Die Frage der Staatsbürgerschaft in Kroatien vor 1918

In Ungarn, welches zur Habsburger Monarchie gehörte, bestand ab dem Jahr 1791 ein eigenes Staatsangehörigkeitsrecht, obwohl das Land zu diesem Zeitpunkt nur ein Teil dieser Monarchie war.

Nach der im Jahr 1849 von Kaiser Franz Josef I. erlassenen Verfassung bestand eine allgemeine österreichisches Reichsbürgerschaft für die Gesamtmonarchie, zu der auch das Königreich von Kroatien, Slawonien und Dalmatien gehörte.

Nach der neuen Reichsverfassung von 1867 und dem Österreichisch/ ungarischen Ausgleich, als Folge der revolutionären Ereignisse des Jahres 1848, ist das Staatsbürgerschaftsrecht getrennt worden. Bürger die in den Küstenländern Triest, Görtz/Gradiška, Istrien und Dalmatien lebten, erhielten die ­österreichische und die Bürger, die in den “Ländern der ungarischen Krone” lebten, wozu Fiume/Rijeka, Kroatien und Slawonien gehörten, erhielten das ungarische Staatsbürgerschaftsrecht.

Dieses Recht wurde in der Regel durch das Heimatrecht in den einzelnen Ländern bzw. Gemeinden, wo die Bürger lebten bzw. geboren wurden erteilt. Ein besonderes und gemeinsames Staatsbürgerschaftsrecht für die Bürger des ehemaligen Königreiches von Kroatien, Slawonien und Dalmatien, hat es zur damaligen Zeit nicht gegeben. Auf dem Gebiet des heutigen Kroatiens hat es für die Bürger zwei unterschiedliche Staatsbürgerschaften gegeben. Die Österreichische oder die Ungarische.

Dabei ist bemerkenswert, dass trotz der unterschiedlichen österreichischen bzw. ungarischen Staatsbürgerschaft, im Ausland von einer einheitlichen Reichsbürgerschaft ausgegangen wurde. Das wird an den Einwanderungslisten in die Vereinigten Staaten von Amerika deutlich. Zur damaligen Zeit ist ein und dieselbe Person mehrfach in die USA eingereist. Auf diesen Listen werden sie einmal als österreichische und das nächste mal, als ungarische Staatsangehörige bezeichnet.

Bei der Frage der Staatsangehörigkeit von Bürgern aus Kroatien und Slawonien, sind weitere drei Punkte beachtenswert:

1.) Die Staatsangehörigkeit richtete sich danach, welche die jeweilige Person vor dem Ausgleich von 1867 hatte.

2.) Bürger, die in einen Militärdienst oder ein sonstiges öffentliches Amt ausgeübt haben, konnten die Staatsangehörigkeit wählen und selbst bestimmen, ob sie Österreicher oder Ungarn waren.

3.) Der primäre Erwerbsgrund für die Staatsbürgerschaft war die Abstammung nach reichsangehörigen Eltern (nach dem Vater bei legitimen, nach der Mutter bei illegitimen Kindern).

Schlussfolgerungen:

1.) Bis zum Untergang der Habsburger Monarchie im Jahr 1918 hat es keine kroatische Staatsbürgerschaft gegeben. Danach ist sie durch die Staatsbürgerschaft des Königreiches Serbien, Kroatien und Slowenien ersetzt worden. Nach mündlichen Überlieferungen war den normalen Bürgern diese angenehmer, als die Ungarische. Ihr Wunsch war damals, lieber diese, als die ungarische Staatsangehörigkeit zu besitzen.

2.) Bekannte Persönlichkeiten aus Kroatien, die nach 1849 geboren wurden, wie z.B. Josip Broz (1892), Nikola Tesla (1856), Ante Pavelić (1889), Stjepan Radić (1871), Alojzije Stepinać (1898) und sehr viele Andere, hatten bis 1918 entweder die österreichische oder die ungarische Staatsbürgerschaft.

3.) Wehrpflichtige aus Kroatien, die vor dem 1. Weltkrieg zum Militär eingezogen wurden, waren entweder österreichische oder ungarische Staatsangehörige.

Quellen: Gesetzestexte, insbes. Grundgesetz über die Reichsvertretung von 1867. Mischler/Ulbrich, Österreichisches Staatswörterbuch 1908 und Mayrhofer, Handbuch für den politischen Verwaltungsdienst, II. Band, 1896.

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