Kroatien, Slawonien, Dalmatien von 1789 bis 1855

Mit Eröffnung dieses Blogs wurde mitgeteilt, dass hier nicht nur durch Berichte über aktuelle, sondern auch über historische Ereignisse in Kroatien informiert werden soll.

Die Politik des heutigen Kroatiens wurde durch geschichtliche Ereignisse beeinflusst, die sich am Ende des 18. Jahrhunderts in Mittel- und Südosteuropa ereignet haben. Dazu gehört ohne Zweifel, wie im übrigen Europa der Beginn der Französischen Revolution, die im Jahr 1789 ihren Anfang genommen hatte.

Trotzdem war es zwischen Frankreich und Österreich zu weiteren kriegerischen Auseinandersetzungen gekommen, an denen Truppen aus Kroatien, Dalmatien und Slawonien, unter Führung des kroatischen Fürsten Franz von Jellačić auf Seiten der Habsbuger teilgenommen haben. Am 14.10.1809 ist zwischen dem französischem Kaiser Napoléon I. und Franz I. von Österreich in Schönbrunn ein Friedensvertrag abgeschlossen worden. Die im Jahr 1797 von Frankreich gewonnenen Gebiete in Istrien und Dalmatien, sowie Teile Kroatiens und des besonderen Militärgrenzbezirks, sind Frankreich zugesprochen worden und wurden als französische illyrische Provinz, mit Ljubljana als Hauptstadt ins Leben gerufen.

Nachdem der französische Kaiser Napoleon im April des Jahres 1814 gestürzt worden war, wurde es notwendig eine neue Ordnung in Europa und damit auch in der illyrischen Provinz zu finden. Auf dem Wiener Kongress der am 18.9.1814 begonnen hat wurde Istrien und Dalmatien nicht dem Königreich Kroatien, Slawonien und Dalmatien zugeordnet, sondern es wurde zu einem Kronland erklärt, welches von Kaiser Franz I. direkt von Wien aus regiert wurde.

Nach dessen Tod am 2.3.1835 folgte ihm sein Sohn Ferdinand I. im Alter von 42 Jahren, mit folgenden Titeln auf den Kaiserthron: Ferdinand der Erste, von Gottes Gnaden Kaiser von Österreich, König von Ungarn und Böhmen der Fünfte, König der Lombardei und Venedig, von Dalmatien, Croatien, Slavonien, Galizien, Lodomerien und Illyrien, Erzherzog von Österreich, Herzog von Lothringen, Salzburg, Steiermark, Kärthen, Krain, Ober- und Unterschlesien, Großfürst von Siebenbürgen, Markgraf von Böhmen und gefürsteter Graf von Habsburg sowie Tirol.

Er war war am 19.4.1793 in Wien geboren worden und stammte, wie sein Vater aus dem Hause Habsburg-Lothringen. Von früher Jugend an war er sehr schwächlich und wurde durch seine Eltern nicht wie ein Thronfolger erzogen. Seine Lieblingsstudien waren heraldische und technologische, außerdem interessierte er sich für die Probleme der Landwirtschaft. Erst im Alter von 36 Jahren durfte er den Sitzungen des Staatsrates beiwohnen und wurde von seinem Vater mit der Erledigung gewisser Geschäftszweige beauftragt. Auch seine ein Jahr später, am 28.9.1830 in Pressburg vollzogene Krönung als König von Ungarn, gab ihm keine größere Selbständigkeit. Einem Mordanschlag des pensionierten Hauptmannes Franz Reindl im Sommer 1834 entging er glücklich. Wegen seiner offensichtlichen Geistesschwäche bekam er den Beinamen „Der Gütige“. Ein von ihm überlieferter Ausspruch lautet: „Ich bin der Kaiser und will Knödel!“. Im Volksmund wurde er auch “Gütinand der Fertige” genannt.

Trotz seiner Unfähigkeit zu regieren, war Kaiser Ferdinand I., im Jahre 1835 für das ganze Kaiserreich gekrönt worden. Das Habsburger Kaiserhaus bzw. seine Familie, hat ihm aber sofort die Macht entzogen. Deshalb ist ein spezielles Machtorgan geschaffen worden. Diese Institution wurde als besondere Staatskonferenz bezeichnet. Sie bestand formell aus dem Bruder des Kaisers, Erzherzog Franz Karl (dem Vater des späteren Kaisers Franz Josef I.), dem Staatskanzler Metternich, dem Grafen Kolowrat-Liebensteinsky und dem Onkel Erzherzog Ludwig. Diese Besetzung, kam durch einen Kompromiß zwischen der Gruppe der Erzherzöge und der Minister, im Dezember 1835 zustande. Aber auch andere Familienangehörige des Hauses Habsburg, wie z.B. seine Mutter Maria Theresia,  und Angehörige aus dem hohen Militär übten dort ihren machtpolitischen Einfluß aus. Es muß deshalb davon ausgegangen werden, daß Kaiser Ferdinand I., nur formell Kaiser war, aber von Anfang an, keine Regierungsmacht ausüben durfte.

Für die praktische Ausübung der Macht in dem Königreich Kroatien und Slawonien, sowie in dem Kronland Dalmatien, war der jeweilige Ban (Statthalter) zuständig, der in Abstimmung mit dem Kaiserhaus, von den Ungarn bestimmt worden ist. Vom 16.6.1840 war das der Zagreber Bischof Juraj (Georg) Haulik von Varalaj/Varalya und ab 16.6.1842 hatte Franjo (Franz) Haller von Hallerkeö/Hallerstein dieses Amt inne. Nachdem dieser zurück getreten ist, ist Bischof Haulik wieder zum geschäftsführenden Ban ernannt worden. Dadurch war es dringend notwendig geworden, einen neuen Ban zu finden und der kroatische Fürst Josip Jellačić ist am 22.3.1848 von Kaiser Ferdinand I., ohne Einschaltung der Ungarn zum Banus von Kroatien, Slawonien und Dalmatien ernannt worden.

Diese Ernennung ist deshalb zu diesem Zeitpunkt erfolgt, weil man dringend, einen „starken Mann“ in Südosteuropa benötigte. Die revolutionären Ereignisse von Anfang 1848 hatten schon zehn Tage vorher am 13.3.1848 in Wien, am 15.3.1848 in Pest (Budapest) und am 16.3.1848 in Berlin ihren ersten Höhepunkt erreicht und zu bewaffneten Auseinandersetzungen geführt. Deshalb ist es notwendig, auch auf die damaligen politischen und revolutionären Ereignisse in Österreich und Ungarn einzugehen. Der Grund für die Vorfälle von 1848, von denen fast ganz Europa erschüttert wurde, lag einerseits in der Aufklärung der Menschen, vor allen durch die Französische Revolution (wie auch bei Josip Jellačić), aber auch wesentlich im Freiheitsbestreben der einzelnen Völkerschaften nach dem Sieg über Frankreich und Napoleon. Es waren vor allen Dingen, die Völker der verschiedenen europäischen Nationen, die den Sieg über die napoleonischen Truppen errungen hatten, aber beim Wiener Kongress von 1815 waren es wieder einmal nur die großen europäischen Herrscherhäuser, die die Früchte des Sieges über Napoleon unter sich aufgeteilt haben.

Die zunehmende Industrialisierung, welche durch die technischen Errungenschaften des beginnenden 19. Jahrhunderts rapide anwuchs, hat sich in den europäischen Städten ein neuer Stand gebildet, die sog. Arbeiterklasse. Sie war besitzlos, rechtlos und wurde schamlos ausgebeutet. Frauen und Kinderarbeit waren an der Tagesordnung, der Arbeitstag, einschließlich der Samstag betrug 16 Stunden. Die Arbeiter lebten in Elendsquartieren, den sog. „Zinskasernen“. Von sozialen Einrichtungen konnte keine Rede sein. Allerdings ist diese Entwicklung, zu diesem Zeitpunkt, noch nicht bis nach Südosteuropa vorgedrungen, wo das Volk weiterhin, unter der Lehensherrschaft des Adels, als Bauern und Knechte, dienen mußte.

In Österreich und Ungarn war nicht nur die Arbeiterklasse, sondern auch das Bauerntum auf dem Lande, das Kleinbürgertum, die Studentenschaft und letztlich auch das Großbürgertum, die sog. Bourgeoisie, mit der Herrschaft des Feudaladels, der Kirche und des kaiserlichen Hofes unzufrieden. In Folge dessen entwickelte der österreichische Staatskanzler Fürst Klemens von Metternich, gemeinsam mit seinem Polizeipräsidenten, Josef Graf von Sedlnitzky einen bis dahin noch nie gesehenen Polizeistaat und ein Spitzelwesen, welches es bis dahin noch nicht gegeben hatte. Das galt hauptsächlich für die Hauptstadt Wien, wurde aber mit der Zeit, auf das ganze Land und das gesamte Kaiserreich ausgedehnt.

Der ungarische Landtag, ein reines Adelsparlament, wurde zunächst noch von den konservativen Magnaten (Hochadel) gelenkt. Die nationalliberale Opposition gewann trotzdem, in den Dreißigerjahren des 18. Jahrhunderts eine wachsende Zustimmung. Ihre bedeutendsten Vertreter, waren die Grafen Szechenyi und die Brüder Batthyany, die den Druck liberaler ungarischer Schriften im Ausland und die „Pflege der ungarischen Sprache“ im Ausland, wie z.B. in Slawonien und Kroatien nicht nur unterstützten, sondern auch forderten. Lajos Batthyany verhalf dem im Jahre 1802 geborenen Kleinadeligen Lajos Kossuth, einem Anwalt, der in einer Zeitung die Wiener Politik scharf kritisiert hatte, im Jahre 1847 zu einem Mandat in dem ungarischen Landtag. Damit ist dort, ein regelrechter nationalistischer Feuergeist eingezogen. Als 1848 die Nachricht vom Sturz des Königtums in Frankreich, auch in Ungarn bekannt wurde, hielt er am 3.3.1848 in Bratislava eine Rede, die als regelrechte „Taufrede“ der Revolution, in die ungarische Geschichte eingegangen ist. Mit großer Schärfe, rief er zur Befreiung von der verpesteten Luft des österreichischen Metternichschen Systems auf, das nun zum Tode reif sei. Er dachte in diesem Moment noch nicht an eine Trennung vom österreichischen Kaiserreich, doch er verlangte, nicht ganz unberechtigt, die sofortige Ablösung von Kaiser Ferdinand I. Dieser sollte durch dem erst 18 Jahre alten Franz Joseph aus dem Hause Habsburg ersetzt werden. Der ungarische Politiker und Kleinadlige, hat es doch tatsächlich gewagt, sich in die Angelegenheiten des österreichischen Kaiserhauses einzumischen.

Zusätzlich gab es in Ungarn noch weitere revolutionäre Kräfte. Diese versammelten sich um den Dichter und Lyriker Sandor Petöfi und fanden ihre Anhänger hauptsächlich, wie in Österreich, bei Arbeitern, Bauern und Studenten.

Die sog. Taufrede, des Ungarn Lajos Kossuth, vom 3.3.1848 hat auch den Aufruhr der Wiener revolutionären Kreise, wesentlich beflügelt. Dadurch schaukelten sich die Freiheitsbewegungen, in Ungarn und Österreich gegenseitig hoch. Während sich eine ungarische Landtagsdelegation nach Wien begeben hatte, um eine verfassungsmäßige Einigung mit dem Hof zu erreichen, stellten die radikalen Kräfte in Pest, die sich um Sandor Petöfi versammelt hatten, ein Forderungsprogramm auf, das praktisch die sofortige volle Souveränität Ungarns forderte. Das Programm enthielt neben der Befreiung der Bauern, einen Katalog von Forderungen, die als „Zwölf Punkte“ in die ungarische Geschichte eingegangen sind. Die wichtigsten waren: die Pressefreiheit, die Gründung eines verantwortlichen Ministeriums (Regierung), die jährliche Einberufung des Landtages in Pest, der Auszug der fremden (d.h. unter österreichischem Kommando) Soldaten aus dem Land, das Prinzip der bürgerlichen Gleichheit, die Freiheit des Denkens, Glaubens und Gewissens. Die zwölf Punkte sollten einen Minimalkonsens zwischen denjenigen darstellen, die eine soziale Revolution vertraten und der starken anderen Strömung, die vor allem die nationale Unabhängigkeit befürwortete. Der Dichter Sandor Petöfi schrieb in der Nacht zum 15.3.1848 das pathetische Freiheitslied der Ungarn „Auf! Die Heimat ruft, Magyaren!“, das zum Aufstand aufrief. Das Rathaus in Pest wurde blockiert und die politische Gefangenen, wurden aus den Gefängnissen befreit.

Unter dem Eindruck dieser Ereignisse, gab Wien, wo man in jenen Tagen, auch mit einer eigenen Revolution zu kämpfen hatte, sogleich nach. Durch die sogenannten „Aprilgesetze“ kam man den Ungarn entgegen. Nur die Stephanskrone und die auswärtigen Angelegenheiten sollten in Wien bleiben. Es wurde erlaubt, daß eine vorläufige Regierung gebildet wurde und alle Ministerien wurden von Pest aus verwaltet. Trotz der weiter bestehenden unruhigen Situation in Ungarn, und der Forderungen aus Agram, wurden die Gesetze hinsichtlich der ungarischen Verwaltungsaufgaben in Kroatien und Slawonien nicht geändert, so daß in diesen Ländern, die ungarische Verwaltungshegemonie weiter bestand. Schon sehr schnell sollte sich auch in diesem Fall zeigen, daß man von Seiten des Kaiserhauses übersehen hat, welch eine starke Persönlichkeit, der am 23.3.1848 neu ernannte Banus war.

Das Kaiserhaus in Wien war in dieser Zeit offensichtlich nicht in der Lage, die politische Situation in Südosteuropa zu begreifen und vernünftig zu regeln. Auf der einen Seite hatte man einen offensichtlich unfähigen Kaiser, eine Staatskonferenz und eine Regierung, die nicht einmal in der Lage waren, im eigenen Land für Ruhe und Ordnung zu sorgen. Auf der anderen Seite hat man Ungarn weiterhin große Rechte eingeräumt, die man den kaisertreuen Kroaten, Slawonen und Dalmatinern nicht einräumen wollte. Diese Rechte sind einer Regierung eingeräumt worden, die selbst ihr Haus noch nicht geordnete hatte und selbst unter innenpolitischen revolutionärem Druck stand. Durch unsachgemäße provokative Anordnungen an den Statthalter in Ungarn und an die ungarischen Ministerien, ist sehr schnell deutlich geworden, daß das Kaiserhaus nur auf die „Ungarnkarte“ setzte und die berechtigten Forderungen der Slawonen und Kroaten, unterdrückt und nicht beachtet hat.

Durch die Ereignisse von Anfang 1848, in Österreich und Ungarn, erlangte der Fürst Jellačić bei der Staatskonferenz in Wien eine zusätzliche, hohe politische Bedeutung. Zu diesem Zeitpunkt hatte er, bereits eine große politische Unterstützung, bei den slawonischen, kroatischen und dalmatinischen Fürsten gefunden. Aber auch, die Anhänglichkeit und Zuneigung, der Bevölkerung aus dem Militärgrenzbezirk zu ihm führte dazu, daß er bei den Habsburgern, zunehmend an Ansehen gewann.

Deshalb war es nicht erstaunlich, daß er auf Wunsch einer besonderen kroatisch-slawonischen Nationalkonferenz in Agram (Zagreb), vom österreichischen Kaiser Ferdinand I. bzw. der herrschenden Staatskonferenz, am 22.3.1848 zum Banus von Kroatien, Slawonien und Dalmatien ernannt worden ist. Auf der anderen Seite hat man sicherlich nicht damit gerechnet, wie sehr er für seine innenpolitischen Ziele kämpfen würde. Schon nach kurzer Zeit hat der Wiener Hof erkennen müssen, daß Ban Josip Jellačić, kein wie vorgesehen, Erfüllungsgehilfe der österreichischen Politik in Südosteuropa sein wollte und konnte.

Um die staatsrechtlichen Regeln einzuhalten und die Form nach außen zu wahren, war der Erlaß über die Ernennung, von dem formell amtierenden Kaiser verkündet worden. Das der Kaiser seine Amtsgeschäfte in Wirklichkeit gar nicht ausübt hat, sondern nur eine Marionette der Staatskonferenz war, ist in Agram bewußt oder unbewußt hingenommen worden. In der Folgezeit wurde auf dieses „Spiel“ eingegangen und man hat den Kaiser, „pro forma“ als Staatsautorität anerkannt und angesehen.

Das sog. Handbillet des Kaisers von Österreich zur Ernennung von Fürst Jellačić zum Banus von Kroatien, Slawonien und Dalmatien hatte folgenden Wortlaut:

„Wir Ferdinand teilen Ihnen mit, daß Wir die durch den Rücktritt des Grafen Franz Haller erledigte Würde eines Banus unsere Königreiche Dalmatien, Kroatien und Slavonien Unserem treuen und lieben Baron Josef Jellačić, Obrist in unserer k.u.k. Armee, als einen reichlichen Beweis Unseres königlichen Wohlwollens, welches seinen ausgezeichneten und wichtigen Dienstleistungen und Verdiensten, und Unserem königlichen, nur das Beste und den Vortheil des Gesamtstaates bezweckenden Berufe entspricht, gnädigst verliehen und ihn zugleich zu unserem Generalmajor und wirklichen geheimen Rathe ernannt haben. So verkünden Wir dies Euch, Liebe, Getreue, und befehlen Euch gnädig, daß Ihr nichts unterlassen möget, den genannten Baron Josef Jellačić, zu dessen Installation in Eurer Gegenwart Wir Unseren getreuen und Uns herzlich werthen, hochwürdigen Agramer Bischof Georg Haulik bestimmt haben, als den wirklichen und gesetzlichen Banus der besagten Königreiche anzuerkennen, ihm die schuldige Ehrerbietung zu bezeugen, und ihm in allen in das Bereich der Banal-Autorität gehörigen Geschäften und Angelegenheiten gehorsam und ergeben zu sein, in allseitiger Beförderung der allgemeinen Wohlfahrt und des allerhöchsten Dienstes gemeinschaftlich Berathungen zu pflegen, ihm umsichtsvoll zu unterstützen und mit ihm fortwährend im Einvernehmen zu verbleiben. Gegeben zu Wien am 23. März 1848. Ferdinand“.

Diese Provokation gegenüber Ungarns hat der eben ernannte Ban sofort erkannt und versucht, die nach seiner Ansicht erforderlichen politischem Veränderungen, für sein Volk und seine Nation herbei zu führen. Wie bereits geschildert, lagen ihm dabei mehrere Punkte am Herzen. Sein wichtigstes Ziel war, der Wiederanschluß von Dalmatien an das gemeinsame Königreich. Aber auch die Abschaffung der Lehensherrschaft bzw. des Robots (eine Art der Steuerabgabe) und damit die Verbesserungen der Lebensverhältnisse des Volkes, sah er als seine große Aufgabe an. Letztendlich wollte er auch, daß die besonders harten Vorschriften im Militärgrenzbezirk abgeschafft werden sollten. Die ungarische Verwaltung in Slawonien und Kroatien wollte er abschaffen, weil er die Magayrisierungsbestrebungen nicht hinnehmen wollte. Zusätzlich hielt er die ungarische Besetzung der Woiwodina, die überwiegend von Serben bewohnt war, für eine Angelegenheit die nicht akzeptiert werden konnte. Deshalb unterstützte er die serbischen Bemühungen, auch dieses Gebiet, direkt dem österreichischen Kaiser zu unterstellen.

In dieser schwierigen, fast unlösbaren Situation, hat er bewiesen, daß auch er in der Tradition, eines slawisch/kroatischen Hausvaters gestanden hat. Obwohl als Militär ausgebildet, hat er nicht sofort versucht, diese Gegebenheiten militärisch zu klären. Er versuchte, auf politischem Wege, eine diplomatische Lösung zu finden. Aus seinen Reden und Schriften ist zu erkennen, daß er eine friedliche Vereinbarung gesucht hat. Allerdings hat er sofort erkannt, welche Gefahren durch die Gesamtentwicklung in Ungarn entstanden sind und hat mit Festigkeit und Standhaftigkeit, die Interessen der slawischen Völker im damaligen Südosteuropa vertreten. Um eine Klärung zu finden, machte er nicht den Umweg über Ungarn, sondern wandte sich direkt an die Staatskonferenz in Wien. Ihm war bewußt, daß diese, die einzige und höchste, noch bestehende Entscheidungsinstanz überhaupt war. Schnell hat er im Laufe der Verhandlungen mit Wien erkannt, daß seine Forderungen, wegen der politischen Unruhen in Österreich, leichter durchzusetzen waren. Die Entwicklungen in Bezug zu Ungarn hat er unterschätzt, weil er nicht ahnen konnte, daß sich die starke ungarnfreundliche Fraktion am Wiener Hof durchsetzen würde.

Deshalb gab er schon am 4.4.1848 eine erste große und weitreichende politische Erklärung, als vom Kaiser ernannter Banus von Slawonien, Kroatien und Dalmatien ab. Dabei war ihm mit Sicherheit klar, daß diese Erklärung auch in Wien und Pest bekannt wird. Der Originaltext lautet:

„Der kroatischen und serbischen Nation im dreieinigen Königreiche Dalmatien, Kroatien und Slavonien herzlichen Gruß. Seine Majestät unser allergnädigster König und Kaiser von Österreich geruhen in Übereinstimmung mit dem Willen der Nation mich zum Banus von Dalmatien, Kroatien und Slawonien, zum geheimen Rathe, und zugleich zum Kommandierenden Generale in der ganzen kroatischen Militärgrenze zu ernennen. Innerhalb 14 Tage bin ich vom Grenzobristen zur erhabenen Würde eines Banus, Feldmarschall-Lieutenants und kommandierenden Generals erhoben worden. Wenn in dieser Auszeichnung meiner Person durch die Gnade des Königs einer der Wünsche unserer Nation erfüllt worden ist, so habe ich dies einzig und allein jener besonderen Liebe und jenem brüderlichen Vertrauen zuzuschreiben, welches diese ruhmvolle Nation in mich setzte. Es wird meine Sorge sein, Vertrauen mit Vertrauen und durch die That zu erwidern. Meine Gedanken, meine Gefühle und meine Grundsätze sind aufrichtig, deshalb enthülle ich dieselben ohne jeden Rückhalt. Die Wünsche, die die Nation kundgab und dem königlichen Throne unterbreitete, Widerhallen auch in meinem Herzen. Das Wohl der Nation und des Vaterlandes: dies ist mein Wunsch und mein Hauptziel. Ich wünsche, daß unsere Nation eine kräftige und freie Nation werde, und daß dieselbe unter den Nationen jenen Ehrenplatz erringe, welcher ihr sowohl vermöge der Wichtigkeit ihrer geographischen Lage, als auch vermöge ihres kräftigen Geistes, und ihres historischen Geschickes gebührt. Dies ist auch der Wille und der Wunsch der Nation, und ich, als der vom Könige eingesetzte Chef derselben, will in allen meinen Gedanken und Werken der wahre Ausdruck des nationalen Willens und Gedankens sein. Derentwegen gedenke ich einen solchen Weg zu betreten und zu wandeln, welcher unsere Nation dem Glücke und Ruhme zuführen soll. Die Revolution erschütterte und stürzte die alten Grundlagen des socialen Lebens, der nationalen und staatlichen Beziehungen, namentlich aber unserer Beziehung zu unserem alten Bundeslande Ungarn. Deshalb ergibt sich für uns die Nothwendigkeit, mit Rücksicht auf unseren uralten Verband mit der Krone Ungarns selbst, dahin zu wirken, daß unser Verhältnis zu derselben auf neue, dem Geiste der Freiheit, Selbständigkeit, und Gleichheit entsprechende, also einer freien und heldenmütigen Nation würdige Grundlagen basiert, bis dahin aber unsererseits jede Beziehung zu der gegenwärtigen neuen ungarischen Regierung abgebrochen werde. Es gilt das große Werk der staatlichen Wiedergeburt der Nation zu vollführen, und zwar auf dem natürlichen und gesetzlichen Wege, d.h. auf dem unseres nationalen Sabors, auf welchem der Wille der gesamten Nation kundgegeben und vernommen werden wird. Es wird also eine meiner Hauptsorgen sein, daß der nationale Sabor je eher einberufen, und auf Grundlage nationaler Vertretung dergestalt zusammengesetzt werde, daß durch denselben, ohne Unterschied des Standes, der wahre nationale Wille der gesamten Nation sich kundgebe. Unser nationaler Sabor (Landtag) wird das geeignete Feld für die Nation sein, die Kraft und Stärke ihres tüchtigen Geistes zu entfalten. Auf diesem Sabor, sollen alle nationalen Wünsche und Beschwerden vorgebracht werden, sie mögen was immer für eine Gegend betreffen. Alles wird nach Möglichkeit und nach dem Willen der Nation seine Erfüllung und Abhilfe finden. Ich bin von Seiner Majestät unserem Könige auch zum Banus von Dalmatien ernannt worden: ich hoffe daher mit Zuversicht von der Gerechtigkeit unseres Königs und von dem kräftigen Willen der Nation, daß diese meine Ernennung nicht beim bloßen Titel verbleiben werde. Das ruhmreiche Dalmatien war einst unser Bundesgenosse, und zwar nicht nur nach der Geschichte, sondern auch nach der geographischen Lage, nach dem Blute, nach der Brüderlichkeit, und nach dem Titel, welchen seit altersher bis auf den heutigen Tag die Bane Kroatiens führen. Wir haben eine große Aufgabe, die der Wiedergeburt der Nation zu vollführen. Dieses große Werk jedoch werde ich zu vollführen nicht im Stande sein, wenn mich die Nation, die eifrigen und einsichtigen Patrioten, mit ihren aufrichtigem Rathe, einträchtigen und vereinten Streben, und ihrer patriotischen Aufopferung nicht unterstützen, und wenn uns selbst, den Söhnen einer Mutter, Friede, Eintracht, Liebe und Brüderlichkeit mangeln werden! Es thut uns jetzt kräftiger Wille noth; ohne einen kräftigen Willen aber gibt es keine Eintracht. Darum möge Eintracht und Brüderlichkeit unter uns herrschen, ohne Unterschied der Religion; der Bruder möge sich dem Bruder nicht entfremden; es hat ja jede Ursache des bisherigen Hasses und Zwistes zwischen den Brüdern eines Blutes aufgehört. Der Unterschied des Glaubens und der Kirche bildet im socialen und staatlichen Leben zwischen den Brüdern und Gliedern einer Nation keine Scheidewand mehr: die Gleichheit ist ausgesprochen. Schutz und gleiche Wohlthat seien daher im socialem und staatlichen Leben jedem rechtschaffenden Bewohner unseres dreieinigen Vaterlandes ohne Unterschied der Religion und des Standes gewährleistet. Mein brüderlicher und herzlicher Gruß unserer ganzen Nation, der Geistlichkeit beider Kirchen, den Offizieren und Beamten, und jeden einzelnen Bruder, der dieses gewahr wird, und dem das allgemeine Wohl der Nation am Herzen liegt. Desgleichen mein herzlicher Gruß allen Bewohnern und Patrioten in unseren dalmatinischen und kroatischen Küstenlande, so wie auch im freien Gebiete Fiume`s; meinen Brüdern in den tapferen Grenzregimentern der kroatisch slawonischen Militärgrenze aber mein besonderer militärischer und brüderlicher Gruß; und endlich allen übrigen Bewohnern unseres Vaterlandes und den stammverwandten slawischen Nachbarbrüdern, auch außerhalb des dreieinigen Königreiches, Liebe und Gruß. Gott erhalte unseren König, und unsere Nationalität! Es lebe Eintracht, Freiheit und Brüderlichkeit unter uns!!. Ban Josip Jellačić.“

Aus der Wortwahl in dieser Proklamation, kann man zunächst einmal erkennen, daß der neue kroatische Banus  eine Formulierung benutzt hat, die nicht militärisch knapp, sondern von schöngeistigen Zügen geprägt war. Das er gleich am Anfang, die kroatische und serbische Nation in dem Königreich grüßt und anspricht, zeigt deutlich, daß er eine Gemeinschaft von Kroaten und Serben angestrebt hat. Er wollte, daß es keinen Unterschied des Glaubens und der Kirchen geben sollte und wollte auch mit der Geistlichkeit beider Kirchen zusammen arbeiten. Wenn er am Ende seiner Erklärung die „stammverwandten slawischen Nachbarbrüder“ ausdrücklich grüßt, dann ist ganz eindeutig zu erkennen, daß aus dieser Proklamation sein Bekenntnis zum Slawentum bemerkbar wird. In der Ungarnfrage, zeigte er eine absolute Härte, in dem er die Beziehungen, zu der damaligen ungarischen Regierung abgebrochen hat. Der Abbruch der Beziehungen erfolgte aus zwei Gründen. Erstens wollte er Freiheiten für sein Volk (unter österreichischer Herrschaft) und zweitens hatte er die Befürchtung, daß die revolutionären Tendenzen auch nach Südosteuropa übergreifen könnten. Zusammenfassend ist, aus dieser ersten politischen Proklamation festzustellen, daß er eine feste Einigkeit innerhalb seines Volkes herstellen wollte. Dabei hat er allerdings immer das österreichische Kaiserhaus akzeptiert.

Neben dem Abbruch der Beziehungen zu Ungarn begann er einen Kampf, gegen die spezifisch ungarische Partei im dreieinigen Königreich, den sog. „Magyaronen“, welche die Magyarisierung der Kroaten und Serben beharrlich anstrebten. Diese wollten vor allem, die ungarische Sprache, als Amtssprache, im ganzen Königreich einführen. Gegen die Anführer dieser Bewegung ging er scharf vor und verordnete, aus Sicht des Kaiserhauses und der Ungarn eigenmächtig, am 27.4.1848 ein besonderes Standrecht. Es gibt unterschiedliche Aussagen darüber, wie viele „Magyaronen“ diesem Standrecht zum Opfer fielen. Dadurch machte er sich in Ungarn noch unbeliebter und man sah ihn persönlich, als südosteuropäischen Konkurrenten und Feind an. Dabei machte sich auch immer noch der alte Drang der Ungarn, zum Mittelmeer bemerkbar. Diesen hat man dort niemals ganz aufgegeben und er ist in diesem Augenblick wiedererweckt worden.

Aber auch innenpolitisch kam Jellačić unter Druck. Deshalb sprach er sich gegen den kroatischen Politiker und Schriftsteller Ludwig Gaj aus, der mit einer national gesinnten Gruppe aus dem mittleren Adel und einem Teil der Geistlichkeit, sofort und kompromißlos die volle und totale Autonomie, des dreieinigen Königreichs der Kroaten, Slawonen anstrebte. Er war deshalb dagegen, weil ihm klar war, daß er sich damit sofort den Ärger des kaiserlichen Hofes einhandeln würde. Mit diesen Autonomieansprüchen, erhob dem Grunde nach, Ludwig Gaj die gleichen Ansprüche, die von den ungarischen Revolutionären, für Ungarn erhoben worden waren. Der neue Banus erkannte sofort die große Gefahr, daß dies ohne kriegerische Auseinandersetzungen mit Wien, unmöglich zu erreichen war.

Um eine Entspannung innerhalb von Slawonien und Kroatien herbei zu führen und die Massen noch mehr für sich zu gewinnen, hat er, in Absprache mit der Staatskonferenz in Wien, am 28.4.1848, als noch nicht bestätigter Banus, bekannt gemacht, „daß jede wie immer geartete Urbarialleistung, die Robot und der Kirchenzehent aufgehoben worden sind.“ Es ist verständlich, daß er durch diese Vorschrift, die Volksmenge, auf seine Seite brachte und weitgehend beruhigen konnte.

Das Kaiserhaus in Wien und die Staatskonferenz, hat von den politischen Bestrebungen die von Ludwig Gaj und seiner Gruppe ausgegangen sind, natürlich auch erfahren. Deshalb beauftragte man am 6.5.1848, den Erzherzog Stephan, Palatin in Ungarn (stellv. des Kaisers in Ungarn) einen königlichen Kommissar nach Kroatien zu entsenden. Der Wortlaut dieser Anordnung zeigt, daß man in großer Sorge war:

„Lieber Herr Vetter Erzherzog Stephan! Nachdem separatistische Bestrebungen in meinem Königreiche Kroatien an mehreren Orten auftauchen sollen, die in ihren Folgen der gesetzlichen Vereinigung mit Ungarn und meiner Gesammtmonarchie höchst gefährlich werden können, trage ich Euer Liebden auf, nöthigenfalls ein Ihnen geeignet scheinendes Individuum als königlichen Kommissär mit der nöthigen Vollmacht nach Kroatien zu exmittiren, das dort die geeigneten Maßregeln zur Unterdrückung ähnlicher Ansinnen mit aller Strenge zu ergreifen haben wird. Ferdinand.“

Einen Tag später, am 7.5.1848 teilte Kaiser Ferdinand I., dem Banus des dreieinigen Königreiches von Kroatien/Slawonien und Dalmatien folgendes mit:

„Es ist mein fester und unerschütterlicher Wille, die Einheit der Regierung der unter der Krone Ungarns vereinigten Länder Meinem königlichen Worte und Krönungseide gemäß im Sinne der Gesetze zu erhalten, und werde es nie erlauben, daß der gesetzliche Verband der Länder ungarischer Krone durch eigenmächtige Verordnungen oder einseitige Beschlüsse gelockert werde; Ich weise Sie demnach dahin, daß Sie den Befehlen Meines königlichen Statthalters und den Anordnungen des durch Mich ernannten ungarischen verantwortlichen Ministeriums, dem Ich durch den III. Artikel 1848 die gesetzliche Regierung von Ungarn und der damit vereinigten Länder anvertraut habe, in allen Zweigen der Verwaltung pünktlich Folge leisten und die Erfüllung dieses Meines königlichen Willens in Ihrem amtlichen Wirkungskreise in jeder Hinsicht überwachen. Ferdinand“

Die Anordnung, daß ein besonderer Kommissar nach Kroatien gesandt werden soll, der „geeignete Mittel“ zur Unterdrückung von Autonomiebestrebungen anzuwenden hat, war ein ernster Hinweis des Hofes, daß man diese Bestrebungen nicht geduldet hat. Auch in dem Schreiben, an den neuen Banus, hat man darauf hingewiesen, daß ein besonderer Statthalter eingesetzt wird. Nochmals wurde ausdrücklich bestätigt, daß die Verwaltungsgewalt weiterhin nur von dem verantwortlichen ungarischen Ministerium ausgeübt wird. Durch diese beiden Schreiben ist, klar und deutlich zum Ausdruck gebracht worden, daß der Banus nicht berechtigt war, irgendwelche Verwaltungshandlungen vorzunehmen, die nicht im Einklang mit der ungarischen Verwaltung vereinbart worden sind. Somit ist die ungarische Vorherrschaft bestätigt worden und der Banus sollte keine andere Aufgabe haben, als den Befehlen der Magyaren nachzukommen.

In dieser Situation hat Jellačić, seinen ganzen Mut bewiesen und den Patriotismus zu seiner Heimat gezeigt, indem er, trotz der Anordnungen aus Wien, schon am nächsten Tag, selbständig und ohne Rücksicht auf diese Befehle, eine Nationalkonferenz nach Zagreb einberufen hat. Ergebnis dieser am 8.5.1848 und in den folgenden Tagen durchgeführten Konferenz war eine Verordnung, über „die Einberufung und Vertretung des am 5.6.1848 und den folgenden Tagen des Monats Juni 1848, in Agram abzuhaltenden dalmatinischen, kroatischen und slawonischen Sabors.“ Diese Verordnung ist durch den Schriftführer der Nationalkonferenz Karl Kuslan veröffentlicht worden. Dadurch ist der Freiheitswille manifestiert worden. Die Ungarn und das Kaiserhaus haben wütend darauf reagiert.

Die umfangreiche, von der Nationalkonferenz selbst verfaßte Verordnung, enthielt alle Einzelheiten, die für die Einberufung eines Sabors notwendig waren. Es sind, für die damalige Zeit, außergewöhnliche Regelungen, getroffen worden. Deshalb ist es interessant daraus, wenigstens auszugsweise, wörtlich zu zitieren:

„In den nächsten am 5.6.1848 hier in Agram zu eröffnenden Sabors dieser Königreiche werden durch Banalschreiben berufen und haben persönlich und nicht durch Kredenzionalisten zu erscheinen:

a.) Der Karlowitzer Metropolit und die Diözesan- und Titular-Bischöfe dieser Königreiche der einen und der anderen Kirche;

b.) Der Vicekapitän dieser Königreiche;

c.) Alle großjährigen Magnaten, d.i. Fürsten, Grafen und Barone, welche in diesen Königreichen wohnhaft sind, oder daselbst Güter besitzen und durch das Gesetz unter die Söhne unseres Vaterlandes eingereiht sind;

d.) Der Gouverneur von Fiume (Rijeka);

e.) Alle Obergespänne oder Obergespannsstellvertreter des dreieinigen Königreiches;

f.) Die beiden Kameralgüter-Administratoren in Agram (Zagreb) und Fiume (Rijeka);

g.) Der Vice-Ban, Protektonär und die Assessoren der Banaltafel;

h.) Der Präsident der königlichen Gerichtstafel in Agram und die Wechselgerichts-Präsidenten in Karlovac und Fiume;

i.) Der Comes von Turopolje. Jedes Komitat hat für jeden seiner Distrikte einen Vertreter in den Sabor zu wählen und zu senden“. Je nach Größe des Komitates ist die Anzahl der Vertreter festgelegt worden. Das Agramer Komitat hatte z.B. 16 Vertreter zu wählen. Weiter heißt es, „die kroatischen und slawonischen Grenzregimenter haben jedes 4 Abgeordnete, somit zusammen 44 zu wählen“.

Auch die königlichen Freistädte und bestimmte Distrikte sowie kleinere Gemeinden hatten ihre Vertreter zu wählen und in den Sabor zu senden. Außerdem wurde verordnet, „die katholischen und griechischen Kapitel oder Konsistorien haben je einen, die griechischen Klöster, welche unbewegliche Güter besitzen, zusammen einen Abgeordneten zu wählen und zu senden“ (Anm.: Wenn die griechische Kirche genannt wird, dann ist die orthodoxe Kirche gemeint). Danach ist geregelt worden, wie die Wahl vorzunehmen ist und abschließend ist noch verordnet worden: „Abgeordneter kann ohne Unterschied des Standes oder der Geburt jeder Sohn dieses Vaterlandes sein, er mag der einen oder anderen Kirche angehören, wenn er nur schriftkundig ist und das 24. Jahr zurückgelegt hat. Auf dem bevorstehenden Sabor dieser Königreiche wird jedem Vertreter und jedem Einberufenen das Virilvotum (Anm.: jedem Mann) zustehen. Die Vertreter haben ihre Stimmen in jenen Fällen, in welchen sie keine besondere Weisung haben, nach ihrer inneren Überzeugung abzugeben“.

Bemerkenswert ist, daß keinesfalls das allgemeine Wahlrecht verkündet wurde. Zunächst einmal waren alle „Schwestern“ (Frauen) der Nation ausgeschlossen. Da in dieser Zeit, noch ein großer Teil der Bevölkerung nicht „schriftkundig“ war, konnten das Wahlrecht nur wenige Einwohner ausüben. Deshalb ist davon auszugehen, daß es keine richtige Wahl des gesamten Volkes, sondern nur die Wahl einer bestimmten Elite (Adel, Geistlichkeit usw.) war. Höchstens 2-3 % der Gesamtbevölkerung waren überhaupt wahlberechtigt. Bauern und Arbeiter, also die Volksmassen, die meist nicht schriftkundig waren, sind von der Wahl ausgeschlossen worden. Deshalb ist die auch heute noch aufgestellte Behauptung, daß es sich bei diesem Sabor, um einen Landtag des Volkes handelte nicht richtig.

Neben der Verordnung, ist auf der Nationalkonferenz von Agram zusätzlich beschlossen worden, ein Schreiben (Adresse) an den Kaiser bzw. an die Staatskonferenz, zu senden, womit um Abhilfe gegen die magyarischen Übergriffe und um Erteilung der nötigen Vollmachten an den Banus Jellačić gebeten wird. Aus diesem Schreiben, vom 11.5.1848, also 5 Tage nach der erwähnten Anordnung, einen Kommissar nach Kroatien zu schicken, kann man ganz deutlich erkennen, daß die Nationalkonferenz solidarisch hinter ihrem Banus stand. Das Schreiben hat folgenden Wortlaut:

„Euere Majestät! Der Lauf der heutigen Weltereignisse führte auch über die Völker Österreichs einen großen Tag herauf. Es war der Tag, an dem das alte System vor dem gewaltigen Drange der jungen Zeit zusammenfiel, und hiermit eine neue Ordnung der Dinge geschaffen wurde. Damit fiel auch vollkommen die Scheidewand, die zwischen dem Herrscher und seinem treuen Volke früher bestand. Liebe und Vertrauen öffneten den Völkern den Weg zu Throne, zum väterlichen Herzen ihres Monarchen. Nun eilten die Völker Österreichs mit ihren lang verhaltenen Bitten, Wünschen und Beschwerden an die Stufen des Thrones; in dieser Absicht erschienen vor dem Throne Eurer Majestät aus allen Theilen, und von allen Völkern der österreichischen Monarchie zahlreiche Deputationen, die ihre Bitten vortrugen, und zumeist Erhörung fanden. Die slavische Nation der drei vereinten Königreiche Kroatien, Slavonien und Dalmatien folgte auch diesem Beispiele. Sie beeilte sich, ihre langehegten, gerechten Wünsche, die sie in der am 25.3.1848 zu Agram abgehaltenen Nationalversammlung offen aussprach, mittelst einer zahlreichen Deputation Eurer Majestät vertrauensvoll vorzutragen, die feste Absicht hegend, daß eine Nation, die ihre unverbrüchliche Treue zu allen Zeiten, und namentlich in den für die Dynastie kritischen Momenten mit Wort und That bewahrte, nicht unbefriedigt gelassen werde. Dem ungeachtet und trotz dem Umstande, daß die erwähnte National-Deputation Einige unter den vorgetragenen Wünschen als solche hervorhob, deren Befriedigung keinen Aufschub leidet, blieb doch der größere und wichtigere Theil derselben bis heute unerfüllt. Die traurigen Folgen davon trafen nur zu bald ein. Unsere Nation, welche schon seit mehreren Jahren für ihre nationale Freiheit und Selbständigkeit gegen die maßlosen Übergriffe der Magyaren kämpft, fühlte sich von dem neuen magyarichen, aus den, der slavischen Nation feindlichen Elementen ohne allen Einfluß dieser Königreiche in Folge eines moralischen Zwanges errichteten Ministerium umsomehr abgestoßen, als es den Keim einer völligen Losreißung von dem Gesammtverbande der österreichischen Monarchie offenbar in sich trägt, und uns einer Bahn und Richtung zutreibt, die wir, sofern wir als eine freie Nation unsere Selbstbestimmung haben, nie einschlagen können. Aus diesem und dem anderweitigen Grunde, daß wir uns das Auftauchen dieses einseitigen, die Herrschaft bloß eines Volksstammes in Ungarn darstellenden Ministeriums in unserer nationalen Existenz und Selbständigkeit mehr den je bedroht sahen, war nur ganz natürlich, daß über die Art und Weise, welche Stellung unsere vereinigten Königreiche der neugebildeten Regierung Ungarns gegenüber zur Wahrung ihrer Nationalität und Selbständigkeit einnehmen sollen, mittlerweile bis zur Einberufung unseres Sabors und bis zur Erforschung des Willens der gesamten Nation jede Folgeleistung dem ungarischen Ministerium um so mehr unterbleiben mußte, als ohnehin die Wirksamkeit des besagten Mini-steriums zufolge des legal bestehenden Gebrauchs erst nach Publizierung der Gesetze auf unseren kroa-tisch-slavonisch-dalmatinischen Sabors in unseren Landen rechtlich beginnen könnte, und uns als einer freien Nation das vollste Recht zusteht, nach Auflösung der alten gemeinschaftlichen Dikasterien, und sonstigen Aufhebung unserer früheren politischen und nationalen Correlation, zu Ungarn und zur Gesammt-monarchie für die Zukunft nur in solche Verhältnisse zu treten, die sich sowohl mit unserer angestammten Treue gegen unsere mit Ungarn gemeinschaftliche Krone, die regierende Dynastie, als such mit der Auf-rechterhaltung des österreichischen Staatsverbandes, wie nicht minder mit unserem nationalen Interesse in Einklang bringen lassen. Dies hatte jedoch die Folge, daß wir in diesen drangvollen, stürmischen Zeiten fast ohne administrative Regierung blieben, und die Spuren einer immer mehr um sich greifenden Anarchie mit jedem Tage sichtbarer hervortraten. Diesen Stand der Dinge wußten die Magyaren, die Feinde unserer Nationalität, noch wirrer zu machen, indem sie Sendlinge ins Land schickten, welche im Vereine und mit Hilfe ihrer hiesigen Anhänger, im ganzen Lande, besonders aber im Bereiche des Agramer Komitats das ackerbautreibende Volk gegen die Grundherrschaften und die Geistlichkeit aufwiegelten. Man gebrauchte dazu die niedrigsten Mittel und Lügen, indem man dem harmlosen Volke die Magyaren als die einzigen Wohlthäter, die ihm das Geschenk der Befreiung von der Robot gebracht hätten, darstellte, die Illyrer dagegen, d.h. den, die wahren Interessen der Nation wahrenden Theil der Kroaten und Slavonier, als Finsterlinge und Unterdrücker des gemeinen Volkes, die nur damit umgingen, ihm die Last der Robot wieder aufzuzwingen, bezeichnete, und auf diese Weise das Volk zum offenen Aufstande aufzuhetzen trachtete. In diesem gefahrdrohenden Zustande befand sich das Land, als der Ban dieser Königreiche nach seiner Rückkehr von Wien sein hochwichtiges Amt antrat. Seiner thätigen Umsicht, Energie und Willenskraft ist es zum Theil gelungen, durch höchst zweckmäßige Maßregeln dem Umsichgreifen der Anarchie vorzubeugen. Ruhe und Ordnung im Innern wieder herzustellen, und die augenscheinliche Gefahr abzuwehren, die dem Leben und Eigenthume friedlicher Bürger drohte. Deshalb wurden alle seine bisherigen Schritte und Handlungen von der gesamten Nation mit wärmster Anerkennung und Dankbarkeit umsomehr aufgenommen, als sie sich als ein unabweisbares Bedürfnis zur Herstellung und Wahrung der so sehr gefährdeten Ordnung und öffentlichen Sicherheit, als die einzige Bedingung zur Erreichung dieses heilsamen Zieles, und somit als ein treuer Ausdruck des Nationalwillens herausstellten. Doch bei dem besten Willen und der größten Energie, die unser Ban bisher entwickelte, ist er als Einzelner nicht im Stande, die ins Stocken geratene Maschine der öf-fentlichen Verwaltung in einen geregelten Gang zu bringen, die gestörte Ruhe und Ordnung dauernd herzustellen, und den Weg zur Reorganisierung dieser Königreiche auf dem künftigen Sabor anzubahnen. Des-halb ist auf seinen Ruf die gefertigte Nationalkonferenz aus allen Theilen unseres Vaterlandes zusammengetreten, die als ihre Hauptaufgabe erkannt hat, neben anderen Fragen die Sicherheit des Landes sowohl nach innen, wie auch nach Außen hauptsächlich ins Auge zu fassen, und deren Aufrechterhaltung sich insbesondere angelegen sein zu lassen. Es hat daher diese Konferenz in ihrem Wirken auch einen Blick auf das verbundene Ungarn geworfen, und mit Bedauern und gerechter Entrüstung wahrgenommen, wie da-selbst das Prinzip der Freiheit und der Brüderlichkeit von Seite der Magyaren gegen das auflebende ungari-sche Slaventhum und insbesondere gegen diese Königreiche thatsächlich geübt werde, wie man dort mit Wort und That beflissen ist, die Slaven überhaupt und insbesondere uns Kroaten und Slavonier als Ver-räther an Thron und Vaterland vor der Welt zu brandmarken, während die faktischen Beweise unserer Treue weltbekannt sind; wie man unsere heilige Liebe zu unserer Nationalität, und das reine Streben nach deren Geltendmachung zum schwärzesten Verbrechen stempeln will; wie mit den unwürdigsten Schmähungen in allen öffentlichen ungarischen, ja sogar Wiener-Blättern ein Mann überhäuft wird, der durch die Huld Eurer Majestät an die Spitze der treuen kroatisch-slavonischen Nation gestellt, unsere allgemeine Achtung, Liebe und unbegrenztes Vertrauen besitzt, und an dessen Persönlichkeit und ungehindertes Wirken unter den gegenwärtigen Verhältnissen allein in diesen Ländern die Garantie der höchsten Interessen der Dynastie, des Staates und der Nation ausschließend geknüpft ist; wie man förmliche Aufrufe zur Bildung von Freischaaren und zur Abberufung der Truppen aus Italien ergehen läßt, um die neugeborene Freiheit und Gleichheit aller unter der ungarischen Krone lebenden Völker in dem Brande eines gräßlichen Bürgerkrieges untergehen zu lassen. Mit um so größerer Entrüstung hat dies die gefertigte Nationalkonferenz wahrgenommen, als es in eine Zeit fällt, wo nahe an 40 Tausend Kroaten und Serben auf den Schlachtfeldern der Lombardie und Venedigs die unverbrüchliche Unterthans-Treue im Dienste Eurer Majestät nach dem Beispiele ihrer Ahnen mit ihrem Blute besiegeln, während gerade von Seite der Magyaren, die nicht müde werden, uns vor der Welt zu Verräthern an Thron, Vaterland und Freiheit zu stempeln, Manifestationen der perfidesten Art hinsichtlich Italiens täglich erfolgen. Wiewohl das treue Volk der Kroaten und Serben zuversichtlich wußte, daß das neue ungarische Ministerium seine Macht gebrauchen werde, um unsere nationale Selbständigkeit und jede freiere Regung des übrigen ungarischen Slaventhums gewaltsam zu unterdrücken, fiel es dennoch bei uns Niemanden ein, dem Ausmarsche unserer braven Grenztruppen Hemmnisse entgegen zu stellen, oder auf die Rückberufung derselben zu dringen. Sie bewährten ihre Treue in dem kritisch-sten Momente, selbst auf die Gefahr hin, die eigene nationale Existenz bloßgestellt zu sehen. Eure Majestät! Diese obenerwähnte Unterdrückungssucht ist bereits an unseren stammverwandten slavischen Brüdern in Ungarn zur That geworden, und wahrlich es steht zu befürchten, daß der Moment nicht ferne sei, wo vielleicht auch uns das selbe Schicksal treffen dürfte. In dieser kritischen Lage der Dinge, wo die Nation der drei vereinten Königreiche ihre nationale Existenz und Zuflucht mehr denn je der Gefahr ausgesetzt sieht, glaubt die gefertigte Nationalkonferenz ihre patriotische heilige Pflicht zu erfüllen, indem sie im Namen der Nation dies alles zur Kenntnis Euerer Majestät zu bringen, und folgende Bitte zur gnädigsten ehebaldigsten Beherzigung in Unterthänigkeit zu unterbreiten sich beeilt: Daß keinerlei Verfügungen von irgend einer Seite getroffen werden, die im Widerspruche mit dem von Seiten unseres Ban im Interesse des erlauchten Kaiserhauses und unseres Vaterlandes bisher erlassen und von der gesamten Nation mit Dank aufgenom-menen Anordnungen stünden, vielmehr demselben die unbeschränkteste Machtvollkommenheit bis zur Regelung unserer Angelegenheiten auf dem heimischen Sabor gegeben werde, alles dasjenige zu unter-nehmen und zu verfügen, was er zur Aufrechterhaltung der Ruhe und Ordnung, und Sicherstellung der nationalen Interessen in diesem Königreich als unerläßlich halten wird. Dies Eure Majestät! Ist das einzige Mittel, die einzige Bedingung, unser Vaterland vor der Anarchie und dem drohenden Bürgerkriege zu retten und zu bewahren, und darum sehen wir auch der allerhöchsten Genehmigung dieser unserer Bitte mit voller Zuversicht entgegen. Geruhen daher Eure Majestät der kroatischen-slavonischen Nation jenen Schutz und Fürsorge angedeihen zu lassen, auf welche jeder einzelne unter Eurer Majestät mildem Zepter lebende Bewohner des großen Kaiserstaates, um so mehr aber ein ganz treues Volk Anspruch machen kann und darf. Die Gewährung unserer gerechten Bitte wird mit neuen festeren Banden der Treue, Liebe, des Vertrauens unserer Nation an den Thron Euerer Majestät ketten, und uns in den Stand setzen, im Wetteifer mit den übrigen Völkern Österreichs durch ungestörte Erhaltung der Ordnung und Regelung unserer inneren Angelegenheiten zur Herstellung eines einigen, nach Innen und Außen organisch gegliederten, starken, und freien österreichischen Staates, und zur Befestigung des Thrones erfolgreich beizutragen. Sollte es aber unseren magyarischen Gegnern gelingen, die Erfüllung dieser unserer Wünsche zu vereiteln, und unsere Existenz den Wechselfällen des Schicksals zu einer Zeit preiszugeben, wo unsere Brüder im treuen Dienste Euerer Majestät auf den Schlachtfeldern Italiens ihr Herzblut verspritzen, so bliebe uns nichts anderes übrig, als mit unabänderlicher Festhaltung an der unverbrüchlichen Unterthans-Treue zur Wahrung unserer nationale und politischen Existenz alle jene Schritte aus eigener Selbstbestimmung zu unternehmen, die die Nothwendigkeit und der Drang der Umstände gebieten, und der Trieb der Selbsterhaltung uns eingeben wird. Wir beharren übrigens in tiefer Ehrfurcht, Euerer Majestät getreue Unterthanen, die in der am 8. und den folgenden Tagen des Monats Mai in der Nationalkonferenz versammelten Stände der Königreiche Kroatien, Slawonien und Dalmatien.“

Obwohl über die Formulierung dieses Schreiben schon einige Tage beraten worden war, haben am gleichen Tage der Erzherzog Stephan, Palatin und kaiserlicher Statthalter in Ungarn und der ungarische Innenminister Szemere, folgende Verordnung des ungarischen Ministeriums an den Banus Josip Jellačić geschickt:

„Da Sie als Ban von Kroatien, Slavonien und Dalmatien an sämtlichen Jurisdictionen, Behörden und Ämter jener Königreiche ein Rundschreiben im Umlauf gesetzt des Sinnes, daß Sie das zwischen Ungarn und den Nebenländern seit Jahrhunderten bestehende und durch die neuesten Gesetze nicht im geringsten veränderte verfassungsmäßige Verhältnis für verändert erklärend, den Befehl ertheilten, sich nicht zu unterfangen, außer von Ihnen, von irgend jemanden Befehle anzunehmen, oder denselben zu gehorchen, oder an irgend jemand amtliche Berichte zu erstatten. Nachdem Sie dem zuwider, daß die Bewilligung des Standrechtes gegen Kontrasignirung eines der verantwortlichen Minister zu ertheilen oder zurückzuziehen nur ich berechtigt bin, nicht nur das Statuarium in den verbundenen Theilen, in den Komitaten Syrmien, Veröcze und Posega, und in den in ihrem Gremium gelegenen kaiserlichen Freistädten publiciren ließen, und zwar auch in solchen Jurisdictionen, die das Standrecht durch mich bereits erhalten hatten; sondern den Kreis desselben in einseitiger Richtung auch auf solche Vergehen ausdehnten, welche nach den bisherigen Normen nie vor ein Statargericht gehörten, und so dieß Hoheitsrecht mit Überschreitung der Wirkungssphäre des Bans ausüben, ohne mir auch nur nachträglich eine Anzeige davon zu machen, und noch bevor Sie in die Banalwürde eingeführt waren und den entsprechenden Eid abgelegt hatten; Nachdem von Seiner Maje-stät unserem gekrönten König und der Gesetzartikel 3:1848 Mir zu Ausübung der vollziehenden Gewalt durch das verantwortliche Ministerium die unumschränkte Vollmacht sowohl im Lande als auch in den verbundenen Theilen übertragen worden; So verordne ich über Vortrag des Ministeriums des Innern wie folgt: Das von Ihnen als ernannter, aber noch nicht installierter Ban von Kroatien, Slavonien und Dalmatien erlas-sene obgedachte Rundschreiben wird als der Verfassung und den Gesetzen durchaus widersprechend erklärt. Das von Ihnen widerrechtlich publicirte und in einseitiger Richtung über die a.h. Vorschriften hin ausgedehnte standrechtliche Gericht, so wie die in Folge davon vielleicht schon begonnenen Untersuchungen und erfolgten Urtheile sind außer Kraft gesetzt. Es wird Ihnen aufgetragen, das obgedachte Rundschreiben sowohl als auch den Befehl bezüglich des Standrechtes durch Erlaß entgegengesetzter Verordnung sofort zurück zu nehmen, und drei Tage nach Empfang dieser meiner Verordnung mich durch einen Expressen von der Vollstreckung derselben zu benachrichtigen. Laut einer am heutigen Tage erlassenen Verordnung habe ich allen Jurisdictionen in den Komitaten Syrmien, Posega, Veröcze, wie auch der Stadt Essek (Osijek) aufgetragen, daß sie allen meinen Verordnungen, welche unter Gegenzeichnung des verantwortlichen Ministeriums erlasse, unter Befahrung der von den Gesetzen bestimmten schweren Strafe Folge zu leisten gehalten sind. Mit Vollziehung dieser meiner Verordnung ist der Minister des Innern beauftragt. Budapest, 11.05.1848“

Am 11.5.1848 wurde eine Verordnung an den Baron Johann Hrabovsky, General-Kommandant und Feldmarschall-Lieutenant, „womit derselbe zum königlichen Kommissär für Kroatien, Slavonien und die Militärgrenze ernannt wird“. In dieser Verordnung heißt es u.a. wörtlich:

„1.) Sie werden für Kroatien und Slawonien und für die Komitate Syrmien, Pozsega und Veröcze samt den darin ingremirten königlichen Städten und zugleich für die Grenz-Distrikte zum königlichen Kommissär ernannt, um mit den an Ihre Seite ziehenden bürgerlichen Individuen auf die allgemeine Ordnung und Ruhe, so wie auf die Sicherheit der Person und des Eigenthums jedes Einzelnen die Oberaufsicht zu führen, und wieder insbesondere ein wachsames Auge zu haben, daß die schon öffentlich sich zeigenden faktischen Loseisungs-Bestrebungen mit Erfolg hierdurch niedergehalten, die Anreger und Förderer derselben ausgeforscht und nach dem Gesetze bestraft werden sollen.

2.) Da Sie, wo Ihre persönliche Mitwirkung erheischt wird, überall zu erscheinen haben, so werden einestheils die Grenz-Militz und die Linientruppen unter ihre Botmäßigkeit gestellt, anderntheils sind die Gerichtsbehörden zu dem Ihnen schuldigen Gehorsam verpflichtet worden.

3.) Sie werden auch mit der Vollmacht bekleidet, daß vom 10.05.1848 den dortigen Gerichtsbehörden gegebene Statarium auch auf andere Verbrechen ausdehnen zu dürfen, wenn solches die oben berührten höchsten und dringendsten Staatsrücksichten nothwendig erscheinen lassen.“

Die schroffe Ablehnung sehr gemäßigter Forderungen der Serben, in der damals ungarischen Woiwodina, wurde am 13.5.1848 mit einer eigenen serbischen Nationalkonferenz in Karlowitz (Sremski Karlovci), an der Donau beantwortet. Dieser beschloß die Bildung einer selbstständigen serbischen Woiwodschaft, nicht unter ungarischer Verwaltung, sondern unter der kaiserlich-österreichischen Krone. Die Bezeichnung Vojvodina entstand als Kürzel für die Woiwodenschaft Serbien. Die Vojvodina sollte neben Syrmien, dem Banat und der Batschka auch die Baranya sowie die syrmisch-banatische Seite der Militärgrenze umfassen. Dieser Beschluß hat in Pest zu heftigen Reaktionen geführt und trotz der revolutionären Ereignisse wurde eine Armee aufgestellt, die solche Bestrebungen verhindert sollte. Demgegenüber wurde eine serbische Nationalgarde, von 15.000 Mann, unter dem Kommando des Grafen Djordje Stratimirović aufgestellt. Mit Hilfe von weiteren ca. 10.000 Freiwilligen aus Altserbien, kam es Anfang Juni 1848 zu ersten Kämpfen, mit den Ungarn. Es kam zu heftigen Auseinandersetzungen und die serbische Angreifer wurden zurück gedrängt. Trotzdem konnte die Pester Regierung, die Kontrolle über die ganze Vojwodina nicht zurück erlangen. Wie unsinnig damals von ungarischer Seite gegen Kroatien und Slawonien argumentiert wurde ist daraus zu erkennen, daß der kroatische Ban, von dem ungarischen Ministerium, als Urheber dieser kriegerischen Auseinandersetzungen angeklagt worden ist. Beweise für diese Behauptung, die teilweise heute noch vertreten wird, konnten aber niemals erbracht werden.

Die von dem Palatin und dem ungarischen Innenminister verfügte Ernennung, des Barons Johann Hrabovsky, zum königlichen Kommissär für Kroatien, Slavonien und den Militärgrenzbezirk, stellte eine weitere, ungeheurere Provokation dar, die sich der Banus Josip Jellačić nicht gefallen lassen konnte. Er hatte für Ruhe und Ordnung in seiner Heimat gesorgt, während in Österreich und Ungarn immer noch heftige revolutionäre Kämpfe tobten, die kein Ende nehmen wollten. Das dies bei ihm, zu einer regelrechten Ungarnfeindlichkeit geführt hat ist nicht verwunderlich. Für die nächste Zeit, hat er diese Demütigung für sich selbst und für sein Volk, jedenfalls nicht vergessen. Dabei hat er allerdings nicht beachtet, daß die eigentlichen Urheber nicht in Pest, sondern in Wien saßen.

Das man in dieser Situation, von Seiten der Kroaten, Slawonen nicht auch sofort zu den Waffen gegriffen hat, war ein Zeichen dafür, daß man auf diese Brüskierung, nochmals ausgesprochen politisch ruhig und gelassen reagiert hat. Ausschlaggebend dafür war, daß man dem österreichischen Kaiserhaus und der Staatskonferenz, trotz allem was bis dahin passiert war, noch immer treu geblieben ist. Die gesamte politische Lage wurde schwieriger und schon bald sollte sich zeigen, daß man endlich auch in Agram den Mut hatte, nicht immer den Befehlen von außen sofort nachzukommen. Der Banus konnte sich das erlauben, weil er sicher sein konnte, die Mehrheit seiner Landsleute und von dem Nationalkongreß hinter sich zu haben.

Zur gleichen Zeit spitzten sich die Ereignisse in Wien weiter zu. Dort kam es inzwischen, wegen der revolutionären Ereignisse zu einer Unordnung, die hier nicht in allen Einzelheiten geschildert werden kann. Jedenfalls ist am 16.5.1848 die österreichische Regierung zurück getreten und am nächsten Tag wurde der „geistesschwache“ Kaiser Ferdinand „Der Trottel“, wie seine Schwägerin Sopie, die Mutter des späteren Kaisers Franz Josef I., ihn nannte, von seinen Ratgebern in einen Wagen gesetzt, um „hinaus ins Grüne“ zu fahren. Die „Spazierfahrt“ endete erst in Innsbruck und der Kaiser ist praktisch nach dort geflüchtet.

Trotz der Flucht des Kaisers nach Innsbruck wurde im Kaiserhaus das System beibehalten, daß der Staatsrat herrschte und der Kaiser die Verordnungen unterzeichnete. Obwohl es viel größere Probleme in Österreich und Ungarn gegeben hat, erteilte Kaiser Ferdinand I., am 29.5.1848 einen neuen Befehl an den Banus von Kroatien, Slawonien und Dalmatien.

Durch „Allerhöchstes Handbillet an den Ban von Kroatien Josef Freiherr von Jellačić, womit demselben der Auftrag erteilt wird, die Abhaltung des bereits auf den 5.6.1848 anberaumten kroatischen Sabors einzustellen, und binnen 24 Stunden sich nach Innsbruck zu begeben. Es lautet:

„Da zu Folge der deutlichen Verordnung des Gesetzartikels 58: (von)1791 der Provinzial-Sabor für Kroatien, Slawonien und Dalmatien nur unter vorausgehender Einholung Meiner allerhöchsten Erlaubnis bekannt gemacht werden kann, Sie aber doch im Gegensatze dessen den bestimmten Tag auf den 5. Junius 1848 eigenmächtig festgesetzt haben, so befehle Ich Ihnen, daß Sie diesen Provinzial-Sabor, dessen gesetzwidriges Zusammenkommen, und daselbst zu bringende Beschlüsse Ich als ungültig ansehen müßte, sogleich einzustellen und wegen baldigster Aufklärung hierüber, und der wo möglich, auf friedlichem Wege zu schlichtenden Wirren in Kroatien, 24 Stunden nach Empfang dieses meines allerhöchsten Befehles an meinem Hofe in Innsbruck erscheinen sollen. Ferdinand“.

Ohne die Treue zum Kaiser aufzugeben, hat es der kroatisch-slawonische Nationalkongress, dem Banus regelrecht untersagt, nach Innsbruck zu reisen. Es wurde eine feierliche Erklärung an den Kaiser verfaßt, die folgenden Wortlaut hatte:

„Euere Exzellenz! Jenes allerhöchste Handbillet vom 29.05.1848, welches Euere Exzellenz uns mitgeteilt haben, hat uns auf das schmerzlichste getroffen, indem für die Folge die bittere Erfahrung daraus schöpfen, daß unsere stets gegen das Herrscherhaus unerschütterlich bewiesene Treue nicht nur nicht gewürdigt, sondern geradezu verkannt wird. Nach darüber gepflogener reiflicher Berathung finden wir uns veranlaßt, Euerer Exzellenz hiermit zu eröffnen, daß wir als ein freies und konstitutionelles Volk und durch das bekannte Handbillet niemals gebunden halten, am wenigsten aber in der jetzigen Lage beirren lassen können. Bei Erwägung des benannten Handbilletes dringen sich uns zwei Bemerkungen auf, namentlich die Berufung Euerer Exzellenz nach Innsbruck und die Widerrufung des auf den 5.6.1848 bestimmten Sabores der vereinigten Königreiche. Betreffend das Erstere erklären wir, daß bei der jetzigen Stimmung des Volkes, dessen Liebe und Zutrauen Euere Exzellenz ungetheilt genießen, Euere Exzellenz sich aus unserer Mitte durchaus nicht entfernen können, denn nur durch das Hiersein Euerer Exzellenz ist die bis nun ungestört fortdauernde Ruhe und Ordnung aufrecht erhalten worden, und um allen jenen Folgen der Aufregung im Volke, die durch die allenfalls beabsichtigte Entfernung Euerer Exzellenz herbeigeführt werden könnten, vorzubeugen, sind wir fest entschlossen, Ihre beschlossene Abreise selbst mit Gewalt zu verhindern. Was zweitens die Absagung unseres Landtages betrifft, so erblicken wir darin die stiefmütterlichste Behandlung; denn wir sehen uns die Gelegenheit entrissen, unsere Wünsche auf legalem Wege ausdrücken zu können, wo wir andererseits den Ereignissen der österreichischen Bewegung seit ihrem Beginne bis auf den heutigen Tag mit achtsamen Augen folgend hinlänglich erkannt haben, daß bereits die meisten zum österreichischen Staate gehörigen Völker sich die mißliche Lage der österreichischen Regierung zu Nutzen machten, und auf diese Weise die Erfüllung ihrer Forderungen zu erwirken wußten. Jenes Motiv, welches im oberwähnten Handbillete vorkommt, daß nämlich der Landtag der vereinigten Königreiche nur nach eingeholter allerhöchster Genehmigung abgehalten werden könnte, sind wir nicht in der Lage als gegründet anzuerkennen, denn abgesehen von jenem Umstande, daß Seine Majestät in dem noch im Monat April 1848 an den Banal-Locumtenens Bischof Haulik erlassenen Handbillete bereits die Abhaltung unseres Landtages genehmigt, und die Bestimmung des nöthigen Termins dem besagten Bischof überlassen hat, war der Banus seit jeher in dem unbestrittenen Rechte, die Stände zum Landtage einzuberufen, und jener im Handbillete in dieser Beziehung erwähnte Gesetzartikel 58:1791 wurde nicht nur ohne Zustimmung der kroatisch-slavonischen Stände in das Gesetzbuch eingetragen, sondern es war sogar bei Veröffentlichung derselben auf dem darauf nachfolgenden, am 07.06.1791 zu Agram abgehaltenen kroatisch-slavonischen Landtage ein Protest zu Protokoll gegeben, daher wir den obbesagten Gesetzartikel in dieser Hinsicht als nicht bindend betrachten. Übrigens können wir gar nicht fassen, welche Gründe gegen die Abhaltung unseres Landtages obwalten können, da jene Richtung, welche die Gesinnung des kroatischen-slavonischen Volkes bis nun befolgt, nur zum Wohle der hohen Dynastie und der gesamten Monarchie gedeutet werden kann.
Selbst die Lage der gegenwärtigen Umstände erheischt dringend die Abhaltung des anberaumten Landtages, denn einerseits müssen die am letzten ungarischen Landtage verfaßten Gesetze behufs ihrer Gültigkeit veröffentlicht werden, andererseits aber ist bereits auf den 02.07.1848 der ungarische Landtag ausgeschrieben, der uns unvorbereitet nicht antreffen darf, soll eine Verständigung auf legalem Wege ermöglicht und erleichtert werden; endlich halten wir es für unsere heiligste Pflicht Euere Exzellenz aufmerksam zu machen, daß bei der herrschenden Stimmung und bei dem Umstande, als der größte Theil der Deputierten bereist hier eingetroffen ist, die Abhaltung des Landtages nur durch physische Gewalt verhindert werden könne, deren Anwendung bei den gegenwärtigen Umständen von den traurigsten Folgen begleitet werden könnte, welche zu verantworten Niemand auf sich nehmen kann. Auch halten wir es für unsere Pflicht, alle bis nun durch Euere Exzellenz getroffenen Verfügungen als solche zu erklären, die die Nation, auf die obwaltenden Umstände gestützt, mit Recht erwartet hat, ja als solche, die aus der Seele derselben geschöpft worden sind, und Euere Exzellenz können versichert sein, das diese unsere Erklärung die Erklärung der gesamten Nation ist, in deren Namen wir als ihre Vertreter die Stimme erheben. Schließlich eröffnen wir Euerer Exzellenz, daß wir von den im oberwähnten Handbillete berührten Wirren in unserem Vaterlande durchaus nichts wissen; bei uns herrscht nur ein Geist, Ein Wille, und ein Schlag in aller Herzen, nämlich der Geist der unerschütterlichen Treue für Seine Majestät und das hohe Herrscherhaus, so wie der festen Aufrechterhaltung unserer konstitutionellen und nationalen Rechte, im engsten Verbande mit der österreichischen Gesammtmonarchie, und nur die Besorgnis befällt uns, daß die feindseligen Einwirkungen des magyarischen Ministeriums, welches sich als eine Scheidewand zwischen uns und den König gestellt hat, Wirren, welche von uns bis nun ferne geblieben sind, zum Nachtheile der gesamten Monarchie herbeiführen könnten. Euere Exzellenz mögen Seine Majestät unseren gütigen Landesvater versichern, daß wir in unserer Treue unerschütterlich beharren, daß wir jedoch andererseits mit Recht er-warten, daß Seine Majestät diese unsere Treue mit entsprechender Anerkennung belohnen wird. Indem wir auf der Grundlage oberwähnter Motive die unausbleibliche Abhaltung unseres Landtages unwi-derruflich fordern, zeichnen wir uns mit ausgezeichneter Hochachtung. Gegeben aus der Banal-(National) Konferenz zu Agram am 2.6.1848.“

Trotz des „allerhöchsten Befehls“ des „Kaisers“,  Jellačić nicht nach Innsbruck gereist. Er konnte sich diese Befehlsverweigerung, aus juristischen und politischen Gründen erlauben, weil es sich nicht um einen militärischen Befehl gehandelt hat. Lediglich als Angehöriger des Militärs hatte er einen Eid auf den österreichischen Kaiser abgelegt. Als von ihm ernannter Banus, hatte er noch keinen Eid geleistet. Diese beachtenswerte Rechtsfrage legte er, so intelligent wie er war, zu seinen Gunsten aus. Natürlich hat die Erklärung der Nationalkonferenz vom 2.6.1848 auch seine Entscheidung beeinflußt. Konnte er doch daraus erkennen, daß er die notwendige innere Unterstützung hatte. Weiterhin wollte er unbedingt, bei der Eröffnung des kroatisch-slawonischen Sabors ab dem 5.6.1848 persönlich in Agram anwesend sein. Diese Überlegungen waren ihm in diesen Moment viel wichtiger, als der undurchsichtige Befehl, der nicht aus Wien, sondern aus Innsbruck gekommen war.

Schließlich hat am 5.6.1848 der älteste Obergespan, der Obergespan des Varazdiner Komitates Emerich Lentulay, die versammelten Volksvertreter, die Geistlichkeit und die Magnaten, auf dem Katharinen Platz in Zagreb begrüßt und die Sitzung, des Sabors eröffnet (die folgenden Sitzungen wurden im Theatergebäude abgehalten). Nach der Eröffnung wurde das Handbillet des Kaisers Ferdinand I. vom 23.3.1848 verlesen, indem er den Baron Josip Jellačić zum Banus der dreieinigen Königreiche Slawonien, Kroatien und Dalmatien ernannt hat. Alle anderen in der Zwischenzeit eingegangenen Anordnungen und Befehle aus Wien, Innsbruck und Pest wurden nicht beachtet. Mit Zustimmung der „Volksvertreter“ ernannte danach der Sitzungspräsident eine Deputation unter Führung des Belgrader Bischofs Josef Schrott, um den Patriarchen Josef Rajačić zu bitten, den neu zu wählenden Banus zu installieren und ihm den Eid abzunehmen. Dieser stimmte der Bitte zu und wurde in der Versammlung mit großer Freude empfangen.

Nur der neue Ban, der bestätigt werden sollte, war noch nicht erschienen. Deshalb wählten die Volksvertreter drei weitere Deputationen. Die erste unter der Führung des Bischofs von Zeng (Senj) Emerich Ožegović. Die zweite unter der Führung des Bischofs von Pakrac Kragujević. Die dritte unter der Führung des Bischofs von Karlovac Eugen Joanović. Diese drei Deputationen begaben sich zu dem Ban Josip Jellačić und geleiteten ihn, gemeinsam in den gerade eröffneten Sabor. Dort wurde er mit großer Begeisterung empfangen und übernahm sofort dessen Vorsitz. Eine besondere Wahl bzw. ein Wahlakt erfolgte nicht, weil das in den bestehenden Gesetzen und Vorschriften nicht vorgesehen war. Danach hielt er seine Antrittsrede, die wörtlich lautete:

„Meine Herren Volksvertreter, geliebte Brüder! Es war stets mein Stolz, daß eine kroatische Mutter auf kroatischem Boden mich geboren (Peterwardein, d.Verf.); gleichwohl ging die Sonne meines Glückes mir erst mit jenem Tage auf, als mich die Stimme meines theueren Volkes in seine Mitte als Ban berief, und unser gnädigster König, dem Wunsch der Nation entgegenkommend, als solchen ernannte. Mich beglückte nicht die Beförderung, durch die mir eine so glänzende Ehre zu Theil wurde, nein, mich beseligte das Zutrauen des Volkes, mich beseligte der Gedanke, daß dem Volke ein Ban aus dem Volke gegeben ist. Da bin ich nun, theueres Volk, mit Leib und Seele dein Ban, nimm mich auf in deine Bruderarme, und sei versichert, daß ich einzig und allein für das Vaterland und den König leben und sterben will. Nun ich dir, theuere Nation, von der mir von der verliehenen Würde Kunde gegeben habe, bitte ich, daß diese Verleihung auch hier in der Volksversammlung veröffentlicht werde, und daß ich, meinem sehnlichen Wunsche gemäß, dem Volke und dem König den Eid leiste.“

Nach dieser Rede wurde nochmals das Handbillet des Kaisers Ferdinand I. vom 23.03.1848 vorgelesen und ein Kruzifix mit zwei Kerzen, vor dem neuen Banus aufgestellt. Dieser hat dann mit erhobenen drei Fingern folgende, von einer Deputation entworfene und vom Sabor genehmigten Eidesformel abgelegt. Diese wurde ihm von dem Patriarchen Josef Rajačić vorgesprochen. Sie lautete wörtlich:

„Ich Josef Jellačić, Ban der Königreiche Dalmatien, Kroatien und Slawonien, schwöre beim lebendigen Gott, bei der heiligen Mutter Gottes der Jungfrau Maria, und allen Heiligen, und gelobe und verspreche dem durchlauchtigsten, mächtigsten, unbesiegbaren Fürsten Ferdinand I., Kaiser von Österreich, apostolischen König von Ungarn, Böhmen, Dalmatien, Kroatien und Slavonien dieses Namens dem Fünften, dem Erblandesfürsten und Unserem allergnädigsten Herrn: daß ich Seiner geheiligten k.k. Majestät stets treu, gehor-sam und ergeben sein, Seiner Erben und Nachfolger Ehre, Würde und Vortheil jederzeit wahrzunehmen und zu befördern, jeden Schaden aber nach Möglichkeit abzuwenden trachten werde. Im Übrigen will ich nach Seiner Majestät vermöge meiner heiligen Pflicht als ein aufrichtiger Sohn dieses Landes und als Ban der Königreiche Dalmatien, Kroatien und Slavonien diese Königreiche und das gesamte in denselben wohnende Volk in seiner Freiheit, und seinen Rechten, dann die Konstitution dieser Länder, so wie ich auch muß, bei jeder Gelegenheit ohne alle Rücksicht gegen jede Gewaltthat, Unrecht, Beleidigung, und gegen jeden Feind kräftig vertheidigen, schirmen und schützen. Außerdem will ich die Landesgesetze beobachten, und allen, die bei mir Recht suchen sollten, so wie in jedem mir obliegenden Amte, ohne Rücksicht, ob arm oder reich, dieses oder jenen Standes oder Glaubens, und mit Hintansetzung von Bitten, Geschenken, Neigung, Furcht, Abneigung, Vorliebe und Wohlwollen, wie ich es nach Gott und dem Gewissen für Recht er-achte, ein gerechtes Urtheil nach Möglichkeit fällen werde. Und so wie ich jetzt sowohl innerhalb als auch außerhalb der Grenzen der Länder Seiner k.k. Majestät keiner geheimen Gesellschaft oder Bruderschaft angehöre, so will ich auch künftighin unter keinem Vorwande einer solchen geheimen Gesellschaft beitre-ten. So mir Gott helfe und die seligste Jungfrau Maria und alle Heiligen.“

In alten Berichten heißt es dann: „ Nach geschehender Beeidigung wurde Seine Exzellenz der Banus unter schallendem “”Zivio”" und unter Kanonendonner, dreimal in die Höhe gehoben“. Danach hielt er seine erste politische Rede im Sabor. Sie lautete wörtlich:

„In diesem Eide sind alle meine Pflichten zum König und Euch, werthe Vertreter eines so ruhmvollen Volkes, und durch Euch zur gesamten Nation enthalten. Diese Beziehungen sind mir durch den Eid heilig geworden; heilig sind sie mir aber schon gewesen, und werden es auch stets sein durch das süße und treue-volle Gefühl, das ich für mein Vaterland unauslöschlich an meiner Brust nähre. Das Gemeingut der neuen Zeit, die Freiheit, ist auch für unser Vaterland herangebrochen. Mir fehlen Worte, Euch die Freude, Wonne, ja Seligkeit meines Herzens auszudrücken, daß eben mir das Glück zu Theil geworden, der Erste zu sein, der Euch, Volksvertretern, das Wort “Freiheit“ zu verkünden in der Lage bin. Unser Vaterland hatte heldenmüthige und berühmte Bane, die Geschichte hat dies anerkannt, und auch ich anerkenne dasselbe; ob aber irgend Ein Ban glücklicher vor mir gewesen, bezweifle ich, da ich durch die Liebesbezeugungen der Nation der allerglücklichste bin. Sehet Brüder, das Wort Freiheit ist zur Wahrheit geworden, und wer würde wohl noch bezweifeln, daß sie schon unser Eigenthum sei? Ihr seid ja lebendige Zeugen und kräftige Beweise dieses göttlichen Gutes.Der Freiheitsruf versammelte hier die Volksvertreter, wie selbst Euere Ahnen vielleicht nie zuvor versammelt waren. Ihr seid nicht mehr hier Euere Vertreter. Ihr seid freie Vertreter eines freien und ruhmvollen Volkes.Derselbe Freiheitsruf brachte Euch, Vertreter unserer heldenmüthigen Grenze, hierher. Seid gegrüßt im Kreise Euerer treuen Brüder, und Gott der Allmächtige möge Euch segnen; er möge Euch und uns brüderlich vereint lenken, auf das wir unsere Aufgabe für unser Vaterland glücklich lösen. Verstrichen sind die Zeiten, wo Ihr allein mit Euerem kräftigen Arme uns schützen mußtet, jetzt sind auch wir Vertheidiger und Beschützer des Vaterlandes, und wenn eine Gefahr drohen sollte, so wird das ganze Volk ein Arm, ein Herz, und ein unbesiegbarer Held sein; in den Zeiten des segensreichen Friedens aber wollen wir uns durch den Genuß gleicher Staatsbürgerrechte unser Leben versüßen. Unsere Aufgabe ist eine großartige; vollführen wir sie glücklich, so werden wir Ehre und Ruhm unserem Volke bereiten. Ein steiler Pfad für zu diesem Ziele; möge er aber noch so beschwerlich und mühsam sein, wir müssen ihn betreten, damit wir Ehre und Ruhm des Volkes heben, denn eben der Inbegriff aller Vorzüge, welche die Hauptmerkmale der nationalen Würde kennzeichnen. Darum seid Ihr hier versammelt; berathet Euch, aber mit aller Kraft des Verstandes und des Herzens, denn Ihr könnt versichert sein, daß von der Lösung unserer gegenwärtigen Verhältnisse auch unsere Zukunft abhängig ist. Unsere Beziehungen zum allergnädigsten und gütigen König und seiner erlauchten Dynastie, dann das Verhältnis zwischen uns und Ungarn sind die Hauptelemente unseres nationalen und politischen Lebens. Brüder! Unerschütterliche Treue zu unserem Könige ist eine unserem Volke angeborene Tugend von jeher gewesen; die Tugend beseelt nicht minder auch uns. Brüder, lasset uns dem schönen Sprüchworte der Jetztzeit „“Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit““ noch die mit goldenen Buchstaben in unsere eingeschriebenen Wort “”Treue und Anhänglichkeit zu unserem König “” hinzufügen. Unsere Beziehung zu Ungarn hat drei Momente, nämlich wie sie vorher gewesen, wie sie jetzt ist, und wie sie künftig sein soll. Wie dieselbe gewesen, gehört der Geschichte an, wie sie künftig sein soll, dies ist die Aufgabe unseres Sabors, und deshalb will und kann ich mich hierüber nicht weitläufiger auslassen, und mit meiner persönlichen Meinung den Lantagsverhandlungen vorgreifen; allein da in den Wünschen des Volkes, welche auch die meinigen sind, der Verband mit Ungarn ausgesprochen ist, dessen Krone auch die unseres Vaterlandes ist, indem sie die Häupter jener Könige schmückt, welcher unser kroatisches, slavonisches und dalmatinisches Vaterland regierten und gegenwärtig noch regieren, so bin ich verpflichtet, Euch zu erinnern und zu ermahnen, daß wir unsere Beziehungen zu den Magyaren auf solche Grundlagen basieren, durch welche der Verband mit der ungarischen Krone erhalten wird, jedoch auf eine solche Weise, daß allen unter der ungarischen Krone lebenden Völkern die Gleichheit der Rechte gewahrt, und die frei nationale Entwicklung ungeschmälert gesichert bleibe. Doch Brüder! Wir wollen nicht zu dem leblosen Golde einer Krone unterworfen sein; der Träger dieser Krone sei das lebende Sinnbild dieses Verbandes, und deshalb wollen wir, daß dieser Verband künftighin so er-halten werde, daß die ungarische Krone mit unserer erlauchten Dynastie im Sinne der pragmatischen Sanction verknüpft bleibe.Die Feststellung unserer Beziehungen zu Ungarn wird die Aufgabe unseres Sabors sein, und zwar nicht nur in Hinsicht der Gesetzgebung, sondern auch im Betreff unserer inneren Administration. Brüder! Auf der Basis der Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit werden und müssen die Verhältnisse zwi-schen Regierung und Volk, zwischen Staat und Staat, Volk und Volk geregelt werden; dies ist die Forderung des gewaltigen Zeitgeistes, in welchem die Humanität nach Vervollkommnung ringt. Auf dieses Fundament wollen auch wir unsere Verhältnisse zu Ungarn basieren, da wir nicht beständig gerüstet und schlagfertig demselben gegenüber stehen können; der 800jährige brüderliche Nachbarverband bürgt uns für eine freundschaftliche Beilegung des zwischen uns obwaltenen Zerwürfnisses. Im unglücklichen Falle aber, wenn die Magyaren gegen uns und unsere Stammgenossen in Ungarn sich fernerhin nicht als Brüder, sondern als Unterdrücker benehmen sollten, so mögen sie es wissen, daß wir nach dem Spruche unseres rühmlich bekannten Bans Johann Erdöny „Regnum regno non praescribet leges“ entschlossen sind, ihnen mit den Waffen in der Hand zu zeigen, daß jene Zeit längst verstrichen, wo ein Volk über das andere herrschte. Hinweg also mit der magyarischen Zwangsherrschaft, wir haben sie vor dem 15. März (1848) nicht anerkannt, nach der Märzrevolution aber brachen und vernichteten sie, und dadurch kamen wir in die gegenwärte Stellung gegenüber Ungarn. Gegen ihre Herrschaft werden wir uns künftighin zu wehren wissen; und da wir uns nur einer solchen Regierung unterwerfen können, welche nach den Hauptprinzipien unserer alt-herkömmlichen Verfassung im Einklange mit der königlichen Macht uns verwaltet, so konnten und wollten wir uns der gegenwärtigen magyarischen Regierung nicht unterwerfen, da dieselbe nicht nur in keinem gesetzlichen Verhältnisse mit der Macht des Königs steht, sondern denselben eigenmächtig gänzlich von sich abhängig gemacht, und so das monarchische Prinzip in seiner Grundfeste erschüttert hat. Ich will über die gegen meine Person und gegen die mir anvertrauten Länder gesetzwidrig beorderte Kommission in keine nähere Erörterung mich einlassen, ich beachte nicht die Verdächtigungen, als wir gegen den König, gegen die Integrität der durch die pragmatische Sanction vereinigten Länder der Gesamtmonarchie sind, und als ob ich Euch und den König dem nordischen Kolosse zu verrathen beabsichtige; dies ist nichts Neues, die weise ich als offenbare der Welt bekannte Lügen von uns zurück, unsere Thaten werden für uns sprechen. Was aber die Verdächtigungen unserer panslawischen Tendenzen betrifft, wollen wir offen aussprechen, daß all unsere Sympathie und Neigung zu unseren slavischen Stammgenossen sich lediglich auf die Nation, keineswegs aber auf ihre Regierungen erstrecken, weil wir in dieser allgemeinen wechselseitigen Liebe die sicherste Bürgschaft unseres nationalen Lebens finden. Die Gesetze, welche die Stände am vergangenen ungarischen und der verbundenen Königreiche Landtage geschaffen, uns welche unsere gewesenen, lobenswürdigen Ablegaten vorlegen werden, überlasse ich der Verhandlung der hier versammelten Volksvertreter. Nur Eins ist, was meinem Herzen wehe thut, daß wir nämlich in unserer Mitte unsere Brüder die Dalmatiner nicht erblicken; doch ich baue auf ihren Patriotismus, denn dasselbe Blut rollt auch in ihren Adern, daß sie ihre ganze Kraft aufbieten werden, den ehemaligen Verband, der gegenwärtig nur dem Titel nach besteht, in der That auch zu realisieren. Ich erwähne Euch endlich meine Anordnungen, welche ich in der sich selbst überlassenen Heimat zur Erhaltung der so sehr erforderlich gewesenen Ruhe und Ordnung provisorisch getroffen habe. Ich will mich in eine umständlichere Auseinandersetzung derselben nicht einlassen, sie sind Euch ohnehin bekannt. Beurtheilet sie mit Euerem patriotischen Geiste und entscheidet darüber, sollten sie von der Nation gutgeheißen werden, dann glaubet mir, werde ich darin den süßesten Lohn meiner Anstrengungen finden; glaubt aber auch das, daß Ihr Euch in mir nicht getäuscht habt; glaubet mir, daß ich bis zum letzten Athemzuge für Vaterland und König leben – sterben will.“

Als der eben vereidigte neue Banus diese Rede, wie eine Regierungserklärung, im Sabor gehalten hatte, hielt der katholische Erzbischof von Karlowitz eine Dankesrede in der es wörtlich hieß:

„Seit langer Zeit hat keine Kunde das Herz unserer Nation so angenehm berührt, als jene Kunde, daß dich die Elite der unserer Nation zu ihrem Ban, zu ihrem Führer in der sturmbewegten Gegenwart erkoren und der allergnädigste König erwählt, ernannt und bestätigt hat. Von der Adria bis zu den Karpathen und darüber hinaus in jeglichem Slavenlande erscholl Eine Stimme, Ein Freudenruf: „“Es lebe unser gütigster König Ferdinand! Es lebe unser Ban Jellačić!““ In der That groß und bedeutungsvoll ist dieser Vorgang, denn er birgt in sich das schöne Glück, die segenvolle Zukunft aller südslavischen Völker. Du, der Sprößling ruhmgekrönter Ahnen, von lauterem slavischen Geblüte, gesäugt und genährt von der Milch unserer großen Mutter Slava, vom zarten Jünglingsalter an fortwährend unter den Waffen, ein weiser Lenker des Kriegers wie des Landmannes, bist uns die sicherste Bürgschaft, daß Du die Dir heute auferlegte große und schwere Bürde, so wie Du eben jetzt Gott, dem Könige, der Nation, der Landesconstitution feierlich geschworen, treu und gewissenhaft durch die ganze Dauer Deines Lebens, welches noch viele Jahre zählen möge, tragen, den Thron unseres Regenten, seine erlauchte Dynastie, unser liebes Vaterland, unsere heiligen Kirchen, die unschätzbare Nationalität und die holde Freiheit unserer Nation mit Deinem kräftigen Arme bis zum letzten Tropfen Blutes gegen jedweden inneren und auswärtigen Feind heldenmüthig vertheidigen und schirmen, einen Jeden unparteiisch Recht sprechen, die Bildung des Volkes, sein geistiges und materielles Wohl als ein gütiger und sorgsamer Vater getreu und ohne Unterlaß eifrigst befördern werdest. Die sind unsere süßen Hoffnungen, dies Deine heiligen Gelöbnisse. Gebe Gott, daß sie in Erfüllung gehen. Gebe Gott, daß Du unser Ban, unser preiswürdiges Haupt, unser Leben, dieselben vollkommen und ruhmvoll verwirklichst!! Ja, mit Gott wird es geschehen, es ist sein heiliger Wille, und der Wille des Herrn muß zu Wahrheit, Wirklichkeit werden. Wir wollen Alle vor ihm auf die Knie fallen und von seiner Gnade erbitten, daß er seine himmlischen Gaben über Dich ausstreue, daß er Dich mit seiner Weisheit erleuchte, Dich lenke, Deinen Heldenarm kräftige, mit seiner allmächtigen Rechten Dich beschirme, Dein theueres Haupt mit Ruhm und Siegespalmen schmücke!!! Was Du immer beginnen und thun mögest, thue im Namen des Herrn, denn wer auf diesem Grunde baut, der baut auf Felsen, und baut gut! Schütze tapfer Wahrheit und Gerechtigkeit, schütze das erlauchte österreichische Kaiserhaus, schütze unser Gemeingut, die holde Freiheit des Volkes, unsere werthe Nationalität, Ehre und Ruhm unseres dreieinigen Königreiches; schütze, sage ich, diese theueren Güter muthig und entschlossen, und zweifle nie an einem guten Erfolge, denn mit Dir ist das Recht, mit Dir ein heldenmüthiges Volk, mit Dir Gott der Allmächtige!! Es lebe unser Ban, unser Ruhm und unser Heldenstolz!“

Danach wurde der neue Banus und der Patriarch, vom Volk in die Kirche des heiligen Markus getragen, wo der Bischof von Zeng Emerich Ožegović, eine heilige Messe, in kroatischer Sprache, gelesen hat. Nach Beendigung dieser Messe, gingen alle zusammen in die serbisch orthodoxe Kirche um auch dort dem allmächtigen Gott zu danken. Es sollte damit auch gezeigt werden, daß sich die Brüder der beiden Kirchen einig waren. Nach der feierlichen Zeremonie in Agram am 5.6.1848 hatte das dreieinige Königreich von Kroatien, Slawonien und Dalmatien offiziell, einen neuen und eigenen Banus.

In den folgenden Tagen, nach der Bestätigung des Banus, ging der Sabor, unter seiner Leitung daran, umfangreiche Deklarationen zu beschließen. Aus ihnen   kann man erkennen, daß man weiterhin in absoluter Treue zum Kaiser stand, andererseits aber nicht mehr bereit war, die ungarischen Verwaltungsvorschriften zu akzeptieren. So heißt es in einer Dankadresse des Sabors, vom 10.06.1848 an den Kaiser wörtlich:

„Da seine Majestät durch die Ernennung des Herrn Josef Baron Jellačić von Buzim zum Ban der dreieinigen Königreiche einen der größten und heißesten Wünsche der südslawischen Nation in Ihrer väterlichen Milde erfüllt haben, so beschließt der Landtag, daß Seine Majestät eine Dankadresse mit dem Ausdrucke wahrer kindlicher Dankbarkeit gerichtet, und zugleich ausgesprochen werde, daß der Landtag alle von Seiner Exzellenz dem Ban getroffenen Anordnungen und Maßnahmen für nothwendig und dringend geboten erkannt, gutheißen und als die seinigen anerkannt habe, daß ferner Seiner Majestät die Bitte unterbreitet werde, daß das durch Gesetze, Geschichte und Stammverwandtschaft den Königreichen Kroatien und Slavonien zugehörige Königreich Dalmatien mit diesen Königreichen, als von jeher einen Gesammtbestandtheil derselben bildend. Reincorporirt und unter die Autorität des Banus, der zugleich Banus von Dalmatien ist, gestellt werde; schließlich, daß dem Banus als obersten Landes-Chef der dreieinigen Königreiche das Oberkommando über die Armee auch in Slavonien und Dalmatien, so wie in Kroatien, den altherkömmlichen Rechte zufolge ertheilt werde.“

Am 10.6.1848 ist eine wichtige Phase in der Geschichte in der Geschichte von Kroatien, Slawonien und Dalmatien abgeschlossen aber nicht beendet worden. Der Sabor hat seine Sitzungen fortgesetzt und es sind umfangreiche Regelungen getroffen worden, die nicht ausschließlich von anderen Herrscherhäusern bestimmt waren. Nach Hunderten von Jahren, hat ein gewähltes Gremium, in freier Selbstverwaltung, eigene Gesetze und Vorschriften erlassen. Man kann ohne Übertreibung feststellen, daß es sich dabei, um eine geschickt organisierte und friedliche Revolution gehandelt hat.

Wegen ihres Umfangs ist es nicht möglich, alle Protokolle mit Ihren Vorschriften und Gesetzen hier wieder zu geben. Es sind umfangreiche Vorschriften und Gesetze erlassen worden, aus denen beeindruckend hervorgeht, daß man die ungarische Verwaltung nicht mehr anerkannt, sondern bis ins Detail, eigene Verwaltungsvorschriften (Gesetze) erlassen hat.

Aus den vorliegenden Protokollen des Sabors geht hervor, daß u.a. folgende Gesetze, erlassen worden sind:

- von der Wahl des obersten Landes-Kapitäns dieser Königreiche,- von der Genehmigung und Bestätigung der provisorischen Banal-Anordnung, – von der Wahl eines provisorischen Protonotärs,

- von der Ernennung des Untersuchungs-Ausschusses behufs Prüfung der Wahl-Certifikate der Deputirten, welchem zugleich die Ausarbeitung eines Entwurfes über die künftigen Beziehungen zu Österreich und zu Ungarn übertragen wird,

- vom Berichte der Abgeordneten am ungarischen Landtage,

- von der Wechselseitigkeit der Slaven und der Wahl der Ablegaten auf den slawischen Kongreß und cechischen Landtag,

- von dem Entwurfe über das künftige Verhältnis zu Ungarn und zu Österreich, welcher von dem Ausschusse vorgelegt wurde,

- von dem vorgelegten Verifikations-Operate über die Wahl-Certifikate,

- von der Unterlassung der fernen Truppenausmärsche,

- von den Landtags-Ausschüssen,

- von der außerordentlichen Landtagssitzung,

- von dem Manifest an alle österreichisch-slavischen Stämme,

- von der Wahl des provisorischen Stellvertreters des Ban und der provisorischen Landes-Verwaltungsbehörde,

- von der Vermittlung Seiner kaiserlichen Hoheit des Erzherzogs Johann,

- von den Bedingungen der Pazifikation mit Ungarn,

- von der Seiner Exzellenz dem Ban verliehenen unumschränkten Vollmacht,

- vom Landes-Anlehen,

- von der Stadt Zenng (Senj), – von der Behandlung aller Angelegenheiten im wechselseitigen Einverständnisse mit der serbischen Wojwodschaft,

- von der Herabsetzung der Salzpreise,

- von der Grenzverfassung und den Erleichterungen des Grenzvolkes (Grenz-Verfassung),

- von den Beschwerden und Forderungen einzelnen Behörden

- von der Koordinierung der Komitate und Städte, so wie auch der privilegierten Grenzgemeinden,

- von der Vertagung des Landtages. Weil an der konstituierenden Sitzung des Sabors, keine dalmatinischen Abgeordneten teilgenommen haben (aus rechtlichen Gründen durften sie es auch nicht, weil Dalmatien ein unmittelbares Kronland war), hat dieser, trotzdem in einer Proklamation an die Dalmatiner folgendes erklärt:

„Die süße Hoffnung, Euch am gegenwärtigen Landtage begrüßen und umarmen zu können, ist vereitelt worden, denn Ihr seid nicht gekommen. Liebe Brüder! Ihr als ein Volk, welches die Freiheit anstrebt, in welchem ein dem unsrigen gleiches Blut strömt, welches nicht nur vermöge der Geschichte und der geographischen Lage, sondern auch nach den Gesetzen einen unzertrennlichen Theil unseres gemeinsamen Vaterlandes bildet, vermöget wohl nicht länger von uns, Eueren kroatisch-slavonischen Brüdern entfernt zu blei-ben. Uns besuchten die Čechen, Serben jenseits der Donau, und Slovenen; und Ihr, dalmatinische Brüder, Ihr, der Ursprung und die Wiege unseres Volkes, unserer Nationalität und nationaler Bildung, die Ihr nach den durch königlichen Eid sanktionirten Gesetzen zu unserer Einheit gehört, konntet jetzt, wo die Posaune der Brüderlichkeit und Freiheit in ganz Europa erschallt, ferne bleiben? Eine gewaltige Macht muß Eueren nationalen Sinn unterdrücken, daß Der Bruder den Bruder nicht kennt; aber mächtiger ist die Macht der Zeit; egreift sie und sprenget die Ketten, welche Euer geistiges Leben so sehr fesseln. All unser Ruhm, all unser Wohl hängt von der brüderlichen Einheit des dreieinigen Königreiches, von dem Verbande aller österreichischen Slaven ab; eilt also in unseren Bruderkreis, wir rufen und versichern Euch, daß von der Eintracht der slawischen Völker der österreichischen Monarchie nicht nur unsere und Euere Zukunft, sondern sogar die Existenz und die Integrität Österreichs abhängig ist.”

Aus diesem Text kann man erkennen, daß man den Vorschriften des Kaiserreiches nicht ganz folgen wollte. Staatsrechtlich gehörte Dalmatien nicht mehr zum dreieinigen Königreich denn es wurde direkt von Wien aus verwaltet.

Eine weitere Proklamation die vom Sabor beschlossen wurde, findet in der Geschichtsschreibung wenig Beachtung. Wegen des Bundes der serbischen Wojwodschaft mit dem dreieinigen Königreich, ist eine weitere Proklamation beschlossen worden. Sie lautet:

„Die Wünsche und Forderungen der serbischen Nation in der neuerrichteten serbischen Wojwodschaft, die mittelst einer, unter der Anführung Seiner Heiligkeit des Patriarchen Josef Rajačić entsendeten serbischen Deputation diesem Landtage mitgetheilt wurden, und dahin gehen, daß das dreieinige Königreich in einem engen politischen, auf der Grundlage der Freiheit und vollkommener Gleichberechtigung beruhenden, die serbische Wojwodschaft und das dreieinige Königreich in einen zu einem festen politischen Körper zu ver-schmelzenden Bund trete, und die Wünsche und Forderungen der Serben, als: die Bestätigung der aus Syrmien sammt dem Militärgrenzantheile, Baranja, Bačka, dem Bečejer-Distrikte und dem Čajkisten-Bataillone, dem Banate sammt der Grenze, dem Kikindaer-Distrikte bestehenden serbischen Wojwodschaft, die Bestätigung des Patriarchen und des Wojwoden, die Anerkennung der Freiheit und Unabhängigkeit des serbischen Volkes, die Sicherung der nationalen Selbständigkeit der Romanen, und ihre übrigen Forderungen als die seinigen anerkenne, und so gemeinschaftlich dieselben überall unterstütze und zu realisiren trachte, haben in den Herzen des kroatisch-slavonischen Volkes den wärmsten und aufrichtigsten Wiederhall gefunden, und die Überzeugung hervorgerufen, daß dieses Bündnis und ein wechselseitiges festes und unerschütterliches Einverständniß zur Erreichung der großen, dem Volke des dreieinigen Königreiches zu Theil gewordene Bestimmung unumgänglich nothwendig und dringend geboten sei. Aus diesem Anlasse nimmt dieser Landtag des dreieinigen Königreiches im Sinne des § 4 des Protokolls der serbischen Nationalversammlung vom 13. Und 15. Mai 1848 das Bündniß zwischen dem dreieinigen Königreiche einerseits, und der serbischen Wojwodschaft, bestehend aus Syrmien sammt Grenze, Baranja, Bačka, sammt Bečejer-Distrikte und Čajkisten-Bataillon, dem Banate mit der Grenze, und Kikindaer-Distrikte, andererseits, auf der Basis der Freiheit und vollkommener Gleichberechtigung beruhend, an, er-kennt alle Wünsche der serbischen Nation als seine eigenen, und wird deshalb bestrebt sein, dieselben vor dem Throne Seiner Majestät, und auch sonst überall zu unterstützen und zu realisieren“.

Um zu zeigen, daß der neue Ban und der Sabor ein außerordentliches Interesse daran hatten, daß es zwischen der römisch katholischen Kirche und der serbisch orthodoxen Kirche nicht zu Zwistigkeiten kommen sollte, hat der Sabor eine weitere Proklamation beschlossen. Diese Proklamation „Von den Vorkehrungen wider die Verbreitung lügenhafter Gerüchte, als ob eine Gefahr der römisch katholischen Kirche drohe“ hat folgenden Wortlaut:

„Nachdem man durch mündliche glaubwürdige Aussagen mehrerer Volksvertreter, ja selbst der römisch-katholischen Geistlichkeit zur Kenntnis gelangt ist, daß böse und übelwollende Menschen Gerüchte ausstreuen, daß die heilige römisch katholische Kirche und deren Glaube bedroht sei, und daß sie vorsonderlich von der griechischen (Anm.:orthodoxen) Kirche beeinträchtigt zu werden zu befürchten habe, was sogar manche Geistliche öffentlich von der Kanzel zu behaupten sich erkühnten, hat der Landtag, im klaren Bewußtsein, und aus fester Überzeugung, daß die Religion ob ihrer Erhabenheit für jeden noch so geringen feindlichen Angriff unantastbar sei, und daß auf diese Weise das Volk des römisch katholischen Glaubensbekenntnisses, welches aus innigster Überzeugung und unerschütterlicher Anhänglichkeit der Kirche zugethan ist, leicht aufgereizt, und sich mit seinen stammverwandten Brüdern der griechischen Konfession zertragen, und so zum Kummer und allgemeinen Nachtheile des Volkes der drei vereinten Königreiche die gegenseitige Liebe und Eintracht gefährdet werden könnte, falls es diesen falschen Propheten gelingen sollte, das Volk für sich zu gewinnen, so ist zur Verhinderung all dieses Unheils den römisch katholischen Bischöfen des ganzen Landes aufzutragen beschlossen worden, daß sie sogleich an alle Pfarrer Cirkulare mit der Aufforderung erlassen, daß die Geistlichkeit unverzüglich und überall unter strengster Verantwortung über die Grundlosigkeit dieser Lügengerüchte, wodurch die Feinde der Eintracht und der Kraft des Landes den Samen der Zwietracht und Feindseligkeit streuen, und dadurch den Zerfall der Nation vorbereiten, das Volk aufzuklären, und zugleich zu versichern habe, daß der heiligen römisch katholischen Kirche weder eine Gefahr drohe noch drohen könne, da sie auf einer festen Basis, der Basis der Wahrheit Jesu Christi und der Humanität beruhe, und daß sie in diesem Geiste der katholischen Religion und der Liebe, Eintracht und Wechselseitigkeit mit ihren Brüdern griechischen Glaubens an der Befestigung der Freiheit und Mehrung des Ruhmes unseres Vaterlandes arbeiten und mitwirken sollen.“

Alle diese Beschlüsse des Sabors, die eine gewaltige Manifestation darstellten sind auch, dem nach Innsbruck geflüchteten, österreichischen Kaiser Ferdinand I., mitgeteilt worden. Auch die Staatskonferenz, in Wien hat mit Sicherheit davon erfahren. Die Befehle und Anordnungen vom 6. und 7.5.1848 sind nicht beachtet worden. Der Sabor, hat sich in freier Selbstverwaltung, den in seiner Handlungsfähigkeit beschränkten Ban Josip Jellačić, selbst in seinem Amt bestätigt. Die ungarische Hegemonie wurde nicht mehr hingenommen und die Formel lautete: Kaiser und Kaiserrech ja, Ungarn nein.

Man hat sich, durch die Einigkeit im Sabor insgesamt selbst gestärkt und der Ban konnte gemeinsam mit ihm, aus einer ganz anderen Position heraus vorgehen. Gleichzeitig nahm dann die Politik zwischen dem österreichischen Kaiserhaus mit seinen Befehlen und Anordnungen auf der einen Seite und dem kroatisch/slawonischen Sabor mit seinem Ban Josip Jellačić, mit seinen Ergebenheitsadressen und gleichzeitigen Forderungen an den Kaiser, auf der anderen Seite, nahezu groteske Züge an.

Es steht fest, daß nach der konstituierenden Sitzung des Sabors, unter der Leitung des Banus, sofort eine große kroatisch/slawonische Deputation nach Innsbruck zum Kaiser gereist ist. Diese überbrachte ihm, trotz der vorhergegangenen „Unstimmigkeiten“ eine umfangreiche Dankadresse, des gesamten kroatisch/slawonischen Landtages. Sie lautet wörtlich:

„Euere Majestät! Der mächtige Ruf der kostbarsten Errungenschaft dieser Zeit, der Ruf der goldenen Freiheit hat auch uns, die treue kroatisch-slavonische Nation, in Übereinstimmung mit der allerhöchsten Genehmigung versammelt, damit wir Berathungen pflegen, über unsere gegenwärtige Stellung, welche die gewaltigen Ereignisse der neuesten Zeit rücksichtlich der Beziehungen zu der Gesammtmonarchie in ihrer Grundfeste erschütterten. Wir haben uns versammelt, damit wir unsere nationale Selbständigkeit sichern; wir sind bereit als freie Män-ner alle jene Kräfte aufzubieten, auf welchen die sicherste Garantie für die Kräftigung der nationalen Freiheit beruht; aber freimüthig gestehen wir zugleich als treue Unterthanen Euerer Majestät, daß wir im heiligen Kampfe unserer patriotischen und liberalen Bestrebungen und unserer heimischen staatlichen Interessen einzig nur auf der Bahn der unerschütterlichen Treue gegen Euere Majestät vorzuschreiten wünschen. Wir mußten uns aber auch deshalb versammeln, damit wir unseren allgeliebten Ban Jos. Baron Jellačić, der als solcher von Euerer Majestät in Übereinstimmung mit dem Wunsche der Nation ernannt wurde, nach alter nationaler Sitte in sein Amt einsetzen, und auf diese Weise seiner neuen Würde jene Weihe verleihen, auf welcher alle seine gesetzlichen Beziehungen zum König und Vaterland basiert sind. Und deshalb erachten wir es als unsere heilige Pflicht, im Namen der Nation, die wir hier vertreten, vor allem Euerer Majestät aus der Tiefe unserer Herzen unseren Dank auszusprechen, daß Euere Majestät mit Würdigung des Wunsches der Nation aus unserer Mitte uns den Banus zu geben geruhten. In Rückerinnerung aber auf die uralten gesetzlichen Eigenthümlichkeiten, und in Anbetracht der gegenwärtigen ungünstigen Umstände, unseres Vaterlandes finden wir als unumgänglich nothwendig, daß dem Ban alle jene Macht, welche demselben von jeher im Sinne so vieler Gesetze zukommt, wiedergegeben werde, und daher bitten wir in aller Unterthänigkeit, daß dem Ban die Würde eines kommandirenden Generals sowohl in Slavonien, wie auch in Dalmatien ohne Verzug verliehen werde, weil von der Einheit des Militär-Kommandos in dem dreieinigen Königreiche in den Händen des Banus zugleich die glückliche Lösung der Frage von der Gesamtheit der österreichischen Länder abhängt. Indem wir ferner wissen, daß Dalmatien zur Landeseinheit von Kroatien und Slavonien als ergänzender Theil dieses dreieinigen Königreiches gehört, was daraus deutlich ersichtlich ist, weil die ersten Fürsten und Könige ihren Thron in Dalmatien hatten, weil unsere Bane in Dalmatien Donationen machten, weil der Kaiser Franz I. seligen Andenkens mit unse-rem Rechte durch Kroatien als kroatischer König Dalmatien erlangt hat, weil im Jahre 1813 unsere Grenzer und die Banderial-Insurrektion Dalmatien vom Feinde erobert haben, weil der durch den Krönungseid bekräftigte 5. Artikel von 1830 in Anerkennung eben dieser Einheit des dreieinigen Königreiches die Inkorporation desselben Dalmatiens verfügt hat; somit können wir mit vollem Rechte und großer Zuversicht Euere Majestät bitten, daß Dalmatien (hierzu auch die Inseln Belja, Cherso und Lušin mitgezählt), welche, obschon gegenwärtig mit Istrien verwaltet, dennoch von altersher zu Dalmatien gehören, mit Kroatien und Slavonien in einem Landeskörper wieder vereinigt werde. Jene Anordnungen, welcher unser Ban noch vor seiner Installirung in unserem Vaterlande zur Erhaltung der öffentlichen Ruhe und Ordnung getroffen hat, erachten wir als unumgänglich nothwendig, für gesetzlich, und als solche, die sowohl die Nation als auch die Lage des Vaterlandes erheischt hat, und proklamieren selbe vor der allerdurchlauchtigsten Person Euerer Majestät als unsere, mit der unterthänigsten Bitte, daß Euere Majestät unseren allgemein geliebten Ban gegen jede Gewalt des ungarischen Ministeriums zu schützen geruhen mögen; denn es ist nicht unbegründet die Besorgnis, daß die Militärgrenze, einmal den Händen des Ban entrissen, zugleich den Händen Euerer Majestät entwunden werde, nicht durch unsere Untreue, welche das heldenmüthige und biedere Herz eines Grenzers nicht kennt, sondern durch die unheilvolle Politik der, Euere Majestät umgebenden Räthe, welche das ungarische Ministerium zu jeder Zeit lediglich zu seinem Vortheile zu benützen pflegt. Wir bekennen offen, wir wünschen und wollen mit aller unserer Kraft den hohen Thron Euerer Majestät und die Gesamtmonarchie aufrecht erhalten; andererseits jedoch erklären wir aufrichtig und ohne Rückhalt, daß für den ungünstigsten Fall, wenn uns Euere Majestät unter dem unglücklichen und gefährlichen Würfelspiele der bis nun erfahrenen Intriguen des ungarischen Ministeriums auch fernerhin ohne Hoffnung belassen, wir bemüssiget sein werden, unsere Stärke und all unsere Kraft lediglich zur Aufrechterhaltung unserer Existenz und unserer nationalen Selbständigkeit aufzubieten. Dies unser Wunsch, dies unser Entschluß?! Aber wir versichern Euere Majestät, daß dies auch der Wunsch unserer Brüder in der Grenze ist, die als Deputierte nicht nur bereits einen und denselben Platz in der gegenwärtigen National-Versammlung einnehmen, sondern auch von einem und demselben nationalen Geiste mit uns beseelt sind. Wir behalten uns übrigens vor, unsere sonstigen Wünsche und Beschwerden aus diesem Landtage Euerer Majestät noch besonders vor-zutragen. Agram, den 10. Juni 1848.“

Aus dieser Dankadresse kann man das Selbstbewußtsein erkennen, welches in dem kroatisch/slawonischen Sabor entwickelt worden ist. Neben des damals üblichen Dankes an den Kaiser, wurden sofort ganz erhebliche Forderungen (Bitten) an ihn gerichtet. Letztendlich hat man ihm angekündigt, nicht mehr für das österreichische Kaiserreich kämpfen zu wollen, wenn diese Ansprüche nicht erfüllt werden. Selbst die zum Kriegsdienst verpflichteten Grenzer, würden nur noch für die Erhaltung ihrer eigenen Existenz kämpfen.

Um der ganzen Angelegenheit noch mehr Nachdruck zu verleihen, hat man gleichzeitig noch eine weitere „normale“ Adresse formuliert und zum Kaiser nach Innsbruck überbracht. Dieses ausführliche Schreiben geht eingehend auf die Geschichte von Kroatien, Slawonien und Dalmatien ein. Es lautet wörtlich:

„Euere Majestät! Es ist eine bekannte Tatsache, daß die drei vereinigten Königreiche Dalmatien, Kroatien und Slawonien, obwohl durch achthalb Jahrhunderte mit Ungarn im Glück und Unglück verbunden, dennoch ihre einseitigen Rechte und nationale Freiheit immerfort bewahrt, und bis auf den heutigen Tag die usurpirte Hegemonie Ungarns nie anerkannt haben. Denn schon im allerersten Anfange ihres bedeutungsvollen Ver-bandes mit Ungarn wurde Koloman, der erste gemeinschaftliche König der Ungarn und Kroaten, mit der Krone Kroatiens besonders gekrönt, und in den darauf folgenden Zeiten erhoben die drei vereinigten König-reiche auf den ungarischen Thron mehrere aus eigener Kraft erwählte Könige, namentlich aber Karl Robert und Karl den Kleinen. In Zara (Anm.: Zadar) erwählte sich die Nation dieser Königreiche, auf dem Landtage versammelt, zu Königen Wladislaw den Neapolitaner und Twertko I. von Bosnien; in jener entscheidenden Epoche aber, als das Haus Habsburg seine Rechte auf Ungarns Thron anzusprechen anfing, erwählten die Kroaten in Cetinj im Jahre 1527, nachdem dies schon die Ungarn und Böhmen gethan hatten, zu ihrem Könige Ferdinand I., wodurch sie auch das Glück und den Ruhm ihres jetzt regierenden glorreichen Herrscherhauses selbständig begründeten. Ebenso bewies unsere Nation ihre nationale und landtägliche Unab-hängigkeit, als sie unter Karl VI. um einige Jahre früher als die Ungarn oder welches immer andere Volk des heutigen Österreichs der pragmatischen Sanktion beipflichtete, weswegen sie von demselben Könige mit vielem Lobe überschüttet wurde; so wie dieselbe ganz unabhängig von Ungarn oder dessen Reichstage die sogenannte Wiener Pacifikation und den Traktat der pragmatischen Sanktion unterzeichnete. Auf diese Weise wurden diese Königreiche in jeder Hinsicht als eine freie, der ungarischen ganz ebenbürtige Nation regiert, wie es nicht nur die obenangeführten Thatsachen darstellten, sondern auch der Umstand beweist, daß diese Königreiche von mehreren Königen besondere Krönungsdiplome erhielten, und sich unsere Könige dazu eidlich verpflichteten, nicht nur Ungarn, sondern auch diese drei Königreiche in ihren Rechten und Freiheiten schirmen zu wollen. Die Selbständigkeit dieser drei Königreiche beweist noch deutlicher ihr eigener, vom ungarischen ganz un-abhängiger, bis auf den heutigen Tag bewahrter Landtag, auf welchem ehemals bis auf die Zeiten Ferdinands I. die Könige selbst den Vorsitz führten, und wo dieselben gewöhnlich auch zu Königen Kroatiens und Dalmatiens gewählt und ausgerufen wurden. An diesem Landtage besitzen diese Königreiche noch gegenwärtig ihre eigene Gesetzgebung, und behielten bis auf die neueste Zeit ihre eigene Regierung, die ehemals den aus königlichen Geblüte stammenden Wojwoden, später aber einzig und allein den, vom Könige ab-hängigen Banen anvertraut wurde. Gesandte dieser Königreiche erschienen öfters bei ungarischen Reichs-tage gar nicht, und wenn sie es thaten, so wurden sie dort als Repräsentanten dieser Königreiche nur in bezug auf unsere gemeinschaftlichen ungarisch-kroatischen Staatsverhältnisse betrachtet; die dort geschaffenen Gesetze aber wurden innerhalb der Grenzen dieser Königreiche so lange für kraftlos gehalten, bis man sie nicht auf dem besonderen Landtage dieser Königreiche als bindend anerkannte; weswegen es auch öfters geschah, daß derlei Gesetze für diese unsere Länder selbst auf ungarischen Reichstagen einzig und allein durch die Vertreter dieser Königreiche mit dem Protonotär derselben besonders redigirt, und aus demselben dem Könige zur Sanktionirung unterbreitet wurden. Woraus man auch leicht die Ursache ersehen kann, warum diejenigen Gesetze, welche ausschließlich diese Königreiche betreffen, im corpus juris immer für sich abgesondert vorkommen. Eben so wurden auch solche Beschlüsse unseres besonderen Landtages nicht selten als Gesetze anerkannt, welche man auf dem ungarischen Reichstage weder geschaffen, noch in Berathung gezogen hatte, wie dies unsere, unter dem Namen: Constitutiones et articuli Slavoniae im corpus juris vorkommenden Gesetze vom Jahre 1492 und 1538 zur Genüge erweisen. Die Banalwürde erstreckte sich, wie diese unzähligen Diplome und Gesetze beweisen, von der Drave und Donau bis zum adriatischen Meere, und wurde immer, unabhängig vom Königreiche Ungarn und seinen war immer für Namen habenden Würdenträgern, von den betreffenden, dem alleinigen Könige untergeordneten Banen in diesen Ländern ausgeübt. Ja es ist eine unbestrittene Thatsache, daß, indem es den ungarischen Richtern verboten war, ihr Amt diesseits der Drave auszuüben, unsere Wojwoden und Bane ein vom ungarischen verschiedenes Geld prägten. Die politische Administration der inneren Angelegenheiten dieser Länder, obwohl der Statthaltereirath für Ungarn um Vieles früher gesetzlich eingeführt wurde, war nichts desto weniger bis zur Einstellung des für diese Länder eingeführten besonderen königlichen Kosiliums, d.h. bis zum Jahre 1779 von Ungarn zu keiner Zeit abhängig, sondern stand bis über die Hälfte des vorigen Jahr-hunderts, d.h. bis zur Einführung der erwähnten kroatisch-slavonischen Landesstelle, ausschließlich der Banalwürde mit Zuziehung unseres Landtages zu. Erst unter Maria Theresia und Josef II. fingen die Banalwürde und der Landtag dieser Königreiche an, ihren alten Glanz und ihre einstige Macht allmälig zu verlieren. Aber selbst dann noch, als im Jahr 1790/1 durch den 58. Gesetzartikel die Macht der nun aufgelösten ungarischen Statthalterei auf diese Königreiche ausgedehnt wurde, blieben dessen ungeachtet die, diese Königreiche besonders betreffenden Angelegenheiten unserem Landtage vorbehalten, und auf diese Weise die Selbständigkeit dieser Königreiche auf der Grundlage sowohl der Bedingnisse des gegenseitigen Verbandes, als auch mehrerer Grundgesetze insbesondere jenes vom Jahre 1715 Art.120 anerkannt und auch fernerhin der Nachkommenschaft überliefert. Die beste Garantie für die nationale Selbständigkeit dieser Königreiche waren wir jedoch immer gewohnt in unseren erhabenen Königen zu sehen, welchen es nicht nur die angeborene Gerechtigkeitsliebe, sondern auch diese der feierlich geleistete Krönungseid zur Pflicht machte, nicht nur das Königreich Ungarn, sondern auch diese vereinigten Königreiche in ihren ererbten Rechten und Freiheiten zu erhalten. Und so geschah es auch, daß eben die ungeschwächte königliche Macht, welche dem Lostrennungskitzel der Magyaren bedrohlich erschien, für uns ein heiliger Hort war, wo wir zu jeder Zeit gegen unsere Dränger Hilfe erflehen konnten. Diese Wohlthaten der königlichen Macht erwiderte aber auch unsere getreue Nation immer mit heldenmüthiger Selbstaufopferung, wo es galt die Rechte, den Glanz und den Ruhm der Dynastie zu vertheidigen, so wie dieses unzählige, in unserem Landesarchive bewahrte Verlobungsbriefe unserer Monarchen zur Genüge darlegen. Aber Euere Majestät! Die jüngsten Märztage haben uns getreue Kroaten, Slavonen und Dalmatiner selbst dieser unserer einzigen aber mächtigen Stütze beraubt. Unsere einstigen Dränger sind nun auch Dränger der königlichen Macht Euerer Majestät geworden. Das alte Ungarn zerstäubt vor dem Hauche der neuen Zeit, und mit ihm ist das alte Band zwischen Österreich und Ungarn dahin. Österreich und Ungarn sind nicht mehr ein Staat, sondern es ist zwischen den beiden Staaten nur noch das ephemere Band, daß Ein Herrscher Österreich und Ungarn beherrschen könnte, wenn es ihm übrigens physisch möglich wäre in Wien und zugleich zu der selben Zeit in Ofen und Pesth zu thronen. Ungarns Handel, ja Ungarns Finanzen und Krieg, nachdem sie Jahrhunderte lang durch die unverantwortliche Regierung Österreichs administrirt wurden, haben durch einen sonderbaren Kontrast gegenwärtig, nachdem die Verantwortlichkeit der Regierung in Österreich als Staatsgrundgesetz gilt, ihre eigene von den allgemein österreichischen ganz besondere Minister. Und da es physisch unmöglich ist zu derselben Zeit an zwei verschiedenen Orten zugleich sich zu befinden, so hat Ungarn in seinem Palatin einen faktischen, in seinem angestammten Herrscher aber, um das, was ist, auch bei dem rechten Namen offen zu nennen, nur noch einen Schatten- und Titelkönig, mit welchem es überdies, um ja keinen Zweifel über die Echtheit dieses Begriffes zu lassen, durch einen Minister des Auswärtigen verkehrt, der aber in der Wirklichkeit die geheiligte Person Euerer Majestät nur in der Absicht belagert, um ja keinen, von den Ansichten der Magyaren abweichenden Wunsch anderer getreuen slavischen Völker Österreichs zum väterlichen Herzen Euerer Majestät gelangen zu lassen. Euere Majestät! Fest hängt der Kroate an der Freiheit, welche er von seinen Vätern durch so viele Jahrhunderte überliefert erhielt, und er versteht zu gut die Mahnungen und die Forderungen der neuen Zeit, um seinem Herrscher für die den Völkern des Gesamtstaates gemachten, ewig denkwürdigen Konzessionen der Märztage aus ganzem Herzen nicht zu danken. Aber wir gestehen es offen, ein kalter Schauer durchrieselte unsere Adern, und eine dumpfe unheimliche Ahnung bemächtigte sich unserer, als wir gegen das En-de des nächstverflossenen März unverhofft erfuhren, Ungarns neue Lage Österreichs gegenüber, statt der vollkommenen Amalgamation mit der Gesamtmonarchie, wie wir es bei dem nunmehrigem Konstitutionalismus Österreichs nicht anders erwarten konnten, sei die eines von Österreich vollends unabhängigen, selbständigen und getrennten Staates. Diese unsere Besorgnis ist leicht erklärlich; denn wenn man Österreich mit einem über das Meerufer hervorragenden starken Felsen vergleicht, so kann man Ungarn und unsere mit demselben verbundenen Königreiche leicht als zwei verschiedene, zwar von ungleichem Tonnengehalte, doch selbständig befehligte Schiffe betrachten, welche sowohl an einander, als auch beidertheils an den Felsen, der durch seine Stärke ihnen beiden gleichen Schutz und gleiche Sicherheit verspricht, durch ein starkes Taus verbunden erscheinen. Macht nun bei hochgehender höchst stürmischer See das größere der beiden Schiffe den unerwarteten Versuch, das Landtau zu lösen und in die hochaufbrausende See zu ste-chen, so ist daraus leicht ersichtlich, daß dabei auch das kleine Fahrzeug, obwohl von dem ersteren ganz verschieden, wenn das Schlepptau stärker ist als das Landtau, in die offene Gefahr kömmt, mit in die schäumende Fluth fortgerissen zu werden, oder aber, wenn beide Taue von gleicher Stärke sind und die Axt nicht Anwendung findet, mitten entzweizureißen. In einer so gefährlichen Lage ist es wohl Pflicht des kleineren Fahrzeugs dem größeren ein ernstes Halt zuzurufen, und wenn selbst dieses nicht fruchten sollte, so erfordert es schon der Selbsterhaltungstrieb des kleineren, in einer so augenscheinlichen Gefahr selbst nach dem Beile zu greifen und das Schlepptau zu kappen, um den gefährlichen Nachbar aus seiner Nähe, weil er es mit Gewalt verlangt, ziehen zu lassen, und die ersehnte Sicherheit auch noch weiterhin von der Landseite her zu erwarten. Dies, Euere Majestät, ist die bedrohliche Lage dieser drei vereinigten Königreiche. Wir getreue Kroaten, Slavonier und Dalmatiner können und wollen in Bezug auf unsere Länder kein Ministerium anerkennen, das unsere bisherigen Bande mit dem Gesamtstaate gerne lockern möchte. Ungarn trenne sich von der Gesamtmonarchie, folglich auch von diesen Königreichen, wenn es dazu Lust und Kraft genug besitzt, aber Kroatien, Slavonien und Dalmatien sind selbständige Länder, und als solche wollen sie dem bisherigen Verband mit Österreich nicht nur nicht lösen, ja vielmehr erklären ganz offenherzig und ohne allen Rückhalt, daß sie mit dem nunmehr konstitutionellen Kaiserthume Österreich auf der Grundlage vollständiger Gleichheit aller Nationalitäten in einen noch engeren Verband treten wollen. Denn wenn uns und unsere Väter von einem ähnlichen Schritte nur der Umstand abhielt, daß das alte Österreich absolut regiert wurde, so sehen wir unsererseits bei der heutigen Metamorphosirung desselben zu einer solchen Annäherung gar kein Hindernis mehr. Deswegen legen wir aus unserem, durch gewählte Volksvertreter am 5. Juni 1848 zusammengetretenen Landtage Euerer Majestät in aller Demuth folgende Beschlüsse zur a.h. Sanktionirung vor:

1. Indem wir aus obangeführten Gründen die gegenwärtige ungarische Regierung für unsere Länder nicht anerkennen, betrachten wir alle, vom ungarischen Ministerium mit Verletzung unserer Rechte und Verun-glimpfung der Banalwürde erlassenen Verordnungen in ihrem Ursprunge selbst als rechtswidrig und unge-setzlich, und bitten zugleich, Euere Majestät geruhen alle bisherigen, für uns verletzenden Handlungen des ungarischen Ministeriums, als kraftlos zu erklären, und uns vor dem für uns verderblichen Einflusse dessel-ben fernerhin zu beschirmen und zu bewahren. In Folge dessen soll die gegenwärtige provisorische Regierung durch einige Individuen, besonders aus dem unteren Slavonien, vermehrt, ihre bisherige Wirksamkeit fortsetzen, wofür wir die Ah. Genehmigung Euerer Majestät mit Zuversicht erwarten, für die Zukunft aber vertrauensvoll bitten: es möge unter dem Vorsitze des Banus für diese Königreiche unter dem Titel einer dirigirenden Landesstelle eine, aus mehreren Räthen, Sekretären und anderen Individuen bestehende, dem Landtage dieser Königreiche verantwortliche Regierung gebildet werden, deren Räthe Euere Majestät auf Vorstellung des Bans zu ernennen das Recht hätten, die übrigen Individuen aber sollte der Ban selbst anstellen können. Um aber die Einheit der Gesamtmonarchie leichter erzielen zu können, sind wir bereit, selbst diese unsere eigene Provinzialregierung in Bezug auf die den Gesamtstaat betreffenden Angelegenheiten, der verantwortlichen Central-Regierung der Gesamtmonarchie zu unterordnen. Die Sanktionirung dieses Beschlusses glauben diese Königreiche um so mehr hoffen zu dürfen, als aus dem Vorangeführten ersichtlich ist, daß dieselben schon seit undenklichen Zeiten unabhängig von Ungarn administrirt wurden, ja sogar vom Jahre 1767 bis 1779 ihre eigene Landesstelle besaßen, deren Wiederherstellung sie sich im Jahre 1791, als der Wirkungskreis des ungarischen Konsiliums auch auf diese Länder ausgedehnt wurde, ausdrücklich vorbehielten. Woraus zu ersehen ist, daß diese Königreiche nichts Neues anstreben, sondern lediglich ihre ehemaligen unveräußerlichen und unverjährbaren Rechte wieder in Anwendung zu bringen wünschen, zumal eben jetzt die alten gemeinschaftlichen ungarisch-kroatischen Dikasterien, durch welche Euere Majestät den sogenannten ungarischen Länder-Komplex regierten, aufgehört haben.

2. Die Führung der Finanzen, der Kriegs- und Handelsangelegenheiten soll dem verantwortlichen Gesammtministerium des ganzen Kaiserreiches zustehen. Um aber unsere Provinzial-Interessen dort gehörig vertreten zu sehen, soll durch Euere Majestät für diese Länder bei der Centralgewalt ein dem Landtage dieser Königreiche verantwortlicher Staatsrath mit dem erforderlichen Hilfspersonale ernannt werden, und jede, diese Königreiche betreffende Anordnung der Centralregierung kontrasigniren.

3. Der beantragten Landesstelle dieser Königreiche soll auch die gesamte Militärgrenze dieser Königreiche in allen nicht rein militärischen Angelegenheiten im Geiste vollkommener konstitutioneller Freiheit untergeordnet, und nur in rein militärischen Angelegenheiten beim Central-Kriegsministerium belassen werden. Jedoch soll immer das Kommando über die gesamte Militärmacht dieser Königreiche nach altherkömmlichen Rechten dem Ban dieser Länder anvertraut bleiben.

4. Die offizielle Sprache im gesamten öffentlichen Leben ohne alle Ausnahme soll für uns die in diesen Ländern nationale slawische sein, so zwar, daß selbst die Erlässe der Central-Regierung für diese Länder ausschließlich in dieser Sprache auszufertigen sein werden.

5. In dem Bereich des Landtages dieser Königreiche werden alle jene Gegenstände gehören, welche die innere Administration dieser Länder betreffen. In Beziehung aber auf jene Angelegenheiten, welche aus dem gemeinschaftlichen Verhältnisse dieser Königreiche zum Gesamtstaate herrühren, unterwerfen sich diese Königreiche des Beschlüssen des Central-Reichtages, welchem auch das Central-Ministerium für seine Verfügungen verantwortlich sein wird. Um aber thatsächlich zu beweisen, daß sie sich dem Gesamt-staate entschieden anschließen, haben diese Königreiche schon jetzt für den nächst bevorstehenden, am 26. Juni 1848 abzuhaltenden Central-Reichstag der Gesammtmonarchie ihre Abgeordneten gewählt, welche im Namen der ganzen Nation den Vertretern anderer uns verbrüderten Völker Österreichs unsere dießfälligen gerechten und aufrichtigen Wünsche zur Unterstützung und Beherzigung vorzutragen haben.

6. Da es natürlich ist, daß sich verwandte Nationalitäten gegenseitig anziehen, und da das Königreich Dalmatien sowohl alten verbrieften Rechten, als dem Krönungseide und feierlichen Versprechungen Euerer Majestät zufolge einen integrirenden Theil dieser Königreiche bildet, so soll das besagte Königreich Dalmatien sowohl in Bezug auf die Gesetzgebung als Administration mit diesen Königreichen gänzlich wieder vereinigt, die übrigen südslawischen Theile der Gesamtmonarchie aber, als: die wieder auferstandene serbische Wojwodschaft, welche wir hiermit von Euerer Majestät vermöge alter, der serbischen Nation verliehenen Rechte a.g. bestätigt zu sehen wünschen, dann: Untersteiern, Kärnten, Krain, Istrien und Görz in ein näheres Verhältnis mit diesen Königreichen gebracht werden.

7. Das freundschaftliche Verhältnis mit den im Königreiche Ungarn wohnenden Völkern im Sinne der pragmatischen Sanktion, und auf der Grundlage der Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit aller unter der Krone Ungarns lebenden Nationalitäten wünschen diese Königreiche auch noch weiterhin zu erhalten. Wie aber dieses auszuführen sei, wird die Nation dieser Länder dann bestimmen, wenn diese ihre gerechten Wünsche von Euerer Majestät erfüllt werden, und die wahre Lage Ungarns dem Gesamtstaate gegenüber noch deutlicher bekannt sein wird.

8. Alle politischen und juridischen Staatsbeamten, deren Ernennung Euerer Majestät allein zusteht, sollen vom Ban bloß provisorisch ernannt, und eine solche Ernennung Euerer Majestät zur Bestätigung vorgelegt werden.

9. Bis man eine neue Gerichtsordnung einführt, soll die Appellation der Prozesse aus diesen Königreichen zu den Obergerichten nach Ungarn nicht gestattet werden.

10. Zur Beförderung der Erfüllung der Wünsche unserer Nation ist Baron Franz von Kulmer als Vertreter dieser Königreiche beim Throne Euerer Majestät einstimmig gewählt worden, welche Wahl wir hiermit gnädigst zu bestätigen bitten.

11. Schließlich erklären wir feierlich, daß, nachdem im Sinne des 11. Gesetzesartikels vom Jahre 1608 die Macht der Banuswürde von der Drave bis zum adriatischen Meere sich erstreckt, wir die Komitate Požega, Verovitica und Syrmien, so wie die Regimenter Gradiška, Brod und Peterwardein, welche gesetzlich und geschichtlich unter dem Namen desunteren Slavoniens bekannt sind, ferner die Distrikte Fiume, Buccari und Vinodol, die im Sinne der königlichen Privilegien, der Geschichte und so vieler Gesetze zu Kroatien gehören, als integrirende Theile dieser Königreiche betrachten, und dieselben als unser rechtmäßiges Erbe gegen jedweden feindlichen Angriff männlich vertheidigen und beschützen werden. Dieß sind die bisher in unserem Landtage gefaßten gerechten Beschlüsse, und ausgesprochenen Wünsche unserer Nation, die wir von Euerer Majestät ag. Sanktionirt und erfüllt zu sehen wünschen. Euere Majestät! Schon öfters seit den denkwürdigen Märztagen schickten wir unsere Abgeordneten mit Wünschen und Beschwerden zu Euerer Majestät, aber Euere Majestät geruhten uns immer auf den Landtag dieser drei vereinigten Königreiche mit der Weisung gnädigst zu vertrösten, aus diesem Landtage unsere Wunden dem väterlichen Herzen Euerer Majestät aufzudecken, wo wir dann gewiß Heilung von Euerer Majestät zu gegenwärtien hätten. Dies geschiet nun eben in dieser unserer allergehorsamsten Repräsentation, und wir hoffen zuversichtlich, daß Euere Majestät den nothgedrungenen und gerechten Besschlüssen eines treuen und tapferen Volkes Ihre A.h. Beistimmung nicht versagen werden. Denn, wenn man auch annimmt, daß Euere Majestät als König von Ungarn sich zu verschiedenen großmüthigen Konzessionen bewogen fühlten, und deshalb als solcherr ohne die ungarische Nation über nichts verfügen durften, so steht doch diese allerdings ganz wahre, wenn auch traurige Annahme, in Bezug auf unsere drei vereinigten Königreiche ganz und gar nicht, denn die Königreiche Dalmatien, Kroatien und Slavonien haben auch ihren eigenen König, der sich durch einen feierlichen Eid dazu verpflichtet hat, die Rechte und Freiheiten derselben, so wie des Königreichs Ungarn unversehrt schützen zu wollen, und dem, da er nirgends und niemals, noch durch unser Zuthun seiner altherkömmlichen königlichen Macht entkleidet wurde, auch die volle Gewalt zusteht, vermöge seines Schwures und auf den Wunsch seiner Königreiche hin den-selben, wo und wie es beliebt, väterlich beizustehen. Und diesen König Dalmatiens, Kroatiens und Slavoniens verehren und rufen wir zu Hilfe in der gekrönten und erhabenen Person Euerer Majestät. Die wir übrigens ehrfurchtsvoll verharren, Euerer Majestät getreue Unterthanen. Der Ban und die Volksvertreter der Königreiche Dalmatien, Kroatien und Slavonien. Gegeben aus dem Landtage der Königreiche Dalmatien, Kroatien und Slavonien. Agram, am 05. und folg. Juni 1848.“

Mit der Dankadresse und mit der „normalen“ Adresse des Sabors, ist dem Kaiser und dem Kaiserhaus in Österreich, klar und deutlich mitgeteilt worden, welche Wünsche, Bitten und Forderungen von kroatischer, slawonischer und dalmatinischer Seite erfüllt werden sollten. Da unter Punkt 6 der Adresse vom 5.5.1848 auch die Probleme der Serben in der ungarisch Verwalteten Wojwodina angesprochen worden waren und es dort in der Zwischenzeit zu kriegerischen Auseinandersetzungen zwischen Ungarn und Serben gekommen war, wurde am 15.6.1848 eine weitere Adresse an den Kaiser formuliert und diesem überbracht. Sie hatte folgenden Wortlaut:

„Euere Majestät! So eben erhielt der vom Landtage der vereinigten Königreiche zur Leitung der Landesan-gelegenheiten beauftragte und bevollmächtigte Ausschuß die traurige Kunde aus Syrmien, daß aus Anlaß der Nichtanerkennung des ungarischen Ministeriums von Seite des slavonischen und serbischen Volkes ein militärischer Angriff der k.k. Truppen Euerer Majestät auf Befehl des Peterwardeiner Kommandirenden F.M.L. Hrabovski gegen das Volk, und namentlich gegen die Stadt Karlowitz, die als Sitz aller Heiligthümer und alles Schatzes der orientalischen Kirche vom Volk selbst als eine heilige Stadt betrachtet wird, in die Szene gesetzt, und so ein fluchwürdiger Bürgerkrieg mit allen seinen gräuelhaften Folgen begonnen wurde, der schon in seinem ersten Anfange die Verheerung jener unglücklichen, dem allerhöchsten Throne Euerer Majestät stets treuen Stadt herbeiführte. Euere Majestät! Während die Vertreter der kroatisch-serbischen Nation dies und jenseits der Donau sich an den Stufen des geheiligten Thrones Euerer Majestät mit ihren gerechten Bitten und gegründeten Klagen gegen die Anmaßungen der neukonstituirten Regierung Ungarns befinden, und im Namen der gesamten Nation die Versicherungen der unwandelbaren Treue gegen die geheiligte Person Euerer Majestät aussprechen; während die kampffähigen Söhne unserer Nation zum Beweise, daß jene Versicherungen der Treue keine bloßen Worte sind, für die Erhaltung der Gesamtmonarchie, für den Ruhm, und die Rettung des glorreichen Kaiserhauses Eurer Majestät mit gänzlicher Hingebung auf den Schlachtfeldern Italiens zahlreiche und verhältnismäßig größere Opfer als die ganze übrige Monarchie bringen; während die heimgebliebenen Söhne dieses Vaterlandes sich nur gegen die ihnen rechtswidrig aufgedrungene, und die königliche Macht unseres geliebten Herrschers beinahe vernichtende oder doch im höchsten Grade beeinträchtigende Gewalt des magyarischen Ministeriums stemmen, und deshalb, die unverbrüchliche Unterthanstreue in ihrem Herzen heilig bewahrend, bis zur Erhörung ihrer unterbreiteten Wünsche nur einen passiven Widerstand gegen die Anmaßungen der magyarischen Gewalthaber äußern, wurde von den magyarischen Satelliten einer Nation, die von Treue gegen ihren Monarchen durchdrungen, dabei aber auch ihrer Rechte als Nation, sich wohl bewußt, nichts anderes anstrebt, als die Integrität der Gesamtmonarchie und die von Euerer Majestät am 15. Mai ausgesprochene Gleichberechtigung aller, dem väterlichen Zepter Euerer Majestät gehorchenden Nationalitäten aufrecht zu erhalten, mit Feuer und Schwert überzogen, die Söhne, Brüder und Väter der ruhmgekrönten Kämpfer der Monarchie hingeschlachtet und ein freies und tapferes Volk, welches das mächtigste Bollwerk gegen alle Feinde Österreichs bildet, durch Ränke und Kabalen der magyarischen Organe der Vernichtung oder der magyarischen Willkürherrschaft preisgeben. Es wird gerade in dem Augenblicke, wo die Erhaltung der Gesamtmonarchie, die Rettung des Thrones, und die friedliche Entwicklung aller Nationalitäten Österreichs Eintracht erheischen, die Fackel eines verheerenden Bürgerkrieges mit frevelnder Hand angezündet, und so nicht nur die heiligsten Interessen der einzelnen Völker im höchsten Grade gefährdet, sondern auch, was wohl berücksichtigt zu werden verdient, der Fortbestand der Monarchie, und des Thrones Österreichs geradezu in Frage gestellt.”

Personen, die sich in der heutigen Zeit mit der kroatischen Politik beschäftigen ist zu empfehlen, sich zumindest teilweise, mit der geschichtlichen Entwicklung in der Zeit von 1789 bis 1855 zu beschäftigen.

Anläßlich seiner Proklamation zum Banus von Kroatien, Slawonien und Dalmatien und damit nur 142 Jahre vor den kriegerischen Auseinandersetzungen zwischen Kroaten und Serben ab 1990, ist er in seinen Reden von einer Einigkeit der beiden Völkern ausgegangen. Sein Amt hat er mit  dem Segen der Repräsentanten der römisch katholischen und serbisch ortothoxen Kirche angetreten.

Trotzdem ist Josip Jellačić immer noch ein kroatischer Volksheld. Er ist ein Sohn des Feldmarschall-Leutnants Franz Freiherr Jelačić von Bužim und dessen deutschstämmiger Frau Anna, geb. Portner von Höflein. Ihm ist im Zentrum der kroatichen Landeshauptstadt Zagreb ein Platz gewidmet und nachdem sich Kroatien selbständig gemacht hatte ist ein früher entferntes Reiterstandbild wieder aufgestellt worden. Seine letzte Ruhestätte hat er in der Kathedrale von Zagreb gefunden.

Hier noch ein Detail aus der französischen Besatzungszeit (Illyrische Provinz) von 1797 bis 1814: Weil die Habsburger die Schönheiten der “goldenen Insel Krk” von vorher kannten, haben sie im Mai 1809 mit Schiffen über die Bucht von Soline versucht, die Insel von den Franzosen vertragswidrig zurück zu erobern. Dieser Versuch scheiterte kläglich und sie mussten nach wenigen Tagen die Flucht ergreifen.

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