Paradoxes aus Novigrad in Istrien

In Istrien gehört eine gewisse Zahl von Einwohnern der italienischen Minderheit an. Damit ihre und die Rechte ihrer Kinder gewahrt werden, werden in mehreren Orten Schulen betrieben, die den Kindern dieser Minderheit vorbehalten sind.

Das ist auch in der Stadt Novigrad der Fall. In der dortigen Grundschule, die für diese Schüler betrieben wird, ist die Stelle eines neuen Leiters zu besetzen. Dafür hat sich Marica Labinjan beworben. Sie ist schon zwanzig Jahre an dieser Schule als Lehrerin beschäftigt und ist auch teilweise in Italien ausgebildet worden. Sie spricht selbstverständlich auch die italienische Sprache. Sie scheint nur einen Fehler zu haben. Sie ist Kroatin und gehört nicht der italienischen Minderheit an. Der zuständige Schulausschuss hat dennoch schon zwei Mal entschieden, dass sie die neue Leiterin werden soll.

Diese Entscheidung muss von dem zuständigen Ministerium in Zagreb bestätigt werden. Diese ist noch nicht erfolgt, weil mehrere Vertreter der italienischen Minderheit in Istrien dagegen sind, dass jemand, der nicht ihrer Nationalität angehört, zum Leiter einer solchen Schule ernannt wird.

Nach m.M. ist solch eine Einstellung paradox, zumal diese Frau die italienischen Kinder schon zwanzig Jahre erfolgreich unterrichtet hat.

Anmerkung: Nach der Volkszählung von 2001 sind 70% der Einwohner von Novigrad Kroaten, 13% Italiener, 3% Albaner, jeweils 2% Serben und Slowenen, sowie 1,2% Istrianer.

Wie die Probleme der italienischen Minderheit in Kroatien aus deren Sicht betrachtet werden, kann man hier lesen.

Frage: Wo in Italien hat eine nationale Minderheit so viele Rechte, wie die italienische Minderheit in Kroatien?

6 Kommentare zu “Paradoxes aus Novigrad in Istrien”

  1. istra

    @ soline
    Deine Frage zielt auf einen Aufrechnung mit Italien ab und der ist wie immer bei solchen Vergleichen/Aufrechnungen nicht möglich:
    Warum? Ein Beispiel: darf etwa die deutsche Regierung Islam-Gläubige behindern, weil in der Türkei von der Regierung die Christen behindert werden? Nein! Natürlich nicht.
    Die Welt erwartet von einem starken Kroatien, dass die Minderheitenrechte nach der eigenen Verfassung voll gewährt werden. Grundsätzlich!
    (Damit nehme ich zu dem konkreten Konflikt keinerlei Stellung, besonders auch, weil die Konfliktdetails für Außenstehende kaum voll nachvollziehbar sind. Ja ich sage sogar, es KANN durchaus besser sein, dass eine Kroatin den job macht, aber darauf kommt es nicht an!).

  2. Soline

    @Istra
    Du schreibst: “Deine Frage zielt auf einen Aufrechnung mit Italien ab….”
    Es geht nicht um eine Aufrechnung, sondern um eine ganz einfache Frage.

    Zum Thema Minderheiten und ihre Rechte in Kroatien:
    Die verhältnismässig grosse Zahl von Bürgern die Kroatien zu verzeichnen hat, hängt mit seiner Geschichte zusammen.
    Nenn mir bitte mal einen Staat in Europa, in dem den nationalen Minderheiten in der Verfassung, Gesetzgebung und Praxis, so viele Rechte zugebilligt werden, wie in Kroatien.

    Zur Info: Ich selbst gehöre einer Minderheit in Kroatien an und bilde mir ein, gerade bei diesem Thema etwas mitreden zu können und diese Frage stellen zu dürfen.

  3. istra

    @ soline

    selbstverständlich gestehe ich jedem (und mir) das Recht zu sich zu wundern, wenn eine Minderheit aus seiner persönlichen Sicht sagen wir sich eigenartig verhält. Darüber muss man reden können.

    Ich habe die hervorragende Verfassung Kroatiens gelesen und habe mich darüber gefreut.
    In dem nachfolgenden Link haben sich Professoren der UNI Köln mit dem Thema beschäftigt. dort kann man Verschiedenes zu den Minderheitsrechten in Kroatien auf Deutsch nachlesen:

    http://www.uni-koeln.de/jur-fak/ostrecht/minderheitenschutz/Vortraege/Kroatien/Kroatien_Marco_Geistlinger.doc

    Wer sich nur zu dem Schulgesetz und da dem Artikel über die Zurechnung des Lehrkörpers zu einer Minderheit interessiert, dem habe ich hier den Auszug einkopiert:

    Zitat: “…17. Gesetz über die Erziehung und Bildung in der Sprache und Schrift der nationalen Minderheiten
    Zakon o odgoju i obrazovanju na jeziku i pismu nacionalnih manjina, N. N. 51/00, 56/00 (pos. 1129, 1258)
    Art. 10

    Die erzieherisch-ausbildende Arbeit in Schulanstalten mit dem Unterricht in der Sprache und Schrift der nationalen Minderheiten werden Lehrer aus den Reihen der nationalen Minderheiten verrichten, die die Sprache der nationalen Minderheit perfekt beherrschen, bzw. Lehrer, die nicht aus den Reihen der nationalen Minderheiten stammen, aber die Sprache der nationalen Minderheiten beherrschen.

    ….” Ende Zitat.

    Dem möchte ich nur noch hinzufügen: das Nähere regeln die Vernunft oder die Gerichte, und ich halte es als Sache der Minderheit zu akzeptieren, zu verhandeln oder gar vor Gericht zu ziehen. Im Moment kann ich nicht erkennen, dass man die von soline genannte Kroatische Lehrkraft die Tätigkeit nicht anvertrauen könnte. Ich weiß nicht, warum sie das Vertrauen der Minderheit nicht besitzt. Da müsste man Insiderinformationen haben. Die Frage, ob überhaupt eine Person der Minderheit als Lehrer benannt wurde, ist unbeantwortet. Wenn allerdings das so wäre, dass aus den Reihen der Minderheit Jemand qualifiziert zur Verfügung steht und vorgeschlagen wurde, hätte die Minderheit das Anrecht auf Priorität! Dieses Prioritätsrecht geht aus dem Gesetzeskontext hervor und war in der ersten Fassung von 1992 auch enthalten.

    Nur für den Fall, dass dem so wäre, sollten die Inhaber der Macht sich weise verhalten, und die Minderheitenrechte nicht einzuschränken zu versuchen.
    Wenn hingegen kein Prioritätsrecht behauptet wurde hat soline Recht.
    Man erkenne bitte aber auch an, dass solche Fragen innerkroatisch gelöst werden können und müssen.

  4. ar björn

    Schon mal was von Süd-Schleswig und der dänischen Minderheit in D gehört ? Nur EIN Beispiel.
    Bitte die Allwissenheit etwas tiefer hängen, die konvertitenhafte Kroatienliebe stört

  5. Soline

    @ ar björn

    Stell dir vor, das habe ich.

    Wenn dich meine, als kroatischer Minderheitsangehöriger, konvertitenhafte Kroatienliebe stört, nur ein kleiner Hinweis: Es gibt keinen Zwang zu lesen, was in diesem Blog geschrieben wird.

    Viele Grüsse von der Insel Krk.

  6. istra

    @ soline @ ar björn

    Wie? geht es eigentlich hier um einen Wettbewerb der Minderheiten unter sich? Herrschaften, das wäre sinnlos. Anschuldigungen a la ar björn sind ja eh für die Allgemeinheit und für mich (noch) nicht verständlich, treffen mich daher (auch) nicht. Liebe, auch Kroatenliebe, ist egal in welcher Form immer positiv und gut.
    Das Problem könnte nun auch sein, dass das geschriebene Wort auf die Goldwaage gelegt wird. Das ist ein Problem, dass von Emails her sehr bekannt ist. Das sollten wir nicht tun. Daher finde ich soline´s Reaktion verhalten und souverän. Wir können ja solche differenzierten und emotional beladene Themen in einem Wochenende persönlich besprechen.

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