Stellenausschreibung der Stadt Rijeka

Am 14.1.2011 ist von der Stadt Rijeka eine Stellenausschreibung vorgenommen worden, mit der ein Mitarbeiter und Berater des Bürgermeisters gesucht wurde, der in Zukunft für Energiefragen zuständig sein soll.

Wer sich für diese Stelle, mit einer Probezeit von drei Monaten bewerben wollte, musste umfangreiche Voraussetzungen erfüllen. Dazu gehörte u.a., dass der Kandidat oder die Kandidatin eine Magisterarbeit in seinem Fach abgelegt und eine Berufserfahrung auf diesem Gebiet von mindestens acht Jahren, davon mind. vier Jahre im öffentlichen Dienst hat. Es hat weitere hohe Einstellungsvoraussetzungen gegeben, wozu gehörte, dass mindestens eine Fremdsprache in Wort und Schrift beherrscht wird. Die kroatische Staatsangehörigkeit ist ebenfalls gefordert worden.

Das monatliche Bruttogehalt ist mit 13.482,22 Kuna, -etwa 1.860 Euro-  angegeben worden.

Trotz der hohen Einstellungsvoraussetzungen und der relativ geringen Gehaltszahlung hat sich eine größere Zahl von Personen um diese Stelle beworben. Heute wurde mitgeteilt, dass keine von ihnen die erforderlichen Bedingungen erfüllen konnte. Aus diesem Grund wird eine erneute Ausschreibung erfolgen.

Meinung: An diesem Beispiel ist erkennbar, warum in den Verwaltungen von Städten und Gemeinden zu wenig Fachleute beschäftigt werden. Außerdem muss die Frage erlaubt sein, wie man bei solchen Gehältern die Korruption in der öffentlichen Verwaltung verhindern will.

9 Kommentare zu “Stellenausschreibung der Stadt Rijeka”

  1. Saganul

    “Das monatliche Bruttogehalt ist mit 13.482,22 Kuna, -etwa 1.860 Euro- angegeben worden.”

    “Außerdem muss die Frage erlaubt sein, wie man bei solchen Gehältern die Korruption in der öffentlichen Verwaltung verhindern will.”

    Für kroatische Verhältnisse ist dies doch ein üppiges Gehalt! Ich kenne Leute die mehr malochen für knapp die Hälfte dessen was der gesuchte Büromensch verdienen wird. Korrupt wird man übrigens weil das System es erlaubt, d.h. weil es keine Kontrollmechanismen gibt. Korrupt wird man nicht weil das Gehalt zu niedrig ist. Deswegen sind diejenigen am korruptesten die auf den guten Posten sitzen und bereits die dicksten Gehälter haben, denn sie werden am wenigsten kontrolliert da sie ja “Verantwortung” tragen. Die ehrenwerte “Elite” dieses Landes also.

  2. Soline

    @Saganul

    Ist dir bekannt, was Kaiser Friedrich der Große oder der “Alte Fritz” genannt, (1712-1786) einmal zur Bezahlung seiner Beamten und Soldaten gesagt hat?

    “Ich muss sie sehr gut bezahlen, damit sie nicht bestechlich werden.”

    Das ist zwar ein paar Jahre her, könnte aber auch heute noch gelten.

    Mein Schwager aus Rijeka -heute in Rente-, damals auch im öffentlichen Dienst beschäftigt sagte mir bereits vor 35 Jahren einmal: Ich weiss, dass mein Chef klaut und sich bestechen lässt. Warum soll ich es nicht auch machen?

    Ausserdem kenne ich hier in Kroatien Arbeitnehmer die in der Tat schwer malochen, aber auch damit einverstanden sind, die Summe X als offiziellen Lohn zu bekommen und den Rest “schwarz”. Das sind übrigens die gleichen Leute, die sich später beschwehren, wenn ihre Rente gering ausfällt.

  3. Saganul

    Richtig, weil es beim alten Fritz eben auch keine Kontrollmechanismen gab. Es galt das Prinzip “Hoffnung”, d.h. ich bezahle “gut” und hoffe dass sie mich nicht beschei… . Hat das damals (oder später jemals) funktioniert?

    In CRO grassiert die Korruption nicht weil etwa die Menschen schlechter sind als in anderen Ländern, sondern weil es hier kaum Kontrollmechanismen gibt, vorallem in den “höheren Etagen”. Gelegenheit macht Diebe, überall. Klar würden die “Kleineren” genauso klauen wie der Chef. Ein Posten wird hier nicht als Verpflichtung angesehen sondern als Beute. Hat man ihn, geht die Selbstbedienung so richtig los. Weil man es kann, nicht weil das Salär so niedrig wäre.

  4. Soline

    @Saganul

    Zitat: “In CRO grassiert die Korruption nicht weil etwa die Menschen schlechter sind als in anderen Ländern.”

    Dem kann man ausdrücklich zustimmen, aber die Menschen sind und denken nach meiner Theorie anders, als in anderen Ländern. Sie haben ihre Eigenart, die sie nicht in wenigen Jahren ändern können.

    Woher kommt das?

    Darüber könnte man bestimmt eine sehr interessante Diskussion führen, die den Rahmen dieses Blogs aber wahrscheinlich sprengen würde.

    Außerdem habe ich mal eine Frage:

    Warum sind diejenigen, die heute wieder auf den Straßen Zagrebs unterwegs sind nur so wenige. Sie haben teilweise gute Sprüche drauf, wie man hier:

    http://www.index.hr/vijesti/clanak/prosvjednici-pred-palacom-pravde-hocemo-pravdu-jaci-sudite/541768.aspx

    lesen kann.

    Eine Massenbewegung ist es aber (noch) nicht.

  5. Saganul

    @Soline: Dem kann ich auch hundertprozentig zustimmen. Und das wird sich auch nur langsam ändern, mit jeder Generation ein Stückchen mehr. Zzt. ist es für jeden Deutschen jedenfalls ein Kulturschock. Ich meine die Deutschen die hier wohnen, nicht die Urlauber. Letztere sehen doch meist nur eine gut aufgeführte Illusion in den paar Tagen Urlaub. Das wahre Kroatien hat mit dem “14-Tage-Urlaubs-Kroatien” nur wenig zu tun. Wobei eben mancher Urlauber dann doch auch in den Genuss kommt es richtig kennenzulernen, wenn auch unfreiwillig, wie der eidgenössische Professor letztes Jahr in Poreč ;-)

  6. Saganul

    “Warum sind diejenigen, die heute wieder auf den Straßen Zagrebs unterwegs sind nur so wenige.”

    Zu den aktuellen Demonstrationen kann ich nichts sagen, weil ich sie nicht verfolge. Generell hält man hier aber lieber seine Klappe. Wieso? Weil das in der Vergangenheit besser so war. Alles war okay bis man meinte sich politisch äußern zu müssen. Ja und heute hält man die Klappe weil es eben keine Rechtssicherheit gibt. Jeder mit Beziehungen zu der Staatsmafia oder jenige höchstselbst kann einem ans Bein pinkeln, weil notfalls eben hier ein Papier fehlt oder da eine Genehmigung und dann ist ruckzuck ne saftige Strafe fällig, das Gewerbe zwangsgeschlossen oder die Bude wird abgerissen, d.h. die wirtschaftliche Existenz ist nur von Nomenklaturas Gnaden (und die hat es gerne wenn man die Klappe hält und sie nicht bei ihren Aktivitäten stört). Es ist eben noch eine Bananenrepublik. Siehe auch fehlendes Zivilrecht und diesbezügliche Diskussion neulich.

  7. Soline

    @Saganul

    An den Fall des Professors aus der Schweiz kann ich mich sehr gut erinnern. Hier in dem Blog wurde darüber berichtet:

    http://kroatien-news.net/2010/09/schweizer-professor-in-porec-vor-gericht/

    Wie dieser Fall letztendlich ausgegangen ist, wurde nicht öffentlich bekannt.

    Zitat: “Und das wird sich auch nur langsam ändern, mit jeder Generation ein Stückchen mehr.”

    Diese Hoffnung hatte ich auch einmal. Leider habe ich es “na žalost” (noch) nicht feststellen können.

    Unterhalte dich mal mit jungen Leuten. Sie handeln und denken zum grössten Teil immer noch, wie ihre Väter und Urgrossväter.

    Frage: Hast du dich mal mit der politischen Bildung der jungen Leute in Kroatien beschäftigt? Sie wissen zwar wie ihr Staatsoberhaupt heisst, (nicht alle) wissen aber nicht, welche Aufgaben er nach der Verfassung hat.

  8. Saganul

    Dazu nur eine kleine Anekdote die mir eine gute Bekannte erst vor wenigen Tagen erzählt hat. Sie ist Lehrerin (also Professorin wie man hier sagt) und wurde mal vor Jahren im Unterricht von ein paar Knirpsen in der Klasse gefragt wieviel sie denn verdienen würde. Als sie es sagte, waren die kids richtig schockiert. Und “politisch gebildet” wie die Zwerge bereits waren hatten sie auch gleich eine Lösung parat: “Gründen Sie doch eine Partei Frau Lehrerin. Wir helfen Ihnen und gehen dann jeden Tag nachmittags auf den Korso (also in RI) und sprechen die Leute an und dann werden Sie gewählt und werden reich.”

    Ich fasse zusammen: Die kids hier sind außerordentlich politisch gebildet, selbst die Kleinsten schon. Sie schnappen zuhause auf was die Eltern so untereinander erzählen (wenn sie wie jeden Tag über die Staatsmafia jammern) und wissen genau was man als Berufsziel haben sollte um es in diesem Land zu Wohlstand zu bringen: Politiker!

    Übrigens, sagte nicht der kroatische Präsident vor gut einem Jahr (kurz vor seinem Ausscheiden) in einem Zeitungsinterview dass der Ministerpräsident überall im Staate mafiöse Parallelstrukturen geschaffen hätte welche die wahre Macht (d.h. €€€€€€€€€€) ausübten. Das ist an Deutlichkeit nicht mehr zu überbieten und daher wundert es mich auch nicht wenn kein Mensch mehr (vorallem junge Leute) diesem Staatsapparat bzw. der Politikerkaste auch nur ein Fünkchen Vertrauen schenkt.

  9. istra

    Mal mit folgenden Gedanken zurück zum Thema:
    Vom Gehalt des Bürgermeisterberaters in Rijeka bleiben nach Steuern und Sozialabzüge etwa € 1500,-
    Die Kassierin an der Supermarktkasse erhält Mindestlohn € 280.- ohne Abzüge. Einem CRO-Facharbeiter oder einfachen angestellten spricht man € 700,- netto zu. In all diesen Fällen ist das ziemlich genau ein Drittel dessen, was in A oder D bezahlt wird. Die Relation zwischen den drei Lohntypen entspricht auch genau dem, was in A oder D der Fall ist.
    Der einzige Unterschied ist, dass das Lohnniveau in HR 1/3 dem von A oder D ist!
    Nun lasst uns weitersehen. Das Niveau der Preise für Dienstleistungen und Wohnen ist (zu meiner Freude) auch nur 1/3 von A u. D.
    Die inländisch in CRO erzeugten Waren kosten etwa 1/3 bis 1/2 von A und D.
    Nur die Importwaren kosten in Kuna wegen der hohen PDV und der Transportwege 1,2 mal mehr als in A oder D. Warum ist das so?
    Weil der Wechselkurs der Kuna falsch festgelegt ist. Ich glaube nicht, nachdem CRO auch devisenbewirtschaftet ist, also nur Ausländer freien Geldverkehr haben, dass die Kuna frei konvertierbar ist. Er wird ja auch tatsächlich täglich nur von der CRO Nationalbank einseitig neu festgelegt.

    Bei diesem verzerrten Geldwert der Kuna hinken alle Vergleiche. Da können wir uns lange streiten ohne uns zu verstehen!

    Weil das kleine Volk der Kroaten selbst zu wenig produziert, müssen (?) riesige Mengen Importe zum viel zu teuren kuna-Wert (also billig für CRO) importiert werden. Sonst würde das Volk aufstehen, wenn es fast nichts mehr zu kaufen gibt.
    Weil die Touristen abgemolken werden sollen, bekommen sie zu wenig kuna für ihren Euro. Was aber auch die Zahl der touristen dezimiert.

    Ich nehme an, dass diese Politik Kroatien enorm schadet und in die weitere Verschuldung führt, nicht bis zur EURO-Übernahme durchgerettet werden kann. Spätestens bei der Euro-Einführung wird man etwa 20 kuna für einen Euro bezahlen müssen. Nur Sachwerte werden stabil bleiben.

    Zu der Frage, wer hat mehr Korruption warne ich Alle, die meinen, in A oder D wäre diese geringer. Mitnichten! Außerdem ist diese Frage nie eindeutig zu klären. Ich sage in Richtung EU: wer CRO wegen Untätigkeit der Korruption mahnt, soll sich den Kölner Klüngel ansehen, die CDU/CSU studieren, die Italienischen Mafiastrukturen studieren oder in A mal nachsehen. Das Tagebuch von Dr. Peter Pilz vom 2001 bis 2011 (wer die Zeit hat) des folgenden Links ist dabei hilfreich:
    http://www.peterpilz.at/

    Ohne Worte!

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