Ante Gotovina fünf Jahre in Untersuchungshaft

Über diesen Fall ist zuletzt am 11.3.2011 folgendes berichtet worden:

Am 7.12.2005 ist der ehemalige kroatische General Ante Gotovina während eines Abendessens in dem Touristenort Playa de las Américas auf der spanischen Atlantikinsel Teneriffa festgenommen und danach in ein Untersuchungsgefängnis nach Scheveningen in den Niederlanden gebracht worden. Ihm wurde vorgeworfen an Kriegsverbrechen, bei der Befreiung der kroatischen Provinz Krajina beteiligt gewesen zu sein.

Erst am 10. März 2008 begann vor dem Internationalen Strafgerichtshof für das ehemalige Jugoslawien der Prozess gegen ihn.

Ein Prozessende steht noch nicht fest und es ist in Aussicht gestellt worden, dass das Urteil im Frühjahr nächsten Jahres gesprochen wird.

Es ist nicht bekannt, dass nationale und internationale Menschenrechtler gegen seine ungewöhnlich lange Untersuchungshaft protestiert hätten.

Quelle: HRT

Edit:

Heute schreibt die Zeitung “Novi List”, dass die Anwälte mit einem Urteil innerhalb der nächsten zwanzig Tage rechnen. Bei einer langjährigen Gefängnisstrafe werde in Kroatien mit heftigen Reaktionen aus der Bevölkerung gerechnet.

Edit:

Heute hat das Gericht in Den Haag mitgeteilt, dass die Urteilsverkündung am 15.4.2011 stattfindet.

Quelle: Hina

12 Kommentare zu “Ante Gotovina fünf Jahre in Untersuchungshaft”

  1. Raki

    Einfach unglaublich, das dieser Mann heute keinen mehr interresiert.
    Boze cuvaj hrvatska

  2. andreas

    @raki

    Den Kroaten interessiert heutzutage eher der Konsumwahnsinn + Kapitalismus als die alte Geschichte Kroatiens.

  3. MaliDalmatinac

    Bog,ich glaube das es die “älteren”,die den ganzen Konflikt mitgemacht haben schon starkes Interesse an der Geschichte haben.An der alten,die den 2.Weltkrieg und vor allem die Zeit danach miteinbezieht,da damals ja von der so “heldenhaften” jugoslawischen Befreiungsarmee reichlich Verbrechen begangen wurden.Nicht umsonst werden sogar heute noch Massengräber gefunden.Wie kann man als Kroate und auch im Westen darüber hinwegsehen oder sich nicht dafür interessieren?
    Eine Schande!Und wie viele haben den Terror in den 90ern erlebt?Wenn dann zurückgeschlagen wurde unter schwierigsten Bedingungen und zu Beginn ohne Hilfe von Uno und NATO,dann ist es ja wohl das mindeste diesen Menschen Respekt und Dank entgegen zu bringen.Wenn sie nicht gewesen wären hätte heute vielleicht immer noch eine Person vom Schlage Milosovic’ die Zügel in der Hand.

  4. Mrvica

    Menschenrechtler schalten sich auch erst ein wenn es ihren politisch motivierten Zielen dient.
    In Kroatien selbst,schweigen die Medien weitmöglichst,hat es sich doch in der Vergangenheit gezeigt das viele Kroaten hinter Gotovina stehen.
    Bloß nicht an Sache rühren,den das wäre kontraproduktiv zum angestrebten EU Beitritt.
    Ich kann dazu nur sagen:Kameraden,der Dank des Vaterlandes ist euch gewiß,euer Tritt in das Hinterteil auch.

  5. Advocatus Diaboli

    Sind hier jemandem nationale oder internationale Menschenrechtler bekannt, die damals gegen die ungewöhnlich lange Untersuchungshaft von Vojislav Šešelj protestiert hatten? Wenn nun schon Kriegsverbrechen von vor über 60 Jahren aufgerechnet (und dabei die Gräueltaten der eigenen Seite geflissentlich ignoriert) werden, sollte ein Vergleich von mutmaßlichen zeitgenössischen Kriegsverbrechern auch nicht unzulässig sein…

  6. istra

    Die Herren, die in Den Haag verurteilt werden, haben Kriegsverbrechen begangen!
    Nicht mehr und nicht weniger. Nur dafür empfangen sie ihre hoffentlich auch gerechte Strafe. Das “hoffentlich” bezieht sich auf meine Hoffnung, das das Gericht gerecht urteilt.

    Wer will sich auf die Seite der Kriegsverbrecher begeben?

    Dieses Recht, das diese Verbrecher richtet, dient den Menschenrechten!
    Es dient auch dem Rechtsfrieden, dass zum Beispiel die serbische Mutter, die ihr Kind im Beschuss auf friedliche Häuser verloren hat, nun erfahren darf, dass wenigstens die Tat (eine von hunderten Beispielen) offiziell gesühnt ist.

    Die Gewalt der Rache wird durch diese Sühne gezähmt, und das ist die Vorraussetzung für künftiges friedliches Miteinander. Vergesst das nicht.

    Dieses Recht zeigt den Warlords dieser Erde, dass sie für Kriegsverbrechen zur Verantwortung gezogen werden können, und Ihre Gewalt Grenzen haben muss.

    Ich weiss dass es für manche Kroaten schmerzhaft sein kann, wenn ihr Hero, ihr Kriegsheld im Befreiungskrieg, nun abgestraft wird. Aber es hilft nichts, diese Leute müssen aus vorgenannten Gründen sich der Verantwortung stellen.

    Was die Frage zu den Menschenrechte bei den langen “U-Haft”-Zeiten anbelangt gehe ich davon aus, dass die Richter sich im Rahmen des geltenden Rechts bewegen dürften. Andernfalls würden sie ihre Legitimation verlieren, und das werden diese Richter sicher nicht wagen. Derzeit geht es auch nicht um U-Haft, sondern um Haft wegen Fluchtgefahr, da die Kriegsverbrecher dringend tatverdächtig sind, und während des laufenden Prozesses nicht freigelassen werden können.
    Eine harte Verurteilung zeichnet sich ab. Aber wieso soll das Angesichts des Leids und der Qual der Opfer und der Toten zu viel an Strafe sein?

    Sicher fragen Manche, die Gegenseite hat auch Kriegsverbrechen begangen. Ich bin der Ansicht, die Gegenseiten waren noch weit verbrecherischer! Aber Aufrechnen gilt nicht. Bringt sie vors Gericht!

  7. Raki

    Gotovina war General und kein Hassprediger, abgesehen davon war alles umsonst, denn jetzt kommt dann die EU-Mühle und wird Kroatien zermahlen.

  8. Mrvica

    Die Sachlage im Fall Seselj mit derer im Falle Gotovina zu vergleichen,zeigt doch eine große Ignoranz der Tatsachen.

  9. MaliDalmatinac

    Nur weil bei Šešelj,dem Gründer einer Radikalen Partei,der nach eigener Aussage Kroaten hasst und auch sonst eher für die Großmachtbestrebungen Serbiens eingetreten ist, kein Menschenrechtler aufgeschrieen hat muss das ja nicht immer so laufen.Ev.tritt ja irgendwann mal ein Lerneffekt ein.Und wenn ich mich recht erinnere gingen die militärischen Aggressionen von den Serben aus.Auf kroatischer Seite gab es nämlich praktisch kein Militär,und z.B.Dubrovnik war zum Zeitpunkt des massiven Beschusses schon über 10 Jahre entmilitarisiert. Und abschließend zu der Nachkriegszeit(WW 2):Klar ist viel schlechtes passiert.Das rechtfertigt aber nicht großangelegte Bestrafungsaktionen,Säuberungsaktionen und ähnliches.Da wurde mit harter Hand und unmenschlich gerächt.Das kann man jawohl kaum gutheißen.

  10. Advocatus Diaboli

    @Mrvica: welche Tatsachen ignoriere ich denn, wenn ich die jeweils ungewöhnlich lange Untersuchungshaft der beiden nebeneinanderstelle?

    @MaliDalmatinac: von welchen militärischen Aggressionen genau sprichst Du? Die ersten Opfer des Konflikts (Josip Jović und Rajko Vukadinović) waren jedenfalls Polizisten…

  11. Mrvica

    Gotovina war zur Zeit als die ihm vorgeworfenen Ereignisse geschahen Soldat,der seine Heimat bzw.sein Land verteidigte .Es ist bis heute nicht erwiesen,das er irgendwelche Verbrechen die ihm angelastet werden auch begangen hat.Das dieser Mann vor Gericht steht ist ein politischer Akt der Willkür.
    Was von Seselj zu halten ist erspare ich mir hier zu kommentieren.Du bist selbst intelligent genug und weist das dieser Mann eigendlich nie wieder frei kommen dürfte.

  12. Advocatus Diaboli

    War es wirklich Gotovinas Land, von dem die Oluja-Flüchtlinge auf mal mehr, mal weniger dezente Art und Weise vertrieben worden sind? Hat es nicht diesen Leuten selber gehört? Und auch (oder gerade) als Soldat ist man ja nicht davor gefeit, Kriegsverbrechen zu begehen, begehen zu lassen oder sie eben nicht effektiv verhindert zu haben.

    Was die Beweise gegen Gotovina angeht: eben um diese erbringen zu können braucht es nunmal Zeit, umso mehr in einem komplexen Fall wie diesem. Was sollte man mit einem Angeklagten, bei dem erwiesenermaßen akute Fluchtgefahr besteht, während dieser Zeit denn sonst machen, als ihn in U-Haft zu nehmen?

    Nur daß man persönlich Šešelj nicht mag (was in der Tat auch bei mir der Fall ist) halte ich übrigens für einen ziemlich dürftigen Grund, ihm lebenslang die Freiheit zu entziehen.

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