Kritik an Kroatiens Ministerpräsidentin Kosor

Am vergangenen Donnerstag, dem 5.8.2011 hat in der Stadt Knin eine Gedenkveranstaltung anlässlich des kroatischen Nationalfeiertages stattgefunden. Dabei haben Staatspräsident Ivo Josipović und Ministerpräsidentin Jadranka Kosor eine Rede gehalten.

Josipović wies dabei darauf hin, dass die im August 1995 durchgeführte Militäraktion “Oluja” berechtigt war, weil damit ein großer Teil Kroatiens, der sich im Jahr 1991 abgespaltet hatte, wieder an das Mutterland angeschlossen werden konnte.

Kosor hat ähnliche Worte gebraucht aber ausdrücklich hinzugefügt, dass sie die beiden Generäle Ante Gotovina und Mladen Markač grüßt, die am 15.4.2011 wegen angeblicher Kriegsverbrechen zu langjährigen Gefängnisstrafen durch den Sondergerichtshof für das ehemalige Jugoslawien in Den Haag verurteilt worden sind und sich in den Niederlanden im Gefängnis befinden. Die Urteile sind noch nicht rechtskräftig und die angeblichen Verbrechen nicht endgültig bewiesen.

Die Geste dieses Grußes ist in dem Nachbarland Serbien mit Empörung aufgenommen worden. Staatspräsident Boris Tadić lies inzwischen erklären: “Keine Wahlkampagne und kein Machtkampf darf die Verherrlichung jener, die Kriegsverbrechen begangen haben, zum Ziel haben.” Außerdem ist er der Meinung, dass solch eine Äußerung, für die Entwicklung guter Beziehungen zwischen Serbien und Kroatien nicht dienlich ist. In diesem Zusammenhang wies er darauf hin, dass etwa 200.000 Angehörige der serbischen Minderheit damals aus Kroatien vertrieben worden sind.

Die Kritik von Milorad Pupovac von der Partei der serbischen Minderheit in Kroatien (SDSS) war weniger scharf. Er bezeichnete Kosors Grußworte nur als “besorgniserregend und gefährlich”. Er hat bis jetzt nicht angekündigt, die bestehende Regierungskoalition verlassen zu wollen.

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4 Kommentare zu “Kritik an Kroatiens Ministerpräsidentin Kosor”

  1. Mrvica

    Wer im Glashaus sitzt,sollte nicht mit Steinen werfen,Herr Tadic.

  2. istra

    Frau Kosor rechnet offenbar damit NICHT mehr imAmt zu sein, wenn die Untaten der besagten Generäle zu einer rechtskräftigen Verurteilung geführt haben werden würden. In diesem Fall wäre sie ja blamiert, nicht wahr?

  3. jOjO

    “Frau Kosor rechnet offenbar damit NICHT mehr imAmt zu sein,…”

    Oder sie schätzt die Stimmung in Kroatien richtig ein und wird gerade durch solche Sprüche weiter im Amt bleiben … was einen dann aber Nachdenklich machen sollte … denn auch ein Wahlkampf rechtfertigt nicht alles !

  4. istra

    obwohl das Thema Gotovina extrem NATIONAL aufgeladen ist, meine ich, dass die Mehrheit im Falle einer rechtsgüjtigen Verurteilung der Generäle nachdenklich wird. Die Normalisierung der Beziehungen zu Rest-Serbien tun da ein Übriges.

    Ich stimme Dir zu, dass Frau Kosor derzeit mit solchen Sprüchen derzeit Stimmen fängt.

    Auf lange Sicht wird es für solche Haltungen aber sehr peinlich, auch wenn man das heute in Kroatien heute noch nicht glauben mag. Sind wir uns einig in dieser Bewertung?

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