Volkszählung 2011 in Kroatien

“Eine Volkszählung ist eine gesetzlich angeordnete Erhebung von statistischen Bevölkerungsdaten, wobei die Bürger bei der herkömmlichen Methode der Zählung per Fragebogen zur Auskunft verpflichtet sind.”

In Kroatien hat die letzte Volkszählung im Jahr 2001 stattgefunden. Am 15.7.2010 hat das Parlament aufgrund von Artikel 89 der Verfassung mit Mehrheit entschieden, dass eine erneute Volkszählung stattfindet. (Odluku O PROGLAŠENJU ZAKONA O POPISU STANOVNIŠTVA, KUĆANSTAVA I STANOVA U REPUBLICI HRVATSKOJ 2011. GODINE N.N.92/10)

Dieses Gesetz wurde am 20.7.2010 von Staatspräsident Ivo Josipović unterzeichnet und ist damit in Kraft getreten. Darin ist festgelegt worden, dass mit der Durchführung der Volkszählung das staatliche Amt für Statistik (Državni zavod za statistiku) beauftragt ist.

Bei der Auswahl der Fragesteller ist es an verschiedenen Orten (wie z.B. Baška auf der Insel Krk) bereits zu Unstimmigkeiten gekommen als bekannt geworden ist, welche Personen damit beauftragt und ausgesucht wurden. Dabei sollen gute Beziehungen (Veza) eine erhebliche Rolle gespielt haben.

Nachdem die Befragung am 1.4.2011 begonnen hat, ist es in der Bevölkerung aufgrund der Tatsache, dass auch persönliche Daten erfasst werden, wie z.B. Name, Vorname, Vorname eines Elternteils, Geburtsdatum, Wohnort und genaue Anschrift, OIB-Nummer (persönliche Identifizierungsnummer), Nummer des Personalausweises, zu der Befürchtung gekommen diese Daten könnten auch zu anderen, als zu statistischen Zwecken, wie z.B. für das Finanzamt ausgewertet werden.

Diese Befürchtungen scheint es bei den im Parlament vertretenen Parteien nicht zu geben, denn von ihnen wurde noch keine Kritik geäußert.

Lediglich der Vertreter der serbischen Minderheit in Kroatien und Parlamentsabgeordnete Milorad Pupovac, hat sich gestern anläßlich einer außerordentlichen Pressekonferenz darüber beklagt, dass sich an verschiedenen Orten die Fragesteller bezüglich der Religionszugehörigkeit nicht an die vorgeschriebenen Fragen gehalten haben, weil sie von ihnen falsch gestellt worden sind. Ausserdem beanstandete er, dass die Fragen nicht in der Sprache seiner nationalen Minderheit gestellt wurden. Auf die oben genannten Befürchtungen ist er dabei aber auch nicht eingegangen.

Nach jetzt fast vier Tagen Volkszählung in Kroatien kann zusammenfassend festgestellt werden, dass sich in der Bevölkerung keine breite Bewegung gebildet hat, welche die Beantwortung der gestellten 45 Fragen verweigern will.

2 Kommentare zu “Volkszählung 2011 in Kroatien”

  1. Mrvica

    Die kroatische Bevölkerung ist einfach nicht genügend sensibilisiert ,was diese Art der Fragestellung betrifft.Hier werden Fragen gestellt,die sehr genau erkennen lassen für was diese Daten wirklich gebraucht werden.
    Die Steuer und Abgabebescheide nach der Auswertung der Fragebögen,werden das zukünftige Verhalten der Bevölkerung bei ähnlichen Befragungen aber entscheident prägen,so das künftige Volkszählungen wohl nur noch einen symbolischen Wert haben dürften.
    Hier in Deutschland hätten solch detalierte Befragungen wohl keine Zustimmung vor dem Verfassungsgericht gefunden.

  2. Soline

    @Mrvica

    Zitat: Hier in Deutschland hätten solch detalierte Befragungen wohl keine Zustimmung vor dem Verfassungsgericht gefunden.

    Wie in Kroatien selbst mit Verfassungsgerichtsentscheidungen umgegangen wird, ist an folgendem Fall erkennbar:

    http://kroatien-news.net/2011/03/wahlgesetz-in-kroatien-verfassungswidrig/

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