Die Biographie des Josip Juraj Strossmayer

Josip Juraj Strossmayer ist am 4. 2.1815, in der unmittelbar unter Habsburger-Verwaltung stehenden Stadt Osijek geboren worden. In erster Linie war er katholischer Theologe und Seelsorger, war daneben aber auch einflussreicher kroatischer Politiker, der neben Anderen, im 19. Jahrhundert eine wesentliche Rolle in Kroatien gespielt hat.

Sein Urgroßvater war Deutscher, der aus der österreichischen Steiermark stammte und eine Kroatin geheiratet hatte. Er war vorher als Soldat in die Gegend eingewandert und hatte sich entschieden, für immer in diesem Gebiet zu bleiben.

Nach Besuch der Volksschule besuchte Josip Juraj Strossmayer das Gymnasium in Osijek und hat dort erfolgreich das Abitur (Matura) gemacht.

Danach studierte er erst in Đakovo Theologie und später im ungarischen Budapest.

Im Alter von 23 Jahren wurde er im Jahre 1838 im kroatischem Peterwardein (Petrovaradin) zum Vikar geweiht, hat aber schon zwei Jahre später, im Jahre 1840 ein weiteres theologisches Studium bei den Augustinern in Wien aufgenommen. Zusätzlich studierte er an der Universität von Wien Philosophie und Kanonisches Recht. Seine Studien waren erfolgreich und er ist zu dieser Zeit, dem kaiserlichen Hof in Wien aufgefallen. Deshalb ist er im Jahre 1847 zum Kaplan der kaiserlichen Hofburgskapelle und zu einer der Rektoren des Augustineums ernannt worden. Das bedeutete eine besondere Auszeichnung, denn das Augustineum (oder Frintaneum) war eine kaiserliche Bildungsanstalt, die von dem österreichischen Kaiser Franz I. im Jahre 1816 gestiftet worden war. Mit dieser Auszeichnung ist er zwar nicht richtig aber praktisch, in den Adelsstand erhoben worden.

Obwohl er in Wien tätig war, hat er die Verbindung zu seinem Elternhaus und zu seiner Heimat Kroatien niemals verloren. Obwohl er ursprünglich deutscher Abstammung war, hat er sich um die Interessen seiner Heimat gekümmert. Deshalb hat er auch zu dieser Zeit begonnen, sich neben seiner Tätigkeit in Wien, sich politisch zu betätigen. Er kam mit dem kroatischem Politiker, Sprachforscher, Ideologen, Journalisten und Schriftsteller Ljudevit Gaj in Kontakt, der die Theorie einer slawischen Gemeinschaft, in einem illyrischen Staat vertreten hat. In unzähligen Gesprächen mit Gaj, wurde die Theorie der Gemeinsamkeit aller in Südosteuropa lebenden Slawen, unabhängig von ihrer Religionszugehörigkeit entwickelt. Dabei machte er keinen Unterschied zwischen Menschen römisch-katholischen oder griechisch-orthodoxen Glaubens. Er ging von der Gemeinsamkeit aller in diesem Gebiet lebenden Slawen aus. Gemeinsam mit Ljudevit Gaj und anderen, wurde die Idee eines illyrischen Königreiches unter direkter Krone des östrreichichen Kaiserhauses entwickelt.

Trotzdem, oder gerade deswegen, ernannte ihn der österreichische Kaiser Franz Joseph, im Jahre 1849, zum Bischof von Bosnien mit Sitz in Đakovo, seiner näheren Heimat. Erst ein Jahr später, im Jahre 1850 erfolgte die bischöfliche Bestätigung durch den Papst und wegen seiner guten Kontakte zu den griechisch-orthodoxen Gläubigen, ist er im Jahre 1851 zum apostolischen Administrator für Serbien ernannt worden.

Dieses Amt nutze er, um mit führenden Vertretern der griechisch-orthodoxen Kirche, seinen Plan eines solchen neuen Königreiches, welches die Völker der Kroaten und Serben vereinigen sollte, zu besprechen. Dabei handelte er nicht so sehr wie ein Administrator sondern mehr wie ein Politiker. Er ging sogar soweit, dass er für eine Annäherung der römisch-katholischen Kirche mit der griechisch orthodoxen Kirche eingetreten ist. Die serbisch orthodoxe Kirche gab es zu diesem Zeitpunkt nicht mehr, weil sie wegen der Osmanischen (Türkischen) Besetzung von Serbien untergegangen war und erst später wieder gegründet worden ist. Er ging sogar soweit, eine einheitliche Liturgie (Ordnung des Gottesdienstes) für beide Kirchen anzustreben. Darüber hinaus trat er auch mit der russisch-orthodoxen Kirche in Kontakt , die damals die führende Kirche der orthodoxen Kirchen in Europa war. Sein damaliger Leitspruch lautete aber immer: „Sve za vjeru i domovinu“ (Alles für den Glauben und die Heimat) Hier muss man beachten, daß er den Begriff “Heimat” und nicht den Begriff “Kroatien” gebraucht hat.

Zu dieser Zeit ist er auch der “Narodna Stranka” (kroatische Volkspartei) beigetreten und gehörte schon bald zu ihren Führern. Er gehörte dem kroatischen Sabor (Landtag) an, war Leiter (Župan) der Gespanschaft von Virovitića und Präsident des königlich kroatischen Ausschusses. In dieser Eigenschaft forderte er ständig die Wiedereingliederung von Dalmatien in das Königreich der Kroaten, Dalmatiner und Slawonen, welches nach der französischen Besatzung (1809) als Kronland, direkt dem Kaisereich angeschlossen worden war. Außerdem wollte er Rijeka und das Gebiet von Međimurje, welche unter unmittelbarer Verwaltung von Ungarn stand, wieder in dieses Königreich eingliedern. Sein politisches Ziel war und blieb die Vereinigung aller Slawen in einem Königreich Illyren, unter der Krone Österreichs, aber in Art einer Föderation, so daß die einzelnen Völker, (Kroaten, Dalmatiener, Slowonen und Serben) unter einem gemeinsamen Dach, weitgehend für sich selbst handeln sollten.

Diese politischen Pläne und Theorien, wurden von den Magyaren (Ungarn) total abgelehnt. Im Gegenteil, deren machtpolitischen Gelüste waren immer noch in Richtung Mittelmeer ausgelegt. Hinzu kam es in Ungarn, wie auch in Deutschland und Österreich zu revolutionären Entwicklungen, die im Februar des Jahres 1848 in Budapest und Wien, ihren ersten Höhepunkt erreichten. Demgegenüber war die Situation in Südosteuropa ganz anders. Revolutionäre Ereignisse fanden nicht statt und man ist dem österreichischen Kaiserhaus treu geblieben. Nur im Hass gegen die Magyaren, waren sich die Völker und Religionen einig.

Nachdem eine Delegation des Sabors (Parlaments), den Kaiser in Wien aufgesucht hatte, hat dieser die Erlaubnis erteilt, daß sich die Kroaten, Slawonen und Dalmatiner, in eigener Verantwortung einen neuen Banus (Statthalter des Kaisers) wählen durften. Die dalmatinischen Abgeordneten des Sabors sind nicht erschienen. Doch mit großer Zustimmung von Bischof Josip Strossmayer, wurde der aus Kroatien stammende Fürst Josip Jellačić gewählt, der schon einige Jahre als Oberst des Kaisers, in Kroatien gedient hatte. Die Wahl wurde von dem Kaiser bestätigt. Kurz darauf wurde er wieder abgesetzt und auf Intervention u.a. des Bischofs, wieder in sein Amt eingesetzt.

Die folgenden Jahre waren geprägt von dem Krieg gegen die revolutionären Magyaren (es wurde immer betont, dass es kein Krieg gegen Ungarn, sondern ein Krieg gegen die Revolutionäre war) und Josip Strossmayer widmete sich wieder mehr seinen kirchlichen Aufgaben, ohne aber seine politische Arbeit zu vernachlässigen.

Nach Ende der kriegerischen Auseinandersetzungen fühle sich das Wiener Kaiserhaus, welches mit Hilfe der Kroaten, Slawonen und Dalmatiener gerettet worden war, schnell wieder stark, so daß die Gedanken eines föderativen illyrischen Königreiches nicht mehr diskutiert werden durften und Josip Strossmayer, mehr und mehr in eine politische Resignation verfiel.

Dafür engagierte er sich aber mehr auf dem kirchlichen Gebiet. Auf dem ersten Vatikanischen Konzil, welches von Papst Pius IX. zum 29.6.1868 nach Rom einberufen worden war und dessen Ziel es war, eine Abwehr angeblich moderner Irrtümer herbei zu führen und die kirchlichen Gesetze der damaligen Zeit anzupassen, war auch Bischof Josip Strossmayer einer der Teilnehmer.

Kurz nach Beendigung des Konzils hat ein Korrespondent der englischen Zeitung „Guardian“ eine Rede veröffentlicht, die der Bischof dort gehalten haben soll. In dieser Rede mit dem Titel „Der Papst und das Evangelium“ wird die These der Unfehlbarkeit des Papstes und das Papstamt selbst, in Frage gestellt. Der Inhalt dieser Rede konnte von dem Papst und dem österreichischem Kaiser natürlich nicht akzeptiert werden. Dadurch geriet Bischof Josip Strossmayer, neben der politischen auch in eine kirchliche Isolation. Erst später hat sich heraus gestellt, daß sich bei der veröffentlichten Rede, um eine Fälschung gehandelt hat und nur zu dem Zweck in Umlauf gebracht worden ist, um ihn zu diskreditieren. Es ist erstaunlich, dass in geschichtlichen Veröffentlichungen immer noch behauptet wird, dass er sich angeblich lange Zeit gegen das neu eingeführte Dogma der päpstlichen Unfehlbarkeit gewehrt und das Papstamt in Zweifel gestellt hat. Echte Beweise dafür liegen nicht vor.

Neben den politischen und kirchlichen Tätigkeiten hat sich Bischof Josip Strossmayer auch anderweitig engagiert. Er war Begründer von Stiftungen, hat Kirchen und Schulen bauen lassen und er hat im Jahre 1867 bei der Gründung der Kroatischen Akademie der Wissenschaften mitgewirkt. Eine wichtige Rolle hat er auch bei der Gründung der ersten Universität von Kroatien, im Jahre 1874, in Zagreb gespielt. Schließlich war er auch bei der Errichtungen von Gemäldegalerien und Bibliotheken beteiligt.

Im gesegneten Alter von 90 Jahren ist Bischof Josip Strossmayer in Đakovo gestorben und in der dortigen Kathedrale beigesetzt worden. Damit ist ein Kroate gestorben, der Zeit seines Lebens, von der Gemeinschaft der slawischen Völker, unabhängig von ihrer Religionszugehörigkeit, ausgegangen ist. Er wollte die verschiedenen Völker zu einem gemeinsamen föderativen Königreich vereinen, welches unter dem Dach des österreichischen Kaiserhauses eine bestimmte Art von Autonomie erhalten sollte. Mit der erfolgten späteren Ausrufung des Königreichs der Serben, Kroaten und Slowenen wäre er mit Sicherheit nicht einverstanden gewesen. Deshalb ist es falsch zu behaupten, dass er ein Vorkämpfer für das spätere Jugoslawien gewesen sei.

Bischof Josip Strossmayer war, neben Ban Josip Jellačić und Ludjevit Gaj, eine der wichtigsten Persönlichkeiten von Südosteuropa im 19. Jahrhundert, dessen Wirken zumindest in der internationalen Geschichtsschreibung über dieses Gebiet, unzureichend gewürdigt worden ist.

In dem Buch “Die Länder Oesterreich-Ungarns” von Dr. Friedrich S. Krauss, von 1889, findet man eine interessante Beschreibung seiner Biographie. Der Originaltext lautet (leicht verändert):

“Man kann die Geschichte der neuen kroatischen Literatur nicht besprechen, ohne des rührigsten Förderers aller kroatischen Bestrebungen, des viel gefeierten und viel gelästerten Djakovoer Bichofs J. Stroßmayer zu gedenken. Stroßmayer wurde am 4. Februar 1815 in Esseg (Osijek) von deutschen Eltern, eingewanderten Schwaben, geboren. Sein Vater war Pferdemäkler und sprach nur unvollkommen slavisch. Der Sohn ist durchgehend in deutscher Gesittung groß gezogen worden. Nachdem er mit ausgezeichnetem Erfolge die Gymnasialstudien in Esseg zurück gelegt hatte, wurde er ins Djakovoer Priesterseminal aufgenommen, wo er bald seine Mitschüler an Fleiß überflügelte und den Grundstein zu seiner glänzenden Zukunft legte.

An der Pester Universität hörte Stroßmayer theologische und philosophische Vorlesungen und kehrte 1838 als Doctor der Theologie und Philosophie nach Djakovar zurück. Der 23 jährige Dr. Stroßmayer zählte schon zu den gelehrtesten Männern des Landes. Als er Professor des Djakovoer Seminars war, drang der Ruf seiner Gelehrsamkeit in Kurzem bis an den kaiserlichen Hof, und so kam es, daß Stroßmayer nach Wien berufen wurde, wo er vorerst als Vorstand des Augustineums wirkte, an welchem junge Priester für den Lehrstuhl vorbereitet werden, später Hofkaplan wurde und eine beliebte Persönlichkeit am Wiener Hofe war. Im Jahre 1848 resignierte der Djakovoer Bischof Josef Kuković auf seinem Stuhl, und Stroßmayer, folgte demselben in dem Djakovoer Bisthum.

Von da an beginnt die eigentliche Periode seines unermüdlichen Schaffens für die Kirche und das deutschfeindliche Slaventhum. Getreu seinem Wahlspruche: “Sve za vjeru i za domovinu” (Alles für den Glauben und für das Vaterland) suchte er mit allen Mitteln, die ihm zu Gebote standen, die Stellung des kroatischen Volkes, zu heben und ist ein Mäcen der Kroaten geworden. Seiner Freigebigkeit danken zum größten Theile ihr Dasein: die südslavische Akademie der Wissenschafften und Künste in Agram, deren Protector er noch heute ist; ferner die kroatische Universität, für deren Gründung er oftmals das Wort im kroatischem Landtag ergriffen; dann der “Verein für südslavische Alterthümer” und mehrere andere. Es gibt im slavischen Süden vielleicht keinen slavisch-culturellen Zwecken dienenden Verein, zu dessen Gründung Stroßmayer nicht irgentwie beigetragen hätte, ja selbst viele andere ausländische slavische Gesellschaften fanden ihn stests bereit, ihre Zwecke thunlichst zu unterstützen.

Stroßmayer nahm auch sonst an dem politischen Leben der Kroaten regen Antheil und zog sich dadurch zahlreiche Feindschaften zu. Gegegenwärtig lebt Bischof Stroßmayer zurückgezogen von unmittelbarer politischer Thätigkeit, auf seinem Djakovoer Sitze und könnte in glücklicher Ruhe Künste und Wissenschaft hegen und pflegen, wenn ihm der verzehrende Ehrgeiz eine politische Rolle zu spielen, die verdiente Ruhe auch gönnen würde.”

5 Kommentare zu “Die Biographie des Josip Juraj Strossmayer”

  1. Matthias

    Hallo Soline, woher hast Du diesen interessanten Lebenslauf…

  2. Soline

    @Matthias

    Durch eine intensive Recherche, die etwas mehr als 1 Jahr gedauert hat, sowie aus Büchern und Veröffentlichungen im Internet.

    Längere Manuskripte über die Lebenläufe von Ban Josef Jellacic und Kardinal Stepinac liegen ebenfalls bereits vor, müssen aber noch vervollständigt und bearbeitet werden.

  3. kvarner

    Ist zu mehr als 99% (inkl. Rechtschreibfehler) identisch mit Soline’s 2007er Artikel von hier:
    http://www.kroatien-lexikon.de/index.php/Strossmayer

  4. Soline

    @kvarner

    Und was ist dagegen einzuwenden? Eine Urheberrechtsverletzung (inkl.Rechtschreibfehler) liegt mit Sicherheit nicht vor.

  5. kvarner

    Es war eine Antwort auf Matthias’ Frage, eingetippt bevor Du geantwortet hattest. Wie kommst Du auf das Thema Urheberrechtsverletzung? Ich schrieb doch “Soline’s 2007er Artikel”. Das mit den Rechtschreibfehlern erwähnte ich weil dies ein gutes Indiz ist dass der 2007er Artikel die Quelle ist bzw. beide eine gemeinsame Quelle haben.
    Ich habe weder was dagegen eingewendet noch von Urheberrechtsverletzung gesprochen. Nicht einmal im Ansatz.

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