 ein ausgeglichenes Ergebnis zu erreichen”, so Kranebitter.

Seit der Verstaatlichung haben Eigentümer und Management die Voraussetzungen und die erforderliche Basis für die Redimensionierung, Sanierung und Neuausrichtung zu einer deutlich kleineren, fokussierten SEE-Regionalbank in den Kernländern der Alpen-Adria Region geschaffen. Das ist auch Grundlage für den Umstrukturierungsplan, der derzeit gemeinsam mit dem Eigentümer, der Republik Österreich, mit der EU-Kommission abgestimmt wird.

Vorstandsvorsitzender ist Dr. Gottwald Kranebitter (CEO). Mag. Wolfgang Edelmüller als Chief Risk Officers (CRO), Mag. Johannes Proksch als Chief Financial Officers (CFO) und Dkfm. Rainer Sichert als Chief Operations and Market Officer (COMO) komplettieren den Konzernvorstand. Zum Aufsichtsrats-Vorsitzenden wurde Dr. Johannes Ditz, zu seinem Stellvertreter Dr. Rudolf Scholten gewählt. Die weiteren Kapitalvertreter im Aufsichtsrat sind Mag. Alois Steinbichler und DI Dr. Helmut Draxler.

Die Hypo Group Alpe Adria ist eine internationale Finanzgruppe mit rund 350 Bank- und Leasing-Standorten in 12 Ländern (Österreich, Italien, Slowenien, Kroatien, Bosnien-Herzegowina, Serbien, Montenegro, Deutschland, Ungarn, Bulgarien, Mazedonien und der Ukraine), die auf eine über 110-jährige Geschichte zurückblickt. Die Konzerndachgesellschaft der Hypo Group Alpe Adria ist die Hypo Alpe-Adria-Bank International AG mit Sitz in Klagenfurt (Österreich). Die Republik Österreich (Bund) ist zu 100% Eigentümer der Hypo Group Alpe Adria. Im Hypo Group Alpe Adria-Netzwerk sind derzeit rund 8.000 Mitarbeiter für über 1,2 Millionen Kunden tätig.

Quelle: OTS

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