Der neue kroatische Ministerpräsident Zoran Milanović

Heute hat das kroatische Parlament dem SDP-Vorsitzenden Zoran Milanović zum neuen Ministerpräsidenten gewählt und seinem Kabinett das Vertrauen ausgesprochen. Im Laufe des Nachmittages wird er die Amtsgeschäfte von seiner Vorgängerin Jadranka Kosor im Regierungsgebäude, dem “Banski Dvor” übernehmen.

Er wurde am 30.10.1966 in Zagreb geboren und gehört damit einer jüngeren Politikergeneration an, die nicht vom jugoslawischen Kommunismus, manchmal auch Sozialismus genannt, geprägt worden ist.

Seine Eltern stammen ursprünglich aus Sinj aus dem Hinterland von Dalmatien und sie sind nach Zagreb übergesiedelt. Sein Vater Stipe Milanović war Leiter des Zentrums für den wirtschaftlichen Wiederaufbau in Zagreb und seine Mutter Gina Milanović war Lehrerin für die deutsche und englische Sprache an einer Schule in Zagreb.

Sein einziger Bruder Krešimir ist dreieinhalb Jahre jünger.

Nach dem Besuch der Grund- und Mittelschule besuchte er das Zentrum für Verwaltung und Justiz, die im damaligen Zagreb eine Eliteschule dargestellt hat. Nach eigenen Angaben war er als Kind und Jugendlicher sehr lebhaft und er erhielt mehrfach Schulverwarnungen. Ab 1986 schrieb er sich an der juristischen Fakultät der Universität von Zagreb ein und seine spätere Diplomarbeit wurde als eine der Besten dieses Jahrgangs ausgezeichnet.

Nach dem Besuch der Fakultät war er zunächst Mitarbeiter beim Handelsgericht in Zagreb und er wechselte 1993 in das Ministerium für auswärtige Angelegenheiten. Ein Jahr später erhielt er von Minister Mate Granić den Auftrag, als Beobachter der UN-Friedensmission in die Republik Bergkarabach zu gehen. Im gleichen Jahr heiratete er seine Frau Musić-Milanović. Aus dieser Ehe sind die Söhne Ante und Marko hervorgegangen.

Im Jahr 1996 wurde er nach Brüssel versetzt, wo er als Mitarbeiter der kroatischen Mission bei der EU und NATO tätig war. Diese Tätigkeit hat er bis 1999 ausgeübt und er ist in die Zentrale nach Zagreb zurück berufen worden. Im gleichen Jahr hat er sich erstmals parteipolitisch betätigt und er wurde Mitglied der damaligen Oppositionspartei SDP. Dort ist er dem Parteivorsitzenden Ivica Raćan aufgefallen, und als dieser im Jahr 2000 Ministerpräsident von Kroatien wurde, hat er ihn zum Koordinator für NATO-Fragen ernannt. Drei Jahre später ist er zum unmittelbaren Mitarbeiter des damaligen Außenministers Tonino Picula ernannt worden. Nach der Regierungsübernahme durch die HDZ im Dezember 2003 ist er aus dem Außenministerium ausgeschieden.

Bereits fünf Jahre nach seinem Beitritt in die SDP ist er 2004 in den Vorstand der Partei gewählt worden. Zwei Jahre später wurde er zum Sprecher der Partei ernannt und er kandidierte im IV. Wahlbezirk erfolgreich als Abgeordneter für das kroatische Parlament.

Als es nach dem Tod des SDP-Vorsitzenden Ivica Raćan im April des Jahres 2007 um dessen Nachfolge ging, wurde er erst nach heftigen innerparteilichen Flügelkämpfen zum neuen Parteivorsitzenden gewählt und später in diesem Amt bestätigt.

Durch seine heutige Wahl ist er der jüngste Ministerpräsident in der Geschichte seines Landes und durch die gegenwärtige politische Lage kommen Aufgaben auf ihn zu, für die er die Unterstützung seines Volkes benötigt.

Seine parlamentarische Bewerbungsrede war ungwöhnlich von der patriotischen Stimmungslage der kroatischen Bevölkerung geprägt und er hat alle Abgeordneten aufgefordert, gemeinsam mit seiner Regierung eine Lösung der aktuellen Probleme zu finden. Dabei müsse man in die Zukunft schauen und Schuldzuweisungen für die Politik der Vorgängerregierungen dürften dabei nicht vorkommen. Außerdem wies er darauf hin, dass alle gesellschaftlichen Gruppen und Vereinigungen Kroatiens daran arbeiten müssen, den Lebensstandard zu verbessern. Nach seiner festen Überzeugung ist dies auch nur möglich, wenn Kroatien Mitglied der EU geworden ist.

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