9.12.2011: Ein historischer Tag für Kroatien

Die Regierung der Republik Kroatien stellte, im Einvernehmen aller im Parlament vertretenden Parteien, am 21.2.2003 den Antrag auf eine Vollmitgliedschaft in der Europäischen Union. Ein Jahr später erhielt das Land am 18.6.2004 den offiziellen Status als Beitrittskandidat. Die eigentlichen Verhandlungen begannen aber erst, nachdem am 4.10.2005 die Chefanklägerin des Internationalen Strafgerichtshofs für das ehemalige Jugoslawien, Carla del Ponte, für alle Beobachter überraschend, die volle Zusammenarbeit Kroatiens mit dem Tribunal bestätigte. Diese Bestätigung war von Seiten der EU als Grundbedigung für die Eröffnung der Beitrittsverhandlungen gefordert worden.

Zu Verzögerungen bei den Verhandlungen ist es auch durch Grenzstreitigkeiten mit dem Nachbarland und EU-Mitglied Slowenien gekommen, die nach dem Beitritt durch ein internationales Schiedsgericht völkerrechtlich entschieden werden.

Ab Beginn der Beitrittsverhandlungen sind von den verschiedenen Mitgliedsländern politische Veränderungen in Kroatien gefordert worden, die kein Staat der Welt innerhalb von so kurzer Zeit hätte durchführen können. Dazu sagte einmal ein diplomatischer Beobachter: “Ich habe noch kein Parlament auf der Welt gesehen, das in so kurzer Zeit so viele Gesetze geändert oder erlassen hat, wie das kroatische Parlament”. Ein anderer Diplomat meinte zur damaligen Zeit: “In Europa muss mindestens zwei/drei Mal in der Woche eine Sau wie Kroatien durchs Dorf gejagt werden, damit man von anderen politischen Problemen ablenken kann.”

Wann genau und von wem das Signal für die am Ende doch schnelle Aufnahme Kroatiens nach jahrelangen Verhandlungen ausgegangen ist, kann zum jetzigen Zeitpunkt nur vermutet werden. Es wird angenommen, dass es Deutschland mit ihrer Bundeskanzlerin Angela Merkel war. Dabei könnten auch wirtschaftliche Interessen eine Rolle gespielt haben, denn in Kroatien besteht ein Investitionsbedarf der gar nicht so einfach beziffert werden kann. Ein Experte meinte vor wenigen Wochen, es seien mindestens 200 Mrd. Euro nur bis zum Jahr 2020.

Es kann nicht geleugnet werden, dass in Kroatien ein weiterer Verbesserungs und Erneuerungsbedarf besteht und man wird sehen, ob diesen Problem in den kommenden Jahren von der neuen Regierung gelöst werden kann. Kroatien darf sich als Mitglied nicht nur auf die EU verlassen sondern es muss sich in erster Linie darum bemühren, seine Probleme selber zu lösen.

Um zu einem dauerhaften Frieden und um einen gewissen Wohlstand, den man sich selbst erarbeiten muss in Kroatien gelangen zu können, benötigt dieses relativ “junge” Land die Europäische Union. Es bringt aber auch etwas mit, was in anderen Ländern der Union nicht vorhanden ist. Es sind Werte die unbezahlbar sind und die in diesem Jahr von mehr als 10 Mio. Touristen besucht wurden.

Der Beitrittsvertrag wird heute von Kroatiens Staatspräsident Ivo Josipović und von Ministerpräsidentin Jadranka Kosor, gemeinsam mit den Staats- und Regierungschefs der Euroapäischen Union in Brüssel unterschrieben.

Zum Beitritt Kroatiens zur EU ist hier eine Debatte des Europaparlaments vom 20. April 2004 zu finden. Hier ein aktueller Bericht der “FAZ”.

Noch zwei wichtige Hinweise dazu: Mit dem EU-Beitritt fallen nur die Zollkontrollen an den Grenzen zu den EU-Nachbarn weg. Bis zur Aufnahme in das Schengen-Abkommen werden weiterhin Grenzpolizeikontrollen stattfinden. Die Einführung des Euro als offizielles Zahlungsmittel kann  ebenfalls nicht mit der EU-Mitgliedschaft in Verbindung gebracht werden.

Ein Kommentar zu “9.12.2011: Ein historischer Tag für Kroatien”

  1. civolo

    Hallo,

    schaut mal hier!

    http://www.transparency.de/Tabellarisches-Ranking.2021.0.html

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