Die deutsche Kapitulation vom 8.5.1945

Der zweite Weltkrieg wurde in Europa durch die bedingungslose Kapitulation des Deutschen Reiches beendet. Diese trat für alle Fronten am 8.5.1945, also vor 67 Jahren um 23:01 Uhr mitteleuropäischer Zeit in Kraft.

Damit wurden auch die Kämpfe um die deutsche Reichshauptstadt Berlin beendet.

Es ist wenig bekannt, dass es auch auf dem Kriegsschauplatz in Jugoslawien, bis zu diesem Zeitpunkt noch zu Gefechten zwischen deutschen Truppen und Angehörigen der jugoslawischen Befreiungsarmee gekommen ist. Neben Berlin kam es in der deutschen Operationszone “Adriatisches Küstenland”, unter dem Kommando von General Ludwig Kübler, am längsten zu Kampfhandlungen.

Noch am 29.4.1945 hat sein Vorgesetzter der Leiter der Heeresgruppe Südost, Generaloberst Alexander Löhr, folgenden Tagesbefehl an die in noch Slowenien und Kroatien kämpfenden Truppen erteilt:

“Der Krieg hat seinen Höhepunkt erreicht. Im heroischen Kampf um Berlin unter dem Befehl unseres Führers erringt das deutsche Volk das Anrecht auf seine Zukunft. Hier wird sichergestellt, dass unsere 2.000 Jahre alte Kultur am Leben bleibt, wenn auch der aus Asien hervorbrechende Sturm grosse Teile unserer deutschen Heimat überrollt hat. Durch das Beispiel unseres Führers zum letzten und äussersten Widerstand angespornt, gilt es für uns im kroatischem Raum, mit ungebrochenem Kampfgeist zu verhindern, dass Bolschewisten, die bolschewistischen Tito-Banden und die verräterischen Bulgaren unsere Heimat gefährden. Wer jetzt nicht das Letzte im Kampfe gibt, wer jetzt schwach wird, gibt sich selbst und die Seinen auf; ein elendes, menschenunwürdiges Dasein als Zwangsarbeiter erwartet ihn. Darum Soldaten meiner Heeresgruppe, rufe ich Euch in einer für unser Volk entscheidenden Stunde die Parole für den weiteren Kampf zu: Vertrauen gegen Vertrauen, Treue um Treue.”

Erst am 6.5.1945 hat General Kübler den Oberst Otto Reindl folgende Vollmacht erteilt:

Ich beauftrage den Oberst Reindl als meinen bevollmächtigten Vertreter zur Führung von Verhandlungen. – Unter der Voraussetzung ehrenvollen Geleits über die deutsche Reichsgrenze bin ich bereit, die Waffen niederzulegen. – Ich vertraue auf das mir von ihnen gegebene Soldatenwort.

Nachdem er an seinem Militärfahrzeug eine weisse Fahne angebracht hatte, hat sich Oberst Reindl aus den zurück liegenden deutschen Stellungen, auf den Weg nach Bistritza, dem heutigen Ilirska Bistrica in Slowenien gemacht, um dort mit Vertretern der jugoslawischen Befreiungsarmee (Partisanen) Verhandlungen aufzunehmen, wobei folgenden Dokument angefertigt wurde:

Wegen Einstellung der Feindseligkeiten und des weiteren Blutvergiessens auf der einen und der anderen Seite kam es zwischen der Fiumer (Rijeka) Gruppe unter dem Kommando des Herrn General Kübler und der Einheit des IV. Sturmkorps der jugoslawischen Armee, der 8. Stossdivision zu Verhandlungen mit folgenden Beschlüssen:

1. Mit dem Augenblick der Unterzeichnung dieses Übereinkommens hören verbindlich alle Feindseligkeiten von der einen und der anderen Seite auf.

2. Die ganze Gruppe unter Kommando des Generals der Gebirgstruppen Kübler hat bedingungslos die gesamten Waffen und das Material in gebrauchsfähigem, dem derzeitigem Zustand zu übergeben.

3. Die Übergabe der Waffen hat unverzüglich zu erfolgen und sind Waffen und Material dem Stabe der 8. Stossdivision zur Verfügung zu stellen.

4. Mannschaften, Offiziere und Unteroffiziere haben nach Einheiten die Waffen abzugeben und werden bis zur weiteren Veranlassung dem Kommando der 8. Stossdivision unterstellt. Bis Ende des Jahres hat die Gruppe, welche sich ergab, aus unserem Lande in ihr Land gebracht zu werden und wird unsererseits so lange versorgt, bis die Gruppe seitens einer anderen Einheit in anderem Land aufgefangen wird. Schwerverwundete werden in unseren Krankenhäusern zurück gehalten und verbleiben in unserem Land, bis die Möglichkeit des Transportes in ihr Land gegeben ist.

5. Auf Wunsch der sich ergebenden Truppe wird diese im Raum Klagenfurt in ihr Land gebracht werden.

6. Den Beschluss unterzeichnen für den Stab des IV. Sturmkorps der jugoslawischen Armee Oberst Stanko Bjeljać und Oberstleutnant  Sukrija Bijedić. Er gilt für alle Einheiten der jugoslawischen Armee.

7. Für den Stab der ergebenden deutschen Gruppe zeichnet für den General der Gebirgstruppen Kübler Oberst Reindl.

Nach Unterzeichnung dieses Beschlusses, wurde folgende Note an den Generalstab der 4. jugoslawischen Armee verfasst:

In Ergänzung der am 7.5.1945 vereinbarten Waffenstillstandsbedingungen wurden heute mit dem Chef des Generalstabs der 4. Armee, Herrn Generalmajor Jakčić, folgende Vereinbarungen getroffen:

1. Sämtliche Fahrzeuge, Kraftfahrzeuge und das gesamte Gerät werden vor dem Einrücken in die Versammlungsräume im Fabrikgelände nordwestlich Bistritza abgestellt. Auf die ursprünglich vorgesehene zeitliche Begrenzung wird kein Wert gelegt. Der Abgabetermin wird um die unbedingt notwendige Zeit hinausgeschoben.

2. Jeder Mann behält sein persönliches Gepäck und Verpflegung, soviel er tragen kann. Die gilt grundsätzlich auch für Offiziere, für deren Gepäckbeförderung für den Weitermarsch jedoch Fahrzeuge in Aussicht gestellt werden. Privatgepäck z.B. bei den Trossen noch nicht eingetroffener Soldaten wird unter deutscher Bewachung gestapelt und wird durch das jugoslawische Heer nachgeführt.

3. Dem Korps verbleiben fünf Pkw und vier Kräder bis zum Ausscheiden aus dem Befehlsbereich der jugoslawischen Armee, und zwei zwei Pkw und ein Krad für den Korpsstab, je ein Pkw und ein Krad für die Division. Für die Kraftfahrzeuge werden besondere Ausweise ausgestellt.

4. Funkgeräte sind sofort abzugeben. Radiogeräte sind gestattet.

5. Sanitätsmaterial verbleibt bei der Truppe. Fehlendes wird geliefert.

6. Verpflegung für das Korps wird von dem jugoslawischen Heer geliefert zu zugeführt.

7. Abmarsch aus dem Versammlungsraum wird in Bälde erfolgen, jedenfalls so, dass das Marschziel Klagenfurt bis 31.5.1945 erreicht ist, Eine Verlegung des Korps aus dem derzeitigen Versammlungsraum in das Grobniker Feld (bei Rijeka) oder einen anderen Raum vor Antritt des Marsches in die Heimat kommt nicht in Frage.

8. Trennung von Offizieren, Unteroffizieren und Mannschaften während der Versammlung und dem Marsch erfolgt nicht. Die Truppenteile bleiben in sich geschlossen.

9. Der jugoslawischen Armee ist Stellenbesetzungsliste bis zu den Batallionsstäben sowie Stärkemeldungen der Truppenteile vorzulegen.

10. Kroatische und italienische Faschisten, einschliesslich der Legionäre (Polen, Jugoslawen, Tschechen, Ungarn, Russen, Rumänen, Italiener) sowie beim Korps befindliche Zivilisten sind auszuliefern. Ihnen wird die gleiche Behandlung zugestanden wie er deutschen Truppe, jedoch mit der Massgabe, dass sie nicht nach Deutschland mitgeführt, sondern in ihre Heimat entlassen werden.

11. Herausgabe der vor dem Waffenstillstand gemachten deutschen Gefangenen wird abgelehnt.

12. Beim Abmarsch sind nur gehfähige Verwundete mitzunehmen. Fahrzeugstellung für transportfähige Verwundete wird noch geprüft. Die nicht mit den Truppen abrückenden Verwundeten bleiben in hiesigen Spitälern unter deutschem Sanitätspersonal und werden nach ihrer Genesung unverzüglich in ihre Heimat in Marsch gesetzt.

13. Für alle noch aufkommenden Fragen ist der Chef des IV. Korps vom Kommandeur der 4. Armee mit der Entscheidung beauftragt. Ein jugoslawischer Verbindungsoffizier tritt zur Regelung von Einzelfragen zum Korps.

14. General von Hoesslin erklärt auf den Vorwurf, dass die Truppe einen Teil der Waffen zurückbehalten habe, dass er sich verantwortlich dafür einsetzen werde, dass diese und sämtliche anderen Vereinbarungen mit peinlicher Genauigkeit erfüllt werden.

Das Korps bittet um schriftliche Bestätigung der Richtigkeit vorstehender Vereinbarungen auf beiligendem Umschlag. gez. von Hoesslin, Generalleutnant

Quelle: Bundesarchiv/Militärarchiv Freiburg i. Br.

Die am 7.5.1945 getroffene Vereinbarung ist danach nicht zustande gekommen. Die Wehrmachtsangehörigen -manche Quellen berichten von 250.000 -, sind in Illirska Bistrica in Gefangenschaft der jugoslawischen Armee geraten und konnten den Weg in Richtung Klagenfurt nicht antreten. Die vereinbarte Verpflegung wurde nicht zur Verfügung gestellt und ab dem 15.5.1945 erfolgte der Abmarsch über Rupa nach Rijeka, wo in der Bucht von Martinščica (heute Victor Lenac Werft) in einem provisorisch errichteten Lager, eine Pause von mehreren Tagen eingelegt wurde. Am 22.5.1945 ging der Marsch der noch Lebenden über Bakar, Kraljevica, Fužine, Mrkopalj und Vrbovsko weiter. Er endete schliesslich in drei Lagern bei Karlovac. Er ist in der Nachkriegsgeschichte häufig als Sühnemarsch bezeichnet worden. Über die Zahl derer, die bei diesem Marsch umgekommen sind, gibt es keine verlässlichen Angaben, es sollen aber mehrere Tausend gewesen sein.

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