In welcher Welt leben wir eigentlich?

Am 17.1.2012 wurde hier unter # 12 mitgeteilt, dass es 2012 ein gutes Jahr für die Tiere der Insel Krk geben wird. Danach haben die sieben Gemeinden beschlossen, dass am 16.11.2010 festlich eröffnete Tierheim in Omišalj, nach deutschem Standard fertig bauen zu lassen. Die dadurch entstehenden Kosten werden durch die Gemeinden aufgeteilt und die laufenden Kosten von jährlich etwa € 100.000 sollen ebenfalls aus Steuermitteln aufgebracht werden.

Demgegenüber:

In der Universitätsklinik von Rijeka (KBC) befindet sich eine Tagesklinik der Onkologie, in der erkrankte Patienten aus den Gespanschaften Istrien, Primorsko Goranska, Ličko Senjska und Karlovačka ambulant therapiert werden. Dazu gehören auch Bewohner der Insel Krk. Es stehen nur 6 Betten und 6 Liegestühle für die Behandlung zur Verfügung. Die Räumlichkeiten sowie die sanitären Einrichtungen befinden sich in einem unbeschreiblich schlechten Zustand und sind für die Erkrankten und das medizinische Personal unzumutbar. Eine Verbesserung der derzeitigen Verhältnisse ist wegen fehlender finanzieller Mittel bisher nicht in Sicht.

Unter diesen Umständen muss die Frage erlaubt sein, in welcher Welt wir eigentlich leben in der es möglich ist, dass für herrenlose Tiere mehr Geld zur Verfügung steht, als für schwer erkrankte Menschen.

12 Kommentare zu “In welcher Welt leben wir eigentlich?”

  1. Lutz

    Zuerst einmal auch ein Danke dass dieser Blog wieder “lebt” und weiter geführt wird. Er ist ohne Frage eine Bereicherung für alle Kroatien-Freunde.

    Die Frage ist aber wohl nicht ob es sinnvoll ist Geld für herrenlose Tiere auszugeben und dafür bei den kranken Menschen zu sparen, sondern viel mehr, ob wir (alle, nicht nur die Kroaten) mit den Ressourcen überhaupt sinnvoll umgehen.

    Solange es sich Kroatien als NATO-Miglied leisten kann über den Kauf von modernen Kampfjets als Ersatz der zugegeben veralteten MIGs zu verhandeln sollte auch Geld für Krankenhäuser da sein.

    Es gibt also weitaus unsinnigere Ausgaben und zwar in Milliardenhöhe, als der Bau eines Tierheims, leider!

    Lutz

  2. Eisenbahner

    Die Frage kann ich angesichts der beschriebenen Zustände sehr gut verstehen.
    Wir sind 2011 erstmals in die Lage geraten, das kroatische Gesundheitssystem in Anspruch nehmen zu müssen und haben insgesamt ernüchternde und ganz unerwartete Erfahrungen machen müssen. Selbst unsere kroatischen Vermieter in Istrien haben uns vor dem – einzigen istrischen! – Krankenhaus in Pula gewarnt und “mindestens” Rijeka empfohlen, andere Leser hatten gleich zu Österreich geraten, wenn es um ernsthaftere Erkrankungen geht.
    Kroatien scheint auf dem Gesundheitssektor noch etwas hinter dem westeuropäischen Standard zurückzubleiben. Das ist natürlich auch besonders für Patienten schlimm, die in Kroatien wohnen und die dortige Struktur nutzen müssen.
    Menschliches Leben sollte wirklich an erster Stelle aller Bemühungen stehen – und das ganz selbstverständlich, womit natürlich per se nichts gegen tierliebe Aktionen gesagt sein soll.

    Alles Gute trotzdem von hier aus!

  3. istra

    Soline, willkommen in der Welt der vielfältigen Realität.

  4. Helmut & Marianne

    Nichts gegen den Tierschutz – wir selbst sind Tierfreunde .
    Aber was hier von Dir über die Universitätsklinik von Rijeka berichtet wird das Schockiert uns .

  5. kvarner

    Ein wesentlicher Unterschied zwischen Mensch und Tier ist dass Letztere sich nicht aussuchen können “in welcher Welt” bzw. welcher Gesellschaft sie leben und in Not geraten. Menschen können Mißstände erkennen und ändern. Tiere nicht, sie benötigen menschliche Hilfe.

    Leider haben die meisten Menschen in den letzten 15 Jahren aber wohl kein Interesse daran gehabt dass sich was an dem primitiven (korrupten!)Gesundheitswesen etwas ändert. Sonst hätte die Mehrheit nicht immer wieder auf’s neue die vermeintlich patriotische Staatsmafia gewählt, die letztendlich Milliarden (EUR!) aus dem Land geschafft hat so dass es nun an allen Ecken (noch mehr) mangelt. Vermutlich muss auch das nun die EU mit ihren Geldtöpfen richten.

  6. Michael

    @ Soline,
    auch ich bin entsetzt, aber hauptsächlich von deinem Versuch den Tierschutz auf der Insel Krk mit der Universitätsklinik zu vergleichen. Du weißt doch genau, dass bis zum heutigen Tage das Meiste durch Spenden und ehrenamtliche Arbeit aufgebaut wurde. Was soll das nun, du bist Deutscher und weißt, dass auch hier Feuerwehren, Tierschutzvereine, Kindergärten, Schulen und selbst Krankenhäuser durch Fördervereine unterstützt werden. Bevor du nun anfängst richtige Sachen falsch zu reden, solltest du vielleicht einen Förderverein Gründen und die Universitätsklinik unterstützen.
    Ich gehe davon aus, dass du persönlich betroffen bist, dieses rechtfertigt aber nicht anderes schlecht zu reden.
    Ich habe deinen Blog bisher immer gerne gelesen, da er ohne Meinungsmache auskam, sollte dieses sich nun ändern werde ich darauf verzichten deinen Blog zu lesen.
    Ich werde es dir überlassen den Kommentar zu veröffentlichen oder zu zensieren.
    Michael

  7. Danares

    Auch in Kroatien wird für den Gesundheitssektor durchaus Geld ausgegeben – es wird nur leider nicht gerecht verteilt. :-( Wenn z.B. die für den Verteilschlüssel herangezogene Patientenzahl ausgerechnet *ausserhalb* der Tourismus-Saison erhoben (und dann auf’s Jahr hochgerechnet) wird, kann es kaum verwundern, daß die Krankenhäuser an der Küste am Jahresende mit dem ihnen zugewiesenen Budget nicht auskommen…

  8. kvarner

    Ich bin weder im Tierschutz auf Krk noch sonstwo in diesem Bereich engagiert, aber ich denke ich habe hier im Blog in der Vergangenheit gelesen dass das dortige Projekt hauptsächlich auf Initiative deutscher Kroatien-Liebhaber/Urlauber (?) zustande gekommen ist. Und nach vielen Jahren hat die öffentliche Hand sich entschlossen auch was beizusteuern.

    Wieso? Weil man vermutlich um den Tourismus und das Image besorgt ist, d.h. die Lebensgrundlage vorallem “an der Küste”. So funktioniert “unsere Welt” nun mal, erst recht die kroatische.

    Von den primitiven Zuständen im Gesundheitswesen wissen die meisten Touristen nichts (außer die paar armen Gestalten die es mal in Anspruch nehmen mussten). Daher meckert auch keiner. Daher kein Image/Geschäft in Gefahr. Daher kein Interesse vor Ort dass sich was ändert.

    Und von den Leuten die direkt oder indirekt im Gesundheitssystem tätig sind braucht keiner einen Reformdrang erwarten. Wer im System ist profitiert davon. Jeder der auch nur irgendein Pöstchen hat wo er Schmiergeld/-geschenke nehmen kann, will den status quo erhalten. Und das sind hier mehr als die Hälfte der Bevölkerung, bei der hohen griechenlandmäßigen Beamtenquote welche Kroatien “auszeichnet”.

    Soline schrieb am 10. Dezember als Antwort auf einen Kommentar von mir:

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    Zitat aus der Welt: “Ob es der eher harmlose Geschenkkorb ist, mit denen sich Krankenhauspatienten die Aufmerksamkeit ihres Pflegepersonals zu sichern trachten, der unumgängliche Obolus bei Verkehrskontrollen, die kostspielige „Beschleunigung“ der ebenso trägen wie geldhungrigen Verwaltung oder Bestechungsgelder bei öffentlichen Aufträgen in Millionenhöhe – immer wäscht eine Hand die andere.”

    Diese Seuche ist nicht so schnell aus den Genen der Kroaten vollständig heraus zu bringen. Auf diesem Gebiet hat sich in den letzten Jahren, nach meiner Erfahrung aber ein Wandel vollzogen. Geber und Nehmer sind wesentlich vorsichtiger geworden.
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    http://kroatien-news.net/2011/12/ivo-sanader-wird-am-12-12-2011-aus-u-haft-entlassen/

    “Vorsichtiger geworden” ist leider keine Lösung sondern eine “Optimierung” des Problems. Die Seuche gehört ausgerottet, auf allen Ebenen.

  9. kvarner

    Ein Beispiel für das kroatische Gesundheitswesen: Eine Bekannte hat vor etwa 10 Jahren eine furchtbare Krebserkrankung besiegt (knapp 20 OPs). In Kroatien. Dank sehr guter Privatärzte (mit Fachausbildung in Deutschland aber in Kroatien in Privatklinik praktizierend). Um die Rechnungen bezahlen zu können hat sie einen hohen Kredit bei der Bank aufgenommen, den sie bis heute abstottert. Fast der komplette Lohn geht dafür drauf, auch dank Fremdwährungskredit in Schweizer Franken.

    Seither muss sie relegmäßig zum Test (ich glaube Blut- und Gewebeproben) damit sofort erkannt wird falls der Krebs zurückkehren sollte, weil es dann sehr schnell gehen kann (Metastasen).

    Das Ergebnis aus dem Labor müsste jeweils in max. einer Woche vorliegen. Dennoch dauert es fast immer 3-6 Monate bis sie die Ergebnisse hat. Ob das Labor absichtlich langsam arbeitet bzw. die Ergebnisse nicht weiterleitet oder der behandelnde Arzt… man weíß es nicht. Klar ist jedoch dass irgend jemand in der Kette mit dem Leben der Patienten spielt, denn nur ein ungeduldiger und verzweifelter Patient ist bereit mit Geld “nachzuhelfen”.

    Seit neuestem lässt sie diese Tests in einer Privatklinik machen und hat das Ergebnis innerhalb von Tagen. Dort muss sie aus eigener Tasche bezahlen (Versicherung tut es nicht). Aber sie sagt sie bezahlt lieber ehrlich dort und kann sich darauf verlassen, als dass sie die korrupten Schw… im staatlichen System bereichert.

    Zudem kommt noch hinzu dass die Laborergebnisse im staatlichen System scheinbar oft gewürfelt werden. Entweder jemand macht sich einen Spaß daraus Laborwerte und Patientennamen zu vertauschen, oder es herrscht eine furchtbare Schlamperei. Denn ein Bekannter (Kroate) hat mal die Probe auf’s Exempel gemacht und hat zur gleichen Zeit an 3 Stellen sich testen lassen (gleicher Test). Die Laborergebnisse waren alle so unterschiedlich als stammten sie von verschiedenen Personen. Seither mißtraut er jedem Arzt in Kroatien und will im Notfall nur noch raus über die Grenze nach Slowenien oder Italien.

  10. Eisenbahner

    Insebsondere was Kvarner schreibt, ist eigentlich entsetzlich. Unglaublich. Aber wichtig zu hören/lesen.
    Ich denke nicht, dass Soline Tierschutz und Krankensystem gegeneinander ausspielen möchte. Man muss verstehen, dass man als Betroffener verzweifeln könnte, wenn man sieht, dass es “eigentlich” auch viel besser ginge, aber aus den von Kvarner genannten Gründen eben nicht geht. So gesehen finde ich Solines Empörung absolut berechtigt. Er hat ein Recht auf angemessene Behandlung, wie alle anderen Patienten auch.
    Ich glaube, das wollte Soline sagen, so habe ich ihn verstanden.

    Gerne wiederhole ich mich und wünsche alles Gute!

  11. istra

    Tut mir Leid, Leute, wenn ich eine andere These zu den Ursachen der hier im blog von ALLEN glaubwürdig geschilderten Erfahrungen äußern möchte:

    mir scheint die Misere im kroatischen Gesundheitswesen NICHT an korrupten Verhältnissen zu liegen, sondern an drei anderen Dingen:

    - es ist extrem wenig Geld im Gesundheitssystem! Obwohl sich ausländische Quellen an Spendenaktionen für Röntgengeräte oder Ambulanzfahrzeuge beteiligten, reicht das alleine nicht (ich berichtete in Kommentaren darüber oder sendete soline einen Link über eine Spende dazu). Die Politik müsste eindeutig Mittel im Etat FÜR das Gesundheitssystem umschichten – was bisher unterblieb. In Rijeka ist der Abriß und Neubau der Bolnica dringend notwendig! In vielen anderen Kliniken ist eine Generalsanierung dringend notwendig!

    - die Ärzteschaft verdient im staatlichen Gesundheitssystem zu wenig. Daher breiten sich Privatkliniken und Privatambulanzen aus, wo auch mancher staatlich Versicherte Kroate sich behandeln lässt, weil er mit der Qualität, mit der Wartezeit oder mit dem Erfahrungen im staatlichen Gesundheitssystem unzufrieden ist.
    Außerdem, so erklärte man es mir, werden Ausländer von den staatlichen Ärzten auf Krankenscheinabrechnung in der Regel (Ausnahme: Notarztstellen) nicht behandelt. Das ist wohl ein Gesetzesverstoß.

    - Das Gesundheitsministerium war bisher oder ist (?) offenbar unfähig, innerhalb der Regierung sich durchzusetzen und für Finanzmittel zu sorgen. Es toleriert Gesetzesverstöße bei der Behandlung und bei der Unterversorgung. Das ist zynisch, wenn man sieht, wie sonst überall in Kroatien auf die Gesetzestreue mit polizeilichen Methoden sehr wohl durchgesetzt wird!

    Ich weiß aber nicht wer oder wie das alles (und vermutlich noch mehr) bewerkstelligen kann! Wer weiß dazu etwas?

  12. Mrvica

    Soline
    Aus der bestehenden Situation heraus betrachtet sind deine Gedankengänge durchaus nachvollziehbar.
    Was ich in den letzten Tagen in Sachen Tierschutz auf der Insel erleben konnte,ist durchaus vergleichbar mit den Zuständen im Krankenhaus Rijeka.Nur,den betroffenen Tieren konnte ich helfen,die Zustände im Krankenhaus,kann ich leider nicht ändern.
    Ich glaube aber, das du dich auch weiterhin,auch wenn es dir körperlich schwerfällt,hier in diesem Blog
    für diese armen sich selbst überlassenen Kreaturen einsetzt.

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