Tuđman und Milosević

Bereits vor mehreren Jahren sind Spekulationen darüber aufgetaucht, dass es zwischen dem kroatischen Staatspräsidenten Franjo Tuđman und dem serbischen Staatspräsidenten Slobodan Milosević Gespräche über eine Aufteilung von Bosnien-Herzegowina gegeben hat. Die erste Besprechung in dieser Angelegenheit, mit einer Dauer von mehr als zwei Stunden soll anlässlich eines gemeinsamen Spaziergangs, in einem Wald des Tito-Schlosses Karađorđević bei Belgrad stattgefunden haben.

Über dieses Thema haben die serbischen Autoren Sladjana Zarić und Filip Colović einen Dokumentarfilm zusammengestellt, aus dem hervorgeht, dass sie sich zwischen 1990 und 1995 zu 47 Gesprächen getroffen haben.

Der Leiter des persönlichen Büros von Tuđman und spätere Ministerpräsident Kroatiens, Hrvoje Šarinić hat bestätigt, dass er während des Krieges elfmal nach Belgrad gereist ist, um dort Gespräche mit dem “Feind” und seinen Beratern zu führen. Er berichtet auch über die Lieferung von Lebensmitteln und Treibstoffen in die von Serben besetzten Gebiete der Krajina.

In dem Dokumentarfilm kommen zahlreiche Protagonisten der damaligen Zeit zu Wort und es ist durchaus möglich, dass Teile der kroatischen Geschichte ab 1991 umgeschrieben werden müssen.

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Anmerkung: Franjo Tuđman war gelernter Historiker und Professor für politische Wissenschaften. Er hat sich bei seiner Politik eventuell von den Thesen des Milobar Petrinjensis leiten  lassen, der in seinem Buch “Bosnien und das kroatische Staatsrecht” bereits 1898 davon ausging, dass Bosnien-Herzegowina ein Teil von Kroatien ist.

Von verschiedenen Kreisen in Kroatien wird heute noch die These vertreten, dass die Teilrepublik Bosnien-Herzegowina nach dem 2. Weltkrieg von Tito aus Dankbarkeit für die Moslemens  ins Leben gerufen wurde, weil sie sich im Partisanenkrieg gegen die Besatzer verdient gemacht haben.

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