Sicherheitspaket für den Karawankentunnel

Ein Lkw kommt aus Fahrtrichtung Slowenien mit heißem Reifen aus dem Karawankentunnel, bleibt zum Glück nicht im Tunnel, sondern erst danach stehen und nur wenige Sekunden später beginnt der Reifen zu brennen – das ist keine Fiktion, sondern ein Vorfall, der sich vorgestern Mittwoch am frühen Nachmittag beim Nordportal des Tunnels ereignete. Der Brand wurde vom Fahrer mit Unterstützung der neuen ASFINAG-Brandschutzgruppe zwar sofort gelöscht. Auf österreichischer Seite wäre dieser Lkw aber vom Thermoscanner schon vorab detektiert und vor dem Tunnel ausgeleitet worden.

Mehr als 40 Vorfälle dieser Art verzeichnet die ASFINAG insgesamt auf dem österreichischen Autobahnnetz pro Jahr. Bislang zum Glück immer so wie auch vorgestern mit glimpflichem Ausgang. In Tunnelanlagen kann ein Lkw-Brand jedoch gravierende Folgen haben. In Zukunft soll dieses Szenario in Österreich daher nicht mehr möglich sein. Verantwortlich dafür zeichnet eine europaweit einzigartige Technologie, welche die ASFINAG nun beim Karawankentunnel einsetzt. Alle Lkw und Busse über 7,5 Tonnen werden über eine eigene Spur durch einen “Thermoscanner” geführt. Entdeckt dieser eine Überhitzung, wird Alarm geschlagen und das Schwerfahrzeug zum Abkühlen ausgeleitet.

Der Thermoscanner ist aber nur eine Maßnahme eines umfangreichen Sicherheits-Pakets:  Geplant ist insbesondere der Neubau einer zweiten, modernen Tunnelröhre bis 2019 (Kosten: etwa 235 Millionen Euro). Die Bestandsröhre soll dann als Fluchtweg dienen, bis die Verkehrszahlen einen weiteren Ausbau erforderlich machen.  Bereits in Kürze umgesetzt werden: temporäre Sicherheitsphasen mit eingeschränktem Schwerverkehr, eine Dosieranlage für Schwerfahrzeuge und eine eigene ASFINAG-Brandschutzgruppe!

“Die österreichischen Autobahnen, Schnellstraßen und Tunnelanlagen sollen die sichersten in Europa sein”, erklärt Verkehrsministerin Doris Bures, “das ist mein Ziel als Verkehrsministerin. Und dafür habe ich in der ASFINAG einen verlässlichen Partner.” Der Thermoscanner ist ein weiterer Baustein dorthin. “Denn Verkehrssicherheit steht für uns ganz oben – sowohl bei der Planung als auch beim Bau und bei der Erhaltung”, bestätigen die beiden ASFINAG-Vorstände Alois Schedl und Klaus Schierhackl. “Und dabei sind wir auch immer auf der Suche nach neuen, geeigneten technologischen Lösungen.”

Die neue Thermoscanner-Anlage läuft seit Anfang April im Probebetrieb und wird ab dem 11. Mai “scharf” gestellt. “Wobei diese Anlage hier vor dem Karawankentunnel der erste Schritt ist, weitere werden folgen, wenn sich der Thermoscanner bewährt hat”, versichert Bures. Einsatzmöglichkeiten sind insbesondere Tunnelanlagen mit Gegenverkehr und solche nach einem längeren Anstieg oder nach einem stärkeren Gefälle wie zum Beispiel beim Gleinalmtunnel. Landeshauptmann Gerhard Dörfler: “Aber auch der Tauerntunnel, der zwar mittlerweile zweiröhrig ist, bietet sich durch die Steigung davor für einen Einsatz dieser neuen Sicherheitstechnologie an.”

Lkw und Busse über 7,5 Tonnen werden auf einer eigenen Spur durch die Anlage geführt. Dort wird das Schwerfahrzeug von 5 Scannern erfasst, zwei Infrarotkameras nehmen das Fahrzeug von jeder Seite auf. Die Anlage formt aus den Daten ein 3D-Modell und kombiniert es mit den Thermowerten, wobei kritische Bereiche wie Reifen, Radlager, Motorenbereich und Auspuffanlage exakt lokalisiert und ausgewertet werden. Nach Durchfahrt durch den Thermoscanner kommt das Fahrzeug zu einer Schranke, die bei Überschreiten der Referenzwerte geschlossen bleibt, das Fahrzeug wird somit automatisch ausgeleitet und auf den Parkplatz zurückgeführt. Dort kann entweder ein etwaiger Schaden behoben oder der Lkw beziehungsweise der Bus zum Abkühlen abgestellt werden. Danach erfolgt eine neuerliche Überprüfung durch die Thermoscan-Anlage.

Die Laserscanner erfassen und vermessen das Fahrzeug von allen Seiten, formen daraus ein 3D-Bild, die Infrarotkameras liefern dazu die thermischen Daten, die Software kombiniert die Daten und wertet sie aus.

Diese Anlage ist die in Europa derzeit einzige dieser Art. Vor dem 16,9 Kilometer langen Gotthard-Tunnel in der Schweiz steht ebenfalls ein Thermoscanner im Probebetrieb, dieser scannt Fahrzeuge jedoch nur von einer Seite. Die ASFINAG-Anlage, die von zwei Schweizer Unternehmen errichtet wurde, ist somit eine Weiterentwicklung. Die Kosten des Gesamtprojektes betragen 1,3 Millionen Euro.

Der Thermoscanner ist jedoch nur eine von mehreren Maßnahmen, mit denen der Karawankentunnel sicherheitstechnisch aufgerüstet wurde und noch weiter wird. Bereits in den vergangenen Monaten hat die ASFINAG die aktiven Daten- und Verkehrszählungseinrichtungen, die Brandmeldeanlage, die Ampeln, die Beleuchtungssteuerung sowie die LED-Wechselverkehrszeichen erneuert. Ab Herbst werden die Tunnelfunk- und die Löschwasseranlage ausgetauscht. Zusätzlich sind folgende weitere Maßnahmen geplant bzw. werden in den kommenden Wochen bereits umgesetzt:

Die ASFINAG beabsichtigt den Neubau einer zweiten Tunnelröhre bis 2019, die Bestandsröhre soll dann als Fluchtweg verwendet werden, bis die Verkehrszahlen weitere Ausbauschritte erforderlich machen (derzeitige Frequenz ca. 8700 Fahrzeuge pro Tag). Diese Investition (ca. 235 Millionen Euro) wird auf zwischenstaatlicher Ebene mit Slowenien bzw. dem slowenischen Betreiber DARS abgestimmt. Die Kosten für den Neubau der zweiten Tunnelröhre werden zwischen Österreich und Slowenien in etwa geteilt.

Auch diesen Sommer sollen temporäre Sicherheitsphasen mit eingeschränktem Schwerverkehr für mehr Sicherheit im Karawankentunnel sorgen. Eine gemeinsame Studie von ASFINAG und DARS, der slowenischen Autobahngesellschaft, aus dem Jahr 2010 hat diese Maßnahme aus Sicherheitsgründen in der besonders verkehrsreichen Reisezeit dringend empfohlen. Bereits 2011 gab es darum ein Fahrverbot für Lkw über 7,5 Tonnen an starken Reise-Samstagen. Für die heurige Reisesaison wurde das Kuratorium für Verkehrssicherheit mit der Erstellung eines Sicherheits-Gutachtens betraut. Dieses Gutachten wird die Grundlage für die exakte zeitliche Festlegung der Sicherheitsphasen sein. Angedacht ist derzeit ein Fahrverbot für Lkw über 7,5 Tonnen von 5 bis 12 Uhr an Samstagen in der Hauptreisezeit (23. Juni bis 1. September).

Um im Brandfall ein rasches und professionelles Eingreifen zu ermöglichen, hat sich die ASFINAG dazu entschlossen, eine eigene Brandschutzgruppe – mit Unterstützung der beiden umliegenden Freiwilligen Feuerwehren – zu installieren. Von Montag bis Freitag sind jeweils von 7 Uhr früh bis 17 Uhr für den Feuerwehreinsatz geschulte ASFINAG-Mitarbeiter bei der Mautstelle beschäftigt. In der Zeit von 17 Uhr bis 7 Uhr früh sowie an Samstagen, Sonn- und Feiertagen übernehmen die Freiwilligen Feuerwehren St. Jakob im Rosental sowie Rosegg eine erhöhte Rufbereitschaft. Zusätzlich stellen die Feuerwehren ein geeignetes Löschfahrzeug zur Verfügung, das auf ASFINAG-Kosten für den Einsatz im Tunnel umgebaut wurde. Die Kosten für diese temporäre Maßnahme, die bis zur Fertigstellung des Lüftungsprojektes (siehe unten) sinnvoll ist, belaufen sich pro Jahr auf etwa 500.000 Euro.

Um bei starkem Verkehr die Anzahl der Schwerfahrzeuge über 7,5 Tonnen im Tunnel besser steuern zu können, wird nach der Thermoscanner-Anlage per Schranken eine so genannte Dosieranlage errichtet, die gewährleistet, dass sich im Tunnel zur selben Zeit maximal 6 Lkw oder Busse in Fahrtrichtung Süden befinden können.  Zwischen Schwerfahrzeugen über 7,5 Tonnen wird somit ein zeitlicher Mindestabstand von einer Minute sein.

Bis Ende 2014 wird die Lüftungsanlage im Karawankentunnel erneuert. Die Kosten, welche sich Österreich und Slowenien bzw. die jeweiligen Betreiber des Tunnels, ASFINAG und DARS, teilen, betragen 7,5 Millionen Euro. Mit der Umsetzung der Lüftungsanlage enden die Dosierung von Schwerfahrzeugen sowie die temporären Lkw-Fahrverbote.

Quelle: OTS

Wie der neuartige Thermoscanner funktioniert ist hier zu sehen.

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