Diskussion über die Urteile von 15.4.2011 in Den Haag

Am 15.4.2011 sind zwei ehemalige kroatische Generäle von dem Sondergerichtshof für das ehemalige Jugoslawien in Den Haag, in erster Instanz zu hohen Gefängnisstrafen verurteilt worden, weil die Richter der Überzeugung waren, dass sie für die Tötung und Vertreibung von serbischen Zivilisten bei der Aktion “Oluja” des Jahres 1995 mitverantwortlich waren.

Ante Gotovina erhielt eine Gefängnisstrafe von 24 und Mladen Markač von 18 Jahren.

Daraufhin hat es in Kroatien Diskussionen über diese Strafen gegeben, die teilweise emotional geprägt waren. Es ist zu Demonstrationen gegen dieses Urteil und das Gericht gekommen, die von verschiedenen Seiten als nationalistische Bewegungen bezeichnet worden sind. Selbst Staatspräsident Ivo Josipović, ein ausgebildeter Jurist und früherer Hochschullehrer, dem man keinen Nationalismus unterstellen kann, sagte in einer Erklärung, dass er diese Urteile für ungerecht hält.

Auch die in Berlin erscheinende überregionale Tageszeitung »taz«, die unverdächtig ist rechtslastig zu sein, beschäftigte sich mit dem Urteil. Ihr Korrespondent Erich Rathfelder, der in Split lebt und damit die Ereignisse vor Ort sehr gut verfolgen kann, schreibt in einem Kommentar vom 15.4.2011 von einem “faden Beigeschmack” und wies darauf hin, dass “323 zurückgebliebene Serben bei der Militäraktion (Oluja) von zurückkehrenden kroatischen Zivilisten und Polizeikräften ermordet wurden. Gotovina sei da schon in Bosnien gewesen, um eine neue Militäraktion vorzubereiten. Zuständig war damals eigentlich der Polizeigeneral Černak. Aber der wurde freigesprochen. Das sind Ungereimtheiten, die einem nicht nur in Kroatien aufstoßen.” Ausserdem weist er darauf hin, dass Biljana Plavsić, für zigtausendfachen Mord in Bosnien-Herzegowina verantwortlich war. Diese Dame sei schon seit einigen Jahren wieder auf freiem Fuß.

Auf diesen Kommentar antwortete am 25.4.2011 Andreas Zumach, der für die Zeitung Korrespondent bei der UNO in Genf ist. Er ist ganz anderer Meinung als Rathfelder und meint, dass nach seiner Ansicht auch kroatische Kampftruppen Kriegsverbrechen verübt hätten.

Wer sich für dieses Thema interessiert, kann beide Kommentare und die Kommentare dazu, hier und hier lesen.

Anmerkung: In Kroatien selbst ist in den letzten 14 Tagen eine Diskussion über die Ermordung von serbischen Zivilisten, die nicht geleugnet wird, in Gang gesetzt worden. Dabei haben sich ehemalige Kommandeure, die an der Militäraktion beteiligt waren öffentlich dazu bekannt, dass es unter ihrem Kommando von einzelnen Mitgliedern ihrer Truppen, zu solchen Taten gekommen ist. Wenn schon, dann seien für diese Taten nicht Gotovina und Markać, sondern die eigentlichen Täter zu verurteilen. Im übrigen sind fast alle Kroaten immer noch davon überzeugt, dass diese Urteile ungerecht sind und sie hoffen, dass in zweiter Instanz ein gerechtes Urteil gefällt wird.

Ein Kommentar zu “Diskussion über die Urteile von 15.4.2011 in Den Haag”

  1. istra

    das anmelden von Zweifeln, das verdrehen von Meldungen, das aufrechnen von Untaten, das Entschuldigen des mutmaßlichen Haupttäters Ante Gotovina findet hier kein Ende. Z.B. hat sich der kroatische Staatspräsident Ivo Josipović nicht gegen das Urteil an sich, sondern gegen das gerichtliche Attest gewandt, dass Kroatiens Staatsvertreter damals die Kriegsverbrechen geplant hätten.

    Dabei wird der Staat nicht verurteilt, was ja gar nicht möglich wäre. Das Gericht zeichnete eine Verschwörung nach, an dem verurteilte Personen und ein verstorbener Staatspräsident beteiligt gewesen sein sollen. Das ist seitens des Gerichtes Fakt.

    Man will sich in Kroatien nicht gerne der Wahrheit stellen.
    Trotzdem ist auch erkennbar, dass Einiges an Kriegsverbrechen nun zugegeben wird, was bislang undenkbar gewesen wäre.

    Ich möchte nur darauf hinweisen, dass alle Versuche die Wahrheit zu verfälschen oder Aufrechnung zu betreiben, keine Chance haben. An diesem Fall sind tausende Menschen weltweit dran, studieren Dokumente, klären auf. Es ist ja völliger Blödsinn, gegen die Welt und ihre Geschichtsschreiber anschreiben zu wollen. Jeder der hier versucht an Schrauben zu drehen, und seien es Personen mit Regierungshintergrund, muss damit scheitern.
    Auch die Opfer werden nicht Ruhe geben, werden nicht hinnehmen wenn man ihnen sagen würde, gebt Ruhe, es sind soundso viele Kroaten ermordet worden, also nehmt es auch hin. Das läuft nicht. auf keiner Seite.

    Willi Brandt war der erste Deutsche Politiker, der bei den Polen durch den berühmten Kniefall die Deutsche Schuld der deutschen Kriegsverbrechen eingestand, was zur Aussöhnung führte. Dieses Beispiel zeigt den Weg auf, der gegangen werden muss.
    Serbien und Kroatien wird sich nur durch das gegenseitige Eingeständnis der Wahrheit wirklich wieder annähern können.

    Das Urteil gegen Gotovina & Co. weist nur auf einige Baustellen hin, die auf dem Weg nach Serbien noch bestehen.

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