“Deutsche und Russen klopfen an die Tür von Kroatien”

Diesen Titel hat Branko Podgornik ein Journalist der Zeitung Novi List, für eine Kolumne in der heutigen Ausgabe gewählt.

Er schreibt u.a.:

Deutsche Unternehmer haben am 16.9.2010 der Ministerpräsidentin Jadranka Kosor Unterlagen vorgelegt aus denen hervorgeht, dass sie bereit sind fünfzehn größere Wirtschaftsprojekte in Kroatien zu finanzieren. Am Vortag des Unabhängigkeitstages hat eine Zeitung angekündigt, dass die Ministerpräsidentin und der Wirtschaftsminister Đuro Popijać, diese Unterlagen intensiv studieren werden und in absehbarer Zeit, konkrete Resultate bekannt geben.

Die Namen der deutschen Investoren und die Höhe der geplanten Investitionen sind noch nicht öffentlich bekannt. Der Geschäftsführer des Ostausschusses der deutschen Wirtschaft, Rainer Lindner hat mitgeteilt, dass es sich um große Unternehmen handelt, die im Bereich des Eisenbahn- und Luftverkehrs und im Bereich der Energieversorgung tätig werden wollen.

Hierbei handelt es sich um eine gute Nachricht, weil unser Land eines der seltenen Länder in Europa ist, wo es einen Rückschritt in der Wirtschaftsentwicklung gibt und sich die Zahl der Arbeitslosen auf alarmierende Art und Weise, der Zahl von 300.000 nähert. Bei der jetzt zwei Jahre andauernden Rezession hat die Regierung keine ernsthafteren strategischen Maßnahmen zur Ehrholung der Wirtschaft unternommen. Man erhoffte sich eine Wirtschaftsaufschwung durch den Import von Waren aus dem Ausland. Jetzt sehen wir, dass die von der Regierung angekündigten Großinvestitionen von außerhalb angeregt worden sind.

Eine Woche nachdem die deutschen Unternehmer ihr Angebot bei der Ministerpräsidentin abgegeben haben hat die Regierung ein Programm verkündet, nachdem dreissig Projekte mit einer Investitionssumme von 14 Milliarden Euro geplant werden, welche von ausländischen und einheimischen Investoren getragen werden sollen. Noch präziser: Die Deutschen haben durch ihre Vertreter die fünfzehn Projekte nach Durchführung des Deutsch-Kroatischen Wirtschaftsforums, welches Mitte Juni d.J. in Zagreb, bei dem mehr als 250 Geschäftsleute und Politiker aus Kroatien und Deutschland anwesend waren, vorgeschlagen.

Der Präsident des Ostausschusses der deutschen Wirtschaft, Klaus Mangold sagte, dass Deutschland im Moment der zweitgrößte Handelspartner von Kroatien sei und man anstrebt, den ersten Platz zu übernehmen.

Das genannte Wirtschaftsforum sei ein Resultat des Arbeitstreffens zwischen der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel und der kroatischen Ministerpräsidentin Jadranka Kosor, welches Anfang Februar d.J. in Berlin stattgefunden hat gewesen. Unmittelbar nach diesem Treffen habe die Kanzlerin dafür gesorgt, dass auch ein Gespräch zwischen der Ministerpräsidentin und dem deutschen Wirtschaftsminister stattgefunden hat. Beide haben betont, die bilateralen Verhältnisse beider Länder sind ausgezeichnen sind und die Wirtschaftsbeziehungen sollen eine Priorität haben.

Die deutschen Unternehmer betonten jetzt, dass in Kroatien inzwischen dafür gesorgt wurde, bessere Investitionsbedingungen zu schaffen und die Bekämpfung der Korruption sei ihnen besonders wichtig. Es hat den Anschein, dass die deutsch/kroatischen Wirtschaftsbeziehungen “keinen Wind in die Segel bekommen konnte”, so lange Ivo Sanader sein Amt als Ministerpräsident noch ausgeübt hat.

Weiterhin schreibt er, es sehe so aus, dass auch die Russen auf den Rücktritt von Sanader gewartet haben, der keine Anzeichen gezeigt hat, mit diesem grossen Land bessere Wirtschaftsbeziehungen pflegen zu wollen. Nur einen Tag nach dem Besuch der deutschen Unternehmer bei der Regierung in Zagreb sei eine Delegation von dreissig Geschäftsleuten aus Russland eingetroffen. An ihrer Spitze habe sich Minister Sergej Šojgu befunden. Auch von dieser Gruppe ist ebenfalls ein großes Interesse gezeigt worden, sich in Kroatien an bestimmten Projekten zu beteiligen und Investitionen vorzunehmen.

Ob es bei den geplanten Vorhaben der Deutschen und Russen konkrete Resultate gibt, hängt nun von der kroatischen Regierung und ihren strategischen Zielen ab, wobei auch die Unterstützung der kroatischen Wirtschaft notwendig ist.

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