Kroatien nähert sich der EU-Zielgeraden

“Nach fünf Jahren intensiver Beitrittsverhandlungen nähert sich Kroatien der Zielgeraden”, betont Christoph Leitl, Präsident der Wirtschaftskammer Österreich, anlässlich der vorgestern, Dienstag, vorgelegten Fortschrittsberichte der EU-Kommission zum Stand der Erweiterung auf dem Westbalkan und der Türkei. Auch andere Länder des Westbalkans haben im letzten Jahr große Schritte in Richtung EU gemacht. Die Kommission hat auch empfohlen, Montenegro den Status eines Beitrittskandidaten zu verleihen sowie Beitrittsverhandlungen zu starten. Für Albanien empfiehlt die Kommission bei ausreichenden Fortschritten ebenfalls die Aufnahme von Beitrittsverhandlungen.

“Für die gesamte Region muss die europäische Perspektive weiter vorangetrieben werden. Dies ist aus politischer und wirtschaftlicher Sicht von großer Bedeutung für ganz Europa”, ist Christoph Leitl überzeugt. “Politische Stabilität ist eine wesentliche Voraussetzung für wirtschaftliche Stabilität. Konflikte vor der Haustüre machen Österreich und ganz Europa unattraktiv für Handel und Investitionen.” Friede, Demokratie, Stabilität und Wohlstand liegen daher auch im ureigensten Interesse der Wirtschaft. Durch den Annäherungsprozess der Westbalkan-Länder an die EU werden diese Faktoren bedeutend gestärkt und gefördert.

“Auch Kroatien muss aber seine Reformbemühungen weiter verfolgen und verstärken. Rechtssicherheit ist für alle Wirtschaftsbeteiligten von größter Bedeutung”, betont der WKÖ-Präsident. Rechtlich ist Kroatien erst dann beitrittsreif, wenn alle Kapitel geschlossen sind. In wirtschaftlicher Hinsicht dürfte das Land bereits sehr weit fortgeschritten sein. Politische Hürden dürfen den wirtschaftlichen Reformprozess nicht hemmen. Die Wirtschaftskammer tritt dafür ein, Kroatien so bald wie möglich in die EU aufzunehmen: “Das ist gut für Kroatien, und das ist gut für die österreichische Wirtschaft”, so Leitl. Denn obwohl die österreichische Wirtschaft in Kroatien schon gut vertreten ist, wollen viele – vor allem und kleinere und mittlere Unternehmen – dessen Beitritt abwarten, bevor sie mit größeren Investitionen aktiv werden.

Der österreichische Handelsbilanzüberschuss mit Kroatien in Höhe von 837 Mio. Euro zählte 2008 zu den höchsten im globalen österreichischen Außenhandel. Auch im Krisenjahr 2009 wurde ein Überschuss von 655 Mio. Euro erwirtschaftet. Allein im Zeitraum Jänner bis August 2010 wurden 399 Mio. Euro erzielt. Sollte Kroatien alle weiteren Benchmarks rechtzeitig erreichen, könnten die technischen Beitrittsverhandlungen in den nächsten Monaten abgeschlossen werden.

Österreich zählt zu den bedeutendsten Investoren in den Ländern des Westbalkans und ist der größte Investor in Bosnien-Herzegowina, Kroatien und Serbien.

Quelle: OTS

Ein Kommentar zu “Kroatien nähert sich der EU-Zielgeraden”

  1. istra

    Der Herr Leitl in Ehren. Er ist ja lieb und nett – und kompetent.
    Aber er leitelt sich von österreichische Wirtschaftsinteressen.
    Auch er reiht sich in die Riege ein, die Kroatien in Sachen EU-Beitritt und Wirtschaftsfragen schön redet und weichspült.
    Kroatien ist in Wahrheit weit entfernt vom EU-Beitritt. Das ursprüngliche Beitrittsjahr 2006 ist nun 2013 oder 2014! Also 7 Jahre später und selbst das ist nicht sicher, wenn Kroatien die Wirtschaft weiter an die Wand fährt und die Justizreform weiter verschleppt. Diese beiden Systemrelevanten Reformfelder müssen auch dann raschest bestellt werden, auch wenn die EU einen Beitritt-light ermöglicht, und die Reformen nicht als zu 100% erledigt akzeptiert.
    Kroatiens Erfolg erfordert eine weiter Umstellung, eine ständige Modernisierung. Während sich Kroatien weiterentwickelt, tun es die Anrainerstaaten auch – nur schneller! Das verkrustete kroatische System muss aufgebrochen werden! Sonst passiert nichts.

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