Papst Benedikt XVI. am Grab von Alojzije Kardinal Stepinac

Zum Abschluss seines zweitägigen Kroatienbesuchs hat Papst Benedikt XVI. heute die Kathedrale von Zagreb besucht. Er feierte einen Vespergottesdienst mit Bischöfen, Priestern, Ordensleuten und Seminaristen. Am Grab des von seinem Vorgänger Papst Johannes Paul II. im Jahr 1998 seliggesprochenen Kardinals Alojzije Stepinac, hat er ein Gebet gesprochen. Was er dabei gesagt hat kann man hier nachlesen. Er sagte dabei:  “Ferner ist es wichtig, dass vor allem die Bischöfe und die Priester immer im Dienst der Versöhnung zwischen den getrennten Christen und zwischen Christen und Muslimen tätig sind und so den Spuren Christi folgen, der unser Friede ist. Versäumt nicht, den Priestern klare geistliche, theologische und pastorale Orientierungen zu geben. Obwohl nämlich die kirchliche Gemeinschaft in ihrem Innern legitime Verschiedenheiten aufweist, kann sie doch nur in der Gemeinsamkeit ihrer Glieder ein treues Zeugnis für den Herrn ablegen. Das verlangt von euch den Dienst der Wachsamkeit, der im Dialog und mit großer Liebe, aber auch mit Klarheit und Festigkeit ausgeübt werden muss.”

Hier ein Foto von dieser Grabstätte:

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in deren unmittelbarer Nähe befinden sich auch die Grabstätten der kroatischen Fürsten Fran Krsto Frankopan und Petar Zrinski.

Die Amtszeit von 1941 bis 1945 des Erzbischofs von Zagreb und späteren Kardinals Alojzije Stepinac, wird in der heutigen Zeit teilweise immer noch als umstritten bezeichnet, weil er sich angeblich nicht ausreichend für das Überleben von Mitbürgern im damals faschistischen Kroatien eingesetzt haben soll. Dazu ist bereits im Jahr 1998 dieser Zeitungsartikel erschienen. Das er im Jahr 1941 gerade erst einmal 43 Jahre alt war, bleibt im übrigen meist unbeachtet.

Hier der Lebenslauf von Stepinac bis zu seiner Ernennung durch Papst Pius XI. am 29.5.1934:

Alojzije (Viktor) Stepinac ist am 8. Mai 1898 in dem Dorf Brezarič bei Krašić, in der Nähe von Jastrebarsko, d.h. zwischen Zagreb und Karlovac, als Fünftes, von acht Kindern, der katholischen Eheleute Josip und Barbara Stepinac geboren und gleich am nächsten Tag, dem 9. Mai 1898, in der Pfarrkirche von Krašić, von dem Ortspfarrer Stjepan Huzek getauft worden.

Sein Vater war Landwirt und Weinbauer und seine Mutter versorgte Haus und Hof. Die ganze Familie war streng gläubig und verehrte wie viele Kroaten, die Gottesmutter Maria. Deshalb hat das Bild der Gottesmutter sein ganzes späteres Leben begleitet. Bei seinen Meditationen redete er sehr gerne darüber, dass er die Liebe zur „Himmelskönigin“ von seiner Mutter empfangen habe und durch deren Gebete, sei er von früher Kindheit an begleitet worden.

Er besuchte zunächst die Grundschule in Krašić und 1909 schickten ihn seine Eltern in das „Erzbischöfliche Orphanotrophium“, einer Art von Internat, wo Schüler untergebracht und beköstigt wurden. Dieses Internat konnte er nur besuchen, weil sein Taufpriester Stjepan Huzek für ihn Fürsprache gehalten hatte. Das von dem Zagreber Bischof Maximilian Vrhovec gegründete Internat wurde überwiegend von Kindern besitzloser Eltern in Anspruch genommen. Es gab aber auch sog. “Solvente“, wozu auch  Stepinac gehörte, deren Eltern die festgelegten Gebühren bezahlen mussten.

Es zeigte sich bald, dass er ein ausgezeichneter Schüler war, der auch sehr gut, mit seinen Mitschülern umgehen konnte. Das ist selbst dem Leiter des Internats Dr. J. Lončarić und dem Prof. Eugen Lessl aufgefallen. Selbst seine sportlichen Leistungen waren ausgezeichnet und immer war zu spüren, dass er eine sehr starke Willenskraft hatte. Seine Leistungen, sein Benehmen und Wesen waren überdurchschnittlich und trotzdem blieb er gegenüber seinen Mitschülern sehr bescheiden und still.

Als er im Juni 1915 die sechste Klasse des staatlichen Gymnasiums am Katharinenplatz in Zagreb absolviert hatte, wechselte er in ein erzbischöfliches Lyzeum, weil er beschlossen hatte Priester zu werden. Dort hat er am 28.06.1916 sein Abitur gemacht, sodass es möglich war, ein Theologiestudium zu beginnen. Diesen Plan konnte er aber zunächst nicht verwirklichen.

Knapp zwei Jahre vorher hatte am 28.7.1914 mit dem Angriff der Österreicher gegen die Serben, der 1. Weltkrieg begonnen. Teile Kroaties gehörten damals zu Ungarn und letztendlich zum österreichischen Kaiserreich, in dem eine allgemeine Wehrpflicht bestand. Nach dem erfolgreich bestandenen Abitur war er zur Musterung verpflichtet, für tauglich befunden und ist sofort eingezogen worden. Deshalb musste er in Rijeka eine Schule für Reserveoffiziere besuchen.

Dort konnte er sich vor allem gegenüber seinen Kameraden, insbesondere weil er sehr stark und gebildet war, sehr schnell Respekt verschaffen. Die üblichen Beschimpfungen und Gotteslästerungen in seiner Umgebung hat er nicht zugelassen und sofort unterbunden.

Die auf einem Hügel in dem Stadtteil Trsat von Rijeka gelegene Wallfahrtskirche, die der Jungfrau Maria gewidmet ist, besuchte er jeden Sonntag. Dazu war es notwendig eine Treppe zu benutzen, die 561 Stufen hatte. Eine kleine Steintafel ist von ihm dort angebracht worden. Darauf steht in lateinischer Sprache: “Aus Dankbarkeit für unzählige mir zuteilgewordene Wohltaten, der Muttergottes und Jungfrau Maria gewidmet. Aloisius Stepinac.“

Bereits nach 6 Monaten, am 20.02.1917, war er Leutnant und wurde danach an die italienische Isonzo-Front abkommandiert. Ihm war natürlich klar, was ihn dort erwartete. Deshalb sagte er beim Abschied aus Rijeka: “Falls es Gottes Wille ist, wird er mir aus dieser Hölle helfen“. An der Front hat er eine Einheit kommandiert, die aus Bosnien stammte und die im Juli 1918 bis auf 7 Mann gefallen ist. Er selbst geriet in italienische Gefangenschaft und wurde zunächst in das Lager nach Mestre gebracht. Von dort hat man ihn nach Ferrara und dann weiter in das Offiziersgefangenenlager nach Nocera Umbra in Umbrien verlegt, wo eine Wunde am Fuß behandelt worden ist, die er sich bei den kriegerischen Auseinandersetzungen mit den Italienern zugezogen hatte.

Gegen Ende des Krieges erhielten seine Eltern durch das Internationale Rote Kreuz den Bescheid, dass ihr Sohn im Krieg gefallen sei, sodass in seiner Heimatkirche eine Totenmesse gelesen worden ist. Jedoch bereits eine Woche später erhielten seine Eltern von ihm eine Mitteilung, dass er sich in italienischer Gefangenschaft befindet.

Er wurde am 6.12.1918, kurz nach Ausrufung des Königreiches von Serbien, Kroatien und Slowenien durch den serbischen König, aus der italienischen Gefangenschaft entlassen, weil er sich einer Legion angeschlossen hatte, die für die Italiener an der Front von Thessaloniki in Griechenland kämpfte. Weil er, wie er richtig meinte, nicht mehr an den Eid auf Kaiser Karl I. gebunden war, ist er Mitglied einer “Südslawischen Legion” geworden, die ihn nach Makedonien geschickt hat. Diese Tatsache sollte in seinem späteren Leben, im Zusammenhang mit seiner Ernennung zum Nachfolger des Erzbischofs von Zagreb, noch einmal eine große Rolle spielen.

Erst im Juni des Jahres 1919 wurde er aus dieser Legion entlassen und ist in sein Heimatdorf Brezarič zurückgekehrt. Die Idee einmal Priester zu werden, hat er offensichtlich zu dieser Zeit aufgegeben und sich an der Agrarfakultät von Zagreb immatrikuliert. Das Stadtleben in Zagreb, mit dem Nachkriegschaos, der Bindungslosigkeit und dem Sittenverfall hat den 21 jährigen Jüngling nicht interessiert und deshalb hat er das richtige Studium erst gar nicht begonnen. Er hat für seine Elterngearbeitet, die auch ein Weingut besaßen.

Diese Tätigkeit hat er einige Jahre ausgeübt und eine seiner Schwestern schrieb über ihn: “Er arbeitet fleißig, mäht, spritzt den Weinberg, pflügt, lenkt das Gespann, hält in der einen Hand die Zügel und in der anderen den Rosenkranz, und transportiert so den Wein nach Karlovac, von dem es viel zu verkaufen gab und weil unser Vater einer der fortschrittlichen Weinbauern war.”

Zu dieser Zeit lebte er in einer in einer tiefen seelischen Zerrissenheit. Einerseits fühlte er, dass er Priester werden sollte und andererseits traute er sich dieses Amt selber nicht zu. Häufig sagte er zu seiner Mutter: “Du siehst ja Mutter, ich bin zum Landwirt nicht geeignet.” Demgegenüber hatte sein Vater für ihn Heiratspläne geschmiedet ihm aber bei der Auswahl der Braut freie Hand gewährt. Ihm ging es hauptsächlich darum, einen Nachfolger für den großen Bauernhof zu finden. Das war umso dringender, weil ein weiterer Sohn, der Verwalter eines großen anderen Gutes war und verstorben ist.

Als er die Lehrerstochter Marija Horvat kennenlernte, die er als gute Katholikin kannte, verliebte er sich in sie und hat sich mit ihr verlobt. Es war allerdings keine offizielle Verlobung, denn kein Priester oder Verlobungszeuge war dabei anwesend. Beide schmiedeten Hochzeitspläne, trennten sich jedoch nach einiger Zeit wieder, da seine Verlobte in einem Brief vom 28.3.1924 meinte: “dass wir nicht füreinander geschaffen sind.” Er sei “viel zu ehrlich und edel“ und sie bezeichnete sich als “unwürdig gegenüber seinen moralischen Grundsätzen.“

Er beantwortete diesen Brief und schrieb ihr, dass er eine unruhige Nacht hinter sich gebracht habe. Er sei aber entschlossen, ein Leben in ruhigen Bahnen weiter zu führen. Trotzdem hielt seine innere seelische Zerrissenheit an. Mit einem Leben als Landwirt hat er sich aber auch nicht abfinden können. Im Alter von 26 Jahren fasste er den für ihn dann unabänderlichen Entschluss, nun doch noch Priester zu werden. Das hing eventuell auch damit zusammen, dass seine Mutter bei seiner Taufe ein Gelöbnis abgelegt hatte, in dem sie versprochen hatte, zwei Mal die Woche streng zu fasten, damit ihr Sohn auch wirklich Priester wird. Dieses Gelöbnis hatte sie immer eingehalten.

Hinzu kam, dass der Leiter des Internats, welches er in Zagreb besucht hatte, der Studiendirektor Dr. Lončarić, selbst noch zu dieser Zeit, den weiteren Lebensweg seines früheren Zöglings beobachtet hat. Er ist dabei zu dem Ergebnis gekommen, dass sein Schüler in seinen geistlichen Anschauungen nicht nachgelassen, sondern sich weiter entwickelt hat. Deshalb setzte er alles daran ihn davon zu überzeugen, dass er als Priester weiter durch das Leben gehen sollte. Aus diesem Grund veröffentlichte er im Frühjahr des Jahres 1924 in der Priesterzeitung “Sacerdos Christi“ einen Artikel über Clemens Maria Hofbauer, den Apostel von Wien. Dabei erwähnte er, dass er in diesem Zusammenhang an einen jungen Mann in Kroatien denkt, der sich als würdig erwiesen habe, diesem Apostel als Priester nachzufolgen. Diese Zeitung schickte er, gemeinsam mit einem 4 seitigen Brief an Stepinac nach Brezarič.

Dieser Brief und der Zeitungsartikel haben ihre Wirkung nicht verfehlt. Später sagte er einmal, dass ihn dieser “wie ein Blitz aus heiterem Himmel gekommen sei“, der ihn “tief bewegt habe und der einen großen und schweren Kampf, der drei Wochen“ angedauert hat, bei ihm ausgelöst habe. Eine Begegnung mit dem damaligen Abiturienten und späteren Kardinal Franjo Šeper und seinem früheren Beichtvater Bruno Foretić gaben den Ausschlag. Stepinac fasste den endgültigen Entschluss Theologie zu studieren um Priester werden zu können.

Im Verhältnis zu seinen Mitschülern schon älter, ist Stepinac Ende 1924, im Alter von 26 Jahren, in das deutschsprachige „Collegium Germanicum“ in Rom eingetreten, an dem schon viele spätere Bischöfe und Kardinäle ausgebildet worden waren. Mithilfe eines Stipendiums hat er sein Studium am 10.11.1924 an der päpstlichen Universität “Gregoriana“ (lat. Pontificia Universitas Gregoriana) begonnen und sich dort immatrikuliert. Diese Universität war zu dieser Zeit, im “Palazzo Boromeo“, in der Via del Seminario untergebracht und ist später in einen Neubau, auf der Piazza “Pilotta“ verlegt worden.

Zu seinen Lehrern gehörten die Professoren: Geny (Logik), Munzi (theoretische Philosophie), Gaetani (Psychologie), Gianfranceschi (Astronomie, Hoenen (Kosmologie), Elter (Ethik), Lehmann (Geschichte der Philosophie).

Es war vorgeschrieben, dass die Studenten mindestens sieben Jahre in Rom verbleiben mussten, damit sie von den Einflüssen der Heimat ferngehalten wurden. Er war auch dort ein sehr guter Schüler. In der Gesellschaft von 80-100 Studenten, die aus verschiedenen Nationen stammten, hat er seine Studien durchgeführt. Wegen seines Alters und wegen der Tatsache, dass er bereits Offizier gewesen war, hat er bei seinen Mitstudenten einen gewissen Respekt genossen. Trotzdem hat er sich den Gepflogenheiten angepasst und wie die Anderen, alle Vorschriften strengstens eingehalten.

Das Leben in dem „Collegium Germanicum“ und in der Universität war nicht nur durch das Studium und die geltenden Vorschriften geprägt. Wenn die Hitze oder das Großstadtleben bei dem Studium störten, hat man häufig den eigentlichen Studienort in der Stadt verlassen und die Erholungsorte des „Collegiums“ aufgesucht. Dadurch lernte er die Landatmosphäre von Rom kennen, weil er in San Pastore oder San Saba viele schöne Tage verbrachte, an die er sich später sehr gerne erinnerte.

Durch die Nähe zum Vatikan ist es auch zu Begegnungen mit dem damaligen Papst Pius XI. gekommen, der zu dieser Zeit bedeutende Enzykliken erlassen hatte. Er hat den Abschluss der Lateranverträge zwischen dem Vatikan und dem italienischen Königreich vor Ort mitbekommen und war dabei, als sich der Papst, am 11.02.1929 zum ersten Mal in die Stadt Rom begeben hat.

Weil viele seiner Studienkollegen aus dem deutschsprachigen Raum stammten, ist er zu dieser Zeit mit Personen zusammengetroffen, die später hohe Würdenträger in der deutschen oder österreichischen katholischen Kirche wurden. Dazu gehörte z.B. auch der Wiener Erzbischof Kardinal Franz König und der Bischof von Speyer, Isidor Markus Emanuel.

Dieser sagte einmal über ihn: “Es war nicht leicht, mit uns alten Füchsen, die strenge, klösterliche Erziehung des Germanicums durchzuführen. Zwei so genannte spät Berufene, die mit uns in die Anstalt eingetreten waren, mussten sie nach einigen Monaten wieder verlassen. Unser “”Step”“, wie wir in kurz nannten, hielt es aus und zeigte dabei keine Schwierigkeiten. Wie jeder andere putzte er selbst seine Schuhe und seine Stube, verzichtete auf den freien Ausgang sowie auf den letzten Pfennig seines Taschengeldes. Ich hatte ihn besonders bewundert, als er mich als Präfekten in seinen letzten Studienjahren in vollem Pflichtbewusstsein um Erlaubnis zu einem Gespräch mit einem Philosophen gebeten hatte. Es entsprach völlig seiner Bescheidenheit, dass er in der Anstalt niemals ein höheres Amt bekleidete. Hingegen wurden ihm Dienstverspflichtungen auferlegt. So musste er sich in einem Jahr um unsere Kleidung, im anderen um unser Schuhwerk kümmern.“

In dieser Phase seines Studiums haben ihn aber auch wieder Zweifel befallen, ob er zum Priesterberuf geeignet war. Er hat dann häufig in der Basilika “Sante Maria Maggiore“ vor dem Bild des “Salus Populi Romani“ Einkehr gesucht. Dieses Bild, ähnlich wie eine Ikone, soll angeblich vom Evangelisten Lukas gemalt worden sein und nimmt mit Ihrem mütterlichen Anblick alle Gläubigen auf, die sich an sie wenden. Als die Zweifel wieder von ihm abgefallen sind, ist er seine Pflichten wieder sehr ernsthaft nachgekommen und hat sein Studium fortgesetzt.

Schon nach drei Jahren, am Ende des Jahres 1927 hat er einen ersten Abschluss vollbracht und ist zum Doktor der Philosophie ernannt worden. Eine, für die damalige Zeit, unglaubliche und außergewöhnliche Leistung.

Danach hat er nicht gerastet, sondern hat sofort theologische Vorlesungen besucht. Zu seinen Professoren gehörten dort Artur Vermeersch, Felice M. Capello und Heinrich Lennerz. Obwohl er noch studierte, ist er am 26.10.1930 gemeinsam mit 120 anderen Anwärtern, in der Kirche “San Pietro Canisio“ von dem Titularbischof von Philippi, von Joseph Palica zum Priester geweiht worden. Dazu hatte er testamentarisch auf sein väterliches Erbe, zugunsten seiner Brüder verzichten müssen. Schon wenige Tage später, am 1.11.1930 hat er in der Basilika “Santa Maria Maggiore“ seine erste heil. Messe zelebriert, nachdem er zwei Tage vorher, am 30.10.1930, gemeinsam mit den anderen neu geweihten Priestern vom Papst empfangen worden war.

Zu dieser Zeit hat er auf seine Priesterbilder folgenden Spruch aufdrucken lassen: “Mir ist es fern, in etwas anderem meinen Ruhm zu suchen als in dem Kreuze unseres Herren Jesus Christus. Durch ihn ist mir die Welt gekreuzigt und ich in der Welt.“ Ein Spruch, der in seinem Leben noch eine tiefere Bedeutung finden sollte.

Neben seiner Tätigkeit als Priester hat er sein Theologiestudium fortgesetzt und hat am 1.7.1931 zum Doktor der Theologie promoviert. Seine Examensarbeit ist mit der Note „Probatus“ bis zur Note „probatus summa cum laude“, bewertet worden. Das war keine überragende Benotung, aber immerhin war er ab diesem Tage berechtigt, zwei Doktortitel zu führen.

Wie kirchlich vorgeschrieben, hieß es jetzt für ihn Abschied von Rom zu nehmen. Anlässlich seiner Abreise hat der damalige Rektor des “Germanicums” folgendes in das Anstaltsbuch geschrieben: “Die Anstalt verließ Stepinac im Sommer 1931. Ein Priester in jeder Beziehung, mit außerordentlich gutem Charakter, tief fromm und getreu in der Einhaltung der Anstaltsdisziplin, sehr fleißig beim Lernen.“

Schon kurz nach der Rückkehr in seine Heimat, feierte Stepinac am 19.7.1931, sein erstes Hochamt in der gleichen Kirche, in der er 33 Jahre zuvor getauft worden war. Wie damals üblich ist er von seinem Elternhaus in Brezarič nach Krašić, in die dortige Pfarrkirche gefahren worden. Zu dieser Zeit war es sein Wunsch, auf dem Land eine Pfarrstelle zu übernehmen, wozu er aber wegen seiner wissenschaftlichen Ausbildung als Theologe und Philosoph, in Wirklichkeit nicht geeignet war.

Der Erzbischof von Zagreb Antun Bauer, der das Studium von Stepinac in Rom genau verfolgt und nur gute Berichte über ihn erhalten hatte, hat aber andere Aufgaben für ihn vorgesehen. Nachdem er in Zagreb seine erste Messe gelesen hatte, wurde er am 27.7.1931 in der dortigen Kathedrale zum erzbischöflicher Zeremonienmeister und gleichzeitig Pfarrverwalter in der kleinen Stadt Samobor ernannt.

Seine Tätigkeit wurde von dem Erzbischof selbstverständlich weiterhin intensiv verfolgt. Dabei sind ihm sein Wissensstand und seine Frömmigkeit aufgefallen. Deshalb hat er ihn auch schon sehr bald mit besonderen Aufträgen betraut, die dazu führten, dass er mit dem damaligen päpstlichen Apostolischen Delegaten, dem späten Papst Johannes XXIII. zusammengetroffen ist. Am 10.4.1934 hat er ihn zum Notar des Geistlichen Rates der Erzdiözese Zagreb ernannt, wozu er einen besonderen Eid ablegen musste.

Durch seinen nun ständigen Aufenthalt in Zagreb, ist ihm natürlich auch die Armut der Arbeiterschaft im damaligen Königreich Jugoslawien und in der Stadt aufgefallen. Auf Anregung von ihm hat Erzbischof Bauer am 25.11.1931 ein Rundschreiben herausgegeben, worauf die “Caritas der Erzdiözese Zagreb“ gegründet worden ist. Er setzte sich dafür ein, dass in den verschiedenen Stadtteilen sog. Volks- und Studentenküchen eingerichtet worden sind. Auch durch seine Predigten ist er zu dieser Zeit in der ganz Stadt bekannt geworden.

Erzbischof Bauer hatte zu dieser Zeit bereits das 70. Lebensjahr überschritten und war krank. Deshalb hat man sich damit beschäftigt, einem Nachfolger zu finden. Die von dem Erzbischof vorgeschlagenen Kandidaten sind entweder vom Vatikan oder vom König abgelehnt worden. Aus diesem Grund ist die Nachfolgefrage zunächst immer wieder vertagt worden.

Es ist überliefert, dass sich nach einer Bischofskonferenz in Zagreb der Erzbischof Bauer mit dem Bischof von Modruš und Senj Ivan Starčević, über die Frage der Nachfolge unterhalten haben. Dabei ist auch der Name von Stepinac gefallen und Bischof Starčević sagte: “Da haben sie doch ihren Nachfolger.” Darauf entgegnete der Erzbischof: “Das ist unmöglich! Er hat doch noch nicht das vorgeschriebene kanonische Alter erreicht!” Der Kollege meinte daraufhin: “Der Vatikan wird ihm das Fehlen des kanonischen Alters eine Dispens erteilen und der König wird begeistert sein, weil er schließlich auch noch Reserveoffizier der königlichen Armee ist.”

Nach diesem Gespräch führte der Erzbischof wenige Tage später, ein weiteres Gespräch mit dem Apostolischen Nuntius in Jugoslawien, mit dem Titularerzbischof von Adana, mit Ermenegildo Pellegrinetti, dem späteren Kardinalpriester, der auch in das Kardinalskollegium berufen worden ist. Auch mit ihm hat er dabei die Nachfolgefrage besprochen und sagte ihm: “Alle Versuche, die wir in den letzten Jahren unternommen haben, einen Nachfolger für mich zu finden, sind fehlgeschlagen. Ich hätte da noch einen vorzuschlagen, der ist aber nur 36 Jahre alt und erst seit drei Jahren Priester. Es ist mein Zeremonienmeister Stepinac, der sich hier in meiner Begleitung befindet.”

Der Nuntius hat danach den Inhalt dieses Gespräches seinem Sekretär Msgr. Paolo Bertoli mitgeteilt, worauf dieser antwortete: “Ich glaube, dass der Heilige Geist in diesem Fall den Erzbischof Bauer erleuchtet hat.“

Wenige Tage später hat der inzwischen noch schwerer erkrankte Erzbischof, auch noch einen Brief in dieser Sache, an den Apostolischen Nuntius geschrieben. Darin hat er noch einmal darauf hingewiesen, dass der von ihm Vorgeschlagene zwar eine Dispens benötigt, er aber selbst und persönlich für ihn bürgt.

Daraufhin schickte der Nuntius eine entsprechende Mitteilung an den Vatikan. Das päpstliche Staatssekretariat erkundigte sich im „Germanicum“ über den Vorgeschlagenen. Diese Erkundigungen waren äußerst positiv und der jugoslawische König gab auch seine Zustimmung. Sie ist dem König leicht gefallen, weil sich Stepinac nach seiner Entlassung aus der italienischen Kriegsgefangenschaft, der „Südslawischen Legion“ angeschlossen hatte.

Kurz darauf wurde die Dispens erteilt und ein paar Tage später sagte der Erzbischof zu Stepinac kurz und knapp: “Alojzije! Sie werden mein Nachfolger als Erzbischof.“  Dieser lehnte jedoch ab, weil er sich selbst für ein solch hohes Amt, nicht für geeignet hielt.

Als treuer Gefolgsmann des Vatikans, hat er dann seiner Ernennung letztendlich auch nicht mehr widersprochen und als ihm der Erzbischof eine entsprechende Anordnung des Papstes zeigte, hat er seine Tränen nicht verbergen können.

Am 29.5.1934 ist dann ein offizielles Telegramm aus dem Vatikan in Zagreb eingetroffen. Darin teilte der Papst Pius XI. die Anordnung mit, dass Stepinac mit dem nächsten Tag, als Nachfolger des Erzbischofs von Zagreb ernannt worden ist. Mit seinen damals erst 36 Jahren, war er damit der jüngste Bischof der römisch-katholischen Kirche auf der ganzen Erde. Durch eine Meldung im „L`Ossevatore Romano“ ging diese Ernennung um den ganzen Erdball. In Veröffentlichungen über ihn, wird oft nicht erwähnt, dass er hoch gebildet war und zwei Doktortitel besaß. Ohne Übertreibung kann man feststellen, dass ein wissenschaftlich ausgebildeter Theologe und Philosoph an die Spitze der römisch-katholischen Kirche in Zagreb getreten ist. Der scheidende Erzbischof sagte an diesem Tag nur: “Jetzt bin ich glücklich.“

Nach der Einführungsmesse am Sonntag des 3.6.1934 in der Kathedrale von Zagreb, die von dem bisherigen Erzbischof Bauer geleitet worden ist, versammelte sich die gesamte Kirchspitze im Erzbischofspalais. Dabei richtete der Weihbischof Msgr. Dr. Franjo Salis-Saevis folgte Worte an den neu ernannten Erzbischof: “Ich weiß Exzellenz, dass eine riesige Arbeit auf sie wartet, und Sorgen werden nicht ausbleiben. Doch Sie sind ein Mann des Glaubens und kennen sicher das Wort: -”Omnia possum in eo qui me confortat”- (Alles vermag ich in dem, der mich stärkt). Das Metropoliten-Kapitel sieht in ihrer Ernennung kein Menschenwerk, sondern den Finger Gottes. –”Dextera Domini fecit haec”- (Die Hand Gottes hat dies bewirkt).“

Darauf antwortete der neue Erzbischof: “Auf welche Weise auch immer in dieses schwere Amt geraten bin, indem ich mich dem Wunsch unseres Heiligen Vaters beuge, kann ich nur sagen: “In Te Domine speravi“. Ich vertraue darauf, da sich an mir das Wort erfüllen werde: “Quoniam in me speravit, liberabo eum. Protegam eum, quoniam cognovit nomen meum“. (Ich werde ihn befreien, da er auf mich vertraut, ich werde ihn in Schutz nehmen, weil er meinen Namen erkannt hat). “Meine Absichten sind rein und ehrlich, und so wie ich zum Wohle meines Volkes bereit war, alles herzugeben, so bin ich auch zu allem bereit für die katholische Kirche, die mich von frühester Kindheit gelehrt hat, jedem das Seine zu geben und die Menschheit mit wahrer Liebe zu lieben”.

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