Schmutzige Geschäfte in Kroatien

Die Arbeitslosigkeit ist in Kroatien relativ hoch und die Bezahlung von Arbeitnehmern liegt unter dem westeuropäischen Niveau. Hinzu kommt die Tatsache, dass Arbeitnehmer manchmal monatelang auf die Auszahlung der Löhne warten müssen.

Diese Situation ist in der Vergangenheit von Unternehmen und ihren Besitzern ausgenutzt worden. Sie haben Anzeigen aufgegeben in denen sie den Arbeitnehmern versprochen haben, ihnen im Ausland eine gut bezahlte Arbeitsstelle besorgen zu können.

Solch ein Fall ist jetzt wieder einmal in der Hafenstadt Rijeka vorgekommen. Mehr als 200 Arbeitnehmer haben sich aufgrund einer Anzeige bei einem Unternehmen beworben. Sie mussten jeweils 300 Euro sog. Bearbeitungsgebühren in bar bezahlen. Ihnen wurde danach mitgeteilt bald Bescheid zu bekommen, wann sie ihre neue Arbeitsstelle in Deutschland antreten können. In der Folgezeit haben sie von den Mitarbeitern des angeblichen Anwerberunternehmens  nichts mehr erfahren können und aus ihrem neuen Arbeitsplatz ist bis heute noch nichts geworden. Von ihnen wurde inzwischen bei der Polizei eine Anzeige erstattet. Ob sie ihr Geld jemals wieder zurück bekommen, muss zumindest bezweifelt werden.

Es kann nicht ausgeschlossen werden, dass einige von ihnen mit dem Firmeninhaber A.Š. gerne ein “freundschafliches” Gespräch führen würden. Dies ist im Moment aber nicht möglich, weil er sich in Krankenhausbehandlung befindet, wo man ihn nicht besuchen kann/darf.

7 Kommentare zu “Schmutzige Geschäfte in Kroatien”

  1. Andreas

    Ist Kroatien ein zweites Griechenland?

    Ich würde gerne die echten Fakten bezüglich Kroatien erfahren, einerseits heisst es die Kaufkraft sei niedrig, der Durchschnittslohn der Kroaten liegt bei 700 Euro und das Leben des Kroaten basierd auf Schulden, sei es mehrere Schulden auf das Haus, ein oder mehrere Autos auf Kredit mit einer Laufzeit von 20- 30 Jahren , die Möbel , die Kleider auf Kreditkartenbasis finanziert…

    Anderseits scheint mir zb Dalmatien sehr wohlhabend zu sein, den Leuten scheint es weitaus mehr als nur gut zu gehen, die Damen zumeist sehr schick, die Autos umso schicker und ein Grossteil der Dalmatiner lebt in schicken Häusern…

    Ist das alles nur Fassade?

    Kann mir ein jemand von euch der dort lebt die echten Fakten dazu liefern?

  2. Soline

    @Andreas

    Zitat: “Kann mir ein jemand von euch der dort lebt die echten Fakten dazu liefern?”

    Das ist nicht ganz so einfach und in Kürze zu erklären. Zunächst einmal: Den Kroaten oder die Kroatin gibt es überhaupt nicht. Man muss unter den Einwohnern aus Istrien, den Einwohnern aus der Gegend von Rijeka, den Einwohnern aus Slawonien, den Einwohnern aus dem Gebiet von Innerkroatien, den Einwohnern von den Inseln, den Einwohnern aus Dalmatien und aus der Landeshauptstadt Zagreb, die eine Mischung der vorher genannten darstellen, unterscheiden.

    Jeder für sich hat eine andere Lebensart, die aber gemeinsam dadurch geprägt ist, dass Leben soweit wie es eben möglich ist, geniessen zu können.

    Allgemein wird nicht langfristig gedacht, sondern nur so lange, wie es mir morgen oder übermorgen gehen wird. Wenn “alle Stricke reissen” wird wenn es eben möglich ist, ein Grundstück, dessen Eigentumsverhältnisse noch nicht einmal genau geklärt sind, verkauft. Zur Not auch zweimal!

    Zur Frage ob Kroatien ein zweites Griechenland ist bin ich klar der Meinung: Nein! Siehe hier: http://kroatien-news.net/2011/08/kroatische-auslandsguthaben/
    Ausserdem wird die EU wie bei anderen Ländern bei Kroatien nicht noch einmal den gleichen Fehler machen, wie bei früheren Beitrittsländern. Erst vor wenigen Tagen sagte Deutschlands Botschafter in Kroatien, dass dieses Land etwas in die EU einbringt, was es in anderen Beitrittsländern der EU nicht gegeben hat. Das schöne Wetter, die schöne Küste mit ihren vorgelagerten Inseln, die frische Luft, das schöne Meer und viele anderen Sachen, alles in 5-6 Stunden von München aus erreichbar.

    Was den in Kroatien evtl. einzuführenden Euro betrifft mache ich mir überhaupt keine Sorgen. Der Kuna ist zwar offizielles Zahlungsmittel, aber alle wesentlichen Geschäfte werden in Kroatien jetzt schon auf Euro-Basis abgerechnet.

    Zusätzlich bin ich der Meinung, dass eine Verallgemeinerung nicht zulässig ist.

    Zum Schluss noch ein kleiner Hinweis: Die Kreditgewährung für den Kauf von Kraftfahrzeugen wird von den Geschäftsbanken (überwiegend in ausländischem Besitz) für max. 7 Jahre gewährt, was nach m.M. viel zu lange dauert und zu teuer ist. Die monatlichen Raten sind dadurch geringer, aber wer macht das Geschäft? Diese Tatsache haben viele Einwohner inzwischen begriffen. Wie man aus der Statistik für Neuzulassungen von Kfz. erkennen kann, ist diese erheblich zurück gegangen.

  3. istra

    Was Soline als Lokalkolorit hier schreibt, ist alles richtig. Aber es beschreibt die tatsächliche Sitution der kroatischen Volkswirtschaft nicht vollständig. Auch der beliebte Seitenhieb auf die zu teuren Kleinkredite AUSLÄNDISCHER Banken (ohne die dieser Staat nicht funktionieren würde) ist hierzulande beliebt, aber gleichwohl nicht angebracht.
    In einem Land, in dem hunderttausende OHNE Versicherung ihr Auto fahren, ja manchmal ohne Zulassung, in dem die Arbeitslosigkeit 20 bis 30 % beträgt, ist der Kreditausfall häufig und daher Zins-verteuernd – keine Frage.

    Kroatien hat leider auch wie fast alle europäischen Staaten das Problem einer stetig wachsenden Neuverschuldung.
    Zitat aus 2010 aus Solines blog:
    “Kroatien hat etwa 4.480.000 Einwohner und die Auslandsschulden haben am Anfang dieses Jahres, 42,8 Milliarden Euro betragen, die jetzt noch angestiegen sind.”
    Die Auslandsverschuldung hat inzwischen wohl die 50 Milliarden-Grenze erreicht. Die Außenhandelsbilanz ist dauerhaft negativ. Die Kuna ist zu teuer (Devisenbewirtschaftung, Kursfestlegung durch die CRO-Nationalbank), daher entwickelt sich keine Exportwirtschaft und die industriellen Investitionen sowie die Industrie kümmert vor sich hin.

    Kroatien ist aber trotzdem bei weitem kein zweites Griechenland. Im Gegenteil. Kroatien hat Potential!
    Wenn Kroatien die kleinlichen, aus früheren Zeiten stammenden Gesetze überarbeitet, zu einer praktischen Wirtschaftsförderung wie Z.B. in Österreich käme, ihre auf FREMDENABWEHR gebürstete Bürokratie modernisieren würde, kurz für ein positives Investitionsklima sorgen könnte, kommt Geld, Wirtschaft und Wohlstand ins Land.

    Kroatien hat große Reseven in der Touristik, kann sie aber durch Misswirtschaft (Korruption?) derzeit nicht erschließen.
    Viele Hotels aus der Kommunistischen Ära sind Ruinen, sind stillgelegt, werden nicht verwertet, oder sind schlecht ausgelastet.
    Eine Brache!
    Viele Hotels schließen wegen einer Fülle von Problemen, von der Infrastruktur über Behördenschikanen bis falsches Tourismusmanagement: die felsigen Küsten sind absolutes Staatseigentum, werden daher nicht ausgebaut, weil der Staat nichts tut. Es fehlt von Badeleitern bis zum WC über Spiel-und Sporteinrichtungen dort am Strand fast alles, auch weil die “Kurtaxe” nicht für den Kurgast (Strandausbau) ausgegeben wird, und die Gemeindeverwaltungen arm gehalten werden!
    Wie weiland in Yugoslawien wandert die “Kurtaxe” zentral, diesmal nicht nach Belgrad sondern nach Zagreb ab!
    An manchen Stellen können Kinder kaum ins Meer und generell wird das Problem, aus dem Meer bei Wellengang wieder herauszukommen, allgemein vom Strandbesitzer KROATIEN missachtet! Da droht Gefahr für die unversehrtheit der Badegäste. Kinder? Wer braucht die noch? Familienfreundlichkeit? Ich warte noch.
    Aus Geldnot wurden von den Küstengemeinden fast überall blaue Zonen errichtet, um den ruhenden Verkehr abkassieren zu können, und wurde ergänzend eine Abschleppwirtschaft in Betrieb genommen. Man kann sich vorstellen, wie unangenehm das für den Autotouristen ist, wenn er nach der Autobahn- und Tunnelabzocke am “Urlaubsort” auch noch von den Abschleppgeiern bedroht wird. Die Familien haben meist das Parkgeld für Kroatien nicht, wenn vor den Stränden von 20 bis 35 Kuna pro Badetag für den Autoparkplatz zu bezahlen sind!
    Statt einem warmen Empfang in Kroatien bekommt der Gast öfter mal diese genannten kalten Duschen. So eine Abzocke kennt man in österreichischen Urlaubsorten nicht, weil dort Parkflächen eingerichtet wurden, oder weil dort nicht vor jedem sogenannten Naturwunder eine Kasse steht, und weil dort die Infrastruktur stimmt. Diese kleinliche CRO-Gier nach einseitigen Vorteilen ist geeignet einem den CRO-Urlaub zu versauen.

    Es muss ein komplettes Umdenken, ein Paradigmenwechsel in Kroatien zum Wohl Kroatiens stattfinden!
    Sonst können die Kroaten den Sirtaki schon mal einüben.

  4. Soline

    @Istra

    Leider fehlt mir die Zeit und die Lust auf alle Einzelheiten dieses Kommentars einzugehen.

    Zwei Hinweise möchte ich dazu aber trotzdem abgeben dürfen. Die sog. Kurtaxe -in Wirklichkeit “Boravišne pristojbe”- verbleibt nach meinem Kenntnisstand bei den Städten und Gemeinden und deren touristischen Verbänden. Die Behauptung, dass sie wie früher nach Belgrad jetzt nach Zagreb weitergeleitet wird, gehört zu den Legenden die gerne gestrickt werden.

    Zum Thema Abzocke: Soweit mir die deutsche Sprache noch bekannt ist versteht man darunter, dass “jemandem etwas mit List und Hinterhältigkeit beziehungsweise in betrügerischer Weise abgenommen wird und überhöhte Preise verlangt werden”.

  5. Mrvica

    So ganz Unrecht hat der User Istra wohl nicht.Von Seiten der kroatischen Behörden wird oft mit dem Hintern umgestoßen was die Hände kurz vorher aufgebaut haben.Ausländische Investoren sind zwar gern gesehen,aber nur so lange sie kein Mitspracherecht zur Verwendung des erbrachten Kapitals beanspruchen.
    Zur Arbeitslosigkeit nur so viel,die ist meist hausgemacht.Wer möchte schon arbeiten wenn er seinen Lohn erst Monate später und in vielen Fällen überhaupt nicht erhält.
    Die untergeordneten, lokalen Behörden sind meiner Meinung nach das zentrale Problem.Filz und Speziwirtschaft lassen so manchen schier am kroatischen Staat verzweifeln.
    Alles in allem bin ich gespannt was dann ab 2013 kommt,wenn dann eben kroatische Gerichte nicht mehr die letzte Instanz sein werden und die Menschen ihre Rechte auf europäischer Ebene einforden können und werden.

  6. istra

    @Soline

    Das mit der Lust klingt überheblich, ist aber Deine Äusserung.
    Ich bitte doch um sachliche Diskussion.

    Meine Informationen stammen von einem Beherbergungsbetrieb.
    Sie können unter Umständen nicht exakt sein.
    Aber sie sind plausibel!
    Wenn die 10.000de Euro, die an Kurtaxe in den Küstengemeinden und Tourismusverbänden jährlich tatsächlich verbleiben, nur sehr geringe Ausbauten für den Tourismus TATSÄCHLICH zu sehen sind, und das über viele Jahre, dann stimmt hier etwas nicht! Die Strände verkommen! Könnte es sein, dass das Geld nur die Gehälter der Tourismusverbände begleicht, und für Investitionen kaum was übrigbleibt? Lassen hier griechische Verhältnisse grüßen?

    Soline sollte hier (ideell) auf meiner Seite stehen, wenn das so wäre!
    Denn es geht hier um die Zukunft Kroatiens im Tourismus, und das ist pro Kroatien!

    Soline schreibt:
    “Die sog. Kurtaxe -in Wirklichkeit “Boravišne pristojbe”- verbleibt nach meinem Kenntnisstand bei den Städten und Gemeinden und deren touristischen Verbänden. Die Behauptung, dass sie wie früher nach Belgrad jetzt nach Zagreb weitergeleitet wird, gehört zu den Legenden die gerne gestrickt werden.”

    Google-Übersetzer meldet zu “Boravišne pristojbe” die Übersetzung “Kurtaxe”, scheint also in Wirklichkeit auch in Kroatien “Kurtaxe” zu bedeuten. Sie gehört den Kurgästen und nicht Zagreb!

    Nun Soline, beweise bitte wessen Information nun richtig ist: Deine oder die meines Wirtes!
    Wohin geht nun tatsächlich die “Kurtaxe”? Zeige im blog das Gesetz. Ich lausche!

    Zur von mir geäußerten Abzocke beim ruhenden Verkehr: da können ja hoffentlich erfahrene Kroatienfahrer und Leser des blogs ihre Ansichten hier mitteilen!

  7. Andreas

    Vielen Dank für die Ausführungen eurerseits;)

    Den Hauptfaktor der wirtschaftlichen Stärke Kroatiens auf das Los Tourismus zu setzen finde ich mehr als nur gewagt!, schliesslich dauert die Saison bei *guter* Witterung gute 60-90 Tage ;)

    Und das ein grosster Teil der Küstenbewohner mit dem Gewinn danach gut über die Runde bis zum nächsten Jahr durchkommt bezweifle ich sehr:)

    Ich habe einige Verwandten in der Umgebung Split und ein Grossteil des süssen Lebens wurde wohl damit finanziert indem man das geerbte Land zu überteuerten Preisen an Ausländer verscherbelt hat, damit lässt sich für eine sehr lange Zeit sehr gut leben.

    Leider finde ich keine detailierte Angaben über die Kreditfreudigkeit der Kroaten, man vermutet wie anhin besagt das der Grossteil der Bewohner ihr Leben auf Pump finanzieren,warten wir mal an wenn die Unikredit (Italien) oder die Social Generale (Frankfreich) vor die Hunde gehen diese sind neben Griechenland auch in Kroatien sehr stark engagniert mit Kreditgeschäfte.

    Bei einem Kollaps wird die Rechnung der Schuldner eventuell sogar aufgehen, dh der Sparer war der Verlierer und der Leben auf Schulden Mensch der Gewinner!

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