Meinung des US-Botschafters James Foley

James Foley, der US-Botschafter in der Republik Kroatien, hat sich vor wenigen Tagen über die finanz- und wirtschaftspolitische Situation der “Adriatic Sea Nation” geäußert. Mehr dazu hier.

Bei seinem Vortrag scheint er übersehen zu haben, dass Kroatien erst wenige Wochen von einer neuen Koalitionsregierung geführt wird. Sie hat in ihrer kurzen Amtszeit bereits mehrere Änderungsgesetze in das Parlament eingebracht, die dort auch beschlossen wurden.

Es ist nicht bekannt, ob er die Politik der früheren Regierung ebenso öffentlich beurteilt hat.

Meinung: Dieser Botschafter eines angeblich befreundeten Staates gehört, wie es in solchen Fällen normal ist, in das Außenministerium einbestellt und man müsste ihn dort fragen, was ihn als Vertreter der Vereinigten Staaten von Amerika  dazu bewogen hat, durch diese Äußerungen dazu beizutragen, das Kreditrating Kroatiens und die ausländische Investitionsbereitschaft zu verschlechtern.

Erste Reaktionen der britischen Barclays Bank auf seine Einschätzungen liegen bereits vor. Sie hat ihren Kunden dringend empfohlen, ihre Finanzanlagen in anderen Staaten wie z.B. in der Ukraine oder in Litauen vorzunehmen.

14 Kommentare zu “Meinung des US-Botschafters James Foley”

  1. kvarner

    Don’t kill the messenger!

    Im Bloomberg-Bericht steht doch klar und eindeutig: …”Foley told a panel in Zagreb today, citing data from Doing Business, a joint 2012 report on measuring business regulations by the World Bank and the International Finance Corporation.”

    Der Mann hat “Doing Business” zitiert, einen gemeinsamen Bericht aus dem Jahre 2012 erstellt von “World Bank and the International Finance Corporation”.

    Außerdem stimmt es. Das Investitionsklima war und ist immer noch feindselig. Aber das ist zu 100% das Ergebnis der alten Regierung und derer Mafia-Ideologie. Die sahen ausländische Investoren nur als Melkküche an, die man erst melkt um sich persönlich zu bereichern und dann aus dem Land schikaniert. Denn merke: Ausländer sind nur willkommen als zahlende Touristen. Wehe einer von denen will hier ein Haus kaufen und womöglich auch noch das ganze Jahr darin leben (max. 6 Monate/Jahr, dann Ausweisung) oder, noch unglaublicher, hier ein Geschäft eröffnen – dann lernt man die Herzlichkeit erst richtig kennen ;-)

    Wie “Istra” in einem anderen Beitrag kommentierte: Das sind nicht alle Kroaten und auch nicht die Mehrzahl. Aber es sind viele derer die “was zu sagen haben”, d.h. Beamte und Staatsdiener, und das ist es was leider zählt, denn die netten Nachbarn können einem auch nicht weiterhelfen wenn die Staatsmafia einen loswerden will (weil es eben Staatsräson war, und ich hoffe “war”).

  2. kvarner

    Der link zum zitierten Bericht (ist auf der Bloomberg-Seite leider nicht-funktional):
    http://www.doingbusiness.org/reports/global-reports/doing-business-2012/

  3. Erwin

    Ich weiß auch nicht was an dem Bericht unzutreffend sein soll – im Gegenteil!

    Rechtsicherheit ist faktisch nicht vorhanden, die Polizei macht was sie will (insbesondere mit Touristen), Dienstleister kann man nicht haftbar machen für ihre Dienstleistungen, usw. Weitergehend ändern sich permanent irgendwelche Regeln, Gesetze und Gebühren – d.h. also auch keine Planungssicherheit.

    Darüberhinaus ist die Agressionsschwelle von Kroaten – zumindest im westeuropäischen Vergleich – extrem niedrig (natürlich gefällt diese Aussage Kroaten nicht) und die Zuverläßigkeit (insbesondere bei Terminen) sehr gering. Hier zu investieren ist nicht gerade ratsam – es gibt zuviele bessere Möglichkeiten.

    Jeder der ein Boot in Kroatien hat weiß was ich meine.
    Das Land ist halt schön – ansonsten….!?

  4. Soline

    @Erwin

    Auf einen Urlaub in einem Land wo faktisch keine Rechtssicherheit besteht, wo die Polizei mit Touristen macht was sie will, wo die Agressionsschwelle der Bewohner extrem niedrig ist, würde ich auf jeden Fall verzichten, selbst wenn das Land nach m.M. schön ist.

    So einfach ist das!

  5. ivo

    Ich hoffe, dass jetzt bald die alten Schützengräben zugeschüttet werden und auch die Stellungskriege aufhören. “Blödsinn” gibt es überall. Ich erinnere nur an die Causa Wulff. An so etwas in Deutschland hätte ich nie und nimmer geglaubt. Kroatien kommt jetzt in die EU und da gehört es auch hin.
    Meines Wissens nach heißt die ganz überwiegende Zahl der Deutschen Kroatien auch herzlich willkommen.

  6. Soline

    Bei Veröffentlichtung dieser Information ging es mir gar nicht um den Inhalt dessen was Foley gesagt hat, sondern darum, dass es nicht zu den diplomatischen Gepflogenheiten gehört, wenn sich der Vertreter eines ausländischen Staates derartig über die politische Situation seines Gastlandes in der Öffentlichkeit äussert.

    Von anderen Botschaftern sind solche Veröffentlichungen nicht bekannt und er sollte zur Kenntnis nehmen, dass Kroatien ein selbständiger Staat ist und kein Bundesstaat der USA.

  7. kvarner

    Soline, Du hast aber schon gemerkt dass der Herr Botschafter einfach nur einen Bericht zweier internationaler Institutionen zitiert hat, und nicht seine eigenen Erkenntnisse dargelegt hat. Das ist so wie wenn Du hier Quellen zitierst. Würde doch auch keiner auf die Idee kommen und Dich für den Inhalt der Quellen verantwortlich machen.

    Das US-amerik. Imperium im spätrömischen Zustand muss man nicht mögen, aber in diesem Fall glaube ich “you are making a story where there is no story” ;-)

  8. istra

    @ Soline
    Wir wissen alle die wir uns lange Zeit in Kroatien aufhalten, dass die Rechtssicherheit aus vielerlei Gründen in Kroatien problematisch sein kann.
    Daraus folgern oftmals Zustände, wie sie “Erwin” schildert. Anderes ist von ihm auch treffend geschildert, auch wenn es sicher nicht in jedem Fall zutrifft.

    Das sollte aber kein Grund sein Jemanden zu empfehlen “auf einen Urlaub in Kroatien zu verzichten”.

    Die Freiheit der Meinungsäußerung ist mir wichtig. Daher bitte ich derartige “Ratschläge” nicht mehr an Kommentatoren in einem immerhin öffentlich lesbarem blpg zu richten und sich bei Bedarf und Gelegenheit bei “Erwin” zu entschuldigen.

  9. Soline

    Zitat: “Die Freiheit der Meinungsäußerung ist mir wichtig. Daher bitte ich derartige “Ratschläge” nicht mehr an Kommentatoren in einem immerhin öffentlich lesbarem blpg zu richten und sich bei Bedarf und Gelegenheit bei “Erwin” zu entschuldigen.”

    Diese anmassende Aufforderung mich bei “Erwin” zu entschuldigen veranlasst mich zu der Bitte, die Informationen und Kommentare dieses Blogs einfach nicht mehr zu lesen und sie zu ignorieren.

  10. Erwin

    @ Soline

    so einfach ist das eben nicht!

    Sie reagieren oftmals so emotional und endgültig auf Beiträge, welche sich negativ mit kroatischen Gegenbenheiten befassen – bzw. mit dem was andere Personen erlebt haben. Ich verstehe das nicht, sollte Ihr eigentlich guter Blog Ihnen doch die Souveränität geben. andere Meinungen zu akzeptieren, mind. zu tolerieren.

    Ich bin seit über 20 jahren mit einer großen Yacht in Kroatien und könnte Ihnen Listen von Vorfällen schildern, welche Sie wahrscheinlich als patriotoscher Kroate kaum glauben (wollen) würden. Betrug(sversuche) erlebe ich jedes Jahr – korrupte Polizisten erlebe ich jedes Jahr!

    Gerade weil ich die Aussagen des Botschafters nachvollziehbar finde, und diese durch eigene Erlebnisse bestätigt wurden, fahre ich mit meinem Schiff auf das Meer oder in die Kornaten – dort bin ich der behördlichen kroatischen Willkür nur noch sehr eingeschränkt ausgesetzt! Und wenn dieses Land es irgendwann übertreibt, verlege ich mein Schiff woanders hin! Die Grenze zwischen schöner Natur und nervigen/unerträglichen Gegebenheiten ist breit und nicht einfach schwarz und weiß (take it or leave it). Ich meine auch, dass die tolle Aussage “der Klügere gibt nach” (= ich mache woanders Urlaub) in diesem Falle bedeutet “der Dümmer gewinnt”.

    Kroaten sollten m.E. auch nicht vergessen wie es zu Ihrer Staatsgründung gekommen ist – ein ggf angemessener (aber nicht entscheidener!!!) Hinweis auf das heutige Verhalten gegenüber Touristen.

    Aber genau diese o.a. Gründe (sowie die Bemerkung des Botschafters) verhindern das ich in Kroatien investiere. Ich hätte mir schon längst ein Haus gekauft, Handwerker beauftragt und andere Investitionen getätigt, wenn mein Empfinden nicht so wäre wie geschildert. Dienstleister lasse ich aus Deutschland anreisen um an meinem Boot zu arbeiten. Die Garantien kann ich im Zweifel einklagen -und- diese Dienstleister sind Termintreu.

    Bemerken möchte ich auch noch, dass meinen kroatischen Freunde (ja, habe ich nach 20 Jahren tatsächlich) regelmäßig meine Hilfe benötigen um Güter aus Deutschland nach Kroatien zu bringen, da EU-Händler nicht nach Kroatien liefern wollen! Das sollte doch die Alarmglocken bei einm Staat klingeln lassen – oder!?

    Ihre persönliche Reaktion bestätigt dabei meine Einschätzung bzgl des Agressionsverhaltens. Das enttäuscht mich, da ich Ihren informativen Blog und auch das Meinungsbild schätze. Bitte akzeptieren Sie jedoch meine Auffassung das es kein Aushängeschild für Kroatien ist so zu reagieren. Aus Staatssicht wäre es für ein Land, das massiv von Transferleistungen anderer Länder profitiert, auch kein gutes Aushängeschild…

    Eine sachliche Analyse würde wohl zu dem Ergebnis kommen, dass nicht ich den “Hauptnachteil” habe, sondern Ihr Land welchem die Investitionen und Geschäftsbeziehungen fehlen. Ggf wäre Kroatien gut bearten wie es die Bedenken von Ausländern abbaut um dadurch sein Bruttosozialprodukt zu steigern.

    Ausdrücklich unterstreiche ich, dass -natürlich- nicht alle Kroaten, alle Polizisten, alle Politiker, etc. so ein Verhalten zeigen. Ich spreche über einen Gesamteindruck, der ggf sogar subjektiv ist.

    PS:
    Ich hoffe das wird jetzt als konstruktiver Beitrag und nicht als persönlicher Angriff auf den Blogbetreiber empfunden – das war zumindest meine Absicht!

    @Istra
    Danke für den Hinweis bzgl der freien Meinung !!!

  11. ivo

    Also, das was “Erwin” über Kroatien geschrieben hat grenzt an Rassismus. Für seine Äußerungen muss sich Soline deshalb bestimmt nicht entschuldigen. Umgekehrt wird ein Schuh draus.

  12. Soline

    @Erwin
    Es ist durchaus möglich, dass ich manchmal emotional reagiere. Das ist nun mal meine Art.

    Im übrigen verweise ich auf diese Information von mir:

    http://kroatien-news.net/ueber/

    An dem Satz: Kritische Anmerkungen sind, sofern sie sachlich bleiben, sogar ausdrücklich erwünscht.

    Daran hat sich bis jetzt nichts geändert.

  13. istra

    @ ivo
    An Rassismus Grenzendes steht bei “Erwin” nicht zu lesen. Rassismus ist ganz was Anderes. Diese agressive Aussage, die in Deinem Vorwurf steckt, gibt “Erwin” unfreiwillig Recht! Schon aufgefallen? :)

    @ Soline
    Ich hatte Dich gebeten und NICHT aufgefordert, Dich gelegentlich bei “Erwin” zu entschuldigen. Das ist aber ein Unterschied.

    Ich habe aktuell den Eindruck, diese Entschuldigung ist oben im Kommentar von 20:49 Uhr von Soline indirekt auch so gegenüber “Erwin” zum Ausdruck gebracht worden.

    Wir sollten aufpassen, Anderen nicht ein Recht (Meinungsrecht, Reisefreiheit oder Blogteilnahme) abzusprechen oder abzuempfehlen, das jeder für sich selbst zu Recht als selbstverständlich verteidigen würde. Freiheit ist unteilbar, nicht verhandelbar.

    Alle Beiträge zu diesem Thread von “Erwin” und von mir blieben sachlich – finde ich. Daher sehe ich im Satz von Soline “Kritische Anmerkungen sind, sofern sie sachlich bleiben, sogar ausdrücklich erwünscht” eine Einladung weiter teilhaben zu dürfen… ;)

    Im übrigen sitzen wir alle in einem Boot namens “Hrvatska Republika” das in stürmische Zeiten segelt. In einem wunderschönen Revier, keine Frager. Die Mannschaft sollte dabei zusammenarbeiten.

    Es ist schon so, auch wenn es unangenehm ist: In Kroatien muß und wird sich gewaltig etwas ändern, das zeigen ja auch der US-Botschafter und einige Kommentare hier im blog recht deutlich, sonst fährt dieser Staat wirtschaftlich gegen die Wand. Es geht um mehr als um undiplomatische Direktheit des Botschafters. Es geht um Alles. Das wird schmerzhaft, anstrengend und teuer. Die Kaufkraftabwertung wird wohl mindestens 30% betragen und die Leistungsanforderungen, die Arbeitslosigkeit und die Produktivität werden enorm steigen. Diese schmerzliche “Rettung” Kroatiens gelingt aber nur mit Auslandsgeld.

    Jedoch sind die ausländischen Direktinvestitionen in den letzten 5 Jahren bis 2011 um 90% gefallen. Ich vermute es lag auch an den Problemen die Kroatien hatte und an der weltweiten Finanzkrise. Heute hat Kroatien ein schlechtes Investitionsklima. Das sollte Kroatien auf Sonne schalten und Investoren ins Land holen.
    Um solche und ähnliche ernste Sachen geht es im Grunde und nicht um unser formales Geplänkel – meint meine Wenigkeit.

    Also, lieben Gruß an Alle und Ehre der Wahrheit.

  14. kvarner

    Zu istras Anmerkung über die desolate Lage Kroatiens bei den ausl. Direktinvestionen erschien gerade erst gestern eine Meldung u.a. hier:

    “Serbien scheint Kroatien davonzulaufen”
    http://www.wirtschaftsblatt.at/archiv/509876/index.do

    Ich zitiere: “Während sich in den vergangenen Tagen Nachrichten über den Rückzug österreichischer Investoren aus Kroatien häufen, scheinen andere Serbien für sich entdeckt zu haben”. Und: “Serbien konnte vergangenes Jahr 1,5 Milliarden € Direktinvestitionen aus dem Ausland anziehen, Kroatien in den ersten drei Quartalen eine Milliarde €”.

    Das spricht Bände. Und es zeigt wie die alte Regierung abgewirtschaftet hat und deren “System” Investoren abgeschreckt bzw. rausschikaniert hat (als die Hosentaschen jeweils voll waren).

    Das System lautete: Ausl. Investoren = Melkkühe zur pers. Bereicherung
    Melkkühe schlachtet man nach 2-3 Jahren und ersetzt sie.

    Erwin hat viel Wahres geschrieben. “Nationale” Reflexe sind keine Lösung für die Probleme und eher Ursache für ganz andere Probleme und von denen hatte man hier erst Recht genug.

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